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ANTIPSYCHOTIKA | Der Placeboeffekt - warum die Wirkung von Antipsychotika stark überschätzt wird ?

  • Phoenix
  • 6. März 2026 um 03:08
  • 263 Mal gelesen
  • 1 Kommentar

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ANTIPSYCHOTIKA |

Der Placeboeffekt - warum die Wirkung von Antipsychotika stark überschätzt wird ?


Kurzfassung

| Antipsychotika haben in einer akuten Psychosen eine dämpfende und beruhigende Wirkung und können für manche Betroffene lebensrettend sein. Jedoch verspüren nur 30% eine Wirkung. Ein erheblicher Teil von 40-60% erfährt nur eine teilweise Reduktion der Symptome und bis zu 30 % der Patienten sprechen gar nicht auf Antipsychotika an.

Haben Antipsychotika überhaupt eine echte Wirkung auf psychotische Symptome?

Medikamente blockieren Rezeptoren innerhalb von zwei Stunden. Psychotische Symptome, wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen (Stimmenhören), dauern jedoch oftmals über viele Wochen an, bis eine Psychose auch von alleine abgeklungen wäre, die im Durchschnitt 1-3 Monate dauert. Die Wirkung von Antipsychotika auf psychotische Symptome ist daher äußerst fraglich und wahrscheinlich nur für einige zutreffend.

Wie groß ist der Placebo-Effekt bei Antipsychotika?

Eine Metaanalyse von 2011 mit medikamentös vorbehandelten Patienten fand heraus, dass 41% mit Antipsychotika eine leichte Symptomreduktion (> 20%) erzielten, wobei dies auch bei 24% mit Placebo erreicht wurde, also nur 17% einen echten Nutzen des Medikaments mit minimalen Besserungen erlebten. (2) Um die reale Wirksamkeit eines Medikaments zu bestimmen, muss der Effekt von Placebo in der Kontrollgruppe abgezogen werden (41%-24%=17%), da natürlich auch in der Behandlungsgruppe in der das Medikament gegeben wird, der Placeboeffekt die Wirkung hervorrufen kann.

Dr. Volkmar Aderhold und Dr. Stefan Weinmann kritisieren daher:

"Aber was bedeutet dies nun für die Mehrheit der Patienten, wenn alle in der gleichen Weise behandelt werden? Wenn weniger als 17% eine nur minimale klinisch bedeutsame Wirkung gegenüber einem Scheinmedikament erleben, werden viele ohne Nutzen mit Substanzen behandelt, an denen sie subjektiv oft erheblich leiden, die sie oft erheblich körperlich schädigen, oftmals irreversibel. Die psychischen Funktionen der so Behandelten, die erforderlich sind für ihren Genesungsprozess, werden durch Fehl- oder Überdosierungen weiter geschwächt ..." (1)

Eine weitere Metaanalyse von 2017 fand heraus, dass 23 % der Patienten eine gute Symptomreduktion ( > 50%) hatten, wobei es bei 14 % eine Placebo-Reaktion war und nur 9 % einen echten Nutzen des Medikaments erlebten. (5) In dieser Studie wurden die Forscher jedoch von der Pharmaindustrie gesponsert und eine bewusste Manipulation zugunsten von Antipsychotika war offensichtlich und konnte nachgewiesen werden. (1)

In der Psychiatrie ist daher eine kritische Debatte um die tatsächliche Wirksamkeit von Antipsychotika entbrannt, die eng mit dem Phänomen des Placeboeffekts verknüpft ist. Der Placeboeffekt beschreibt die gesundheitliche Verbesserung durch eine Scheinbehandlungen, die keinen pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoff enthält. Dieser Effekt ist keine bloße Einbildung, sondern löst reale, messbare neurobiologische Veränderungen im Körper aus. Der Effekt beruht auf der Aktivierung körpereigener Belohnungssysteme (z. B. Endorphinausschüttung) durch die positive Erwartung des Patienten an Medikament und die Betreuung durch das medizinische Personal.

Meta-Analysen deuten darauf hin, dass die rein medikamentöse Wirkung von Antipsychotika durch verschiedene Faktoren systematisch überschätzt wird. Dies liegt zum Teil daran, dass Placebogruppen in modernen Studien signifikante Verbesserungen zeigen. Während diese Medikamente die Gehirnchemie direkt beeinflussen, um Symptome wie Wahnvorstellungen zu lindern, zeigen klinische Studien, dass ein erheblicher Teil der beobachteten Besserung auf die Erwartungshaltung und den Behandlungskontext zurückzuführen ist.

In vielen Studien ist das „Placebo“ also nicht wirkungslos, da die intensive, strukturierte und konsequente Betreuung, hohe Erwartungen an die Heilung weckt. Die intensive Betreuung während einer klinischen Studie (häufige Arztkontakte, Untersuchungen) verstärkt die positive Erwartungshaltung der Patienten. Diese psychologischen Faktoren können körperliche Reaktionen auslösen, die einer echten medikamentösen Wirkung ähneln, etwa durch die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen.

In einigen Studien zeigten 27 % bis 59 % der Patienten mit Schizophrenie ein signifikantes Ansprechen auf ein Placebo, was mitunter zu besseren Ergebnissen als mit dem aktiven Medikament führte. In einigen Fällen machen Placeboeffekte bis zu 70 % der Symptomverbesserung aus.

Helfen Antipsychotika im wesentlichen nur bei Absetzsymptomen von Antipsychotika?

Betroffene die versuchen ihre Medikamente abzusetzen, erleiden oftmals eine Rückfall innerhalb von 6 Monaten, weil die Reduktion zu schnell erfolgte. Sie bekommen Absetzsymptome, wie Unruhe, Gedankenrasen, Schlaflosigkeit bis hin zu typischen Absetzpsychosen mit Wahn und Halluzinationen.

"Es gibt Hinweise darauf, dass bei Menschen, die langfristig Antipsychotika wegen einer Erkrankung wie wiederkehrender Psychose oder Schizophrenie einnehmen, das Risiko eines Rückfalls steigt, wenn sie die Antipsychotika absetzen. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Antipsychotika selbst einen psychotischen Rückfall wahrscheinlicher machen.

Es gibt einige Fallstudien von Menschen, die Antipsychotika eingenommen haben, ohne jemals eine Psychose diagnostiziert zu bekommen, und nach dem Absetzen eine psychotische Episode hatten. Dies könnte daran liegen, dass die meisten Antipsychotika Dopaminrezeptoren blockieren und das Gehirn daher mehr Dopaminrezeptoren produziert. Wenn man die Medikamente absetzt, kommt es daher zu einer Überaktivität von Dopamin und wahrscheinlich auch anderen Gehirnchemikalien, die viele der Medikamente beeinflussen. Diese Effekte könnten die Ursache für die Psychose sein, wenn Menschen die Medikamente absetzen." (6)

"Durch Rezeptorveränderungen infolge der pharmakologischen Behandlung ist das wieder Absetzen erschwert und Entzugsphänomene sind oft so ängstigend, muten wie Rückfalle an und sind auch tatsächlich oft schwer davon zu unterscheiden."(5)

Psychiater argumentieren nun oftmals fälschlicherweise, die eigentliche Erkrankung sei zurück. Dabei zeigten sich in vielen Fällen nur Absetzsymptome von Antipsychotika. Nun werden wieder Antipsychotika verschrieben, die Symptome gehen zurück und die meisten Betroffenen bekommen den Eindruck. "Ja, Antipsychotika helfen mir bei Psychosen". Die Wahrheit ist Antipsychotika können gut bei Absetzsymptomen von Antipsychotika helfen. So wie Alkohol und Drogen auch bei Entzugserscheinungen von Alkohol und Drogen helfen. 40% aller Psychosen ereignen sich innerhalb von 6 Monaten nach dem Absetzen, nur weitere 8% innerhalb eines Jahres. Und für weitere 40% braucht es sogar 5 Jahre.

Natürlich gibt es auch Betroffene, die ein stark destabilisierendes Leben führen und enormen psychischen Stress ausgesetzt sind. Nach dem Absetzen von Antipsychotika sind sie verletzlicher und auch echte Psychosen könne sich ereignen. Der Unterschied zwischen medikamentenbedingten Absetzpsychosen und echten Psychosen läst sich für die meisten Betroffenen schwer unterscheiden. Stabile oder instabile belastende Lebensumstände geben einen wichtigen Hinweis.

Studien mit erheblichen Mängeln bis hin zu offensichtlichen Manipulationen:

Studien der Pharmaindustrie weisen zudem erhebliche Mängel und offensichtliche Manipulationen auf, sodass die Ergebnisse kaum Aussagekraft haben.

  • Patienten nehmen häufig an Studien teil, wenn ihre Symptome am schlimmsten sind. Symptome können oft auch ohne spezifische Behandlung natürlich abklingen, was fälschlicherweise allein dem Medikament zugeschrieben wird.
  • Studien werden nur an vorbehandelten Patienten durchgeführt und sind so verzerrt, da das Absetzen vor der Studie zu Entzugssymptomen oder Rückfällen führen kann, was die Wirkung des Testmedikaments im Vergleich dazu künstlich besser erscheinen lässt.
  • In Studien werden oft weniger schwer kranke Patienten aufgenommen, die stärker auf Placebo-Effekte ansprechen und komplizierte Fälle werden ausgeschlossen.
  • Prüfärzte bewerten Symptome zu Beginn manchmal absichtlich schwerwiegender, um Patienten in eine Studie "hineinzubringen" (oft motiviert durch finanzielle Anreize für Rekrutierung).
  • Nebenwirkungen von Antipsychotika verraten Patienten und Ärzten oft, wer das echte Medikament nimmt. Dies führt zu einer höheren Erwartungshaltung und damit zu einer überschätzten Wirkung im Vergleich zum Placebo.
  • Studien mit positiven Ergebnissen werden häufiger veröffentlicht als solche, in denen das Medikament kaum besser als Placebo abschnitt. Analysen von FDA-Daten zeigen, dass der Effekt in unveröffentlichten Studien oft nur halb so groß ist wie in publizierten. |


Erklärvideo: Der Placebo-Effekt am Beispiel von Antidepressiva, 8 min.

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1. Haben Antipsychotika einen echten Effekt bei Psychosen? - Der skandalöse Mangel an Beweisen für ihre Wirksamkeit

Als erstes ist festzustellen, das es keine aussagekräftigen Studien mit unbehandelten Patienten einer ersten Psychose gibt:

„Prinzipiell ist zu beachten, dass keine Studien bei ersterkrankten Patienten verfügbar sind, die die Wirksamkeit eines Antipsychotikums mit Plazebo vergleichen.“ So die aktuelle Langfassung der Schizophrenie-Leitlinien von 2025 auf S. 62. (6)

In einer Cochrane Metaanalyse von 2011 wurden hingegen 5 Studien gefunden und ausgewertet. (Bola et al 2011) Hier das Ergebnis:

"Die Wirksamkeit von Antipsychotika bei frühen Episoden von Schizophrenie ist unzureichend erforscht und die aktuellen Belege reichen nicht aus, um die Empfehlungen internationaler Leitlinien zu untermauern. Obwohl Antipsychotika seit Jahrzehnten eingesetzt werden, gibt es nur wenige randomisierte, placebokontrollierte Studien, die die Wirksamkeit dieser Medikamente bei Menschen mit einer frühen Episode von Schizophrenie messen ... Dies ist besonders besorgniserregend angesichts der weit verbreiteten Verwendung antipsychotischer Medikamente auf der ganzen Welt in der Akutbehandlung von Psychosen vom Typ Schizophrenie in frühen Episoden."

In einem 2019 veröffentlichten systematischen Review zu placebokontrollierten Studien zu Antipsychotika bei unbehandelten Menschen mit Psychosen finden die Autoren noch eine neuere Studie (Wang et al 2013) und kommen zu dem Ergebnis: „Es war eine chinesische Studie, in der Olanzapin und Placebo bei 261 Patienten mit einer ersten Episode einer Schizophrenie verglichen wurden. Nach 12 Wochen gab es einen extrem großen Unterschied zugunsten von Placebo, aber die Autoren berichteten das Gegenteil, dass Olanzapin wirksam war. “ (7)

Diese Ergebnisse sind nur allzu verständlich, da nach dem Abklingen einer Psychose nach durchschnittlich 1-3 Monaten, es der Gruppe mit dem aktiven Medikament aufgrund der Nebenwirkungen, schlechter geht als der Gruppe mit Placebo, die nicht unter den Nebenwirkungen leidet. Das solche Ergebnisse nicht publik werde sollen, ist aus Sicht der Pharmaindustrie, auch verständlich, sodass die Studie letztendlich ein anderes Ergebnis ausgab.

Es wurde eine weitere Studie mit Patienten einer ersten psychotischen Episode gefunden die möglicherweise in dieses Review hätte aufgenommen werden können. Die Autoren berichten jedoch:

"Die Studie wurde im März 2009 wegen mangelnder Wirksamkeit vorzeitig beendet. Wir forderten Informationen über behandlungsnaive Patienten in der Studie aus sechs Quellen an: den beiden Studienregistern, Pfizer USA, Pfizer Deutschland, dem Erstautor des veröffentlichten Artikels (Dr. Robert Findling) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Es wurden uns keine Informationen übermittelt. Wir wurden auf Webseiten weitergeleitet, auf denen die gewünschten Informationen nicht aufgeführt waren." (7)

Die Forschungsarbeit kommt zu dem Ergebnis:

"Obwohl sie seit über 60 Jahren auf dem Markt sind, stellt sich die Frage nach ihrer tatsächlichen Wirkung immer noch, da die placebokontrollierten Studien, die zur Marktzulassung von Antipsychotika führten, verzerrt sind. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: fehlende Verblindung und Entzugserscheinungen ...

Wir fanden keine zuverlässigen placebokontrollierten Studien mit behandlungsnaiven Patienten mit Psychose oder Schizophrenie. Wir stimmen daher mit den Autoren eines früheren Cochrane-Reviews überein, dass die Wirkung von Antipsychotika bei diesen Erkrankungen nicht dokumentiert ist ...

Wir sind der Ansicht, dass der Einsatz von Antipsychotika bei Patienten mit Psychosen oder schizophrenen Erkrankungen, insbesondere nicht als Langzeitbehandlung, nicht gerechtfertigt ist. Patienten sollten nicht zwangsweise mit Antipsychotika behandelt werden, da sich nicht argumentieren lässt, dass dies im eigenen Interesse des Patienten liege.

Der Einsatz von Antipsychotika lässt sich auf Grundlage der aktuellen Evidenz nicht rechtfertigen. Entzugseffekte in den Placebogruppen machen bestehende placebokontrollierte Studien unzulässig." (Danborg & Gøtzsche 2019)


Siehe ausführlich: ANTIPSYCHOTIKA | Haben Antipsychotika einen echten Effekt bei Psychosen ? - Der skandalöse Mangel an Beweisen für ihre Wirksamkeit


2. Der Placeboeffekt bei vorbehandelten Patienten

1. Eine Metaanalyse von Khin et al von der FDA, der amerikanischen Zulassungsbehörde, hat die Differenz zwischen Placebo und Medikation errechnet. So ermittelten sie in den neueren Studien ab 1999 einen Abfall von 10.8 auf 6.0 Punkte in der PANSS-Skala (Positive und Negative Symptomskala), was einer Besserung von Durchschnittlich 7-10% entspricht. Bei einer Besserung von 25% spricht man von einer klinisch minimalen Besserung. Eine Besserung von 7-10% entspricht, also nur noch etwas mehr als ein Drittel der geringsten klinisch bedeutsamen Stufe.

Schaubild: Wirksamkeit von Antipsychotika



Das es sich ausschließlich um Zulassungsstudien für neuere Antipsychotika gehandelte, die bei der Zulassungsbehörde eingereicht wurden, ist von einer im Vergleich recht guten Studienqualität auszugehen. Die Autoren schlussfolgern:

„Eine hohe und zunehmende Placebo-Response und ein abnehmender Behandlungseffekt sind in den Schizophrenie-Studien in Nordamerika von großer Bedeutung. In dieser Ära von globalen klinischen Studien ist dem Design und der Durchführung dieser Studien besondere Aufmerksamkeit zu widmen.“ (3)


2. Eine weitere systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse placebokontrolierter Studien (RCT) wurde durchgeführt, die Antipsychotika der zweiten Generation mit Placebo bei schizophrenen Patienten verglichen. 38 randomisierte kontrollierte Studien mit 7323 Teilnehmern wurden eingeschlossen. (2)

Nur 41% unter Medikation hatten eine minimale Symptomreduktion. In dieser Analyse ist die Differenz in der Ansprechrate zwischen Medikation (41%) und Placebo (24%) nur 17%. Um die reale Wirksamkeit eines Medikaments zu bestimmen, muss der Effekt von Placebo in der Kontrollgruppe abgezogen werden (41%-24%=17%), da natürlich auch in der Behandlungsgruppe in der das Medikament gegeben wird, der Placeboeffekt die Wirkung hervorrufen kann.

"Die absolute Differenz der Ansprechraten betrug 17 % (41 % sprachen auf das Medikament an, verglichen mit 24 % unter Placebo (in 6 Wochen) ... Die Meta-Regression ergab einen Rückgang des Behandlungserfolgs im Zeitverlauf ..." (2)

Die Evidenz für den kurzfristigen Einsatz von Antipsychotika stammt hauptsächlich aus randomisierten, kontrollierten Studien mit stationären Patienten. In diesen Studien wird die antipsychotische Medikation bei Patienten abrupt abgesetzt. Nach einigen Tagen werden diejenigen, die eine akute Psychose entwickelt haben, randomisiert entweder einer Placebo-Gruppe oder einer Gruppe mit einem Antipsychotikum zugeteilt. Die Forscher messen dann die Abnahme der psychotischen Symptome über die folgenden vier bis sechs Wochen.

Dr. Volkmar Aderhold und Dr. Dr. Stefan Weinmann kritisieren in ihrer Zusatzinformationen zur S3-Leitlinie Schizophrenie:

"Aber was bedeutet dies nun für die Mehrheit der Patienten, wenn alle in der gleichen Weise behandelt werden? Wenn weniger als 17% eine nur minimale klinisch bedeutsame Wirkung gegenüber einem Scheinmedikament erleben, werden viele ohne Nutzen mit Substanzen behandelt, an denen sie subjektiv oft erheblich leiden, die sie oft erheblich körperlich schädigen, oftmals irreversibel.

Fast regelhaft kommt es bei der unzureichenden Wirksamkeit zu weiteren Dosissteigerungen ohne klinischen Vorteil, jedoch oft mit zunehmenden Nebenwirkungen und ohne Korrektur oder Absetzversuche im Verlauf ... Die psychischen Funktionen der so Behandelten, die erforderlich sind für ihren Genesungsprozess, werden durch Fehl- oder Überdosierungen weiter geschwächt ...

Durch Rezeptorveränderungen infolge der pharmakologischen Behandlung ist das wieder Absetzen erschwert und Entzugsphänomene sind oft so ängstigend, muten wie Rückfalle an und sind auch tatsächlich oft schwer davon zu unterscheiden ... Auch stehen bis heute gute Studien aus, die gesichertes Wissen zu Absetzprozessen zur Verfügung stellen können." (1)

Der Versorgungsalltag ist so unflexibel, dass die Akteure bei psychotischen Symptomen reflexhaft zu Antipsychotika greifen, und gar keine anderen Optionen kennen und zur Verfügung haben. Echte Alternativen stehen nicht zur Verfügung, auch wenn darüber aufgeklärt werden soll. Das führt zu mehr Druck auf Patienten, bis hin zu Menschenrechtsverletzungen.


3. Gravierende Manipulation - Studien stellen die Ergebnisse übersteigert da oder verschleiern die wahre Wirkung

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die Aussagekraft von Studien zur Wirksamkeit von Antipsychotika anzuzweifeln.

1. Psychotische Episoden: Patienten nehmen häufig an Studien teil, wenn ihre Symptome am schlimmsten sind. Nach einer Hochphase können die Symptome oft auch ohne spezifische Behandlung natürlich abklingen, was fälschlicherweise allein dem Medikament zugeschrieben wird.

2. Einfluss der Vorbehandlung: Die sog. ‚Placebo-Gruppe‘ besteht seit langem in allen Studien aus vorbehandelten Patienten, oft über viele Jahre, und dann durch den Zufall der sog. Placebo-Gruppe zugeteilt werden. Dann wird bei ihnen das zuvor eingenommene Medikament fast immer in wenigen (2-5) Tage abrupt abgesetzt und durch ein anderes oder ein Placebo ersetzt. Diese Menschen entwickelt in wenigen Tagen bis Wochen Absetzphänomene, wie psychotische Symptome.

Kritiker der Pharmaforschung weisen oft darauf hin, dass Studien nur an vorbehandelten Patienten durchgeführt werden und so verzerrt sind, da das Absetzen vor der Studie zu Entzugssymptomen oder Rückfällen führen kann, was die Wirkung des neuen Testmedikaments im Vergleich dazu künstlich besser erscheinen lässt.

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3. Mildere Fälle: In moderne Studien werden oft weniger schwer kranke Patienten aufgenommen, die stärker auf Placebo-Effekte ansprechen. Die Differenz zwischen Medikament- und Placebowirkung ist bei weniger schwer erkrankten Patienten oft geringer, da der Placeboeffekt hier stärker greift.

4. Ausschluss komplizierter Fälle: Patienten mit Suizidalität oder Suchterkrankungen – also die, die in der Praxis am meisten Hilfe bräuchten – werden meist ausgeschlossen. Das führt dazu, dass die Studienergebnisse nicht 1:1 auf den klinischen Alltag übertragbar sind.

5. "Baseline Inflation": Prüfärzte bewerten Symptome zu Beginn manchmal absichtlich schwerwiegender, um Patienten in eine Studie "hineinzubringen" (oft motiviert durch finanzielle Anreize für Rekrutierung). Eine spätere Rückkehr zum Normalmaß wirkt dann wie eine Heilung.

6. Mangelnde Verblindung: Nebenwirkungen von Antipsychotika (wie Zittern oder Sedierung) verraten Patienten und Ärzten oft, wer das echte Medikament nimmt. Dies führt zu einer höheren Erwartungshaltung und damit zu einer überschätzten Wirkung im Vergleich zum Placebo. Wenn Patienten oder Ärzte aufgrund von Nebenwirkungen wie Sedierung vermuten können, dass sie den Wirkstoff erhalten, kann dies die wahrgenommene Wirkung des Medikaments überhöht darstellen.

7. Intensive Betreuung: In klinischen Studien erfahren Patienten eine deutlich intensivere medizinische und menschliche Zuwendung. Dies wirkt selbst wie eine Therapie. Dieser Effekt tritt in der Realität der oft überlasteten psychiatrischen Versorgung seltener auf, was die in Studien gemessene "Heilung" durch das Medikament relativiert. Diese Erwartung auf Heilung („Expected Wellness“) löst neurobiologische Prozesse aus, die die Symptomlast senken können.

8. Publikationsbias: Studien mit positiven Ergebnissen werden häufiger veröffentlicht als solche, in denen das Medikament kaum besser als Placebo abschnitt. Analysen von FDA-Daten zeigen, dass der Effekt in unveröffentlichten Studien oft nur halb so groß ist wie in publizierten.

9. Pharmaunternehmen finanzierte Studien: Analysen deuten darauf hin, dass von Pharmaunternehmen finanzierte Studien tendenziell größere Effektstärken für das untersuchte Medikament ausweisen als unabhängige Untersuchungen. Studien, die von Pharmaunternehmen gesponsert werden, zeigen tendenziell höhere Effektstärken für das Medikament als unabhängige Untersuchungen.

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70 Jahre Behandlung mit Antipsychotika - Zusammenfassung der Ergebnisse

Eine Zusammenfassung der gesammelten Beweise für die Anwendung von Antipsychotika zur Behandlung akuter Psychosen ergibt:

  • Es wurden bisher keine belastbaren Studien an medikamentennaiven psychotischen Patienten durchgeführt. Daher gibt es keine Belege dafür, dass diese Medikamente bei der Behandlung von Patienten mit einer ersten psychotischen Episode wirksam sind.
  • Obwohl hunderte von randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) an vorbehandelten Patienten mit chronischen Psychosen gezeigt haben, dass Antipsychotika im Vergleich zu Placebo einen statistisch signifikanten Vorteil bei der Linderung der Symptome bieten, erreicht der Unterschied zwischen Medikament und Placebo in diesen Studien nicht das Niveau einer „minimalen klinisch relevanten Differenz“.


Robert Withaker schreibt zu diesen Ergebnissen:

"Im Wesentlichen haben die randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) eine Illusion von Wirksamkeit erzeugt ... Eine genaue Analyse der Studien-Daten macht zudem deutlich, warum Psychiater Antipsychotika als einigermaßen hilfreich empfinden, was den Glauben bestärkt, dass deren kurzfristige Anwendung evidenzbasiert sei.

Die Studien zu Antipsychotika wurden zwar an einer Untergruppe von Patienten (chronisch erkrankten Patienten) durchgeführt, werden aber dennoch als auf alle psychotischen Patienten anwendbar dargestellt. Und obwohl Studien zu Antipsychotika eine statistisch signifikante Symptomreduktion aufzeigen können, die als Beleg für ihren Nutzen angeführt wird, wird das Ausbleiben eines klinisch relevanten Nutzens im Vergleich zum Placebo fast nie erwähnt – weder in öffentlichen Mitteilungen noch in der medizinischen Fachliteratur.

Anstatt also Aufklärung zu bieten, haben RCTs in diesem Fall eher Verwirrung gestiftet und wurden von der Psychiatrie genutzt, um der Öffentlichkeit und den verschreibenden Ärzten eine unbegründete Geschichte über die Wirksamkeit von Antipsychotika zu präsentieren.

Das Versagen der bisherigen Forschung hinsichtlich der Anwendung dieser Medikamente ist so umfassend, dass die Psychiatrie, um die kurzfristige Anwendung von Antipsychotika als „evidenzbasiert“ bezeichnen zu können, ihre Studien zu dieser Medikamentenklasse von Grund auf neu beginnen muss. (4)


Studien und Quellen

(1) https://www.depression-heute.de/zusatzinformat…r-neuroleptika/

(2) How effective are second-generation antipsychotic drugs? A meta-analysis of placebo-controlled trials. S Leucht 1, D Arbter, R R Engel, W Kissling, J M Davis, 2009

(3) Khin Ni A et al (2012) Exploratory Analyses of Efficacy Data From Schizophrenia Trials in Support of New Drug Applications Submitted to US Food and Drug Administration, J Clin Psychiatry 73(6): 856‑864
Abstract: https://www.psychiatrist.com/JCP/article/Pa…6/v73n0620.aspx

(4) https://www.madinamerica.com/2025/06/antips…f-the-evidence/

(5) Leucht S, Leucht C, Huhn M, Chaimani A, Mavridis D, Helfer B, Samara M, Rabaioli M, Bacher S, Cipriani A, Geddes JR, Salanti G, Davis JM. (2017) Sixty Years of Placebo-Controlled Antipsychotic Drug Trials in Acute Schizophrenia: Systematic Review, Bayesian Meta-Analysis, and Meta-Regression of Efficacy Predictors. The American journal of psychiatry. 174 (10): 927-42. Diese Publikation ist die Nummer (185) in der Literaturliste der Leitlinien.
Volltext frei:https://ajp.psychiatryonline.org/doi/pdfplus/10…p.2017.16121358
Suppl.Material https://ajp.psychiatryonline.org/doi/suppl/10.1…21358.ds001.pdf

(6) Langfassung der Schizophrenie-Leitlinien

https://register.awmf.org/assets/guideli…nie_2025-12.pdf

(7) Benefits and harms of antipsychotic drugs in drug-naïve patients with psychosis: A systematic review. PB Danborg a, PC Gøtzsche, 2019

(8)

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forsythia
6. März 2026 um 11:12
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