Kranke nimmt ihre Medikamente nicht regelmäßig ein

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    • Kranke nimmt ihre Medikamente nicht regelmäßig ein

      Hallo,

      ich habe mal eine Frage.
      Meine Schwester ist seit ihrer Jugend (bisher über 30 Jahre) an Schizophrenie erkrankt. Sie wurde mehrmals im Laufe der Jahre in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie immer wieder Schübe hatte. Sie ist auch z.Z. vierteljährlich in Behandlung und muss Medikamente nehmen, die sie allerdings derzeit wieder einmal garnicht oder nur unregelmäßig einnimmt.

      Ihr Mann war zwei Wochen im Krankenhaus und ist jetzt in der Reha. Dadurch sind die Probleme natürlich verstärkt aufgetreten. Sie hat Halluzinationen und starke Ängste, geht überhaupt nicht aus dem Haus, außer wenn sie von jemand gefahren wird. Wir Geschwister haben zwar Kontakt zu ihr, aber sie akzeptiert nur eine von uns, die sehr gutmütig ist und sich von ihr lenken läßt. Mich hat sie vor ein paar Tagen aus dem Haus geworfen, weil ich sagte, dass ihr Mann sich Sorgen um sie macht. Da ist sie regelrecht ausgerastet.
      Eine Krankenschwester, die bei ihr einen Hausbesuch machte, fand ihren Zustand nicht so schlimm, weil meine Schwester ihr sagte, dass sie regelmäßig ihre Tabletten nimmt (obwohl der Schwager 4 volle Blister im Schrank gefunden hatte).

      Was kann man in einem solchen Fall tun? Gibt es für Angehörige (Geschwister) überhaupt eine Möglichkeit, etwas zu veranlassen, bevor die ganze Sache wieder einmal eskaliert?

      LG, silkpaint39
    • Zwangseinweisung!?!?

      Hallo Silkpaint39

      Wenn deine Schwester die Medikamente nicht nimmt, und deswegen einen psychotischen Schub bekommt, ist das sicher nicht gut. Aber eine
      Zwangseinweisung muss aus meiner Sicht wirklich das letzte Mittel sein. Es ist nämlich häufig so, dass eine Zwangseinweisung mehr schadet als nützt, da Sie die Beziehung zu den Bezugspersonen stark verschlechtern kann. Außerdem stellt eine Zwangseinweisung (die z.T. mit Zwangsmedikation einhergeht) einen starken Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar und sollte unbedingt vermieden werden. Zwangseinweisungen sind im Deutschsprachigen Raum, soweit ich weis, nur bei Selbst oder Fremdgefährdung möglich. Ist Sie also nicht extrem Aggressiv oder Selbstmordgefährdet dürfte eine Zwangseinweisung scheitern.

      Außerdem ist es in Deutschland so, dass die
      Zwangsmedikation in Kliniken durch das BGH verboten wurde, deshalb ist selbst in der Klinik nicht gewährleistet das Ihre Schwester Ihre Medikamente nimmt.

      Ich persönlich finde ein Gespräch mit Ihrem Psychiater für Sinnvoll. Erläutern Sie ihm doch Ihre Ängste und Befürchtungen. Außerdem sollte die Bezugsperson Ihrer Schwester ein klärendes Gespräch mit Ihr suchen, vielleicht hilft schon ein wenig Überredungskunst aus dieser Situation wieder raus...


      Viel Glück dabei und alles Gute


      Felix
      Achte auf deine Gedanken!
      Sie sind der Anfang deiner Taten.


      (Chinesisches Sprichwort)
    • Kranke nimmt ihre Medikamente nicht ein

      Danke, Felix,

      für deine Antwort auf meine Frage.

      Das ist uns leider aus den jahrelangen Erfahrungen mit dieser Krankheit meiner Schwester bekannt. Wir sind absolut hilflos und stoßen immer wieder an unsere Grenzen. Wir können ihr nicht helfen, weil sie eben nicht einsichtig ist.
      Leider hat unser Schwager nicht das nötige Feingefühl im Umgang mit ihr, sonst könnte er mehr bei ihr erreichen. Er meint, mit Druck käme er weiter bei ihr. Das reizt sie allerdings sehr und sie wird dann sehr ausfällig, was ihre Probleme noch verstärkt.

      Wir wollen sie überhaupt nicht einweisen, weil wir die Bestimmungen kennen und unsere Erfahrungen gemacht haben. Sie hatte auch über mehrere Jahre einen Betreuer, der aber irgendwann nicht mehr für notwendig befunden wurde. Unser Schwager meint aber, dass er uns eine Vollmacht erteilen könnte und wir dann handeln könnten, was allerdings nicht möglich ist, weil sie alles ablehnt.


      Sehe ich das richtig:
      Man kann also sagen, dass ohne Einsicht des Kranken keine Hilfe, in welcher Form und von wem auch immer, zu erhoffen ist.
      Also müssen wir abwarten, bis irgend etwas passiert.


      LG, silkpaint39
    • Zwangseinweisung!?!?

      Hallo silkpaint39

      Eine Zwangseinweisung scheint mir in der von Dir geschilderten Situation nicht möglich zu sein. Ich würde das jedoch mit dem Behandelnden Psychiater der Kranken (Schwester) klären. Ich halte es sowiso für das beste, dem Psychiater die Situation zu schildern, er sollte auch für die Angehörigen Ansprechpartner sein.

      Ich denke, dass es natürlich nicht einfach ist, die Situation in den Griff zu bekommen. Es ist aber vielleicht auch gar nicht so wichtig, dass Sie sich "normal" verhällt. Solange Sie nicht Selbst- oder Fremdgefährdet ist, ist es auch zum guten teil ihr Leben, und das sollte sie so leben dürfen, wie Sie es für richtig hällt. Solange Sie auch nicht in finanzielle schieflage gerät, oder total verwahlost, hallte ich ein vorsches Eingreiffen für falsch. Ohne den Willen der Kranken eine Therapie zu machen, wird diese höchstwarscheinlich sowiso scheitern. Was möglich ist, dass die engsten Bezugsperson Sie überzeugen können, dass etwas geschehen muss, und eine Therapie angebracht wäre. Wenn die Kranke dann einwilligt und einigermassen Motiviert zur Therapie schreitet ist ein längerfristiger Erfolg viel warscheinlicher!!!

      Hier noch ein Link mit Infos über Zwangseinweisung.
      Achte auf deine Gedanken!
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      (Chinesisches Sprichwort)
    • Kranke nimmt ihre Medikamente nicht

      Hallo Felix,

      danke für den Beitrag und die Links.

      Leider ist es so, dass von uns Geschwistern praktisch nur eine einigermaßen gut mit meiner Schwester klarkommt. Mich als älteste Schwester akzeptiert sie überhaupt nicht und das schon über viele Jahre. Sie reagiert manchmal regelrecht hasserfüllt, obwohl ich ihr früher oft geholfen habe, wenn sie Hilfe brauchte.

      Ein großes Problem ist der Umgang meines Schwagers mit ihr. Ich habe in der letzten Zeit von Außenstehenden und meinen Geschwistern gehört, dass er sie andauernd im Beisein von anderen Personen kritisiert (wenn sie ihn in der Reha besucht und auch sonst). Er macht das mit sehr drastischen Worten, auch wenn andere Personen dabei sind. Das ist sicher sehr verletzend für sie und verschlimmert die Lage. Manchmal frage ich mich, wer von den Beiden schwieriger ist, er oder sie. Das erschwert das Problem natürlich. Er bestimmt, was gemacht wird, hat überhaupt keine Geduld und möchte, dass alles nach seinem Kopf geht. Wenn meine Schwester dann ruhig reagiert, ist alles in Ordnung für ihn, aber wehe, wenn sie ihm widerspricht oder anderer Meinung ist als er. Dann wird sie übel beschimpft. Ich kann sie in dieser Hinsicht sogar verstehen, wenn sie sich auf ihre Art wehrt, nur schaukelt sich dann alles hoch, bis es nicht mehr geht.

      Ich schreibe das mal so ausführlich, damit man das Problem auch mal von der anderen Seite beurteilen kann. Mein Mann und ich haben unserem Schwager immer geholfen, wenn er kam, aber mittlerweile sehe ich die Situation etwas anders und werde ihm das auch ganz klar sagen.
      Eine Einweisung war nicht unser Ziel, weil wir aus Erfahrung wissen, dass da vorher schon viel passiert sein muss. Wir hoffen aber, dass ihre Ärztin ihr beim Termin in der kommenden Woche klarmacht, dass sie die Tabletten nehmen muss, damit die Sache sich nicht verschlimmert.

      LG, silkpaint39