Euer Fazit über eure psychiatrische Behandlung?

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  • Hey Ho,


    Geht es euch durch eure psychiatrische Behandlung besser?


    Wie steht ihr zu euren Therapeuten, Psychiaterin, der Psychoedukation, Erfindungen wie AbilifyMyCite und Betreuern?


    Erlebt ihr Stigmatisierung im Alltag?

    Ist es irgendjemandem hier gelungen, seine Erkrankung nach außen erfolgreich unter den Teppich zu kehren?


    Reflektiert doch mal was gut und was schlecht war, was ihr gerne geändert hättet, was euch so dazu einfällt.

    wenn ihr wollt.

    Würde mich echt mal interessieren.


    Einige scheinen an der psychiatrie ja auch was auszusetzen zu haben. Mich interessiert

    mal, ob es da genauso Überschneidungen gibt, wie bei den wahninhalten.


    Und wenn ja, würde ich mal gucken, ob man nicht ne petion auf den Weg bringen kann, in diesem superwahljahr.

    Gestörte gibt's ja immer mehr.

    Ich weiß nur nicht, ob dass auch schon im Wahlkampf berücksichtigt wird, aber die Chance erscheint mir besser als sonst.

    Gerade da durch corona auch die psychischen Leiden zunehmen.


    Wenn es wen interessiert, tue ich auch meine Meinung kund. Steht aber eigentlich eh schon im Tagebuch und in der Vorstellung.


    Herzliche, adrenalingeladene grüße


    KitKat

    ;)

  • Das ist schon fast 15 Jahre her, daß ich in der Psychiatrie war. Meine Erinnerung ist die, daß sich die Psychiater an mir die Zähne ausgebissen haben. Ich hatte eine fette Negativsymptomatik und habe weder auf Medikamente noch Psychotherapie reagiert. Ich bin am Ende wieder in Ordnung gekommen, aber das hat ein paar Jahre gedauert. Wäre es nach den Ärzten gegangen, dann wäre ich jetzt in Betreuung, in Frührente, in einem Behindertenwohnheim, und würde meine Zeit mit Tütenkleben und Schrauben sortieren verbringen.


    Medikamente. Ich bin mir sicher, daß sich die Ärzte bei der Dosierung komplett vertan haben. Ich habe damals 400 mg Clozapin bekommen und war komplett sediert und schläfrig. Irgendwann habe ich die Dosis auf eigene Faust heruntergesetzt, und festgestellt, daß ich mit 25 - 50 mg einigermaßen leben kann, ohne Symptome zu bekommen (also ein Achtel der verordneten Dosis!).

    Ich war anderthalb Jahre in der Psychiatrie und noch mehrere Jahre ambulant, in der ganzen Zeit hat sich niemand die Mühe gemacht, mal die Dosierung zu überprüfen - das mußte der Patient dann selber übernehmen.


    Meine Erinnerung ist, daß die Ärzte viel zu wenig Zeit für die Patienten haben, und sich deshalb auch nicht individuell mit jedem befassen können, selbst wenn sie es wollen (manche wollen das, manche nicht). Dann, wie in meinem Fall, bleibt die Medikamentierung halt jahrelang so, wie sie mal eingestellt wurde, der Patient ist ja brav, tut, was man ihm sagt, und kratzt nicht die Tapete von der Wand.

    In dem Zusammenhang habe ich auch die Erfahrung gemacht, daß die meisten Psychiater einen nicht für voll nehmen. Man ist halt irre, und wenn man was an der Behandlung auszusetzen hat, dann ist das mangelnde Krankheitseinsicht.


    Wie gesagt, das ist fast 15 Jahre her, und in der Zwischenzeit hat sich hoffentlich etwas geändert - obwohl der Personalschlüssel in den Krankenhäusern wohl nicht besser geworden ist.

    "Warum weinst du? Es tut mir sehr leid, ich weiß nicht, was ich in einem solchen Moment tun oder fühlen soll." - "Warum versuchst du nicht, einfach zu lächeln?"

    (Rei Aynami - Shinji Ikari, Neon Genesis Evangelion)

  • Geht es euch durch eure psychiatrische Behandlung besser?


    Wie steht ihr zu euren Therapeuten, Psychiaterin, der Psychoedukation, Erfindungen wie AbilifyMyCite und Betreuern?


    Erlebt ihr Stigmatisierung im Alltag?

    Ist es irgendjemandem hier gelungen, seine Erkrankung nach außen erfolgreich unter den Teppich zu kehren?

    Hallo KitKat,

    zuerst habe ich überhaupt nicht begriffen, was Psychose und Schizophrenie eigentlich ist. Und ich habe natürlich nicht geglaubt, dass ich eine Psychose habe und habe auch zuerst nicht begriffen, was ich in der geschlossenen sollte und warum ich plötzlich auch noch einen Betreuer hatte.

    Erst durch die Kombination der Medikamente, Therapie und Psychoedukation habe ich begriffen was mit mir los ist. Ich bin quasi aufgewacht aus einem schlimmen Albtraum. Und weiß noch wie ich dachte: Was, das war nicht real? Alles nur in meinem Kopf?

    Ich wurde wirklich gut aufgefangen und bin immer noch dankbar. Na gut, die geschlossene Abteilung ist nicht gerade eine schöne Erfahrung, darauf kann man gerne verzichten.

    Bei mir wissen nur meine Familie, gute Freunde und auch auf der Arbeit von der Schizophrenie. Nachbarn und Bekannte wissen es nicht. Bei Leuten die ich nicht kenne, erzähle ich was von manisch/depressiv, damit können die meisten besser umgehen als mit Schizophrenie.

    Wie ist es bei dir KitKat? Was erzählst du so über deine Krankheit? Gehst du damit offen um?

  • Hallo Kit Kat,


    Ich hatte am Anfang große Schwierigkeiten in der Klinik aber eigentlich nur weil ich so krank war und keine Krankheitseinsicht hatte.
    Alles hat sich verändert als ich eine ganz wichtige Person in meinem Leben verloren habe und ich mir schwor, dass das nie wieder passieren würde.
    Danach fiel es mir leichter, auf das Kiffen zu verzichten und die Medikamente zu nehmen.
    Ich habe aber auch wirklich großes Glück mit meiner Psychiaterin, bei der ich immer auf der offenen unterkommen kann (zwei ein halb Jahre her), mit meinem gesetzlichen Betreuer und meiner aktuellen Therapeutin. Alles Schätze, für die ich sehr dankbar bin.
    Natürlich ist Klinik nie wirklich schön, es geht immer um die Basisgesundheit, wenn man die hat, kann man neue Leute kennenlernen und aus der Krise ne Chance machen, z.B. an den Therapien teilnehmen. Wenn man die nicht hat, die BG, dann kann Klink ganz schön bedrückend sein.

    Ich persönlich habe irgendwann aufgehört, über meine Krankheit zu lügen, ich fand das schlimmer als sich dem Stigma zu stellen.
    Ich habe schon öfters auf Facebook über meine Erkankung gebloggt und auch sehr positive Reaktionen bekommen.
    Trotzdem wünsche ich mir oft, dieser Teil meines Wesens wäre für andere unsichtbar geblieben, ich habe einen Kumpel mit Schizophrenie, der macht immer alles mit sich selber aus, da wissen nur der Familien und Freundeskreis Bescheid.

    Da ich eine Ausbildung zum Musiktherapeuten gemacht habe, stellt sich meine ganze pschiatrische Laufbahn als beruflich verwertbar heraus. Ich sehe alles mittlerweile als Lebenserfahrung, die nun einmal sein musste und mich zu dem gemacht hat was ich heute bin, ich sehe es mittlerweile positiv, aber auch nur, weil ich genügend Abstand habe.

    Liebe Grüße

    Mindhunter

  • Also ich habe da nicht so viel, oder kaum Erfahrungen mit Kliniken und Ärzten. War nur letztes Jahr für 2 Wochen in der Psychiatrie auf einer offenen Station wegen meiner Psychose (paranoide Schizophrenie). Kann kaum etwas negatives berichten. Meine Zimmergenossin war schwierig, habe sofort ohne zu Fragen ein neues Zimmer bekommen. Konnte keine Tabletten schlucken, bekam sofort eine Lösung zum Trinken, wollte eine Kopie des Diagnoseberichts haben, habe sofort es nach Hause zugeschickt bekommen usw..Eine Psychotherapie habe ich nicht bekommen, aber hatte bisher zwei Psychiater, die irgendwie beide gegenteilige Meinungen haben.

    „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“ — Antoine de Saint-Exupéry, Buch "Der kleine Prinz"

  • Naja, die Erfahrung zeigt, das man eben ausgegrenzt wird, der Begriff Schizophrenie ist gleichzusetzen mit Mord und Angst bei den Leuten. Niemand will n Schizophrenen in seinem Freundeskreis haben. Die Ablehnung ist entsprechend groß, wenn man sich outet.

    Ich würde diesen Bock den ich damals gemacht habe nicht nochmal machen. Nur ein Spruch, aber hinterher ist man wirklich immer schlauer.

    Was die Behandlung angeht, bin ich mit meiner derzeitigen Ärztin überwiegend zufrieden.

    Sie hört zu und versucht Ihre Patienten Ernst zu nehmen und lässt einen ausreden. Für einen Arzt ist das alles Andere als selbstverständlich.


    Da kann man sicherlich auch mehrere Punkte ansprechen, was mein Fazit oder ein generelles Fazit ist.


    Gerade sehe ich aber nix, ich weiß nicht, was das für Punkte wären.


    Vielleicht schreibe ich später noch was dazu.


    Lg

  • Schade, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass man wegen der Schizophrenie in der Gesellschaft ausgegrenzt wird..Mir ist das bisher noch nicht passiert, (okay, bin aber auch noch nicht so lange krank)..Meine Arbeitskollegen haben interessiert gewirkt, als ich ihnen von der Krankheit erzählte, mein Chef ist zwar etwas panne und glaubt nicht, dass ich krank bin, aber er guckt mich nicht schief an deswegen, sonst sind die Menschen eher interessiert, nicht ausgrenzend.

    „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“ — Antoine de Saint-Exupéry, Buch "Der kleine Prinz"