DIE KRISE DER PSYCHIATRIE | Fehl- und Überdiagnosen bei psychischen Erkrankungen - wie Menschen lebenslang zu Patienten werden.
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Phoenix -
26. März 2026 um 04:20 -
688 Mal gelesen
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DIE KRISE DER PSYCHIATRIE |
Fehl- und Überdiagnosen bei psychischen Erkrankungen - wie Menschen lebenslang zu Patienten werden.
Fehl- und Überdiagnosen in der Psychiatrie sind ein wachsendes Problem, das dazu führen kann, dass Menschen fälschlicherweise als psychisch krank eingestuft, unnötig medikamentös behandelt und dauerhaft stigmatisiert werden. Eine klinisch nicht notwendige Diagnose (Überdiagnose) oder eine falsche Diagnose (Fehldiagnose) kann weitreichende Konsequenzen für den weiteren Lebensweg haben.
Eine Psychose ausgelöst durch Stress, Cannabis oder einen Hormonabfall ("Wochenbettpsychose" nach der Schwangerschaft) kann ein einmaliges Ereignis bleiben und braucht noch lange keine Schizophrenie sein. Auch ist bekannt, das Antidepressiva Psychosen auslösen können, die dann fälschlicherweise als eigenständige Schizophrenie diagnostiziert werden.
Ebenso sind Trauer und Niedergeschlagenheit ebenfalls normale Reaktionen und keine krankhaften Depressionen, die mit Antidepressiva behandelt werden müssten.
Eine einmal gestellte Diagnose kann zu einer "Krankheitskarriere" führen, aus der es schwer ist, wieder auszusteigen. Die Problematik von Fehl- und Überdiagnosen in der Psychiatrie führt dazu, dass immer mehr Menschen durch die medikamentöse Behandlung abhängig und chronisch krank werden.
So kann jedoch beim zu schnellen Absetzen von Psychopharmaka, durch die entwickelte Abhängigkeit gegenüber einem Medikament und den Veränderungen im Gehirn, eine reine "Absetzpsychose" oder reine "Absetzdepression" ausgelöst werden, die nichts mit einer eigentlichen Erkrankung zu tun hat, was aber den Eindrück erweckt, die falsche Diagnose von "Schizophrenie" oder "Depression", war richtig.
So können also Betroffene tragischer Weise eine starke Medikamentenabhängigkeit für eine falsch diagnostizierte psychische Erkrankung entwickeln und landen nach schlecht angeleiteten und gescheiterten Absetzversuchen immer wieder in der Klinik, was eine ständige Bestätigung der falschen Diagnose und zur Chronifizierung führen kann.
Die Behandlung einer falschen Erkrankung führt nicht nur zum Ausbleiben der Besserung, sondern kann durch Nebenwirkungen den Gesundheitszustand weiter verschlechtern. Unnötige Verschreibung von Psychopharmaka, können zu neuen körperlichen oder psychischen Problemen führen.
Betroffene werden so oft lebenslang zu Psychiatrie-Patienten, leiden unter (Selbst-) Stigmatisierung und sind einer medikamentösen Behandlung ausgesetzt, die die Lebensqualität stark mindert und die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Die Rate der Fehldiagnosen bei Patienten mit schweren psychischen Störungen wird auf etwa 40% geschätzt.
Die Häufigkeit von Schizophrenie ist weltweit von ca. 13 Mio. (1990) auf über 23 Mio Fälle (2021) angestiegen. Wird das Bevölkerungswachstum abgezogen, ergibt sich ein Anstieg von 3,5 Mio. Wird eine erhöhte Sterblichkeit von 3 Mio. Todesfällen durch Antipsychotika angenommen und in diesem Zeitraum berücksichtigt, ergibt sich ein Anstieg von 6,5 Mio. oder 50% durch Fehldiagnosen und chronischer Abhängigkeit von Antipsychotika seit 1990 bei konstanter Neuerkrankungsrate. (siehe Artikel)
Basiert das Diagnosesystem überhaupt auf wissenschaftlichen Grundlagen ?
Kritiker, darunter einige prominente Forscher und Psychiater, argumentieren, dass die gegenwärtigen Diagnosesysteme aus mehreren Gründen grundlegend fehlerhaft sind. Im Gegensatz zu vielen körperlichen Erkrankungen lassen sich die meisten psychiatrischen Störungen nicht durch verallgemeinerbare Test bestätigen und Diagnosen basieren nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Willkürliche Schwellenwerte: Die Grenzen zwischen „normalem“ Leiden und einer „Störung“ werden oft als willkürlich angesehen und eher von pharmadominierten Gremien als durch natürliche psychologische Grenzen festgelegt.
Vernachlässigung der Ursache: Einige Experten argumentieren, dass medizinische Diagnosen die Rolle von Traumata und belastenden Lebensereignissen verschleiern, indem sie natürliche Reaktionen auf schwierige Umstände als biochemische Funktionsstörungen des Gehirns kategorisieren.
Überschneidung und Inkonsistenz: Es gibt eine „enorme Überschneidung“ der Symptome bei verschiedenen Diagnosen, und zwei Personen mit der gleichen Diagnose (z. B. Depression) können überhaupt keine gemeinsamen Symptome aufweisen.
"Diese Definitionen sind, unterstützt von der Pharmaindustrie, so weit gefasst, dass viele völlig normale Menschen problemlos eine psychiatrische Diagnose erhalten könnten. " Prof. Gotzsche, M.D.
EXPERTEN IM GESPRÄCH | Psychiatrische Diagnosen basieren nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen - Prof. Gotzsche, M.D.
Psychiatric Diagnoses Are Not Based on Science: Peter Gotzsche, M.D.
Es ist ganz klar, dass das Diagnosesystem, das wir in der Psychiatrie haben, zum Beispiel das in Amerika erfundene DSM-System, sehr unwissenschaftlich ist, und zwar so sehr, dass das National Institute of Mental Health ( Behörde der US-Regierung, die für gesundheitsbezogene Forschung zuständig ist) erklärt hat, diese Definitionen nicht mehr in der Forschung zu verwenden. Sie sind eine Katastrophe.
Und diese Definitionen sind, unterstützt von der Pharmaindustrie, so weit gefasst, dass viele völlig normale Menschen problemlos eine psychiatrische Diagnose erhalten könnten. Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Kürzlich habe ich vor 100 Leuten mit den unterschiedlichsten Hintergründen einen Vortrag gehalten, aber gemeinsam war ihnen, dass sie versuchten, psychiatrischen Patienten zu helfen. Einige von ihnen waren Psychologen, andere Sozialarbeiter und so weiter. Dann habe ich drei häufig verwendete Tests an ihnen ausprobiert: einen für Manie, einen für Depression und einen für ADHS bei Erwachsenen. Sie erhielten so viele Diagnosen, dass bis zu 50% von ihnen mindestens eine bekam.
Frage:
Könnten Sie etwas dazu sagen, dass wir manchmal in den Medien lesen, dass psychische Erkrankungen unterdiagnostiziert werden?
"Was kann ich dazu sagen, außer zu lachen, wenn Sie sagen: Psychiater sagen, dass psychische Erkrankungen unterdiagnostiziert sind. Wir haben ein unglaubliches Überdiagnoseproblem. Und natürlich gibt es auch Menschen, die nicht diagnostiziert sind und von psychologischer Hilfe profitieren würden. Psychotherapie wirkt bei Depressionen, bei ADHS, sogar bei Schizophrenie. Das ist es, was wir anstelle von Medikamenten tun sollten. Aber daran denken sie nicht. Wenn sie sagen, dass die Bevölkerung unterdiagnostiziert ist, denken sie immer, es seien schreckliche Medikamente und nicht Psychotherapie."
Prof. Sami Timimi über psychiatrische Diagnosesysteme
Fehldiagnose Schizophrenie
Untersuchungen von Johns Hopkins Medicine zeigen, dass bei ungefähr bei 50 % der Patienten, mit einer Schizophrenie-Diagnose eine Fehldiagnose vorlag. Stattdessen leiden sie häufig an Angststörungen, Depressionen oder bipolarer Störung.
- 60 % der Patienten werden mit einer bipolaren Störung fälschlicherweise als schizophren diagnostiziert.
- 54,7 % der Patienten mit schweren Depressionen erhielten fälschlicherweise eine Schizophrenie-Diagnose.
- 23,7 % der Patienten mit einer tatsächlichen Schizophrenie wurden zunächst falsch diagnostiziert (oft als bipolar).
Symptom-Überlappung: Symptome wie das Hören von Stimmen oder Paranoia werden oft vorschnell als Schizophrenie interpretiert, können aber auch bei Traumata, schwerer Angst oder affektiven Störungen auftreten.
Dauer der Untersuchung: In manchen Gesundheitssystemen beträgt die durchschnittliche Zeit für eine psychiatrische Erstuntersuchung nur wenige Minuten, was das Risiko für Fehlinterpretationen drastisch erhöht
Rassismus: Studien zeigen, dass farbige Patienten bis 3- bis 4-mal so häufig mit Schizophrenie diagnostiziert werden wie weiße Patienten, was oft auf Vorurteile zurückgeführt wird.
Fehldiagnose Depressionen
Eine Studie über schwere psychiatrische Störungen ergab, dass bei 57,60 % der Patienten, die mit schwerer Depression diagnostiziert wurden, tatsächlich eine Fehldiagnose vorlag.
Frauen: Bei weiblichen Patienten wird geschätzt, dass Depressionen in 30–50 % der Fälle falsch diagnostiziert werden, oft weil körperliche Symptome fälschlicherweise als psychisch eingestuft werden.
Gründe
Überdiagnosen treten vor allem dann auf, wenn normale emotionale Reaktionen, wie Trauer, Kummer, Nervosität oder Lebensstress, als "krank" erklärt werden oder Tools ohne tiefergehende klinische Beurteilung genutzt werden.
Einflussfaktoren: Kurze Konsultationszeiten (manchmal nur 5 Minuten) und die Abhängigkeit von Selbstauskunft-Fragebögen wie begünstigen Überdiagnosen.
Diagnostische Inflation: Kritiker weisen darauf hin, dass die Ausweitung der Kriterien in neueren Diagnosemanualen dazu führen kann, dass normale Lebensphasen zunehmend als behandlungsbedürftige Störungen eingestuft werden.
Die Falle der lebenslangen Psychiatrie-Patienten
Fehldiagnose bipolarer Störungen: Ein häufiges und schwerwiegendes Beispiel ist die Fehldiagnose einer bipolaren Störung als Schizophrenie oder depressive Störung, was zu einer Behandlung mit Antidepressiva-Monotherapie oder Antipsychotika führt, die eine Manie oder Psychose (auch beim Absetzen) auslösen, den Zustand des Patienten verschlechtern und das Suizidrisiko erhöhen kann.
Verschlimmerung der Symptome: Falsche Behandlungspläne können schwere Nebenwirkungen hervorrufen, die den Ausgangszustand einer Person verschlimmern und eine Kaskade von unerwünschten Folgen auslösen.
Lange Wartezeiten: Patienten leiden oft jahrelang, bevor sie die richtige Diagnose erhalten. Eine Studie ergab eine durchschnittliche Wartezeit von 5,4 Jahren bei bipolarer Störung.
Abhängigkeit und schädliche Medikamente
Behandlung: Überdiagnostik führt oft zu langfristigen Verschreibungen von Medikamenten mit Persönlichkeitsveränderungen und Abhängigkeitsrisiko, wie z. B. Antipsychotika, Antidepressiva oder Benzodiazepinen.
Toleranzentwicklung: Nach längerer Einnahme ist eine Dosissteigerung nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen, was die Abhängigkeit vertieft.
Paradoxe Reaktionen: Medikamente, die eigentlich helfen sollen, können langfristig genau die Symptome (Ängste, Unruhe, Schlafstörungen, Psychosen) verstärken, die sie bekämpfen sollten.
Entzugsprobleme: Die Anleitungen von Psychiatern zum Absetzen ist oft mangelhaft. Das Absetzen ist oft extrem schwierig und mit Entzugssymptomen, wie Absetzpsychosen oder Absetzdepressionen, verbunden, was die Langzeiteinnahme fördert und eine Fehldiagnose mit Schizophrenie oder Depression, fälschlicher Weise bestätigt.
Medikamenten-bedingte Folgeerkrankungen und körperliche Schäden: Psychopharmaka sind mit Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gehirnschrumpfung, Dyskinesien (Bewegungsstörungen) , Stoffwechselstörungen (Diabetis) und Krebs verbunden. Hohe Dosen von Antipsychotika erhöhen das Sterberisiko um 88 %, vorwiegend aufgrund von Herzerkrankungen.
Verkürzte Lebenserwartung: Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen haben eine um 15 bis 20 Jahre kürzere Lebenserwartung, was maßgeblich auf die körperlichen Nebenwirkungen der Langzeitmedikation zurückzuführen ist.
Erhöhtes Sterberisiko: Studien haben gezeigt, dass psychiatrische Medikamente, die Sterberate vervierfachen können.
(Selbst-) Stigmatisierung und ihre gesellschaftlichen Folgen
Stigma: Selbststigmatisierung stellt ein großes Hindernis für die Behandlung dar und führt zu geringerer Antriebskraft, Hoffnungslosigkeit und gesellschaftlicher Isolation und Einsamkeit. Betroffene übernehmen negative gesellschaftliche Vorurteile („Ich bin gefährlich/inkompetent“) in ihr Selbstbild. Dieser Prozess senkt das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit drastisch.
Der „Warum-es-noch-versuchen?“-Effekt: Selbststigmatisierung führt dazu, dass Menschen Chancen in Beruf, Wohnen und Beziehungen von vornherein aufgeben, da sie sich als „unwürdig“ oder „unfähig“ betrachten.
Soziale Isolation: Aus Angst vor Ablehnung ziehen sich Betroffene zurück, was die Genesung weiter behindert und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit verstärkt.
Statusverlust: Die Diagnose führt zu Ausgrenzung, Beziehungskrisen (Scheidung/Trennung), Jobverlust, Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung.
Verschweigen von Symptomen: Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen erfahren oft ein höheres Maß an Schuldzuweisungen und öffentlicher Stigmatisierung, was sie dazu veranlasst, ihre Probleme zu verbergen, um Diskriminierung zu vermeiden. Betroffene schämen sich für ihre Erkrankung und die Einnahme von Medikamenten, was sie daran hindert, sich aus der Patientenrolle zu lösen.
Fehl- und Überdiagnosen als Einstieg in die lebenslange Chronifizierung
Voreilige Schubladisierung: Einmal vergebene Diagnosen sind schwer wieder loszuwerden. Patienten werden oft "in Schubladen gesteckt", was zu einer Identifikation mit der Diagnose führt – dem Weg zum "lebenslangen Patienten".
Folgen der Fehldiagnose: Patienten fühlen sich oft nicht ernst genommen, was zu Verzweiflung und einer Verschlimmerung der wahren Ursachen führen kann.
Abwärtsspirale: Einmal im System erfasst, werden Patienten oft durch eine Kette von Diagnosen gereicht. Missinterpretierte Nebenwirkungen von Medikamenten können dabei fälschlicherweise als neue Symptome einer eigenständigen Störung gedeutet werden (Verschreibungskaskade).
Abhängigkeit: Viele Patienten entwickeln eine physische oder psychische Abhängigkeit, da die Medikamente oft ohne klare Absetzstrategie über Jahre verschrieben werden.
Experten im Gespräch
Dr. Allen Frances hatte den Vorsitz der Arbeitsgruppe inne, welche das Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM-IV - 1994) für Psychiater und Ärzte zu verantworten hatte.[
Er warnt nun davor, dass die Inflation von Diagnosen gefördert wird, indem es normale Lebenserfahrungen in psychische Störungen umwandelt, angetrieben durch das Marketing der Pharmaindustrie und übermäßig umfassende Kriterien. Er argumentiert, dass diese „Medikalisierung der Normalität“ zu massiver Überdiagnostik und unnötigem Medikamentengebrauch führt.
DSM-5, Overdiagnosis and Big Pharma Marketing — Psychiatrist Allen Frances, M.D.
The Difficulty In Getting Rid of a Psychiatric Diagnosis — Psychiatrist Allen Frances, M.D.
Lead Architect of the DSM-4 Explores Overdiagnosis — Psychiatrist Allen Frances, M.D.