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  • Hallo zusammen,

    wollte mich kurz vorstellen. Ich hatte 8 psychotische Episoden insgesamt und habe dann ein Buch darüber geschrieben. Ich finde die Stärke von an Schizophrenie Erkrankten wird unterschätzt. Für mich birgt die Krankheit eine gewisse Faszination. Natürlich hoffe ich auf Heilung.

    Viele Grüße,

    Eure Lara

  • Tach Lara,


    also so viele psychotische Episoden hatte ich zum Glück noch nicht. Ich bringe es gerade mal auf 3. Und von mir aus kann es auch dabei bleiben. Eigentlich bin ich mit den Medis gut eingestellt, so dass ich die berechtigte Hoffnung hege, dass keine vierte auftritt. Aber sicher kann man sich nie sein.

    Ein Buch habe ich auch nicht darüber geschrieben, das liegt mir nicht. Habe aber Bücher über Schizophrenie gelesen, unter anderem deins.

    Dass die Stärke der an Schizophrenie Erkrankten unterschätzt wird, da bin ich mit dir einer Meinung. Jedenfalls ist Schizophrenie kein Grund die Leute zu stigmatisieren. Aber psychische Erkrankungen haben ohnehin eine schlechten Ruf, jedenfalls einen schlechteren als physische Erkrankungen.

    Eine Faszination kann ich der Erkrankung hingegen nur schwerlich abringen. Wirklich toll sind psychotische Schübe nun nicht. Könnte gut darauf verzichten.

    Heilung gibt es zur Zeit leider nicht. Die medizinische Wissenschaft ist nur in der Lage die Symptome zu unterdrücken und die Krankheit zu dämpfen. Heilung im eigentlichen Sinne ist das nicht.


    Viele Grüße

    Jens

  • Hallo Jens,


    ja, leicht ist die Erkrankung nicht. Mir hat die Faszination zumindest etwas darüber hinweggeholfen.


    Ich bin auch gerade mit den Medis gut eingestellt und hoffe natürlich auf keine weitere Episode. Für mich ist es Heilung, wenn man keine Schübe mehr hat. Aber das mag man anders sehen.


    Danke, dass Du mein Buch gelesen hast. Aus deinen Worten entnehme ich, dass Du eine von Grund auf andere Einstellung zu der Erkrankung hast. Meine ist auch speziell.


    Viele Grüße,

    Lara

  • Naja, die Vorstellung, mit Psychosen Kontakt zu einer jenseitigen Welt zu bekommen, teile ich - ehrlich gesagt - nicht. Kann ich aus meiner Erfahrung jedenfalls nicht bestätigen. Dass man an der Krankheit wachsen kann und seine bisherigen Einstellungen überdenken, würde ich hingegen nicht bestreiten.

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich will das nicht in Abrede stellen, schließlich waren biblische Propheten auch der Welt entrückt und hatten "Visionen". Meine Erfahrung mit meinen Psychosen ist allerdings eine andere.

  • Ich persönlich habe mich in meinen frühen Psychosen für Reinkarnationen von Adam, dem Weihnachtsmann oder Wilhelmus von Oranje gehalten, was lustiger klingt als es war. Alles an Erlebnissen war eine fiese Täuschung.


    Ich sehne mir nichts mehr herbei als konstante Bodenständigkeit und halte mich deswegen bewusst von Religion und Esoterik fern und an die Wissenschaft.


    Es gibt allerdings bodenständige Meditationen z.B. denen ich folge.


    Ich habe von Natur aus viel Phantasie, was meiner Musik und meinen Kurzgeschichten und meiner kreativen Gestaltung meines Alltags entgegen kommt.


    Für mich gilt: alle auf einem Planeten, alles andere ist unbekannt und Interpretationssache.


    Was ich schon glaube, und zwar fest, ist dass ich meine verstorbenen Eltern wiedersehen werde.


    Denn was ausser Frage steht ist das es eine wirkliche Magie und übernatürliche Kraft in dieser Welt gibt: die Liebe.

  • Mindhunter


    "Für mich gilt: alle auf einem Planeten, alles andere ist unbekannt und Interpretationssache."


    Wir wissen eigentlich wenig darüber, wer wir eigentlich sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Da ziehen Menschen einfach die unterschiedlichsten Schlüsse, weil so viel Freiraum da ist. Und es lohnt sich eigentlich nicht darüber zu streiten.


    "Ich sehne mir nichts mehr herbei als konstante Bodenständigkeit und halte mich deswegen bewusst von Religion und Esoterik fern und an die Wissenschaft."


    War lange auch mein Vorgehen. Psychose hat zu viel vom Gegenteil des Bodenständigen.


    "Was ich schon glaube, und zwar fest, ist dass ich meine verstorbenen Eltern wiedersehen werde.

    Denn was ausser Frage steht ist das es eine wirkliche Magie und übernatürliche Kraft in dieser Welt gibt: die Liebe."


    Schön <3

  • Och, ich habe keine Probleme mit einer anderen Sicht der Dinge. Wenn du das so erfahren hast, kann ich das schlecht in Abrede stellen. Ich denke da an den jüdischen Talmud, da ist es auch so, das unterschiedliche Auslegungen von Bibelversen einfach nebeneinanderstehen, jede Stimme hat ihre Berechtigung.

    Interessant fand ich an dem Buch, dass sich die Psychosen steigern. Die letzte war ganz schön "durchgeknallt", wenn ich das mal so salopp sagen darf, und der hieros gamos ist immerhin eine altehrwürdige Vorstellung in der Religionsgeschichte.

    Die Vorstellung von Liebe und Angst als die 2 Grundursachen menschlicher Emotionen, findet sich im Übrigen auch bei Eugen Drewermann.

    Was mich etwas gestört hat, waren die Wiederholungen. Dass es Schizophrene im Arbeitsmarkt schwer haben, ist zwar richtig, war mir aber mindestens einmal zu häufig erwähnt.

  • Stark sind nur diese welche ihre Medis absetzen. Alles andere ist Humbug. Stark sind die welche bei Schüben Medikamente nehmen und ihrem Hirn nicht allen Mist glauben.

    Jetzt habe ich Deinen Beitrag mit "Gefällt mir" markiert, was ich eigentlich nicht wollte...

    Ich denke, ob man Medis nimmt, muss jeder selbst entscheiden. Ich finde es persönlich nicht stark, seine Medis abzusetzten, da habe ich eine andere Meinung. Wenn ich die Medis absetze, bekomme ich wieder einen Schub. Bei jedem Schub habe ich in der Vergangenheit etwas "verloren", mal war es meine Konzentrationsfähigkeit, die ich jetzt auch noch nicht wiederhabe, mein Selbstbewusstsein, mein Selbstwert, mein IQ (von 135 auf 95 geschrupft), meine Arbeit, viele Freunde, mein "altes" Leben und vieles andere mehr. Ich habe keine Lust durch eine neue Psychose noch mehr zu verlieren, deshalb nehme ich Medis.

    Aber muss ich mich hier wirklich rechtfertigen? Ich fühle mich schon von Dir angegriffen und als schwach dargestellt.

  • Jetzt habe ich Deinen Beitrag mit "Gefällt mir" markiert, was ich eigentlich nicht wollte...

    Ich denke, ob man Medis nimmt, muss jeder selbst entscheiden. Ich finde es persönlich nicht stark, seine Medis abzusetzten, da habe ich eine andere Meinung. Wenn ich die Medis absetze, bekomme ich wieder einen Schub. Bei jedem Schub habe ich in der Vergangenheit etwas "verloren", mal war es meine Konzentrationsfähigkeit, die ich jetzt auch noch nicht wiederhabe, mein Selbstbewusstsein, mein Selbstwert, mein IQ (von 135 auf 95 geschrupft), meine Arbeit, viele Freunde, mein "altes" Leben und vieles andere mehr. Ich habe keine Lust durch eine neue Psychose noch mehr zu verlieren, deshalb nehme ich Medis.

    Aber muss ich mich hier wirklich rechtfertigen? Ich fühle mich schon von Dir angegriffen und als schwach dargestellt.

    Naja, wenn du immerhin noch einen IQ von 95 hast, dann solltest du dich mit den Medikamenten und den Auswirkungen auf das Hirn sowie mit dem Thema Absetzpsychose auseinander setzen. Viele kommen psychotisch in die Klapse und werden mit Medikamenten von ihrem Wahn runtergeschossen. Da liegt das Problem.


    Wenn du ohne Medis immer einen Schub bekommst dann spricht einiges für die Absetzpsychose. Aber dein Arzt sagt dir nichts davon. Auch weiß dein Arzt nicht wie man die Medis richtig ausschleicht bei Jahrelangem Gebrauch. Ruh dich ruhig drauf aus und denke das du nichts machen kannst wenn du wieder bekloppte Sachen beginnst zu glauben. Ingo hier kam bspw sehr gut mit seiner Reduktion eines Medis klar, es ging ihm gut, er erzählte es seiner Ärztin und sie meinte er solle erhöhen da es in der niedrigen Dosierung nicht mehr therapeutisch wirksam wäre. Macht gern alle was ihr möchtet, aber informiert euch doch dann wenigstens abseits des Arztgespächs.

    ADFD - Forum


    Informier dich einfach mal. Kann sehr gut sein das es nicht die Grunderkrankung ist die dir Probleme bereitet, sondern dein Ungleichgewicht im Kopf was durch die Medis verstärkt wird.

    Ein Beispiel: Ich habe Kopfschmerzen und nehme jedes mal eine Tablette. Was ist schwerer? Tablette schlucken oder den Schmerz überstehen? So verstehst du es vllt.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Manuel35


    Schizophrenie kann man aber auch mit Krebs vergleichen, da nimmst du ja wohl auch Medikamente, wenn du am leben hängst und vertraust nicht nur auf deine Immun Abwehr!?


    Es gibt x Studien zum Thema Schizophrenie und Psychopharmaka, auch gibt es Psychopharmaka nicht in allen Regionen der Welt und früher (vor 80 Jahren) auch bei uns nicht. Ohne Psychopharmaka geht es den meisten betroffenen deutlich schlechter und diese werden häufig weggesperrt und oder mit unmänschlichen Behandlungen behandelt (Lobotomie)...


    Also bitte gut informieren und nicht einfach die Medikamente verteufelt...

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Natürlich kommt es auf die Schwere der Erkrankung an.

  • Das ADFD Forum jalte ich nicht für sinnvoll für Psychisch kranke,da werden Hoffnungen geweckt,die nicht eintreffen werden,vertraut lieber euren Psychiatern

  • Zitat: Stark sind die welche bei Schüben Medikamente nehmen und ihrem Hirn nicht allen Mist glauben.


    Ein Problem dabei scheint zu sein, dass genau das kaum gelingt, da das Gehirn schon einige Zeit vor einem Schub anfängt etwas vorzugaukeln. Bei den vier Menschen, die ich psychotisch erlebt habe, musste ich miterleben, dass sie nicht mehr in der Lage waren zwischen der sogenannten Realität und ihrem Erleben zu unterscheiden. Keiner von ihnen entschied sich für die Einnahme eines Medikamentes.

  • Bei den vier Menschen, die ich psychotisch erlebt habe, musste ich miterleben, dass sie nicht mehr in der Lage waren zwischen der sogenannten Realität und ihrem Erleben zu unterscheiden. Keiner von ihnen entschied sich für die Einnahme eines Medikamentes.

    Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn man in der Psychose drin steckt, dann denkt und handelt man nach dem Motto "Ich bin der einzige Normale hier, alle anderen sind verrückt". Und sieht auch keine Notwendigkeit für Medikamente. Beim letzten Einsetzen meiner Psychose hatte ich Glück, ich kannte meine Diagnose, ich kannte die Symptome, und bin bei den ersten Anzeichen zum Arzt gegangen. Jetzt nehme ich eine minimale Dosis Amisulprid, und werde es auch dabei belassen.

    "Warum weinst du? Es tut mir sehr leid, ich weiß nicht, was ich in einem solchen Moment tun oder fühlen soll." - "Warum versuchst du nicht, einfach zu lächeln?"

    (Rei Aynami - Shinji Ikari, Neon Genesis Evangelion)

  • "Ich bin der einzige Normale hier, alle anderen sind verrückt"


    Beim letzten Einsetzen meiner Psychose hatte ich Glück, ich kannte meine Diagnose, ich kannte die Symptome, und bin bei den ersten Anzeichen zum Arzt gegangen. Jetzt nehme ich eine minimale Dosis Amisulprid, und werde es auch dabei belassen.

    Das ist ja eben das, ich hatte einige unterschiedliche Episoden, von daher weiß ich ja was mich erwartet und wenn es losgeht, werde ich diesen ganzen Mist nichtmehr glauben. Auch in der Klapse fing es einmal seicht an als mich ein Mitpatient wissentlich oder auch unwissentlich getriggert hat. Nach einigen Stunden rumgrübeln war ich dann auch wieder drüber hinweg.


    Ich habs noch nicht erlebt aber denk das ich die Kontrolle behalten kann. Schließlich bin ich der Beobachter meiner Gedanken und nicht die Gedanken selbst. Ich reduziere jedenfalls weiter und hoffe ohne Medis klarkommen zu können. Wenn nicht habe ich noch eine kleine Auswahl zuhause welche mich auf den Boden zurück holen kann.

  • Stark sind nur diese welche ihre Medis absetzen. Alles andere ist Humbug. Stark sind die welche bei Schüben Medikamente nehmen und ihrem Hirn nicht allen Mist glauben.

    Ich kenne nun mehr als drei Menschen welche sehr stark paranuid Schizophren waren mit jahrzehnte langen Psychotischen Schüben.

    Nun haben diese drei die Medis erfolgreich abgesetzt.

    Und ich bewundere diese Freunde sehr.

    Sie haben meinen höchsten Respekt, denn ich weiss noch wie schlecht es ihnen ging.


    Ich frage mich auch oft, ist mir dies auch möglich ?

    Schaffe ich das auch ?


    Aber ohne Hilfe ?

    Du hast Recht, die Ärzte wissen zu wenig wie man Medis ausschleicht.

    Zumindest in dies bei mir so.


    Ich bin ein sehr labiler Mensch und nicht belastbar.

    Bin aber auch sehr aufgeschlossen und humorvoll.

    Mit mir kann man über alles reden.


    Aber ich habe keine gute Psychiaterin.

    Finde einfach keinen.


    Dafür eine gute Psychiatriespitex.


    Ich weiss dass bei mir einige Traumatas in der Biografie sind welche die Symptome der Schizophrenie auslösen.

    Mit Medikamenten funktioniere ich, aber nur mit etwas dämpfenden Medis.

    Würde man diese langsam ausschleichen und die Traumatas (es sind mehrere) therapieren, könnte ich auch ohne Medis sein.


    Meine Freundin welche ein schlimmes Trauma erlitten hat, und dadurch krank wurde, hat an sich stark gearbeitet. Hatte auch die richtige Hilfe. Konnte eine Peer Ausbildung machen und hat in Kliniken gearbeitet.

    Jetzt studiert sie, ganz ohne Medis.


    Windlicht

    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.