
Höllenqual oder Himmelsgabe? – Psychiatrie Verlag, komplettes Buch
208 Seiten, Sprache Deutsch, zum kostenlosen PDF-Download hier:
"Wer Stimmen hört, der tickt nicht richtig.« Dieses schlichte Dogma hat seine Gültigkeit verloren und ist der Einsicht gewichen: Wir sollten Menschen genauer zuhören, die Stimmen hören können, die sonst niemand hört. In diesem Buch kommen sie deshalb ausführlich zu Wort: »Mit Stimmen zu kommunizieren ist vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Spreche ich diese, wird erst ein wirklicher Kontakt und Austausch möglich.«
»Es gibt Gaben, die gefallen uns, die nehmen wir dankend an und wachsen mit ihnen, und es gibt Gaben, die gefallen uns nicht und aus denen machen wir kaum etwas. Gaben können uns ein Leben lang eine Aufgabe und eine Bürde sein.« »Meine Erfahrung ist, dass Stimmen in jedem Falle zu realen Freunden gemacht werden sollten. Das kompromisslose Beseitigen von Stimmen, etwa durch Psychopharmaka, ist, wie die gängige Praxis in den Psychiatrien beweist, sicher auf Dauer nicht der ‚Königsweg‘.«
»Verachte uns nicht, sondern höre mit dem Herzen, was wir dir sagen wollen.« Das gilt sowohl für die Stimmen als auch für die Menschen, die sie hören."
Anmerkung: In diesem Buch geht es um vom psychiatrischen System sogenannte "akustische Halluzinationen", als auch um sogenannte "optische Halluzinationen".
Geschrieben von genesenen Erfahrungsexpert:innen. 😊👋
Herzlichen Dank euch Allen, die an diesem Buch mitgewirkt haben, ihr Mutigen. 👍 Alles Gute euch. ❤️🩹🍀😊
Quelle Text und kostenloser Download des kompletten Buches:
https://psychiatrie-verlag.de/<wbr />product/hoellenqual-oder-<wbr />himmelsgabe/
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Eine Buchbesprechung zum obigen Buch:
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Dr. med. Mabuse 216 · Juli / August 2015
Hartwig Hansen (Hg.)
Höllenqual oder Himmelsgabe?
Erfahrungen von Stimmen hörenden
Menschen
Mit diesem Buch über die Erfahrun-
gen von Menschen, die Stimmen
hören (können), ist dem Herausgeber
Hartwig Hansen ein einzigartiger Beitrag
zur Recovery-Literatur gelungen.
Er lässt nämlich – in Deutschland bisher einmalig – achtzehn Stimmen hörende Frauen und Männer selbst zu Wort kommen.
Deren authentische Berichte vermitteln
nicht nur eindrücklich, wie vielfältig und
facettenreich, sondern auch wie begeis-
ternd und/oder quälend die Erfahrung
des Stimmenhörens sein kann.
Das Phänomen des Stimmenhörens hat
nicht nur in der Öffentlichkeit bisher einen
sehr negativen Ruf. Auch die Psychiatrie
ist traditionell nicht gerade dafür bekannt,
dass sie etwas Positives zu dieser Erfah-
rung zu sagen hat. Dort werden Stimmen
im Regelfall als ein nicht verstehbares
Symptom einer psychischen Erkrankung,
insbesondere der Schizophrenie, beschrie-
ben, das mit Neuroleptika zu unterdrücken ist.
Stimmenhörenden wird in der
Psychiatrie meist nicht wirklich zugehört,
auch wenn wir als Fachleute meinen, dass
wir es tun. Dass wir aber als Profis, Ange-
hörige und Öffentlichkeit tatsächlich nicht
richtig zuhören, das sagt uns nicht erst
die internationale Stimmenhörbewegung
der letzten drei Jahrzehnte.
Stimmenhören muss allerdings nicht
nur Höllenqual sein, sondern kann auch
inspirieren und als Gabe empfunden wer-
den, wie im Beitrag von Wolfgang Harder
deutlich wird.
Monika Mikus beschreibt beispielhaft, wie es sich als bereichernde Möglichkeit spiritueller Erfahrungen erweisen kann.
Bei manchen AutorInnen weisen die Stimmen auf die Notwendigkeit hin, besonders schwierige Lebenserfahrungen verarbeiten zu lernen.
Gerade mit Unterstützung der Selbsthilfeorganisation „Netzwerk Stimmenhören“ hat sich für viele Stimmenhörende das konstruktive Verstehen des Stimmenhörens immer wieder als Quelle einer wirklichen und tief greifenden, positiven Veränderung erwiesen.
Der Autor Elias beschreibt am Ende des Buches besonders eindrücklich, wie er mit Unterstützung einer Mitarbeiterin des Instituts Erfahrungsfokussierte Beratung (efc) einen neuen, konstruktiven Zugang zu seinen Stimmen fand, und wie die Stimmen selbst ihn darauf hinwiesen, dass er sich besser um sich selbst kümmern müsse.
Durch einfühlsame professionelle Begleitung so wie durch den Austausch in der Selbsthilfe gelingt es Stimmenhörenden, einen zumindest gangbareren, individuellen
Weg zu finden, wie Christian Derflinger
und Laura Vogt exemplarisch nachvoll-
ziehbar machen.
Nach anfänglichem „Wegmachen wollen“ werden die Stimmen zu konstruktiven Begleitern oder sogar Freunden, die nicht mehr gehen sollen.
Einen guten Umgang mit dem Thema
Stimmenhören zu finden, der nicht in
krankheitsbezogenem oder negativem
Denken stecken bleibt, ist nicht nur Aufgabe jeder/s einzelnen Betroffenen, sondern auch von uns allen.
Auch dies macht das Buch sehr deutlich. Hier geht es um eine Rückbesinnung auf menschliche Qualitäten wie Achtung und Respekt, um Hoffnung und ein gutes Miteinander von Mensch zu Mensch.
Dann können die gehörten Stimmen auch von Quälgeistern zu Lösungshinweisgebern werden. Das Stimmenhören begreifbar zu machen, ist ein Ziel der erwähnten internationalen Stimmenhörbewegung, zu der auch das Netzwerk Stimmenhören und das efc-In-stitut gehören.
Um diese Sichtweise wirbt der Herausgeber in einem einfühlsamen Vorwort und seiner Zusammenfassung unter dem Titel:
"Stimmenhören als persönlicher Fingerabdruck“.
Die Qualität der dazwischenliegenden Erfahrungsberichte und Recovery-Geschichten ermutigt zu einem entspannteren und zugewandteren Umgang mit den Menschen, die sich trauen, von ihren Stimmenerlebnissen zu berichten.
Bei der spannenden Lektüre entwickelt sich ein Verständnis dafür, dass die Stimmenwelten voller - auch hilfreicher - Möglichkeiten sein können, die
uns mit der bisher dominanten traditionellen Krankheitssicht und Stigmatisierung verwehrt bleiben würden.
Joachim Schnackenberg,
Paranus Verlag, Neumünster 2015,
208 Seiten, gedrucktes Buch: 19,95 Euro
Quelle :
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