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BEHANDLUNGSZIELE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE |
6. Die Noradrenalin-Hypothese
10 mögliche Dysfunktionen und Behandlungsziele sind:
1. Dopamin
2. Serotonin
3. Glutamat
4. GABA
5. Acetycholin
6. Noradrenalin
7. Endocannabinonid
8. Oxidativer Stress
9. Entzündungen
10. Immunsystem
| Kurzfassung |
| Bisher wurde Schizophrenie mit einem Ungleichgewicht bei einem bestimmten Botenstoff im Gehirn, Dopamin, in Verbindung gebracht, was jedoch nicht alle Aspekte der Erkrankung erklären kann. Eine weniger bekannte Theorie besagt, dass eine erhöhte noradrenerge Signalübertragung ebenfalls eine ursächliche Rolle bei der Krankheit spielt, insbesondere im Kontext von Stress.
Die Noradrenalin-Hypothese der Schizophrenie legt nahe, dass eine gestörte Noradrenalin-Übertragung zu schizophrenen Symptomen beiträgt, insbesondere zu positiven Symptomen wie Paranoia und Halluzinationen, aber auch zu negativen Symptomen, Stresssensibilität und kognitiven Defiziten.
Positiv- und Negativsymptome
Ein Überschuss an Noradrenalin wird mit Positivsymptomen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Paranoia in Verbindung gebracht. Studien haben höhere Noradrenalin-Konzentrationen im Gehirn von schizophrenen Patienten gezeigt, insbesondere bei Patienten mit paranoiden Symptomen, was auf ein überaktives Noradrenalin-System hindeutet. Ein Mangel hingegen oder eine verminderte Aktivität des Systems wird mit Negativsymptomen wie Apathie, mangelnder Motivation, emotionaler Verflachung und kognitiven Defiziten assoziiert.
Stress
Schizophrenie wird heute oft durch das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erklärt. Noradrenalin agiert hierbei als zentrales Stresshormon und Neurotransmitter, der die Aufmerksamkeit sowie die Reaktion auf äußere Bedrohungen steuert. Im Kontext der Schizophrenie wirkt Stress als katalytischer Faktor.
Das sympathische Nervensystem, bereitet den Körper auf Leistung, Stress und Gefahrensituationen vor und zeigt eine erhöhte Aktivität oft unmittelbar vor einem psychotischen Rückfall, was die Rolle von Stress als Auslöser untermauert. Patienten mit Schizophrenie zeigen eine erhöhte emotionale Reaktivität auf Alltagsstress, die als "affektiver Pfad zur Psychose" (positiv) oder "Defizit-Pfad" (negativ) interpretiert wird.
Kognitive Funktionen
Das noradrenerge System ist auch entscheidend für die Aufmerksamkeit und andere kognitive Funktionen wie Arbeitsgedächtnis und Erregung. Die Hypothese besagt, dass ein fehlerhaftes Noradrenalin-System zu den bei Schizophrenie beobachteten Aufmerksamkeits- und Informationsverarbeitungsdefiziten beiträgt.
Behandlung mit natürlichen Wirkstoffen und Arzneimitteln
Es gibt eine komplexe Wechselwirkung zwischen Noradrenalin und dem körpereigenen Stresssystem, bei dem adaptogene Heilpflanzen, wie Ginseng, Taigawurzel und Rosenwurz, als regulierende Unterstützung dienen können. Adaptogene sind Heilpflanzen, die die biologische Widerstandsfähigkeit gegenüber Stressfaktoren erhöhen. Sie helfen dem Körper, nach einer Stressreaktion schneller wieder in ein Gleichgewicht zu finden, was die Belastung bei psychischen Erkrankungen senken kann.
Auch eine ausreichende Aufnahme von Aminosäuren kann dabei helfen, den Körper in Zeiten von Stress zu unterstützen. In Studien reduzierten Aminosäuren, wie Gaba, Glycin und L-Theanin die Stresswerte um 10 - 35% gegenüber Placebo in 1- 4 Wochen. Psychobiotika helfen ebenfalls Stress abzubauen. In Studien konnten Besserungsraten von Stress von 15% gegenüber Placebo in 4 - 6 Wochen nachgewiesen werden. Ein Kombination von Heilpflanzen, Aminosäuren und Psychobiotika erreichte sogar ein Besserung von Stresssymptomen von 45% in 4 Wochen gegenüber Placebo.
Jüngste klinischen Studien und anderen Berichten am Menschen zeigten, dass Arzneimittel, die über Noradrenalin-Rezeptoren wirken, im Allgemeinen eine wichtige Rolle bei positiven, negativen Symptomen und kognitive Systeme im Zusammenhang mit Schizophrenie spielen. Man geht allgemein davon aus, dass die Blockierung von Noradrenalin-Rezeptoren, wie α 1 -ARs positive Symptome unterdrückt, während die Blockierung von α 2 -ARs negative und kognitive Symptome lindert.
Die Heterogenität der Krankheit spiegelt sich jedoch in Studien wider, die gezeigt haben, dass die Gehirnkonzentrationen von Noradrenalin bei Patienten mit Schizophrenie variieren. |
1. Was ist Noradrenalin?
Noradrenalin ist ein körpereigener Botenstoff, der als Stresshormon und Neurotransmitter wirkt. Noradrenalin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter des Nervensystems und ein Hormon, das unter anderem die Motivation und Wachheit sowie die Ausschüttung von Adrenalin bewirkt. Noradrenalin ist eng mit Adrenalin verwandt.
2. Die Noradrenalin-Rezeptoren
Noradrenalin-Rezeptoren spielen eine Rolle bei einem breiten Spektrum von Gehirnfunktionen, wie Erregung, Stressreaktion, Gedächtnis, Immunantwort, Schlaf/Wachheit und Regulierung der Schmerzschwelle.
Noradrenalin ist eines der Hauptmoleküle, die als Reaktion auf psychischen Stress im Gehirn und im Blutkreislauf freigesetzt werden und so zur Vermittlung der sogenannten „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion beitragen. Menschen mit Schizophrenie zeigen eine abnormale Empfindlichkeit gegenüber psychischem Stress.
3. Noradrenalin, Wahnvorstellungen und Halluzinationen
Eine Biomarker-Studie zeigte, dass erhöhtes Noradrenalin mit schlechter Impulskontrolle, Misstrauen, Feindseligkeit und Halluzinationen verbunden sein können. Im Zusammenhang mit Halluzinationen dürften nach heutigen Kenntnissen besonders vier solche Botenstoffe im Gehirn Bedeutung haben: Dopamin, Serotonin und Noradrenalin, die auf Nervenzellen meist hemmend wirken, sowie Acetylcholin, ein erregender Transmitter. Immer mehr wissenschaftliche Befunde deuten darauf hin, dass letztlich eine gestörte Balance dieser Transmitter zu Halluzinationen führt.

Dabei erweisen sich insbesondere Noradrenalin und auch Dopamin als Gegenspieler des Acetylcholins. Letzteres ist offenbar für Aufmerksamkeit und wahrscheinlich auch für Lernen und Gedächtnisfunktionen verantwortlich. Dopamin scheint eine Rolle zu spielen, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Acetylcholin hilft uns auch zu träumen. Im Schlaf fehlen Noradrenalin und Serotonin fast völlig.
Bei Schizophrenie gerät nicht nur Dopamin außer Kontrolle. Anscheinend entgleisen auch die Systeme für Serotonin und Noradrenalin. Wahrscheinlich herrscht im manischen Zustand ein Übermaß an Noradrenalin und im depressiven ein Mangel. Auch bei krankhaften Angststörungen, die mit eingebildeten Bedrohungen einhergehen können, spielt zu viel Noradrenalin eine Rolle.
Es gibt Fallberichte von Personen, die eine Psychose erlebten, bei der eine krankhaft Nebennierenfunktion durch einen Tumor eine erhöhte Mengen an Noradrenalin verursachte. Kurz nach der Operation zur Entfernung des Tumors sank Noradrenalin und ihre Psychose verschwand.
4. Noradrenalin, kognitive Symptome und Depression

Kognitive Symptome, können durch eine abnormale Wechselwirkung zwischen genetischer Anfälligkeit und stressbedingter Noradrenalin-Dysfunktion erklärt werden. Die noradrenergen Neuronen wurden mit der Wahrnehmung in Verbindung gebracht. Eine Möglichkeit besteht darin, dass die beeinträchtigte kognitive Funktion bei Schizophrenie teilweise durch eine veränderte Noradrenalin-Freisetzung verursacht wird.
Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Wirkstoffe, die die Noradrenalin-Aktivität verändern, negative Symptome lindern, was darauf hindeutet, dass Noradrenalin auch eine Rolle bei Depression und der negative Symptomen der Schizophrenie spielen könnte. Bei Depressionen besteht häufig ein Mangel an verschiedenen Transmittersubstanzen (Dopamin, Noradrenalin und Serotonin).
5. Behandlung
Adaptogene Heilpflanzen
Spezielle Heilpflanzen, sogenannte Adaptogene wie Ginseng, Rosenwurz oder Taigawurzel können eine wichtige Hilfe bei Stress und zur Vorbeugung von stressbedingten Psychosen und Depressionen sein. Adaptogen ist eine Bezeichnung für biologisch aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus helfen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen anzupassen. Vor etwa 50 Jahren wurden pflanzliche Adaptogene aufgrund ihres hohen Potenzials, die Stressresistenz des Körpers zu erhöhen und die körperliche Ausdauer zu verbessern, erstmals in der Raumfahrt, dem Militär und Profisport eingesetzt.
Desweiteren haben Adaptogene potenzielle Vorteile für die kognitive Funktion, bei Verhaltensstörungen und psychischen Erkrankungen, wie z.B. bei Psychosen, Depressionen die stressbedingt sind. Sie können Langzeitschäden von Dauerstress eindämmen und Zellstrukturen schützen. Überdies können sie die Aufmerksamkeitsspanne sowie die geistige Leistungsfähigkeit, insbesondere bei stressbedingter Müdigkeit und Erschöpfung, verbessern sowie die Belastbarkeit erhöhen. Ferner können sie die körperliche Regeneration verbessern.
(Siehe ausführlich: ANTIPSYCHOTISCHE HEILPFLANZEN | Adaptogene bei Stress und stressbedingten Psychosen )
Aminosäuren
Aminosäuren sind wichtig für die Produktion von Neurotransmittern , also chemischen Stoffen, die Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn übertragen. Diese Neurotransmitter sind entscheidend für die Stimmungsregulierung, die Stressreaktion und viele andere mentale Funktionen.
Eine ausreichende Aufnahme von essenziellen Aminosäuren kann dabei helfen, den Körper in Zeiten von Stress zu unterstützen. Zu den wichtigsten Aminosäuren die Stress senken können gehören Gaba, Glycin und L-Theanin. In Studien reduzierten sie die Stresswerte um 10 - 35% gegenüber Placebo in 1- 4 Wochen.
(Siehe ausführlich: ORTHOMOLEKULARE MEDIZIN | Wirkstoffe bei Stress )
Psychobiotika
Angesichts jüngster Hinweise, dass die Darmmikrobiota ein unterschätzter Faktor von Stressreaktionen sein könnte, werden nun den therapeutischen Optionen mit Psychobiotika zur Behandlung des Stresssystems beträchtliche Aufmerksamkeit gewidmet. Psychobiotika werden als rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel vermarktet, um die Darmgesundheit zu verbessern, die Stimmung zu heben und Stress abzubauen. In Studien konnten Besserungsraten von Stress von 15% gegenüber Placebo in 4 - 6 Wochen nachgewiesen werden.
(Siehe ausführlich: SERIE | DER DARM - DAS ZWEITE GEHIRN: 5. Psychobiotika bei Stress und stressbedingten Psychosen )
Vitamine
Der Vitamin-C-Bedarf ist bei einer vermehrten Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin sehr hoch. Eine unzureichende Vitamin-C-Versorgung führt zu einer reduzierten Stresstoleranz. Vitamin C kann in einem gewissen Umfang die Stressreaktion des Organismus ausgleichen.
Magnesium hat auf das Nervensystem vor allem beruhigende Wirkungen: Erste Studien liefern Hinweise darauf, dass es die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus der Nebenniere vermindert. Magnesium dämpft so nicht nur die unbewussten Stressfolgen (wie Herzschlag, Blutdruck und Muskelspannung), es nimmt auch Einfluss auf die seelische Stressreaktion.
Ein Mangel an Vitamin B6 führt zu einer Überfunktion des noradrenergen Systems, was zu sozialen Defiziten und kognitiven Beeinträchtigungen führt. Die Hemmung der übermäßigen Noradrenalin-Freisetzung durch Behandlung mit B6-Supplementierung im Gehirn unterdrückte die erhöhte Noradrenalin-Ausschütung und verbesserte die Verhaltensdefizite.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass Verhaltensdefizite durch eine Verstärkung des noradrenergen Systems verursacht werden. Die Hemmung der übermäßigen Noradrenalin-Freisetzung durch Behandlung mit VB6-Supplementierung verbesserte die Verhaltensdefizite. (6)
Kombination von Heilpflanzen, Aminosäuren und Psychobiotika
Ein Kombination von Aminosäuren (L-Theanin), Probiotika, Präbiotika, Phytobiotika, sekundäre Pflanzenstoffe und Heilpflanzen erreichte sogar ein Besserung von Stresssymptomen von 45% in 4 Wochen gegenüber Placebo.
Studien und Quellen:
(1) https://www.spektrum.de/magazin/wenn-d…nationen/827029
(2) Is elevated norepinephrine an etiological factor in some cases of schizophrenia? Paul J Fitzgerald, 2014
(3) The role of norepinephrine in the pathophysiology of schizophrenia. Verónica Mäki-Marttunen , Ole A Andreassen , Thomas Espeseth, 2020
(4) The Role of Norepinephrine and Its α-Adrenergic Receptors in the Pathophysiology and Treatment of Major Depressive Disorder and Schizophrenia: A Systematic Review. Vladimir Maletic, Anna Eramo, Keva Gwin, Steve J. Offord and Ruth A. Duffy3, 2017
(5) Vitamin B6 deficiency hyperactivates the noradrenergic system, leading to social deficits and cognitive impairment. Kazuya Toriumi , Mitsuhiro Miyashita , Kazuhiro Suzuki , Nao Yamasaki, 2021