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SERIE | Hormone bei Psychosen und Schizophrenie: 6. Raloxifen

  • Phoenix
  • 17. Juli 2025 um 09:19
  • 1.454 Mal gelesen
  • 1 Kommentar

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SERIE | Hormone bei Psychosen und Schizophrenie:

6. Raloxifen


Besserung bei Symptomen:
[in Studien gegenüber Placebo in 8 Wochen]
(G)(+)(-)(k)(D)(Ä)(ST)(SCH)
Raloxifen15%25%20%(✓)(✓)(✓)-(✓)

(G) = Gesamtsymptome, (+) = positive, (-) = negative, (k) = kognitive Symptome, (D) = Depressionen, (Ä) = Ängste, (ST) = Stress, (SCH) = Schlaf


Kurzfassung

| Der Zusammenhang zwischen Hormonen und Schizophrenie wird seit über einem Jahrhundert vermutet. Allerdings gibt es erst in den letzten drei Jahrzehnten wissenschaftliche Beweise für die therapeutische Wirkung von Estrogen bzw. ähnlichen Substanzen, wie pflanzliche Hormone, Sterioide und Selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren.

Neuste Forschungen zeigen eine entscheidende Rolle von Hormonen bei Psychosen und Schizophrenie. Es wurde festgestellt, dass die Östrogenspiegel bei Patienten mit Schizophrenie alarmierend niedrig waren. (1)

Östrogenmangel tritt bei beiden Geschlechtern häufig auf und ist mit einer Zunahme psychotischer Symptome verbunden. Östrogenmangel ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit Schizophrenie im Verlauf ihrer Krankheit üblich, im Vorfeld und bei Psychosen sowie bei chronischer Schizophrenie.

Eine kürzlich erschienene Übersichtsarbeit zeigt, dass Hormone als Antipsychotikum wirken können, da sie in ähnlicher Weise auf die Dopamin-Signalgebung abzielen wie Antipsychotika:

"Leider gibt es einen beträchtlichen Anteil an Personen, die nur begrenzt oder gar nicht positiv auf Antipsychotika reagieren. Für solche Patienten kann die Erwägung ... einer Östrogenverstärkung von großer Bedeutung sein." (13)

(Ausführlich siehe Artikel: "Die Bedeutung von Hormonen bei Psychosen und Schizophrenie" und "SERIE | Hormone bei Psychosen und Schizophrenie - Übersicht")


Raloxifen ist Medikament, welches auf den Hormonhaushalt (Östrogene) wirkt und häufig zur Behandlung von Osteoporose und zur Risikominderung von Brustkrebs angewandt wird.

Raloxifen hat nachweislichen therapeutischen Nutzen bei Schizophreniepatienten beiderlei Geschlechts, insbesondere jedoch bei Frauen nach der Menopause mit behandlungsresistenter Schizophrenie. Es wirkt ohne feminisierende Wirkungen zu haben, daher ist es auch bei Männern mit Hormonmangel eine relevante Behandlungsoption als eine Alternative zu Östrogenen.

Es hat sich gezeigt, dass Raloxifen durch seine Wirkung auf Östrogenrezeptoren im Gehirn, die auch an der Schizophrenie beteiligt sind, positive und negative Symptome verbessern kann.

"2018 konnte in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse nachgewiesen werden, dass Raloxifen bei Schizophrenie – als Zugabe neben der normalen medikamentösen Behandlung – die Symptome spürbar vermindern kann sowie auch über längere Zeiträume angewendet werden kann, und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern." (8)

Ergebnisse dieser Metaanalyse: "Raloxifen war Placebo hinsichtlich der Verbesserung der Gesamtsymptomschwere sowie der positiven, negativen und allgemeinen Subskalen, gemessen mit der Positive and Negative Syndrome Scale, überlegen."(5)

In zwei Studien zeigte die Raloxifen-Gruppe im Vergleich zu Placebo signifikant größere Verbesserungen bei negativen Symptome um 20% und der positiven Symptome um 10-25% sowie der PANSS-Gesamtscore um 10-15%. (6) (7)

Die durchschnittliche Besserung von Antipsychotika liegt bei 10% in 6 Wochen. (s. Khin et al (2012)). Raloxifen kann daher in Bezug auf positive Symptome während einer Psychose eine wichtige Hilfe sein, auch weil es weniger Nebenwirkungen gibt und keine Abhängigkeit erzeugt wird, welche beim Absetzen - wie bei Antipsychotika - zu eine Absetzpsychose führen könnte.

Eine aktuelle Studie über einen längeren Zeitraum von 10 Monaten zeigte jedoch nach 3 Monaten eine Verschlechterung der Gesamtsymptome und nur ein einigen Bereichen positive Effekte, wie bei die negativen Symptomen auf das Arbeitsgedächtnis. (4)

Raloxifen hat in einigen Studien positive Auswirkungen auf die Kognition bewiesen, insbesondere bei postmenopausalen Frauen mit Schizophrenie. Vorklinische Studien haben gezeigt, dass Raloxifen angst- und depressivähnliche Symptome reduzieren kann. In Humanstudien konnte dies jedoch noch nicht bestätigt werden. Raloxifen konnte die Anzahl der Wachphasen im Schlaf verringern und somit zu einer Verbesserung der Schlafqualität beitragen, während es auch in einigen Fällen Berichte über Schlaflosigkeit als Nebenwirkung gibt. |


1. Wirkungsweise

Der Wirkungsmechanismus von Raloxifen beruht auf der Bindung an Östrogenrezeptoren. Diese Bindung führt zur Aktivierung östrogener Stoffwechselwege.

Es wird vermutet, dass Raloxifen die neuronale und synaptische Plastizität im Gehirn beeinflusst und somit potenziell neuronale Defekte reparieren kann, die mit Schizophrenie in Verbindung stehen.


2. Studien


1. Die Wirkung von Raloxifen bei Männern und Frauen mit einer Schizophrenie-Spektrum-Störung wurde in einer Meta-Analyse bestimmt. Neun Studien wurden eingeschlossen, die 561 Patienten mit einer Schizophrenie-Spektrum-Störung untersuchten.

Ergebnisse: "Raloxifen war Placebo hinsichtlich der Verbesserung der Gesamtsymptomschwere sowie der positiven, negativen und allgemeinen Subskalen, gemessen mit der Positive and Negative Syndrome Scale, überlegen."(5)


2. Ziel eine Untersuchung war es, die Wirksamkeit von Raloxifen als ergänzendes Mittel bei der Behandlung von Männern mit chronischer Schizophrenie placebokontrollierten Studie zu beurteilen. 46 männliche Patienten mit Schizophrenie wurden acht Wochen lang entweder Raloxifen (120 mg/Tag) oder Placebo zusätzlich zu Risperidon (6 mg/Tag) verabreicht.

Am Endpunkt zeigte die Raloxifen-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe signifikant größere Verbesserungen bei negativen Symptome um 20% und der positiven Symptome um 10% sowie der PANSS-Gesamtscore um 10% in 8 Wochen.

"Diese Studie weist auf Raloxifen als potenzielle ergänzende Behandlungsstrategie für chronische Schizophrenie bei Männern hin."(7)

Schaubild: Besserung Symptome


2. Eine placebokontrollierte Studie wurde durchgeführt, um die Zusatzwirkung von Raloxifen zu Risperidon gegenüber Placebo zu vergleichen. 46 postmenopausale Frauen mit Schizophrenie erhielten acht Wochen lang Risperidon (6 mg/Tag in drei Einzeldosen) kombiniert mit entweder Placebo oder 120 mg/Tag Raloxifen.

Ergebnisse: Die Besserung der Gesamtheit der Symptome lag bei 15% und bei positiven Symptomen bei 25% gegenüber Placebo in 8 Wochen. "Unseren Erkenntnissen zufolge war Raloxifen als Zusatzbehandlung zu Risperidon nur bei der Verbesserung der positiven Symptome überlegen. " (6)

Schaubild: Besserung der Gesamtsymptome und positiven Symptome
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Die durchschnittliche Besserung von Antipsychotika liegt bei 10% in 6 Wochen. (s. Khin et al (2012)). Raloxifen kann daher in Bezug auf positive Symptome während einer Psychose eine wichtige Hilfe sein, auch weil es weniger Nebenwirkungen gibt und keine Abhängigkeit erzeugt, welche beim Absetzen, wie bei Antipsychotika zu eine Absetzpsychose führen könnte.

Eine aktuelle Studie über einen längeren Zeitraum von 10 Monaten zeigte jedoch nach 3 Monaten eine Verschlechterung der Gesamtsymptome und nur ein einigen Bereichen bei Frauen positive Effekte auf die negativen Symptome sowie auf das Arbeitsgedächtnis. (4)


Kognitive Symptome

Raloxifen wurde in fünf randomisierten Kontrollstudien untersucht, mit unterschiedlichen Ergebnissen je nach Patientengruppe. Zwei placebokontrollierte Studien zeigten eine signifikante kognitive Verbesserung mit Raloxifen sowohl bei postmenopausalen Frauen als auch bei Männern und Frauen mittleren Alters. Insbesondere verbesserte Raloxifen das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die exekutiven Funktionen.

In einigen Studien gab es jedoch keine Besserung der kognitiven Symptome. Eine aktuelle Forschungarbeit über pharmakologische Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen bei Schizophrenie kommt zu dem Ergebnis: "Daher ist die Wirksamkeit von Raloxifen in schwereren Fällen von Schizophrenie möglicherweise nur begrenzt vorhanden."(2)


3. Anwendung

Eine Analyse ergab, dass bei den Teilnehmern, die 120 mg erhielten, im Gegensatz zu 60 mg oder Placebo eine deutlich stärkere Linderung der psychotischen Symptome zu verzeichnen war. Die Einnahme als Schutz vor Psychosen ist mit dem Hausarzt/Psychiater abzusprechen. Raloxifen ist rezeptpflichtig



Hormone | Bedeutung bei Psychosen und Schizophrenie - Übersicht

1. DIE BEDEUTUNG VON HORMONEN BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE

2. SERIE | HORMONE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE - Einleitung und Übersicht

Die wichtigsten Hormone bei Psychosen und Schizophrenie sind:

Prohormone

1. DHEA

2. Pregnenolon

Phytohormone

3. Genistein

4. Sonstige pflanzliche Hormone

Östrogene

5. Estradiol

Östrogenrezeptormodulator (SERM)

6. Raloxifen

Sonstige Hormone

7. Melatonin - Mehr als ein Schlafhormon

8. Oxytocin - Das Kuschelhormon

Studien und Quellen

(1) Estrogens in schizophrenia: progress, current challenges and opportunities. Bodyl A Brand 1, Janna N de Boer 1 2, Iris E C Sommer, 2021

(2) Pharmacological management of neurocognitive impairment in schizophrenia: A narrative review. Kyle Arsenault‐Mehta 1, Mario Hochman‐Bérard 2, Alexander Johnson 2, Dar'ya Semenova 2, Bea Nguyen 2, Jessie Willis 2, Natalia Mouravska 1, Ridha Joober 3, Naista Zhand, 2023

(3) https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Raloxifen_44775

(4) The Direct and Long-Term Effects of Raloxifene as Adjunctive Treatment for Schizophrenia-Spectrum Disorders: A Double-Blind, Randomized Clinical Trial
Bodyl A Brand 1 2, Janna N de Boer 1 2, Machteld C Marcelis 3 4, Koen P Grootens 5 6, Jurjen J Luykx 1 7 8 9, Iris E Sommer, 2023

(5) The effect of raloxifene augmentation in men and women with a schizophrenia spectrum disorder: a systematic review and meta-analysis
Janna de Boer 1, Merel Prikken 2, Wan U Lei 2, Marieke Begemann 2, Iris Sommer, 2018

(6) Raloxifene adjunctive therapy for postmenopausal women suffering from chronic schizophrenia: a randomized double-blind and placebo controlled trial. Gilda Kianimehr, Farzad Fatehi, Sara Hashempoor, Mohammad-Reza Khodaei-Ardakani, Farzin Rezaei, Ali Nazari, Ladan Kashani, Shahin Akhondzadeh, 2014

(7) A Placebo-Controlled Study of Raloxifene Added to Risperidone in Men with Chronic Schizophrenia. Mohammad-Reza Khodaie-Ardakani 1, Mohsen Khosravi 2, Razieh Zarinfard 2, Somayeh Nejati 1, Ali Mohsenian 1, Mina Tabrizi 3, Shahin Akhondzadeh, 2015

(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Raloxifen


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Kommentare 1

Denis
3. April 2023 um 17:06
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Hallo Patrick

Habe von Maltherapie gehört. Blau steht für düster und gelb für Licht. Beim Malen kann ich gut abschalten. Im Sommer habe ich noch gern, wenn das Fenster offen ist.

Habe Eselsohren. LG

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