Von Holland, Orchestern und schönen Frauen

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  • Meine Geschichte beginnt in meiner Kindheit und Jugend, wo meine Grundfesten schon durch mehrere Jahre in verschiedenen Ländern als Diplomatenkind und als Sohn einer Alkholikerin erschüttert wurden.

    Anfang meiner Zwanziger zog ich dann nach Holland um Musik zu studieren.
    Insgesamt dreimal habe ich die Aufnahmeprüfung bestanden, und dreimal musste ich das erste Jahr abbrechen.

    Das zweite Mal war aber ganz besonders, im Guten wie im Schlechten.

    Ich bewarb mich bei einem legendären Straßenmusikorchester als E- und Kontrabassist für den Jazzbereich und erreichte nach bestander Prüfung am Tag meines Geburstages die Proberäume, wo vor der Wintertournee geprobt wurde.

    Dort empfingen mich 40 MusikerInnen und sangen für mich wie die Engel "Gefeliciteerd, oh wat zijn we blij" "Herzlichen Glückwunsch, oh was sind wir froh".
    EIne schöne junge Dame kam auf mich zu und begrüßte mich wie in Holland üblich mit Küssen auf die Wangen und dem Satz "Ich habe heute auch Geburstag".
    Ich war verliebt, sowas schönes und vielversprechendes war mir Jungfrau mit 25 noch nie passiert. Sollte das Schicksal mal auf meiner Seite sein?

    Die Proben und die Tournee waren wunderschön, voller persönlichem und sozialen und beruflichen Erfolg, ich wurde geschätzt und begehrt.
    Doch das Glück sollte nicht von langer Dauer sein.
    Es zeichnete sich zwar ab, dass die Dame und ich eine Romanze hatten, aber sie hatte einen langjährigen Freund, und musste sich zwischen uns entscheiden.

    Sie erbat sich drei Monate Zeit, bis zur nächsten Tournee, wo ich nicht danach schauen sollte, was sie tut.
    Ich versuchte in meinem Studienalltag zurechtzukommen, vermisste aber den Rausch des Orchesterlebens und stürzte mich wieder in eine alte Jugendsünde, das Grasrauchen, in Holland leicht zu machen.

    Es kam wie es kommen musste - ich bekam online im Emailverteiler des Orchesters eine Psychose, drohte den Orchestermitgliedern, verdächtigte jeden Mann etwas mit der Dame zu haben oder haben zu wollen, war extrem eifersüchtig und schließlich entschied der Dirigent, dass ich entlassen werde.

    Ein paar Freunde aus dem Orchester brachten mich zum Zug, darunter auch eine der beiden Damen, die ich als meine "Ziehmütter" benannt hatte. Sie hatte mich während der Zeit mit der Gebursttagsdame unterstützt und machte jetzt Andeutungen, sie hätte selber Interesse, wurde aber von ihrem Freund wiederum gestoppt.

    Diese Situation sollte sich später noch als verhängnisvoll erweisen.

    Ich kam nach Deutschland zurück, hatte einen halbherzigen Selbstmordversuch und ging dann zur Behandlung in die Klinik. Aber das Schreiben an das Orchester blieb.
    Über die kommenden 15 Jahre sollte ich weitere Psychosen bekommen, kein Wort vom Orchester hören und nur mit der "Mutter" in Kontakt via Facebook sein.
    Dann bekam ich meine zweite Romantikattacke und begann wie wild um die "Mutter" zu kämpfen, sie hatte mich doch auch gewollt - und ich verlor sie für immer.

    Anstatt bei beiden Damen und dem Orchester deren Entscheidung zu respektieren, zu schweigen und mein Leben zu Leben, begann ich zu stalken.
    Stalken ist für mich dicht bei Vergewaltigung und ich musste erstmal verstehen, wodurch ich zu sowas wurde, um es mir zu vergeben.
    Es war Beziehungswahn gepaart mit einer durch die Kindheit ausgelöste Unfähigkeit loszulassen, aus Angst- unfassbarer Verlustangst.

    Parallel machte ich in meiner deutschen Heimatstadt weiterhin Musik, stand mit einem Bein in der Klinik und mit dem anderen auf der Bühne.
    Ich machte jahrelange Rehaarbeiten, lästiges Pakete packen aber fand eine ganz tolle Psychiaterin, einen ganz tollen Betreuer und seit einem Jahr habe ich eine super Therapeutin. Medikamentös bin ich nach Jahren des elenden Ausprobierens beim bestmöglichen angekommen.

    Inzwischen habe ich eine Ausbildung zum Musiktherapeutin absolviert, habe mir mit Hilfe von Freunden meine Wohnung schön eingerichtet und habe jetzt wieder einen Job in der Straßenmusik, im professionellen Jazz, wo ich z.B. in drei Wochen 50 Stücke auswendig gelernt habe.

    Alles in meinem Leben steht bereit, bis auf mein vieles Rauchen und mein Übergewicht und dass ich seit 11 Jahren single bin.

    Aber dagegen kann man was tun und das andere findet sich von alleine, wenn man sich nur treu bleibt und an sich arbeitet und sich von keiner Frau mehr abhängig macht.

    Jedenfalls hatte ich gestern einen Durchbruch, wodurch ich auch in diesem Forum gelandet bin.

    Die beiden Damen und unsere Geschichte waren immer wie Magnete, die mich in das Mailelend zurückgezogen haben-
    und seit gestern ist Schluß damit.
    Denn mir ist klar geworden, dass es kein happy end für uns geben kann. Sie werden nie wieder auf mich stehen, und für mich wird eine asexuelle Freundschaft immer zu wenig sein, nach dem Aufregenden was wir hatten.

    Naja, vielleicht irgendwann im Leben wenn ich glücklich mit Frau und Kind bin, sehe ich das vielleicht anders.

    Aber bis dahin gilt: alle Hoffnungen, Wünsche und Beziehungsideen sind gestorben. Was die Holländer angeht.

    Und das ist die Basis für die befreite Zukunft, für sie und mich.

    Ich trenne mich jetzt sozusagen auch von der Beziehung, so wie sie es schon vor 15 Jahren taten.

    z.B. habe ich meine Emails jetzt in einer neuen App zusammengeführt, ein Umzug sozusagen, wie nach einer Trennung.



    Ja, meine lieben Leser.

    So hat sich das alles zugetragen.

    Und sollte ich mich je dazu hinreißen lassen wieder zu schreiben, stelle ich mich hier in diesem Thread an den Pranger.

    Oder ich schreibe gleich von Anfang an lieber hier hinein.


    Die Nacht war lang, ich gehe schlafen.

    Alles Liebe

    Mindhunter

  • PS: Ich habe eine schizoaffektive Störung (Schizophrenie und Bipolarität),
    Meine Beziehungen waren bis auf eine 2 1/2 Jährige Beziehung nach Holland alle eine Katastrophe.
    Hat etwas mit der alkoholkranken Mutter zu tun, angelernte Distanzlosigkeit und Selbstindiskretion.
    2018 war ich wegen der "Mutter " so eifersüchtig, dass ich dachte mein Vater, mein Schüler, mein Lehrer und alle anderen hätten was mit ihr obwohl sie zufrieden mit ihrem Freund in Holland saß.
    Deswegen hatte ich einen weiteren Selbstmordversuch, wo ich schon mit Messern, Pillen und Geschirreiniger unter der Dusche saß.
    Meine Mutter, die liebe Seele ist 2016 verstorben.

  • Herzlich willkommen hier im Forum und vielen Dank für deine ersten Beiträge! Da hast du ja einiges hinter dich gebracht...

    „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Vielen lieben Dank euch allen für das nette Willkommen!

    Ja, da ist viel passiert in meinem Leben, mittlerweile ist aber alles ziemlich ruhig geworden, das sorge ich auch selber bewusst für.

    Elfriede: Mindhunter ist ein Buch von dem wichtigsten FBI Profiler, der Serienmörder interviewt hat, um solche schlimme Sachen in der zukunft verhindern zu können. David Fincher ist ein bekannter und wahnsinnig guter Regisseur, der daraus eine Netflix serie gemacht hat, die ich bei mir zuhause ganz oft bewusst oder im Hintergrund laufen lasse, weil es immer wieder was neues zu entdecken gibt. Man muss aber was aushalten können, von den schlimmen Sachen erfährt man aber nur aus den Dialogen. In der Serie ist keine sichtbare Gewalt, das hat die garnicht nötig.
    FBI Agent Holden Ford, die Hauptrolle ist mein Profilbild, weil ich zu den Guten und auf der Seite des Gesetzes gehören möchte und gewisse alte Verhaltensweise gewissermaßen ins Gefängnis stecken möchte.