Was sagt Ihr im Geschäfft über eure Erkrankung

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  • Ich habe bei der Arbeit gesagt ich leide unter einer Depression. Ich musste leider etwas dazu sagen weil ich im Januar für eine Medikamentenumstellung in der Klinik war.


    Ich musste es auch beim Einstellungsgespräch erwähnen, da es bei mir in einem Arbeitszeugnis drinsteht, dass ich längere Zeit wegen Krankheit ausgefallen bin.


    Wie geht Ihr mit dem Thema um?

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Hi Felix,


    ich habe den Fehler gemacht in einem Job damit offen umzugehen. Das hat mich den Job gekostet.


    In meiner neuen Firma weiß niemand davon.


    Es ist schade, dass es so ist. Unsere Krankheit ist soweit stigmatisiert damit kann man leider nicht offen umgehen. :thumbdown: Schade auch deswegen, weil die Krankheit und die Erfahrungen, die man damit macht, ein Teil von einem sind und einen auch prägen. Man kann sich leider den neuen Kollegen und auch anderen Bekannten nicht ganz öffnen. Auf der anderen Seite will ich das Thema auch nicht mit jedem teilen, da es sehr persönlich ist.


    Gruß
    Susanne

  • mittlerweile ist es bei mir so, dass ich in der Firma offen mit meiner Erkrankung umgehe, natürlich trage ich kein Schild auf dem steht "ich bin schizophren" aber wenn jetzt jemand fragt, wieso ich nur 50% arbeite Sage ich, dass ich schizophren bin und manchmal ergibt sich daraus ein Gespräch, so dass ich meine Erkrankung besser erklären kann und damit das Eis brechen.


    Ich musste offen damit umgehen, da ich vor 3 Jahren einen längeren Ausfall auf Arbeit hatte, und eine 50% Rente beantragt und bekommen habe. Im Zuge der Renten-Abklärung wollte die zuständige Behörde auch mit meinem Arbeitgeber sprechen und ich musste somit offen mit meinem Arbeitgeber über meine Erkrankung sprechen. Was aber erstaunlich gut verlief.


    Aber ich denke, dass es nicht immer Sinn macht offen mit dem Arbeitgeber zu sein, da es schon viele Vorurteile bezüglich Schizophrenie gibt und es deshalb schwierig ist den Leuten klar zu machen, dass es nicht gleich zu Mord und Totschlag deswegen kommt.


    Ich wünsche euch allen viel kraft und Erfolg trotz der Schizophrenie ein glückliches, zufriedenes und erfolgreiches Arbeitsleben zu führen.

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Hallo,
    Ich gehe nicht mehr arbeiten, möchte aber dennoch etwas zum Thema beitragen, wenn ich darf?
    Ich würde niemals sagen was ich für eine Erkrankung habe oder wenn es geht sage ich gar nicht erst,dass ich überhaupt krank bin.Das gelingt mir ganz gut: in der Öffentlichkeit ( beim Einkaufen, Elterngesprächen oder Veranstaltungen für die Kinder) halte ich mich für unauffällig. Ich bin nicht hibbelig, stottere nicht und laufe nicht geduckt, ich antworte auf Fragen, gucke mein Gegenüber manchmal sogar an.
    Aber das kostet was - nämlich Nerven! Das ist so anstrengend, dass ich regelrecht zusammenbreche, wenn ich wieder daheim die Tür hinter mir schliesse. Ich weine und bin vollkommen fertig, müde und ausgelaugt halt. Und ich will das nie wieder erleben... lässt sich jedoch nicht vermeiden.
    Ich sage niemand was, weil ich Angst um meine Kinder habe, die Erfahrung hat gezeigt, dass die Vorurteile der Menschen grösser sind, als ihre Erfahrungen im Umgang mit mir und meiner Familie oder ihr Interesse an Informationen zu dem Thema. Leider.

  • hallo.


    in der letzten Firma wusste mein Arbeitgeber dass ich psychische Probleme habe, aber nicht weil ich wollte dass er es wusste. ich hatte leider hin und wieder sehr schlimme Zustände durch die das ans Licht kam. von da an ging es mir dann anhaltend schlecht. ich war irgendwie ein wenig dauerdepressiv. weil ich plötzlich anders behandelt wurde. die Blicke waren am schlimmsten. als wäre ich eine tickende Bombe gewesen. dadurch entstanden wahnhafte Gedanken bis hin zu Verschwörungstheorien.


    mein jetziger Arbeitgeber weiß nichts von alldem. und das finde ich auch gut so.

  • Ich gehe nicht zur Arbeit, besuche allerdings einen Fortbildungskurs. Mein Verhalten ist ist anders - große Gruppen verunsichern mich unglaublich. Die Menschen merken das und es erzeugt Aversionen glaub ich.

    Manchmal möchte ich herausschreien, dass ich krank bin. Vor allem, wenn mir jemand zu nahe kommt. Eigenartigerweise auch dann wenn es positiv ist.

    Ich möchte sagen: Vorsicht, du hast es mit jemanden zu tun, der anders ist.

    Jetzt gilt es in einer kognitiven Verhaltenstherapie zu lernen, wie ich mich verhalten soll.

    In der Arbeit, sollte ich denn je eine finden, werde ich nichts sagen.

    Ich hoffe aufs Beste, bereite mich allerdings aufs Schlimmste vor!

  • Ja, gerade am Anfang würde ich auch nichts sagen, immer wenn ich eine neue Stelle begonnen habe, habe ich erst nichts gesagt, nur wenn es offensichtlich wurde, dass das was nicht ganz so ist wie bei den meisten (z.b durch einen langen krankheitsbedingten Ausfall auf Arbeit) musste ich ja was sagen... Da habe ich auch schon mal was von Burn out erzählte bei meiner letzten Firma, geht auch... Bin aber jetzt mit der Wahrheit auch ganz gut akzeptiert... Bekomme spannende Aufgaben und generell werde ich behandelt wie die anderen Entwickler auch, nur arbeite ich halt momentan nur halbtags....

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Halbtags zu arbeiten, ist keine Schande. Du wirst die Stunden aufstocken, wenn du so weit bist.

    Was mir bei mir etwas Sorgen macht, ist, dass ich mein Studium bereits Ende 2018 abgeschlossen habe und seither nur ein Praktikum gemacht habe. Ich hatte meinen psychotischen Schub im Jänner 2019...

    Ich weiß nicht genau, wie ich die lange Pause erklären soll...

  • das habe ich bei vorherigen Arbeitgebern auch schon erlebt. irgendwann wird man einfach zu auffällig (bei mir ist es das verhalten, was ich manchmal sage usw...) und dann wird gewissermaßen eine Rechtfertigung oder Erklärung erwartet.

    ich habe auch mal andere meiner Diagnosen vorgeschoben, hab alles auf die PTBS geschoben weil das für mich weniger schlimm klang. das fühlte sich ziemlich demütigend an.

  • @Fania , eigentlich darf dich ein Arbeitgeber nicht nach deinem Gesundheitszustand fragen... Kannst ja sagen, du hattest einen Bandscheibenvorfall und warst deshalb länger in reha oder so.... Da darf man laut Gesetz auch ein bisschen flunkern... Aber ein Burn out finde ich noch besser! Klingt harmlos und rechtfertigt einen längeren Ausfall... Später, wenn der erste Eindruck gewonnen ist und man etwas etabliert ist, kann man meiner Meinung nach, ruhig die Wahrheit sagen, die kennen einen dann ja schon und wissen dass man nicht gleich rein Mörder ist wegen der Diagnose Schizophrenie!! Bei mir behandeln mich mittlerweile wirklich alle ganz normal...

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Ich habe im Jahr 2000 mein Studium beendet und kurz darauf meinen ersten psychotischen Schub bekommen. Die Folge: ich habe in meinem Lebenslauf in dieser Zeit, die Lücke von 1 Jahr wegen des Aufenthalts in der Klinik.

    Seitdem ich arbeite, habe ich oftmals den Arbeitgeber gewechselt. Aber in all meinen Bewerbungsgesprächen, und ich habe viele geführt, ist das verflixte eine Jahr nie zur Sprache gekommen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück gehabt.

    Mein aktueller Arbeitgeber weiß, dass ich psychisch krank bin. Ob er die genaue Diagnose weiß, weiß ich gar nicht. Ich glaube, die interessiert ihn nicht sonderlich. Aber er nimmt Rücksicht auf meine Fehlzeiten.

  • Halbtags zu arbeiten, ist keine Schande. Du wirst die Stunden aufstocken, wenn du so weit bist.

    Was mir bei mir etwas Sorgen macht, ist, dass ich mein Studium bereits Ende 2018 abgeschlossen habe und seither nur ein Praktikum gemacht habe. Ich hatte meinen psychotischen Schub im Jänner 2019...

    Ich weiß nicht genau, wie ich die lange Pause erklären soll...

    Ich war in einer ganz ähnlichen Situation. passt witzigerweise sogar fast mit deinen Daten überein. Ich habe mein Studium auch Ende 2018 beendet und dann direkt danach eine Weiterbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin angefangen, die ich im April 2020 abgeschlossen habe. Zwischendrinn hatte ich im Februar 2019 meinen ersten psychotischen Schub und bin in die Klinik gekommen, wo ich bis Juni 2019 war. Die Weiterbildung habe ich in diesem Zeitraum nicht weitergeführt. Danach habe ich eine medizinische Rehabilitation gemacht von April 2020 bis Ende Januar 2021. Die Reha erwähne ich nicht in meinem Lebenslauf, allerdings die Praktika, die ich währenddessen gemacht habe. Wenn mich jemand wegen der Lücke in meinem Lebenslauf fragt, würde ich sagen, dass ich die Zeit für eine Berufsorientierung genutzt habe.

  • Ich habe die Erkrankung verschwiegen. Bin gut damit gefahren.

    „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“ — Antoine de Saint-Exupéry, Buch "Der kleine Prinz"

  • Ich hatte bisher nur Nebenjobs gehabt, um das Studium zu finanzieren, aber sehr viele. Ich war schon mit Anfang 20 schwer krank (Autoimmunerkrankung) für viele Jahre, habe deshalb in meinem Lebenslauf reingeschrieben, dass mein Studium wegen schwerer Krankheit unterbrochen war. ich hatte dann das Studium im letzten Kraftakt mit Hilfe von der Sozialhilfe abschließen können. Danach nochmal zwei Klinikaufenthalte. Als ich wieder arbeiten gehen wollte, wurde ich befristet berentet. Heute finde ich es gut, habe aber mehrere Jahre mich damit nicht abfinden wollen. Ich würde heute anderen sagen, dass ich psychisch krank geworden war, wenn es engere Leute sind, dann dass ich psychotisch war. Mal sehen, vielleicht sage ich es anderen bald, dass ich schizophren psychotisch war und mit Medikamenten eingestellt bin, nur weniger belastbar. Kann und möchte nur noch zu Hause arbeiten bzw mich beschäftigen. Also ehrenamtlich schreiben und texten. Brauche viel Ruhe und Pausen, kein Druck. Da schizophrene Leute früher sterben sollen, hängt vom Gesundheitszustand und Lebenswandel ab, sehe ich meine nächsten 20 Jahre als Rentenzeit an.

    "Du wirst sehen, dass alles gut gehen wird." "Ich wüsste nicht, wie", meinte Atreju. "Ich auch nicht", erwiderte der Drache.

    "Aber das ist ja gerade das Schöne." Von jetzt an wird dir alles gelingen. Schließlich bin ich ein Glücksdrache." Die unendliche Geschichte von Michael Ende