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EXPERTEN IM GESPRÄCH | Dissoziation und Psychose
Die Beziehung zwischen Dissoziation und Psychose ist ein zentrales Thema in der modernen psychiatrischen Forschung und klinischen Praxis. Dabei wird zunehmend anerkannt, dass diese Phänomene auf einem Kontinuum existieren und oft eng miteinander verknüpft sind, insbesondere im Kontext von Traumata.
Kernkonzepte und Zusammenhänge
- Trauma-Bindung: Ein erheblicher Teil der Forschung deutet darauf hin, dass sowohl Dissoziation als auch Psychose häufig Reaktionen auf schwere traumatische Erlebnisse sind.
- Symptomüberschneidung: Es gibt signifikante Überschneidungen zwischen dissoziativen Erfahrungen (wie Depersonalisation und Derealisation) und psychotischen Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
Therapeutische Ansätze: CBTp & FS ECHO
Das CBTp & FS ECHO (Cognitive Behavioral Therapy for psychosis & Family Systems ECHO) ist ein Projekt , das Fachwissen durch regelmäßige iECHO-Sitzungen vermittelt.
- CBTp (Kognitive Verhaltenstherapie für Psychosen): Zielt darauf ab, die Belastung durch psychotische Symptome zu reduzieren, indem kognitive Verzerrungen und maladaptive Bewältigungsmechanismen bearbeitet werden.
- Fokus auf Dissoziation: Moderne Ansätze fordern spezifische Interventionen, die Dissoziation direkt adressieren, da diese oft zur Aufrechterhaltung psychotischer Erlebnisse beitragen kann.
- Transdiagnostischer Ansatz: Aufgrund der hohen Komorbidität wird ein transdiagnostischer Ansatz empfohlen, der über kategoriale Diagnosen hinausgeht und die individuellen Symptomnetzwerke des Patienten berücksichtigt.
Harry J. Sivec, Ph.D., ist ein klinischer Psychologe und außerordentlicher Professor an der Northeast Ohio Medical University (NEOMED), der sich auf die Behandlung von Schizophrenie und Psychosen spezialisiert hat. Er ist insbesondere für seine Arbeit zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Psychosen (CBT-P) bekannt.
Dr. Sivec vertritt die Auffassung, dass Psychose und Dissoziation eng miteinander verknüpft sind und oft auf einem Kontinuum menschlicher Erfahrungen liegen.
- Trauma-Fokus: In seinen Arbeiten wird betont, dass traumatische Erlebnisse oft sowohl Dissoziation als auch psychotische Symptome (wie Stimmenhören) auslösen können.
- Stimmenhören als Schutz: Innerhalb eines mitgefühlsbasierten Therapieansatzes betrachtet er das Hören von Stimmen oft als eine Art selbstschützende Strategie des Geistes.
- Symptomüberschneidung: Dissoziative Erfahrungen wie Depersonalisierung (Sich-fremd-fühlen) und Derealisierung (Die Umwelt wirkt unreal) werden in seinen Modellen oft als Teil des psychotischen Erlebens oder als Vorboten einer Krise thematisiert.
Therapeutischer Ansatz (kognitiven Verhaltenstherapie bei Psychosen, CBT-P)
Dr. Sivec ist ein führender Experte für die Implementierung von kognitiven Verhaltenstherapie bei Psychosen in den USA. Sein Ansatz bei dissoziativen oder psychotischen Symptomen umfasst:
- Normalisierung: Er hilft Patienten zu verstehen, dass ihre ungewöhnlichen Erfahrungen (Stimmen, Paranoia, Entfremdung) Reaktionen auf extremen Stress oder Trauma sein können, was Scham und Stigma reduziert.
- Therapeutische Allianz: Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit ist der Aufbau einer starken, vertrauensvollen Beziehung, besonders bei Klienten, die unter starkem Misstrauen oder Paranoia leiden.
- Kollaborative Fallformulierung: Gemeinsam mit dem Patienten wird erarbeitet, wie Gedanken, Gefühle und dissoziative Zustände zusammenhängen, um neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln
Die Präsentation behandelte folgende Schwerpunkte:
- Kontinuum der Erfahrung : In der Sitzung wurde untersucht, wie Dissoziation und ungewöhnliche Erfahrungen auf einem Kontinuum existieren und nicht als isolierte Phänomene.
- Zusammenhang zwischen Trauma und Psychose : Dr. Sivec erörterte Modelle, die vergangene Traumata mit aktuellen Erfahrungen von Dissoziation und Psychose in Verbindung bringen.
- Stimmenhören als Schutzmechanismus : Im Rahmen einer mitgefühlsorientierten Therapie wurde das Stimmenhören als mögliche Selbstschutzstrategie betrachtet.
- Klinische Beobachtungen : In der Diskussion wurde auf Erfahrungen von klinischen Hochrisikoteams Bezug genommen, wobei der Schwerpunkt auf Depersonalisation und Derealisation lag.
- Definition dissoziativer Phänomene : In der Sitzung wurden verschiedene dissoziative Erfahrungen erläutert, darunter Depersonalisation, Derealisation und Beziehungsideen.