03.09.20 - Vorsicht triggert vielleicht

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Hallo,

Nun liege ich seit über einer Stunde wach, also habe ich beschlossen aufzustehen. Mir geht so viel im Kopf rum. Ich fühle mich deswegen schlecht. Würde echt gerne schlafen, sonst bin ich morgen so schlecht drauf, aber es geht einfach nicht, habe mir dann sogar eine Entspannungsmusik angemacht, doch auch das blieb erfolglos...

Ich habe eine Mischung aus "früher" und heute im Kopf. Sogar mein erster Psychiatrieaufenthalt, vor 20 Jahren, ist Thema. Was ist nur los? Eigentlich weiß ich es, denn ich habe einen (scheinbar großen) Fehler gemacht: ich habe meinen Entlassungsbrief aus der Tagesklinik gelesen. Dazu hätte ich ein paar Fragen, aber das geht ja nicht, bin ja nicht mehr dort. Also habe ich mir so überlegt alles gut aufzuschreiben und wegzupacken, bis ich im Januar wieder aufgenommen werde. Aber wie soll ich bis dahin warten??? Das belastet mich schon sehr.

Ich will gar nicht krank sein, will diese Medikamente nicht mehr nehmen, nicht mehr zur Therapie in die Klinik müssen, nicht mehr Angst haben vor allem und jedem, mich nicht mehr bestraft und gequält fühlen, ich will nicht mehr leiden. Das Leben ist sehr selten mal schön, dabei müsste ich mich freuen, allein weil ich eine tolle Familie habe, aber die Krankheiten hindern mich daran, allen voran die seelischen Erkrankungen. Wenn ich keine Familie hätte... aber ich habe eine und daran halte ich mich fest! Das ist wirklich mein einziger Halt in dieser beschissenen Welt.

Was soll ich hier noch schreiben, kurz hilft mir das immer aber auf lange Sicht bringt es mich auch nicht weiter. Nun gut, auch eine kurze Linderung ist besser als gar keine. Aber heute fehlen mir die richtigen Worte - mir geht nur eins durch den Kopf, immer nur eins. Und das darf ich nicht schreiben, das wäre dann so... real?...greifbar?.... echt?... richtig?... Ich weiß wirklich nicht wie ich das beschreiben soll, weshalb ich es nicht niederschreiben möchte. Eigentlich müsste ich es, denn die In der Tagesklinik haben es mehr oder weniger empfohlen das mal zu Ende zu denken - doch ich habe Angst davor, habe Angst vor mir selbst, mal wieder. Manchmal habe ich mehr Angst vor meinen eigenen Gedanken, als vor Fremden Menschen. Ist das nicht schlimm? Krank ist das was ich denke und fühle. Eigentlich gehöre ich weggesperrt! Ich bin ja nur begrenzt ehrlich zu denen in der Tagesklinik, sonst hätten die mich wirklich schon in die geschlossene gebracht - am besten für immer.

Ich bräuchte jemanden mit dem ich über diese Dinge reden kann ohne Angst vor möglichen Konsequenzen, aber den gibt es nicht. Und hier? Kann der Forenbetreiber anhand meiner IP eigentlich herausfinden wer ich bin? Wird meine IPadresse gespeichert? Kann irgendwer irgendwie rausfinden wer ich wirklich bin? Wenn nicht könnte ich mich hier ausspinnen, wenn doch lasse ich das lieber. Und ich glaube letzteres ist der Fall, die Nummer wird gespeichert und anhand von ihr kann man den Nutzer ermitteln. Aber würdet ihr das tun? Unter bestimmten Voraussetzungen bestimmt, z.B. wenn ich schreiben würde ich werfe mich morgen um 9 vor einen Zug... dann würde doch jeder versuchen das zu verhindern, oder würdet ihr mir das nicht zutrauen oder würdet ihr es mir erlauben mich zu erlösen?

Das sind ja interessante Ideen/Fragen, die da in mir aufkommen. Naja jetzt habe ich es ja schon fast geschrieben was mich um den Schlaf bringt, also mal im Ernst, bevor ihr euch Sorgen macht: ich habe nicht vor mir oder irgendwem etwas anzutun, aber der Gedanke daran ist immer wieder da. Nur so die Überlegung wie und wo und wann, NICHT ich machs! Ich helfe mir immer darüber hinweg indem ich mir sage " nur noch 8 Jahre dann kann ich "gehen", weil dann alle Kinder erwachsen sind". Was in so vielen Jahren ist weiß ich nicht, aber erstmal hilft mir dieser Gedanke. Es ist tröstlich zu wissen, dass es bald vorbei ist. Doch immer wieder kommt auch der Gedanke, dass mir das zu lange dauert, bis dahin. Ich stelle mir vor wie schön es wäre alles jetzt zu beenden und manchmal... usw... aber ich tus nicht! Doch das ist eine Qual. Wenn mein Mann nicht mehr ist und die Kinder groß sind, spätestens dann mache ich ein Ende.

Mein Mann... der weiß nichts von meinen schlimmen Gedanken und soll sie auch nicht wissen. Er würde es auch gar nicht verstehen, er ist lebensfroh und selbstbewusst und weiß immer wie es weiter geht. Es würde ihn traurig machen oder gar enttäuschen oder ängstigen wenn er wüsste woran ich oft denke.

Jetzt bin ich wirklich am Zweifeln, ob ich das so hier stehen lassen kann?! Ich ändere mal meinen Titel in einen Trigger-Vermerk und dann könnt ihr mich gerne kritisieren - dafür dass ich hier so was schreibe, dafür dass ich so denke und wofür ihr wollt. Ich schicke es jetzt ab.

Hejemalafa

Kommentare 4

  • Hallo Ihrs,

    Vielen Dank für eure Antworten ☆ die so gar nicht so sind,wie ich erwartet habe. Was genau ich erwartet habe weiß ich selbst nicht, aber bestimmt kein Verständnis oder aber dass jemand diese Gedanken von sich kennt... Vielen Dank für eure netten Worte über mich.

    Vielleicht schaffe ich es sogar mal die dunkelsten Gedanken hier zu schreiben, denn heute Nacht tat es gut das auszudrücken was in mir vorging, wenn auch nur ganz vorsichtig und vage.

    Suizidgedanken sind offenbar ein bekanntes Thema,sie scheinen wohl verbreiteter als ich dachte,sind dennoch irgendwie ein Tabu, darüber wird nicht gesprochen, wer an sowas denkt ist schlecht. Aber das Aussprechen in Form vom Schreiben heute Nacht war wie ein Ventil - ich habe das Schweigen gebrochen. Na jedenfalls teilweise. Und

    das tat gut.


    @Ida das mit den Gedanken an Gefängnis und Todesstrafe kenne ich auch von mir. Ich denke auch oft ich wünschte mir einen tödlichen Unfall, ich glaube das wäre für die Familie einfacher zu vertragen,als ein Suizid... Ich könnte ja einfach nix dafür.


    @Elfriede Danke für deine Offenheit - also auch "gesunde,normale" Menschen können solche Gedanken haben. Ist ein bisschen ein Trost.


    @Felix vielen Dank, dass du nicht nur auf die schlechten Gefühle eingegangen bist,sondern mir auch das mit der IP erklärt hast. Ich habe da, wie bei so vielem, gar keine Ahnung von.


    Jetzt warte ich auf das Test-Ergebnis wegen corona und auf eine Lieferung der Apotheke. Die Kinder sind beschäftigt und mein Mann hat sich nochmal hingelegt,weil er so schlecht geschlafen hat - zum Glück hat er gar nicht bemerkt dass ich wieder wach war. ..


    LG hejemalafa

  • Hallo liebe hejemalafa 🤗


    Ja, solche Todessehnsucht hatte ich auch schon, in letzter Zeit zum Glück weniger geworden, aber ich kann es total nachvollziehen!


    Finde es super dass du den mit gefunden hast das hier zu schreiben und so offen bist... Ich denke, das ist ein wichtiges Thema!


    Ich mag dich auch sehr und würde es sehr schade finden, wenn du den Kampf ums leben durch die Schizophrenie verlieren würdest und von uns gehst...


    Zum Thema Nachverfolgung, ja, die ip Adressen werden gespeichert, was in Europa vorgeschrieben ist, ich kann daraus aber nicht herausfinden wer du bist, dass kann nur die Polizei und die bekommt die ip Adresse nur mit gerichtlichem Beschluss, den es soweit ich weiss nur für sehr schwere Straftaten gibt... Auf dieser Webseite zu schreiben ist also sehr anonym, soweit wie es die Gesetze zulassen...

  • Guten Morgen liebe hejemalafa,

    für mich ist es ausserordentlich mutig zu schreiben was dich bewegt. Deine Zeilen berühren mich bis in's Mark. Tränen stehen in meinen Augen. Ich kann dich so gut verstehen. Ich hatte als Teenager eine Phase, in der ich das Leben als Gefängnis erlebte und jeden Tag als "geschafft" abgehakt habe. Ich wusste nichts mit dieser Welt anzufangen. Seit ich für etwas lebe geht es mir aber gut. Ich glaube, auch in 8 Jahren wird es für deine Familie nicht leichter sein, wenn du dich für den Freitod entscheidest. Deinen Gedanken aber kann ich durchaus verstehen. Der Tod ist sicher einfacher als das Leben. ICH würde nicht versuchen dich daran zu hindern. Ich finde jeder von uns hat das Recht auf eine freie Entscheidung was dieses Thema betrifft. ...aber ich wäre traurig und würde dich hier vermissen. Ich empfinde dich als einen wunderbaren Menschen und fühle mich dir in Dankbarkeit für die Einblicke und Hilfe die ich durch dich erleben durfte, stark verbunden.

    Ich drück dich und wünsche dir einen überraschend schönen Tag!!!

    Liebe Grüße

    Elfriede

    • Liebe hejemalafa, ich kann dich gut verstehen auch meine Gedanken kreisen immer wieder um den Tod.


      Und manchmal hat mir die Planung auf Jahre verschoben Sogar Gerade die Kraft gegeben weiter zu kämpfen.


      Es ist mutig und sehr ehrlich das du es uns hier schreibst.


      Ich denke auch hier ist es gut aufgehoben.. eben genau so wie du es schreibst.


      Vermutlich wären konkrete Ankündigungen was ganz anderes.

      Aber du hast uns ja versichert dass du es jetzt nicht machen wirst.


      Es tut mir total leid dass es dir so schlecht geht und gleichzeitig erschrecke ich mich vor den Parallelen zwischen uns beiden.


      Es unterscheidet uns viel..Land und Ort und persönliche Geschichte...du hast Kinder und ich nicht.


      Aber diesen elenden Kampf gegen die Krankheit führen wir seit vielen Jahren und es ist ein Wunder dass es wir es bis heute geschafft haben.


      Diese Gedanken mit dem wegsperren kommt mir auch immer wieder.


      Oder sogar...mega peinlich..🤦 für mich sollte es die Todesstrafe geben..wie in Texas.


      Ich habe zwar keine Verbrechen begangen nach dem Strafgesetzbuch... außer als Jugendliche einmal eine Kleinigkeit mitgehen lassen... peinlich aber sehr lange her.


      Aber...es haben sich schon oft Menschen über mich geärgert und sich an mir gestoßen.


      Dann summiere ich das alles und Zähle zusammen und dann Denk ich an 20 Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung und das am besten in einer Einzelzelle ... isoliert von allen anderen Häftlingen ..oder noch besser gleich eine Spritze bekommen und fertig.


      Aber auch in Texas würde das keiner mit mir machen!


      Ich hoffe sehr dass es dir bald wieder besser geht und drück dich in Gedanken...🤗.

      Liebe Grüße Ida