Ich finde das Thema Depressionen echt interessant, wohl auch, weil sie so individuell verlaufen.
Bei mir war in der Major Depression einfach kein Funke eines Impulses mehr zu spüren. Zum Beispiel: vor mir steht eine Hündin mit klarer Anfrage nach einem Spaziergang. In mir passierte: nüscht.
So war das in diesen Monaten eigentlich mit allem, es gab einfach keinen zündenden Funken mehr, ergo auch keinen Antrieb.
Keine emotionale und keine kognitive Regung.
Ich denke manchmal noch, dass das AP und die Negativsymptomatik auch ihre Rolle gespielt haben, das AP, weil es neben Dopamin auch Serotonin blockte und Negativsymptomatik, weil ich quasi nur noch das physische Gerüst meiner Selbst war.
Für mich persönlich hat eine Depression- wenn überhaupt- nur etwas mit "etwas wollen" oder "sich zwingen" zu tun in dem Maße, das beides nicht möglich ist. Ich empfinde keinen Willen und habe ganz bestimmt keine Kraft, um mich zu etwas zu zwingen. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, diese vielen langen Tage durchzuhalten. Mehr war nicht. Aus- und durchhalten.
Wenn es etwas zu tun gab, das getan werden musste, wie Körperhygiene z.B. oder Fürsorge für die Kinder und die Tiere, habe ich aus dem Erfahrungsschatz geschöpft, den ich die Jahrzehnte davor gesammelt hatte.
Mein Gedächtnis war dahin, ich erinnerte mich an kaum etwas, aber die einfachen Sachen gingen noch quasi automatisch.
Ich habe Molly glaube ich etwas anders verstanden als andere.
Mir hat dieser kleine Rest an Aktivität etwas gegeben- vielleicht ein kleines Gegengewicht zu dem Stillstand. Von guten Gefühlen zwar nicht zu sprechen, es gab ja keine, aber es war gut, wenn ich was tat. Und wenn es das Schauen irgendwelcher Technik- Dokus mit meinem Partner war, mit denen man mich in lebendigerem Zustand jagen könnte🥴Sehr geholfen hat mir in den 2 Jahren, irgendwann den Anspruch an mich selbst auf 0 zu setzen.
Das hatte zur Konsequenz, dass ich mich nicht mehr mit der Bewertung meines Stillstandes herumschlagen musste, mich nicht mehr verglich mit dem gesunden Selbst.