EXPERTEN IM GESPRÄCH | Die Stoffwechsel-Psychiatrie: Ein ganzheitlicher Ansatz für psychische Erkrankungen - Chris Palmer (Havard-Psychiater)
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Phoenix -
22. Oktober 2025 um 14:25 -
491 Mal gelesen
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Die Stoffwechsel-Psychiatrie: Ein ganzheitlicher Ansatz für psychische Erkrankungen
Interessantes Interview: Dr. Chris Palmer ist ein Harvard-Psychiater und Forscher, mit schizophrener Mutter, der sich für die metabolische Psychiatrie einsetzt. Die Stoffwechsel-Psychiatrie ist ein wachsendes Feld, das den Zusammenhang zwischen Stoffwechselstörungen und psychischen Erkrankungen untersucht. Er ist ein führender Vertreter der „Brain Energy Theory“, die davon ausgeht, dass psychische Störungen Stoffwechselstörungen des Gehirns sind.
Das Fachgebiet geht davon aus, dass die Behandlung zugrunde liegender Stoffwechselprobleme wie Entzündungen und mitochondrialer Dysfunktion zu erheblichen Verbesserungen bei psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen, bipolaren Störungen und Schizophrenie führen kann.
Durch die Betrachtung psychischer Erkrankungen aus der metabolischen Perspektive zielt dieses Fachgebiet darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln, anstatt nur die Symptome zu behandeln. Es verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der Stoffwechselprobleme, Ernährung, Entzündungen aber auch Genetik und Trauma berücksichtigt, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Trauma, Schizophrenie und Stoffwechselstörungen sind miteinander verbunden. Traumata können die Stoffwechselgesundheit von Menschen mit Schizophrenie durch Mechanismen wie Entzündungen, oxidativen Stress und hormonelle Veränderungen verschlechtern. Stoffwechselpsychiatrie verbindet Traumata mit Stoffwechselstörungen und berücksichtigt diese Zusammenhänge bei der Entwicklung von Behandlungen für psychische Erkrankungen wie Schizophrenie.
Ganzheitliche Ansätze der Stoffwechselpsychiatrie
Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung des Stoffwechsels und der Gehirngesundheit
Um Nährstoffmängel zu beheben und die Stoffwechsel- und Gehirnfunktion weiter zu unterstützen, werden in der metabolischen Psychiatrie häufig folgende Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt:
- Vitamine: Die Forschung im Bereich der Stoffwechselpsychiatrie legt nahe, dass Vitamine B12, B9 und D entscheidend für die psychische Gesundheit sind. Ein Mangel erhöht das Risiko für Depressionen, Angstzustände und andere psychische Erkrankungen.
- Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA): Diese essentiellen Fettsäuren, die in Fischöl enthalten sind, wirken entzündungshemmend und unterstützen die zelluläre Signalübertragung im Gehirn. Sie haben sich bei der Behandlung von Stimmungsstörungen als vielversprechend erwiesen.
- Probiotika und Präbiotika: Durch die Förderung eines gesunden Darmmikrobioms können sie über die Darm-Hirn-Achse Stimmung und Stress beeinflussen. Bestimmte Stämme von Laktobazillen und Bifidobakterien wurden auf ihre Wirkung auf Angstzustände und Depressionen untersucht.
- Mineralien: Elektrolyte (Natrium, Magnesium, Kalium), Zink und andere Spurenelemente werden häufig ergänzt, um die allgemeine Stoffwechselfunktion zu unterstützen, die durch Ernährungsumstellungen beeinflusst werden kann.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Sekundäre Pflanzenstoffe können neuroprotektive Wirkungen haben und dazu beitragen, Neuronen vor Schäden durch oxidativen Stress und Entzündungen zu schützen, die bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen. Bestimmte Pflanzenstoffe könnten die Produktion oder Aktivität von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinflussen, die für die Stimmungsregulierung und die psychische Gesundheit entscheidend sind.
- Aminosäuren: Die Stoffwechselpsychiatrie verwendet Aminosäuren wie Tryptophan, Glycine, L-Theanin, da sie Vorläufer wichtiger Neurotransmitter sind und bei Stimmungsstörungen eine Rolle spielen.
- Hormone: Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Hormonstörungen hin. Man geht davon aus, dass es bei Schizophrenie, insbesondere bei Frauen, eine schützende Rolle spielt, indem es potenziell die Dopaminüberaktivität dämpft und kognitive Symptome sowie Stimmungssymptome verbessert, insbesondere in Zeiten mit hohem Östrogenspiegel.
Ernährungsinterventionen:
- Ketogene Diät: Einige neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die ketogene Stoffwechseltherapie (KMT) für Personen mit psychiatrischen Erkrankungen wie der schizoaffektiven Störung von Nutzen sein kann, indem sie die Stoffwechselfunktion verbessert und möglicherweise psychiatrische Symptome lindert.
- Mittelmeerdiät: Für eine allgemeinere Stoffwechsel- und psychische Gesundheit wird häufig die Mittelmeerdiät empfohlen, die reich an Obst, Gemüse und gesunden Fetten ist.
Körperliche Aktivität:
Sport hat sich als vorteilhaft erwiesen, die körperliche Fitness zu verbessern und psychiatrische Symptome bei Personen mit Schizophrenie zu reduzieren, indem er die allgemeine Stoffwechselgesundheit unterstützt.
Psychologische Interventionen:
Trauma-informierte psychologische Therapien sind entscheidend für die Behandlung von gleichzeitig auftretenden Traumata. Diese Interventionen haben sich als sicher und wirksam bei der Linderung traumabedingter Symptome bei Menschen mit Psychosen erwiesen. Beispiele hierfür sind:
- Kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen (CBTp)
- Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen (EMDR)
Durch das Verständnis der Wechselwirkung zwischen Trauma, Stoffwechsel und Schizophrenie bietet das Fachgebiet der metabolischen Psychiatrie neue Wege für eine umfassendere und wirksamere Behandlung.