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EXPERTEN IM GESPRÄCH | Trauma heilen
Zur Heilung von Traumata gehören professionelle Unterstützung, Selbstfürsorge und der Austausch mit anderen, um das Erlebte zu verarbeiten und ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle wiederzuerlangen. Die Genesung ist ein nichtlinearer Prozess und verläuft für jeden anders.
Traumafokussierte Therapie gilt oft als der wirksamste Ansatz, insbesondere bei posttraumatischer Belastungsstörung. Eine gute Beziehung zu einem qualifizierten Therapeuten ist entscheidend, um einen sicheren Raum für die Verarbeitung von Emotionen und Erinnerungen zu schaffen.
Therapieformen
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR): Eine Technik, bei der bilaterale Stimulation eingesetzt wird, um traumatische Erinnerungen im Gehirn zu "auftauen" und neu zu verarbeiten. Bilaterale Stimulation ist eine Technik, bei der das Gehirn rhythmisch und abwechselnd auf der linken und rechten Seite stimuliert wird, um das Nervensystem zu beruhigen, Emotionen zu regulieren und Trauma-Symptome zu verarbeiten und anwendbar durch visuelle (Augenbewegungen), auditive (Töne) oder taktile (Klopfen) Reize, was zu mehr Ruhe, Fokus und Selbstregulation führt.
Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie: Hilft Einzelpersonen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Trauma zu erkennen und zu verändern.
Somatic Experiencing: Konzentriert sich auf die Freisetzung aufgestauter "Kampf-oder-Flucht"-Energie und die Behandlung körperlicher Empfindungen und physischer Symptome von Traumata.
Internal Family Systems: Betrachtet den Geist als aus mehreren "Teilen" bestehend und zielt darauf ab, verletzte Teile durch Selbstverständnis und Akzeptanz zu heilen.
Selbstfürsorge und Lebensstil
Ein gesunder Lebensstil und Selbstfürsorge sind unverzichtbare, sich ergänzende Bestandteile des Heilungsprozesses. Diese Strategien helfen, das Nervensystem zu regulieren und ein Gefühl der Ruhe und Kontrolle wiederherzustellen.
Körperliche Bewegung: Regelmäßige Bewegung, wie Gehen, Laufen, Schwimmen oder Yoga, kann helfen, Adrenalin abzubauen, Endorphine freizusetzen und das Nervensystem zu regenerieren.
Achtsamkeit und Meditation: Praktiken wie tiefes Atmen, Erdungsübungen und Meditation helfen dabei, im Hier und Jetzt zu bleiben, Stress abzubauen und den Geist zu beruhigen.
Gesunde Gewohnheiten: Auf ausreichend Schlaf achten, sich ausgewogen ernähren und Alkohol und Drogen vermeiden, da diese die Symptome verschlimmern und den Heilungsprozess beeinträchtigen können.
Kreativer Ausdruck und Tagebuchschreiben: Gefühle durch Schreiben, Kunst oder andere Hobbys auszudrücken, kann ein gesundes Ventil für Emotionen und eine Möglichkeit zur Befreiung ohne Wertung bieten.
Pausen: Heilung kostet viel Energie. Sanft mit sich um gehen und sich regelmäßig Pausen gönnen ist wichtig, um sich auszuruhen und Erschöpfung vorzubeugen.
Aufbau einer Unterstützung
Ein Trauma kann zu Gefühlen der Isolation und Entfremdung führen. Der Kontakt zu anderen ist für die Genesung unerlässlich und kann zeigen, dass man nicht allein ist. Mit vertrauten Freunden oder Familienmitgliedern sprechen, die unvoreingenommen zuhören ist eine wichtige Hilfe. Man braucht nicht über das konkrete Trauma sprechen, aber es ist wichtig, Gefühle persönlich mit jemandem zu teilen.
Selbsthilfegruppe: Der Kontakt mit anderen Trauma-Erfahrenen kann dazu beitragen, die Isolation zu verringern und Inspiration für Bewältigungsstrategien zu liefern.
Ehrenamtliches Engagement: Anderen zu helfen kann das Gefühl der Hilflosigkeit, das oft mit einem Trauma einhergeht, in Frage stellen und helfen, ein Gefühl von Sinn und Kontrolle zurückzugewinnen.
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