Erste Psychose/paranoide Schizophrenie meiner Tochter

Hallo Lieber schizophrenie-online.org Nutzer


Um diese Seite im vollen Umfang Nutzen zu können musst du dich Registrieren, erst dann ist das erstellen und beantworten von Beiträgen möglich. Auch der Chat und der nicht öffentliche Bereich ist nur für Registrierte Benutzer verfühgbar.


Als Registrierter Nutzer profitierst du außerdem davon, dass du andere Mitglieder über Privat-Nachrichten oder Email (anonymisiert) kontaktieren kannst.

  • Das Thema beschäftigt mich nun schon seit fünf Jahren und 11Tagen. Solange ist es her, dass ich eines morgens im August bei einem Kaffee auf meiner Gartenbank saß, als meine Tochter(28) an mir vorüber ging. Ihr Haar hing völlig zerzaust und vor allem licht über und um ihrem Kopf, ihr Körper abgemagert bis auf die Knochen, ihre Kleidung seit Tagen getragen und eher für einen Sofaaufenthalt geeignet als für einen Gang durchs Dorf und ihre Ausdünstungen wiesen eindeutig auf mangelnde Körperpflege hin. Ihre dunklen Augen glühten unnatürlich, ihr nicht enden wollender Wortschwall glich einem Hagelsturm schmerzhaft auf die nackte Haut prasselnd und ihre Bewegungen wirkten fahrig.

    Da wurde es mir klar.

    Meine Tochter war an der gleichen Krankheit erkrankt wie ihr Vater. Paranoide Schizophrenie. Ich presste die Lippen aufeinander um jegliche Reaktion zu vermeiden. In diesem Augenblick verfiel ich in eine innere Schockstarre aus der ich mich erst nach längerer Zeit lösen konnte. Ich war fassungslos. Meine Tochter war verrückt geworden. Alles in mir schrie:" Nein!!! ""Das darf doch nicht wahr sein!!!" "Das kann nicht sein!!!" "Nicht meine schöne, wunderbare, starke Tochter!!!" "Warum nur???" "Was habe ich getan? Oder nicht getan? Was hätte ich tun sollen? Was hätte ich nicht tun sollen? Es dauerte sehr lange (ich habe keine konkrete zeitliche Erinnerung mehr an diese Zeit) bis ich in der Lage war mich zu fragen, was ich jetzt tun könnte. Aber auch das nützte mir und vor allem Miri nichts. Ich konnte nichts tun solange Miri sich oder andere nicht gefährdete. Das wurde mir von seitens Ärzte, Polizei und Ämter schnell klar gemacht. Statt meiner Tochter helfen zu können, musste ich ihren Zustand noch verschlimmern, indem ich dafür sorgte, dass ihre schwer behinderte Tochter (8) in einem Heim untergebracht werden konnte, um ihr Leben zu schützen da Elli auch bereits bis auf die Knochen abgemagert war. Das alleine dauerte fast ein halbes Jahr. Meine Tochter hatte bis dato noch so etwas wie Vertrauen in mich. Das war damit zerstört. Der letzte Funken Liebe zerbrach zwischen uns,- glaubte ich. Ich glaubte mich am Ende.


    Es fällt mir schwer das Gefühlschaos in Worte zu fassen. Aber es will irgendwie raus und ich kann immerhin schreiben ohne in Verzweiflung zu versinken.


    Ich war die folgende Zeit und das mache ich mir schwer zum Vorwurf, damit beschäftigt dafür zu sorgen, dass Elli sich gut im Heim einlebte und alles für sie zu besorgen, was für eine gute Pflege von Nöten war. Miri rückte, in der Überzeugung, dass ihre Tochter bald wieder da war, nichts heraus. Jede freie Möglichkeit nutzte ich um mit Elli sein zu können. Koordinierte auch Rami`s Betreuung während der Schichten seines Vaters. Auch mein Schwiegersohn wirkte wie erstarrt und völlig überfordert mit der Situation. Bemühte mich den siebenjährigen Sohn meiner Tochter aufzufangen und ihm Halt in dieser aberwitzigen Situation zu geben. Da blieb wenig für meine Tochter, die mich nun ganz offensichtlich hasste, meine Nähe ohnehin nicht zuließ und mir unsägliche Angst machte. Den ganzen Tag extrem starken Kaffee, Unmengen Zigaretten konsumierte, kaum etwas aß, vor sich hinstarrte, und murmelte. Ihr Gesicht war zu diesem Zeitpunkt schon hohlwangig und ihren Augen wirkten unnatürlich groß. Ihre immer wiederkehrenden Standpauken, die sie jedem von uns hielt, zusammenhangslos und verworren.


    Doch nach etwa einem Jahr beschlossen ihr Mann und ich dem ein Ende zu setzen, Miri so lange zu provozieren (sie war da schon extrem aggressiv) bis sie handgreiflich werden würde und sie amtlich eingewiesen werden konnte. Dies gelang uns nach einigen Versuchen. Einerseits voller Hoffnung, dass Miri nun geholfen werden kann und auf der anderen Seite das Gefühl völlig versagt zu haben, wäre ich am liebsten gegen einen Baum gefahren um diesem Wahnsinn zu entkommen. Wieder ein Mal glaubte ich, dass ich nicht mehr könnte.


    Ich kann das leider nicht zwischenspeichern. Daher habe ich mich entschlossen abzusenden und ein andermal weiterzuschreiben.

  • Es gibt auch positive Aufenthalte in der Klinik...

    Die Polizei hatte mich auch mit notarzt eingewiesen und ich wurde herzlich behandelt ohne Druck und ohne Fixierung...


    Meine Psychologin hat mir mal gesagt man schweift in eine andere Welt ab wenn die reale Welt so scheisse ist...


    Da würde ich die Person erstmal fragen wies ihr geht oder was so dermaßen kagge ist das man sich selbst verliert...


    Meine Psychologin sagte mir das ich oder Personen die übersensibel sind die Welt nicht mehr verstehen...


    Kann ich nachvollziehen mir geht's genauso...


    Mfg tony 😊

  • Liebe Alice, es ist absolut traurig das sie dich gleich für immer da behalten wollten.. absolut unfair.


    Das man mit der Polizei in die Klinik gebracht werden muss gibt es leider oftmals.

    Meine Erfahrungen mit Kliniken sind auch nicht die besten.. habe auch Gewalt erlebt .


    Trotzdem ohne Klinik wäre es bei mir nicht gegangen und letzten Endes bin ich froh eingewiesen geworden zu sein.


    Aber schön war es wirklich nicht und ich habe heute noch Albträume von meinem ersten Aufenthalt.



    Liebe Grüße Ida

  • Hallo

    Elfriede vielen Dank für deinen Mut das hier zu schreiben, und dann so direkt die Wahrheit.

    Wie wird Miri reagieren, wenn sie es vielleicht liest ( ich glaube du hattest ihr den Link zum Forum gegeben)? Ich würde ausflippen...

    Du schreibst an einer Stelle der Liebe letzter Funken sei zerbrochen - ich denke das nicht. Und ich glaube auch nicht,dass deine Tochter dich hasst... zumindest heute nicht,so wie du von euch beiden und euren Kontakten schreibst.


    Alice ich finde das auch total schlimm, weil ich mich frage wie wohl meine Verwandtschaft und Bekanntschaft mich manipuliert (hat) , aber ich sehe durch Elfriedes Beschreibung eindeutig, dass es niemand böse meinte und auf lange Sicht hat es ja geholfen: Miri bekommt und meist nimmt sie ihre Tabletten. Ihr Zustand wurde wieder besser! Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel, aber hier war es gut so. Das schreibe ich,obwohl ich nur Horror erlebt habe,in der Klinik wo ich des öfteren war.


    Tony dem stimme ich zu, ich finde die "reale Welt" wirklich furchtbar... vielleicht fliehe ich deshalb?!


    LG hejemalafa

  • Hallo an alle,


    also meine Eltern haben mich schnell Zwangseingewiesen bekommen. Keine Ahnung was die dem Gericht und der Polizei erzählt haben. Jedenfalls hatte die Polizei keine Nerven mit mir. War schnell in der Klinik als ich gucken konnte. Ich war meinen Eltern sehr böse wegen der Zwangseinweisung. Vorallem bin ich sauer auf die Klinik. Die haben mir Sachen unterstellt das war der Hammer.


    Verhungern tut keiner so schnell, wenn er genügend trinkt. Aber klar ist Verzweiflung da. Nur der falsche Weg jemanden zu provozieren. Ich würde so Hasskicks auf die Leute schieben die mich provoziert haben.

    Habe meine Eltern wegen der Zwangseinweisung auch gehasst. Die behaupten immer noch das wäre die Entscheidung der Polizei und des Gerichts gewesen. Wenn man mir mal erklärt hätte das ich Stimmen höre, wäre ich auch von alleine und ohne Zwang in die Klinik gegangen.

    Alles blöd gelaufen. Aber man kriegt schnell eine Zwangseinweisung durch. Das musste ich feststellen. Es reicht schon etwas negatives über den Menschen mit Psychose zu erzählen und schon wird man Zwangseingewiesen.


    Deswegen habe ich Angst nochmal jemanden etwas über meine Erkrankung zu erzählen. Man kann so schnell Zwangseingewiesen werden, wenn andere Lügen erzählen.



    Wünsche einen schönen Tag noch

  • Huijuijui....da habe ich ja etwas losgetreten.


    Ich fange mal mit dir Alice an. Dass das eine extrem hinterhältige und gemeine Art ist das so zu tun, finde ich auch. Ich bin nicht stolz darauf. Gott sei dank musste Miri in der Klinik keine solchen üblen Erfahrungen machen wie du, sonst könnte ich mir bzw. Miri mir dass vermutlich nur schwer verzeihen.


    Es muss, so wie es sich für mich liest, extrem schlimm für dich in der Klinik gewesen sein. Das tut mir sehr leid für dich.


    Bei Miri ist es laut ihren Erzählungen deutlich besser abgelaufen. Sie hatte zwei sehr liebevolle Ärztinnen, die ihre Aussagen auch auf einen Wahrheitsgehalt hin überprüften.


    Sie fragte mich einige Zeit danach, warum ich sie, nur weil sie ein paar Steine nach mir geworfen hat(an mehr konnte Miri sich nicht erinnern), gleich einweisen habe lassen. Ich sagte ihr daraufhin, dass sie schon über ein Jahr meist in einem kaum ansprechbaren Zustand war, in dem sie zudem sehr unglücklich wirkte. Ich wollte, dass ihr geholfen wird. Ich konnte nicht mehr mit ansehen, dass sie kaputt ging und zutiefst hasserfüllt und angsterfüllt dahin vegetierte. Wäre Miri in einem glücklich und seligen Zustand verharrt, wäre mir nie in den Sinn gekommen so zu handeln.


    Miri hat dieses Thema weder bei mir noch bei anderen Familienmitgliedern nochmals erwähnt. Daraus schließe ich, so wie ich Miri kenne, dass sie verstanden hat, dass ich das für sie und nicht gegen sie getan habe.


    Du schreibst, dass du den Eindruck hast, dass man sehr schnell eingewiesen werden kann.

    Ich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Bei uns hat niemand reagiert, weder als Miri ihren Sohn massiv schlug, noch als sie ihre Tochter fast verhungern ließ, noch als sie auf mich einschlug, nicht als sie einen Teil der Einrichtung im Haus zerschlug und nicht als sie mir in ihrem Wahn Teile meiner Produktion zerstörte. Die Polizisten belächelten den Mann meiner Tochter und meinten lapidar, dass er doch wohl diese zierliche Person in den Griff bekommen würde. Erst als ich mir ihre Kennnummern aufgeschrieben und ihnen drohte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzuzeigen, wurden sie plötzlich gängig. Dann ging alles sehr schnell.

  • Hallo hejemalafa,

    Miri weiß, dass ich sie damals provoziert habe. Wir haben darüber gesprochen.

    Miri hat die Webadresse vom Forum und den Blog Titel.


    Du hast Recht. Ich habe das missverständlich geschrieben. Heute haben Miri und ich wieder ein viel besseres Verhältnis.

    Nur,- das war zu dem beschriebenen Zeitpunkt völlig weg und für mich unvorstellbar, dass sich das jemals wieder ändern könnte.

    Liebe Grüße

    Elfriede

  • Ich habe jetzt den Text von mir noch ein paar Mal gelesen und erst jetzt ist mir aufgefallen, dass das mit dem Provozieren auch ganz anders verstanden werden kann. Ich versuche es treffender zu beschreiben:

    Wir haben Miri provoziert, ja, aber dies war letztlich eine Sache von wenigen Minuten, da Miri ohnehin zu diesem Zeitpunkt ziemlich oft auf einen von uns los ging und unsere Sachen zerstörte. Das mit den mehreren Versuchen, heißt nur, dass das nicht gleich geklappt hat. Weil Miri einfach z.B. etwas zerstörte und dann weg ging. Oder ich zu zögerlich war. Deshalb brauchten wir ein paar Anläufe um unseren Plan Miri in die Klinik zu bringen, umsetzen zu können. Plötzlich hat alles gepasst. Miri kam wieder von sich aus um mich verbal anzugreifen und Sachen im Betrieb kaputt zu machen, Rami war in der Schule und Andre als Zeuge anwesend.

    Ich ging nicht wie sonst früher in die Deeskalation, sondern sagte Dinge die Miri noch wütender machten. Bis sie auf mich einschlug, Steine warf und mich mal wieder auf das vulgärste beschimpfte. Da rief ich die Polizei und alles nahm seinen Lauf.

    Ich glaube, das ist jetzt besser beschrieben.

  • Hallo zusammen, ich denke schon dass manchmal ein kleines eingreifen, oder ein schubs in die richtige Richtung (mit Worten) viel bewirken kann. Auch wenn es das gegenüber provozieren soll!! Denn wenn Miri ja schon so tief in der Psychose war und da selbst nicht mehr rausgekommen ist, ist es schon wichtig in Behandlung zu kommen, manchmal leider egal wie....


    Wichtig finde ich, dass die Klinik gut ist und die Ärzte und das Pflegepersonal respektvoll und auf Augenhöhe agieren, es bringt nichts mit Gewalt und Demütigungen zu behandeln, das bringt nur Hass auf das ganze System und keinen Behandlungserfolg!


    Und jeder betroffenen ist verschieden, bei manchen hilft ein bestimmtes Medikament wunderbar ohne grosse Nebenwirkungen, bei anderen wirkt das selbe Medikament nicht richtig oder hat Nebenwirkungen... Bei einigen reicht eine Psychotherapie wie sie mit den stimmen umgehen können... Wir Menschen sind halt alle sehr verschieden...


    Ich persönlich habe für mich gute Medikamente gefunden die fast ohne Nebenwirkungen ihren Dienst tun. Ausserdem mache ich noch eine ambulante Psychotherapie, nicht mehr so oft wie zu Beginn, aber es hilft mir meine Probleme zu bewältigen...


    Ich wünsche allen betroffenen, dass sie ihren weg finden mit der Erkrankung umzugehen und ein gutes leben führen können ohne Angst und Wahn....

    Achte auf deine Gedanken!
    Sie sind der Anfang deiner Taten.


    (Chinesisches Sprichwort)