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BEHANDLUNGSZIELE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE |
8. Oxidativer Stress
10 mögliche Dysfunktionen und Behandlungsziele sind:
1. Dopamin
2. Serotonin
3. Glutamat
4. GABA
5. Acetycholin
6. Noradrenalin
7. Endocannabinonid
8. Oxidativer Stress
9. Entzündungen
10. Immunsystem
| Kurzfassung |
| Wissenschaftliche Belege weisen darauf hin, dass oxidativer Stress eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Psychosen und Schizophrenie spielt. Oxidativer Stress ist eine Reaktion im Körper als Folge von schädlichen Einflüssen, wie Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Stress, Schlafmangel und einer unausgewogene Ernährung. Oxidativer Stress entsteht, wenn zu viele aggressive Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) auf zu wenige Schutzstoffe (Antioxidantien) im Körper treffen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des oxidativen Stresses und der Schwere der Erkrankung.

Dieser Faktor ist deshalb so wichtig, weil er täglich durch gesunde Ernährung, Nahrungsergänzung (Vitamine), sekundäre Pflanzenstoffe und Heilpflanzen beeinflusst werden kann. Viele Studien haben inzwischen gezeigt, dass bei Psychosen und Schizophrenie oxidative Schäden vorliegen. Nur 10,7% der schizophren erkrankten Menschen ernähren sich gesund ! Das zeigt deutlich, welches Gesundungspotential allein noch in einer gesunde Ernährung liegt.
Genetische Studien liefern Hinweise auf veränderte antioxidative Funktionen bei Schizophrenie-Patienten. Auch wenn dies möglicherweise nicht die Hauptursache für Schizophrenie ist, deuten zunehmende Hinweise darauf hin, dass oxidativer Stress zu einer negativen Entwicklung und erhöhten Gesamtsymptomen beiträgt. Der Antioxidantien-Blutspiegel sinkt, bevor eine Psychose einsetzt, und der Blutspiegel von oxidativem Stress steht im Zusammenhang mit der Schwere der Symptome bei Patienten. Einige Studien bringen eine erhöhte Aktivität antioxidativer Enzyme mit stärkeren Halluzinationen und Wahnvorstellungen in Zusammenhang. Niedrige Antioxidantien-Spiegel hängen auch eng mit Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug und kognitiven Defiziten zusammen.
Patienten im frühen Stadium einer Psychose zeigen häufig erhöhte Marker für die Zerstörung von Zellmembranen durch oxidativen Stress und deutlich verringerte Spiegel des wichtigen Antioxidans Glutathion. Dieser oxidative Stress kann die Funktion von Glutamat-Rezeptoren beeinträchtigen und Entzündungsprozesse im Gehirn (Neuroinflammation) fördern, was wiederum die typischen Symptome einer Psychose befeuert. Oxidativer Stress beeinträchtigt die Mitochondrienfunktion, die Immunregulation und die dopaminerge Aktivität. Insbesondere die Isolierung der Nervenbahnen sind anfällig für oxidative Schäden, was zu einer gestörten Kommunikation zwischen Gehirnarealen führt.
Schließlich zeigte sich, das eine Behandlung mit Antioxidantien wie Vitamin C und E, sekundären Pflanzenstoffen, essentiellen Fettsäuren und Aminosäuren bei Schizophrenie-Patienten zur Senkung der Symptome führt. Es wurde gezeigt, dass verminderte Antioxidantien mit kognitiven Defiziten und negativen Symptomen zusammenhängen.
Forscher zeigten dass schon ein Anstieg der Antioxidantien um 10 % zu einer Verkürzung der Krankenhausaufenthaltsdauer bei Psychosen um mindestens eine Woche führt. Da oxidativer Stress auch an der Entstehung von Depressionen und Angststörungen beteiligt ist, kann eine Nahrungsergänzung mit Antioxidantien mit mittlerer Effektgröße auch die Symptome von Depressionen und Angstzuständen senken. (1)
„Diese Studie zeigt, dass wir, wenn wir einen Weg finden, die Menge an Antioxidantien im Gehirn zu erhöhen, Patienten möglicherweise dabei helfen können, das Krankenhaus schneller zu verlassen, ihr Leiden schneller zu lindern und ihnen zu helfen, früher an ihre Arbeit und ihr Studium zurückzukehren.“ , sagte Lena Palaniyappan, Professor für neurologische Entwicklungsstörungen. (1) |
Was ist oxidativer Stress?
Wenn der Mensch ungesunden Einflüssen ausgesetzt ist, wie Rauchen, Alkohol und Drogen, vitalstoffarme Ernährung, übermäßiger Zuckerkonsum, körperlicher oder psychischer Stress, Schlafmangel oder Umweltgifte, dann führt diese belastende Situation zu Stress, welche auf der molekularen Ebene des Körpers Prozesse ausgelöst, die oxidativer Stress genannt werden.
An diesem Prozess sind Sauerstoffmoleküle (engl. = Oxygen) beteiligt, daher der Name "oxidativer" Stress. Diese Sauerstoffmoleküle haben einen reaktiven Charakter, sie lösen chemische Reaktionen aus, die auch im Alltag bekannte Phänomene sind. Zum Beispiel führen sie zum Rosten von Eisen oder beim Aufschneiden eines Apfel, einer Tomate oder einer Avocado zur Braunfärbung. Wenn diese Prozesse im Körper stattfinden, sind Zellen betroffen, die angegriffen werden, zerstört werden und es kommt zum Altern.
Als oxidativen Stress bezeichnet man also einen Zustand im Stoffwechsel, bei dem durch Oxidation Schäden an Zellen oder deren Funktionen entstehen. Dabei kann ein breites Spektrum an biologischen Funktionen betroffen sein. Verantwortlich hierfür ist ein Ungleichgewicht zwischen oxidativen und antioxidativen Prozessen.
Ausgleichen kann dieses Übergewicht an oxidativen Elementen, die sogenannten Anti-Oxidatien, wie Vitamin C z.B. in Zitronensaft. Wer schon mal eine Fruchtsalat mit Apfel gemacht hat, weiß das die Apfelstücke nach einiger Zeit auch oxidieren und braun werden und die Beigabe von Zitronensaft dies verhindert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der menschliche Körper ein empfindliches Gleichgewicht aufrechterhalten muss, indem er genügend reaktive Spezies bildet, um nützliche physiologische Funktionen zu erfüllen, und gleichzeitig den Überschuss abbaut, um unnötige Zellschäden zu verhindern.
1. Oxidativer Stress bei Psychosen und Schizophrenie
Eine chemische Unausgewogenheit im Gehirn kann zu Schizophrenie beitragen. Viele Studien haben inzwischen gezeigt, dass bei Schizophrenie oxidative Schäden vorliegen. Auch wenn dies möglicherweise nicht die Hauptursache für Schizophrenie ist, deuten zunehmende Hinweise darauf hin, dass es zu einem schlechten Ergebnis bei Schizophrenie beitragen könnte.
Der Antioxidantien-Blutspiegel sinkt, bevor eine Psychose einsetzt, und der Blutspiegel von oxidativem Stress steht im Zusammenhang mit der Schwere der Symptome bei Patienten. Schließlich zeigte sich, das eine Behandlung mit Antioxidantien bei Schizophreniepatienten wirksam ist.
Bei Patienten mit chronischer Schizophrenie beobachteten Forscher ein um 53% erhöhtes Niveau im Vergleich zu gesunden Personen ähnlichen Alters – was eine erhöhte Aktivität oxidativen Stresses nahelegt. Ein ähnliches Ausmaß wurde in neu diagnostizierter Schizophrenie beobachtet, was darauf hinweist, dass es zu einer Störung der Oxydationsbalance schon in den frühen Phasen der Erkrankung kommt.

In zahlreichen Studien wurden Biomarker für oxidativen Stress untersucht, beispielsweise der Antioxidantienspiegel. Es hat sich gezeigt, dass der Gesamtspiegel an Antioxidantien und Glutathion im Plasma von Patienten mit Erstepisoden- und chronischer Schizophrenie niedriger ist. Der Körper kann Glutathion selbst produzieren, zusätzlich wird es über Lebensmittel wie Spinat und Brokkoli aufgenommen. Die Aminosäure ist an nahezu allen Stoffwechselvorgängen beteiligt und reguliert die Entgiftung.
Ergebnisse aus Studien bei Schizophrenie haben gezeigt, dass die Untergruppe von Patienten mit „Restschizophrenie“ (langfristige negative Symptome/Beeinträchtigungen), die etwa ein Drittel der Patienten ausmacht reduzierte Glutathion-, Glutamat- und Glutaminkonzentrationen aufwies.
Klinische Versuche
Forscher zeigten dass schon ein Anstieg der Antioxidantien um 10 % zu einer Verkürzung der Krankenhausaufenthaltsdauer bei Psychosen um mindestens eine Woche führt. Da oxidativer Stress auch an der Entstehung von Depressionen und Angststörungen beteiligt ist, kann eine Nahrungsergänzung mit Antioxidantien mit mittlerer Effektgröße auch die Symptome von Depressionen und Angstzuständen senken.
„Sobald Patienten mit Psychosen mit der Behandlung beginnen, geht es einigen innerhalb von Wochen besser, während es bei anderen Monate dauern kann. Wir wollten sehen, ob wir diese Ungleichheit verstehen und beeinflussen können. Wir haben herausgefunden, dass die Menge an Antioxidantien, die Patienten in ihrem Gehirn haben, die Zeit vorhersagt, die sie brauchen, um auf die Behandlung anzusprechen.“
„Diese Studie zeigt, dass wir, wenn wir einen Weg finden, die Menge an Antioxidantien im Gehirn zu erhöhen, Patienten möglicherweise dabei helfen können, das Krankenhaus schneller zu verlassen, ihr Leiden schneller zu lindern und ihnen zu helfen, früher an ihre Arbeit und ihr Studium zurückzukehren.“ , sagte Lena Palaniyappan, Professor für neurologische Entwicklungsstörungen. (1)
2. Was hilft bei oxidativem Stress ? - Antioxidantien in der Ernährung
Während die moderne Ernährung auf der Basis von Getreide, Milch und Fleisch die Nährstoffe, Proteine, Kohlenhydrate und Fette in Hülle und Fülle liefert, sind Antioxidantien dort nur dünn gesät. Die Menschen werden übergewichtig, gleichzeitig aber auch immer kränker.
Was fehlt, ist eine reiche Auswahl an vielen verschiedenen Gemüse- und Keimlingen, Früchten und an Wildpflanzen, an naturbelassenen Ölen und Fetten sowie an Ölsaaten und Nüssen. Alle diese Lebensmittel sind optimale und reichhaltige Quellen wertvoller Antioxidantien. Eine Ernährung auf Grundlage von BIO-Lebensmitteln schützt daher vor Krankheit, wie Psychosen und Schizophrenie und vorzeitiger Alterung.
Natürliche Antioxidantien sind Vitamin C und E. Die "Radikalfänger" sind unter anderem in Pflanzenölen, Soja, Kaffee, Tee, Kakao, Rotwein oder verschiedenen Gewürzen wie Ingwer, Oregano oder Kurkuma zu finden. Die antioxidative Kraft von Granatapfelsaft ist sehr hoch und sogar höher als die von Rotwein oder grünem Tee.
VITAMINE C UND E
Vitamin C ist ein wichtiges Antioxidans: Es fängt freie Radikale im Blut, im Gehirn, in den Körperzellen und direkt im Zellkern ab und macht sie unschädlich. Andernfalls würden die freien Radikale Zellen und Gewebe schädigen. Eine Begleitbehandlung mit dem Antioxidantien Vitamin C und E verringerte auch die Werte auf der Brief Psychiatric Symptoms Scale (BPRS). Eine zusätzliche hohe Dosis von Vitatmin C kann positive, negative, kognitive und allgemeine Symptome und Depressionen verbessern. Zudem lindert Vitamin C durch Antipsychotika verursachte Nebenwirkungen, wie Dyskinesien.
Eine Studie ergab eine Verbesserung der positiven Symptome um 35%, der negativen Symptome um 40% und der allgemeinen Symptome um 35% durch Vitamin C in 8 Wochen gegenüber Placebo. Siehe Artikel: "ERNÄHRUNG UND NAHRUNGSERGÄNZUNG | Die Bedeutung von Vitamin C bei Psychosen und Schizophrenie"
ESSENTIELLE FETTSÄUREN
Schließlich erhöhte die Nahrungsergänzung mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren den gesamten Glutathion-Blutspiegel. Weitere Forschungen zu Antioxidantien aus der Nahrung wie Vitaminen und Omega-3 waren in den letzten Jahren von Interesse. Omega-3-Fettsäuren werden nachweislich bei Schizophrenie reduziert und fungieren als wesentlicher Baustein die Entzündungen und oxidativen Stress regulieren. Studien zur Bewertung einer Omega-3-Supplementierung zeigten eine Verringerung der Symptomschwere.
"Eine Überprüfung von acht Studien mit Menschen mit Schizophrenie ergab, dass die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zu einem Rückgang der positiven Symptome, wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen sowie der negativen Symptome, wie Rückzug von anderen und einem flachen Affekt (wenig Emotionen) um etwa 25 % ! führte." Prof. Elaine Weiner, MD, assistant professor of psychiatry, University of Maryland Medical System.
Siehe Artikel: "DIE BEDEUTUNG VON OMEGA-3-FETTSÄUREN: Wie sie Psychosen verhindern und Symptome lindern können ?"
SEKUNDÄRE PFLANZENSTOFFE:
Traubenkernextrakt (OPC) schützt Gehirn und Nerven und verbessert kognitive Symptome. Im Gehirn werden OPC und die anderen Wirkstoffe des Traubenkernextrakts dort sofort schützend tätig und bewahrt Nerven sowie Gehirngewebe vor oxidativen Angriffen. Die Ergebnisse sind eine verbesserte mentale Aufmerksamkeit.
Sulforaphan (Brokkoli, Rosenkohl und Blumenkohl) , ein weiteres Antioxidans, hat nachweislich neuroprotektive Eigenschaften und kann das Risiko des Übergangs von einem Risikozustand zur Schizophrenie verringern. Darüber hinaus ergab eine Studie an Patienten mit Schizophrenie eine signifikante Verbesserung in einem Test des Arbeitsgedächtnisses nach einer 8-wöchigen Behandlung mit Sulforaphan.
Resveratrol ist ein starkes Antioxidans. Es ist der berühmte Pflanzenstoff in Rotwein, der zu Entspannung führt. Er gilt als Nootropikum, was bedeutet, dass er das Gehirn aktiviert. Resveratrol findet sich in einer Vielzahl von Pflanzen und pflanzlichen Lebensmitteln, vor allem in der Haut von Weintrauben und Teilen des Rebstocks (Traubenkerne, Stiele, Reben, Wurzeln), in Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen. Siehe Artikel: SERIE 10 (8) : Heilpflanzen bei negativen Symptomen: Edle Weinrebe (Resveratrol)
Quercetin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, mit starker antioxidativer und entzündungshemmender Eigenschaft. Die vorliegenden Ergebnisse zeigten, dass Quercetin die Auswirkungen von psychoseähnlichen Symptomen umkehrt und auch oxidativen Stress bekämpft. Dieses Flavonoid reguliert auch die dopaminerge, serotonerge und glutamaterge Neurotransmission. Nach der Verabreichung von Quercetin wurde auch eine tiefgreifende Wirkung auf entzündliche Zytokine beobachtet.
Weitere Informationen siehe Artikel "SEKUNDÄRE PFLANZENSTOFFE: Lässt sich mit einer Kombination von sekundären Pflanzenstoffen die antipsychotische Wirkung weiter steigern ?"
AMINOSÄUREN
Mehrere Studien berichten, dass die Behandlung mit Antioxidantien positive Auswirkungen auf Schizophrenie hatte. Die Behandlung mit dem Antioxidans N-Acetylcystein stieß in den letzten Jahren auf großes Interesse. Studien ergaben, dass es depressive Symptome lindert und oxidativen Stress umkehren kann. Eine aktuelle Metaanalyse kam zu dem Schluss, dass n-Acetylcystein zu einer Verbesserung der negativen und gesamten PANSS-Werte bei Patienten zu kognitiven Funktionen wie dem Arbeitsgedächtnis führt. Siehe Artikel "SERIE | Wirkstoffe der orthomolekularen Medizin für negative Symptome: 1. NAC"
Oxidativer Stress: Kurzer Clip zur Erklärung: (5 min)