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ROAD TO RECOVERY | Therapien und Heilmethoden bei Schizophrenie: 24. Systemische Therapie

  • Phoenix
  • 16. Mai 2026 um 07:00
  • 413 Mal gelesen

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ROAD TO RECOVERY |

Therapien und Heilmethoden bei Psychosen und Schizophrenie

24. Systemische Therapie


Symptome(G)(+)(-)(k)(D)(Ä)(ST)(SCH)LQ
Systemische Therapie in Studien:
Besserung in 6 - 20 Wochen
✓20%15%✓50%20%✓✓✓
Effektstärken aus Metanalysenklein-mittelklein-mittelklein-mittel✓großklein-mittel✓✓✓

(G) = Gesamtsymptome, (+) = positive, (-) = negative, (k) = kognitive Symptome, (D) = Depressionen, (Ä) = Ängste, (ST) = Stress, (SCH) = Schlaf, LQ = Lebensqualität


  • Die 5 Ebenen der Heilung
  • Road to Recovery | Einleitung und Übersicht
I. Die Körper-Ebene

Unser physischer Körper ist die materielle Ebene des Menschen. Er besitzt eine anatomische Gestalt, die aus Zellen zusammengesetzt ist und durch eine Vielzahl von biochemischen Stoffwechselprozessen gesteuert wird. Körper und Geist sind mit einander verbunden.

Therapien und Heilmethoden:

1. Arbeit und Beschäftigung
2. Sport
3. Ernährung und Nahrungsergänzung
4. Naturheilkunde
5. Orthomolekulare Medizin
6. Konventionelle Medizin
A. Antipsychotika
B. Antidepressiva

II. Die Energie-Ebene

Auf der 2. Ebene befindet sich der Energiekörper. Er wird vor allem durch unsere Nerven und Energieleitbahnen, den Meridianen gebildet. Die Meridiane sind Energieverbindungen zu unseren Organen, Körperfunktionen und zur Psyche. Auch unser Antrieb und unsere Energie wird dieser Ebene zugeordnet. Die Therapien der Energie-Ebene haben direkten Einfluss auf die Symptome von Psychosen, Schizophrenie und Depression.

Therapien und Heilmethoden:

7. Berührung und Massage
8. Atemtherapie
9. Yoga
10. Akupunktur
11. Qi Gong
12. Tai Chi
13. Naturerleben

III. Die Mental-Ebene

Der Mentalkörper ist eine Struktur, in die alle Lernerfahrungen im Leben eingehen. Zu diesem Feld gehören Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Glaubenssätze. Hier handelt es sich um eine bewusste und unbewusste Ebene, in der u.a. auch das Gedächtnis gespeichert ist.

Therapien und Heilmethoden:

14. Psychosoziale Interventionen
15. Psychotherapien
16. Positive Psychologie
17. Positives Denken
18. Positive Affirmationen
19. Homöopathie

IV. Die intuitive Ebene

Die intuitive Ebene ist der Bereich des Träumens, der Intuition, der Kunst und Kreativität. Es sind Erfahrungen, die mit veränderten Bewusstseinszuständen jenseits des gewöhnlichen „normalen“ Wachbewusstseins einhergehen, insbesondere Zustände wie Trance, Ekstase, spirituelle Erlebnisse und Grenzerfahrungen. Auf dieser Ebene wirkt der Einfluss von Lernerfahrungen aus dem Familiensystem und von traumatischen Ereignissen.

Therapien und Heilmethoden:

20. Maltherapie
21. Musiktherapie
22. Tanztherapie
23. Theatertherapie
24. Systemische Therapie

V. Die Geist-Ebene

Die 5. Ebene beschreibt den geistigen Aspekt eines Menschen. Es ist das Feld von innewohnender Weisheit und Zufriedenheit, des natürlichen Mitgefühls und Liebe zu uns und anderen. Da dieses Feld alles durchdringt, ist es die Ebene, die letztendlich zur Heilung führen kann, vorausgesetzt, wir kümmern uns um die Harmonisierung der anderen Ebenen. Um Erfahrungen auf der fünften Ebene machen zu können, braucht es Zeit und Raum – für das Alleinsein und die Meditation.

Therapien und Heilmethoden:

25. Achtsamkeit und Meditation

IV. Die intuitive Ebene

Die intuitive Ebene ist der Bereich des Träumens, der Intuition, der Kunst und Kreativität. Es sind Erfahrungen, die mit veränderten Bewusstseinszuständen jenseits des gewöhnlichen „normalen“ Wachbewusstseins einhergehen, insbesondere Zustände wie Trance, Ekstase, spirituelle Erlebnisse und Grenzerfahrungen. Auf dieser Ebene wirkt der Einfluss von Lernerfahrungen aus dem Familiensystem und von traumatischen Ereignissen.



Therapien und Heilmethoden:

20. Maltherapie
21. Musiktherapie
22. Tanztherapie
23. Theatertherapie
24. Systemische Therapie


Zitat

"In allen Kulturen prägt die Familie die Identität ihrer Mitglieder. Das menschliche Identitätsgefühl umfasst zwei Elemente: das Zugehörigkeitsgefühl und das Gefühl der Abgrenzung. Die Familie, die Matrix der Identität, ist der Ort, an dem diese Elemente vermischt und weitergegeben werden." Salvador Minuchin (Familientherapeut und Kinderpsychiater)


Kurzfassung

| Schizophrenie mit psychotischen Störungen zählen zu den schwerwiegendsten, komplexesten und rätselhaftesten psychischen Störungen und verursachen weltweit enormes Leid bei Millionen von Menschen und ihren Angehörigen. Häufig verlassen die Patienten die Klinik und führen kein eigenständiges Leben, sondern kehren zurück und leben in unterschiedlichen Stadien teilweiser Gesundung bei ihren Familien.

Die Systemische Therapie, auch Systemische Familientherapie oder Systemische Psychotherapie genannt, ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Schwerpunkt auf dem Einfluss des sozialen Umfeld auf psychische Störungen liegt, insbesondere auf Interaktionen zwischen Betroffenem und der Familie.

Denn im Gegensatz zu rein bio-chemischen Ansätzen betrachtet die systemische Therapie Symptome nicht isoliert im Individuum, sondern als Teil von Interaktionsmustern innerhalb des Familiensystems.

Die Familie als Faktor für die Entwicklung von Schizophrenie

Praxis systemische Therapie HH+online I Dipl.-Päd. H. Miller

Einige psychologische Erklärungen für Schizophrenie, wie schizophrenogene Mutter, Doppelbindung und ausgedrückte Emotionen, konzentrieren sich eindeutig auf die möglicherweise toxische häusliche Umgebung als Schlüsselfaktoren für die Entwicklung von Schizophrenie. (siehe: Die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie: 1. Psychologische Theorien).

Insbesondere das Familienklima kann den Krankheitsverlauf stark beeinflussen, zum Guten, aber auch zum Schlechten. Zu Problemen kann es kommen, wenn Familienmitglieder durch die Erkrankung überfordert sind und es zu Schuldzuweisungen oder Konflikten kommt.

Dies kann für den Verlauf einer Psychose eine wichtige Rolle spielen: So weiß man, dass das Risiko für einen Rückfall erhöht ist, wenn das Familienleben durch häufige Kritik, Abwertung oder Überfürsorglichkeit geprägt ist (siehe Expressed-Emotion-Theorie). Dabei tragen beide Seiten – Betroffene und Angehörige – zum Familienklima bei.

Die Familie als Faktor für den Gesundungsprozess

Hilfe bei psychotischen Symptomen

Es wird oft gesagt, dass die Familie der Schlüssel dazu ist, wie sich die psychotischen Symptome im täglichen Leben der Betroffenen wirklich auswirken. Die Realitätswahrnehmung einer Person in einer Psychose, mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen wird zwar beeinträchtigt, aber Betreuer und Familienangehörige können das Geschehen aus einer anderen Perspektive rekonstruieren und falsche Wahrnehmungen korrigieren. So kann die Gesundung in einer Psychose effektiv beschleunigt werden.

Stress und belastende Emotionen reduzieren

Systemische Familientherapie arbeitet mit dem Konzept des „Vulnerabilitäts-Stress“-Modells. Sie zielt darauf ab, den Stress den die schizophrene Erkrankung mit sich bringt, für alle Beteiligten zu reduzieren - für den Patienten selbst und seine unmittelbare Familie, die täglich indirekt mit der Krankheit fertig werden muss.

Ziel ist es, den Familienmitgliedern zu helfen, ihre Gedanken und Gefühle zu verarbeiten und gemeinsam praktische, umsetzbare Problemlösungen für die Situation zu finden. Destruktive Emotionen wie Scham, Schuld, Wut, die alle Familienmitglieder betreffen können, werden gelöst oder zumindest reduziert. Die Familie sollte dabei lernen als Team zu arbeiten und zu verstehen, dass „alle im selben Boot sitzen“.

Familientherapie senkt Rückfallrisiko deutlich

KJH MIO - Systemische Therapie Familientherapie

Familieninterventionen können Menschen mit Schizophrenie also dabei helfen, das Familienleben weniger belastend und angespannt machen. Mit Unterstützung der Therapeutin, des Therapeuten können alle gemeinsam Lösungen für familiäre Probleme erarbeiten.

Studien belegen, dass das Risiko für eine erneute akute Psychose in den ersten Jahren nach einer Familientherapie stark verringert ist. Der Hauptnutzen von Familieninterventionen für Menschen mit Schizophrenie liegt tatsächlich darin, dass sie das Rückfallrisiko deutlich senken können.

So erleiden beispielsweise rund 50% der Menschen, die medikamentöse Interventionen gegen eine Psychose erhalten, einen Rückfall. Eine Forschungsarbeit berichtet über eine sehr hohe Wirksamkeit von Familienmanagement bei der Verringerung von Psychose-Rückfällen:

"Auf der Grundlage dieser Entwicklungen wurden seit 1980 mehrere psychoedukative Familienmanagement-Programme evaluiert, die eine signifikante Verringerung der Rückfallquote im Vergleich zur Standard-Psychiatrieversorgung von 49 auf 13 % zeigten. Bisher wurden mindestens 50 RCT-Studien veröffentlicht, die die Wirksamkeit von Familieninterventionen in verschiedenen kulturell unterschiedlichen Ländern belegen." (3)

Der offene Dialog

Der offene Dialog, liefert starke Beweise für einen familienbasierten Ansatz. Dieser Dienst, der auf einer Krisenintervention innerhalb der Familie bzw. des Netzwerks basiert und den Einsatz von Psychopharmaka minimiert, hat bemerkenswerte Ergebnisse erzielt.

Der offene Dialog ist eine indirekte systemische Therapie, die eine Plattform für Konsultationen mit möglichst vielen wichtigen Personen aus dem sozialen Netzwerk des Klienten bietet.

Eine aktuelle Forschungsarbeit kommt zu dem Schluss:

"Daher sollte ... allen Familien von Menschen mit Psychosen, die mit dem Patienten zusammenleben oder in engem Kontakt mit ihm stehen, ... eine Familienintervention angeboten werden. Trotz dieser dringenden Empfehlung wird die Einbeziehung der Familie in die psychiatrische Versorgung trotz ihrer starken wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, rechtlichen und moralischen Grundlage nur unzureichend umgesetzt. " (3)

Systemische Therapie ist Leistung der gesetzlichen Krankenkasse

Seit Ende 2018 ist in Deutschland die Systemische Therapie für Erwachsene in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen und wurde in die aktuelle "S3-Leitlinie Schizophrenie" als Behandlungsempfehlung mit integriert. Die Leitlinie richtet sich an alle Akteure, die an der Versorgung von Menschen mit einer Schizophrenie in Deutschland beteiligt sind, wie Ärzte, Psychiater und Therapeuten.

Dazu heißt es im Kapitel Psychotherapeutische Behandlung: "Zur Verbesserung der allgemeinen Symptomatik kann eine Systemische Therapie angeboten werden" (1)

Gesamtsymptome

Systemische Familientherapie erzielt eine messbare Senkung der allgemeinen Symptomschwere im Vergleich zur reinen Standardmedikation. Längere Behandlungen führen dabei zu stabileren und höheren Effekten. Metaanalysen zeigen, dass die systemische Therapie einen mittlere Effekt auf die Reduktion der Gesamtsymptome, einschließlich Halluzinationen und Wahnvorstellungen, bei Menschen mit Schizophrenie hat.

Positive Symptome

Systemische Therapie zielt darauf ab, Positivsymptome – wie beispielsweise Wahnvorstellungen und Halluzinationen - durch Verbesserung der Kommunikation, Verringerung des familiären Stresses und dem Ausbau der Unterstützungsnetzwerke zu reduzieren. Denn stark „ausgedrückte Emotionen“ , wie Feindseligkeit, Kritik oder emotionaler Überfürsorglichkeit und übermäßige Einmischung innerhalb eines Familiensystems können Rückfälle positiver Symptome auslösen; systemische Therapie zielt darauf ab, diese Spannung zu reduzieren.

Es hat sich gezeigt, dass systemische Familientherapie die Häufigkeit von akustischen Halluzinationen verringern und die Gesamtwerte positiver Symptome senken können. Die systemische Therapie zeigt mittlere Effektstärken bei der Reduzierung positiver Symptome. Nach einer 6-monatigen Behandlung wurden in der Gruppe mit systemischer Therapie signifikante Verbesserungen bei positiven Symptomen um 35% gegenüber der Kontrollgruppe beobachtet. (11).

Negative Symptome

Die systemische Therapie, die sich auf Beziehungen und Familiendynamiken konzentriert, wird zunehmend als wertvoller psychosozialer Ansatz zur Behandlung von sozialem Rückzug, geringer Motivation und emotionaler Abstumpfung angesehen, die zu erheblichen Langzeitbeeinträchtigungen führen.

Die systemische Therapie arbeitet mit der Familie zusammen, um Kommunikationsmuster zu verändern und Unterstützungssysteme zu stärken, was dazu beitragen kann, sozialen Rückzug, geringe Motivation und emotionale Abstumpfung des Betroffenen zu überwinden.

Die systemische Therapie zeigt mittlere Effektstärken bei der Reduzierung negativer Symptome und einen größeren Einfluss auf die allgemeine Funktionsfähigkeit des Patienten. Nach einer 6-monatigen Behandlung wurden in der Gruppe mit systemischer Therapie signifikante Verbesserungen bei negativen Symptome um 15% gegenüber der Kontrollgruppe beobachtet. (11)

Depression

Systemische Therapien tragen zur Verbesserung depressiver Symptome und zur Steigerung des Selbstwertgefühls bei, die häufig gemeinsam mit Schizophrenie und Psychosen auftreten.

Aktuelle Metaanalysen kontrollierter Studien (RCTs) deuten darauf hin, dass die systemische Therapie bei der Behandlung von Erwachsenen mit depressiven Störungen hochwirksam ist und große Effektstärken im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Behandlung oder auf der Warteliste erreicht. Nach einer 6-monatigen Behandlung wurden in der Gruppe mit systemischer Therapie signifikante Verbesserungen bei Depressionen um 50% gegenüber der Kontrollgruppe beobachtet. (11)

Im Vergleich zu alternativen aktiven Behandlungen (wie kognitiver Verhaltenstherapie oder Einzeltherapie) zeigte die systemische Therapie keinen signifikanten Unterschied. Dies lässt darauf schließen, dass die systemische Therapie mindestens genauso wirksam ist wie traditionelle individualisierte Ansätze.

Ängste

Systemische Therapie bei Angststörungen konzentriert sich nicht ausschließlich auf die inneren Symptome sondern behandelt den Einzelnen im Kontext seiner Beziehungen (Familie, Partnerschaft oder Beruf). Sie betrachtet Angst als Reaktion auf Muster im Leben eines Menschen – wie etwa Familiendynamiken, Stress am Arbeitsplatz oder kulturelle Erwartungen – und nicht einfach als persönliches Versagen. Sie identifiziert und verändert festgefahrene Interaktionsmuster, Überzeugungen und Kommunikationsstile, die Angstzustände verstärken. Dieser Ansatz ist wirksam, indem er die Unterstützung stärkt und die Beziehungsdynamik verändert.

Metaanalysen zeigen kleine bis mittlere Gesamteffektstärken für die systemische Therapie der psychischen Gesundheit, mit nachgewiesener Wirksamkeit bei der Reduzierung von Angstzuständen und der Verbesserung der Familienfunktionen. Die selbstberichteten Angstsymptome bei familienfokussierter Therapie nahmen nach einem 12-Monats-Follow-up um 20% stärker ab als in der psychoedukativen Behandlung mit 5%. (10)

Stress

Systemische Therapie untersucht, wie Stress durch Kommunikationsmuster, Rollen und Überzeugungen innerhalb von Familien, Paarbeziehungen oder am Arbeitsplatz erzeugt und aufrechterhalten wird. Sie verbessert die Kommunikation, um Streitigkeiten und Stress zu verringern und führt Menschen von einem Gefühl des persönlichen Versagens hin zu einem Gefühl der Selbstwirksamkeit, um ihren Beziehungsrhythmus zu verändern.

Systemische Therapien gelten als Behandlungen für komplexe, chronische Stresssituationen und sind besonders wirksam, wenn die traditionelle individuelle Psychotherapie nicht ausreicht.

Lebensqualität

Systemische Interventionen wurden mit einer besseren Lebensqualität in Verbindung gebracht, die durch eine verbesserte soziale Funktionsfähigkeit, stärkere familiäre Unterstützung und verbesserte adaptive Fähigkeiten zustande kommt.
Sie verlagert den Fokus von der reinen Symptombehandlung hin zur Erforschung persönlicher Stärken und sozialer Ressourcen, was die allgemeine Lebenszufriedenheit steigern kann. |


1. Die Familie als Ursache der schizophrenen Erkrankung?


Familientherapeutisches Denken entwickelte sich ab 1950 durch Nathan Ackerman, ein US-amerikanischer Psychiater. Ackerman begann, wenn eine Störung bei einem Kind vorlag, die gesamte Familie einzubeziehen. Er gilt als Pionier der Familientherapie.

Die systemische Familientherapie entstand mit Palazzoli und ihrer Mailänder Gruppe ab 1971. Die Mailänder Gruppe erzielte in kurzer Zeit Erfolge bei schizophrenen Familienmitgliedern und bei Essstörungen. Gunther Schmidt begründete die Hypnosystemische Therapie, die Systemische Therapie mit Hypnose kombiniert.

"Seit den 1950er Jahren haben die beobachteten Störungen in familiären Beziehungen, bei denen bei einem Mitglied Schizophrenie diagnostiziert wurde, viele systemische Familientherapeuten zu der Hypothese geführt, dass diese familiären Interaktionen dem Ausbruch der Krankheit vorausgegangen sein und zu ihr beigetragen haben könnten." (3)

Es gibt viele systemische psychosoziale Erklärungen für Psychosen, von denen jede einzigartige Ansätze hat und sich auf die umgebenden Systeme konzentriert. So wurde vorgeschlagen, dass dysfunktionale Muster der Familienkommunikation mehrdeutige Nachrichten zu Verwirrung, Stress und schließlich zu Psychosen führen könnten.

In ähnlicher Weise gingen die „Double-Bind“-Theorie und das Modell der „psychotischen Familienspiele“ von Selvini davon aus, dass Kinder als Reaktion auf Kommunikations- und Beziehungsschwierigkeiten Psychosen entwickeln. (5) (siehe: Die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie: 1. Psychologische Theorien)

2. Ein harmonisches Familienklima senkt Rückfallrate deutlich


So erleiden beispielsweise rund 50% der Menschen, die medikamentöse Interventionen gegen eine Psychose erhalten, einen Rückfall. Dieser Anteil ist bei Patienten mit einem nicht unterstützenden oder belastenden familiären Umfeld deutlich höher, wo möglicherweise viel Kritik, Feindseligkeit oder Überengagement wahrgenommen wird. (5)

Die Forschung auf der Grundlage des Konzepts der ausgedrückten Emotionen (Expressed Emotions = EE) zeigte, dass die Rückfallwahrscheinlichkeit um den Faktor 2,5 steigt, wenn ein Patient in eine Familie mit hohem EE zurückkehrt, im Gegensatz zu einer Familienumgebung mit niedrigem EE.

Eine Forschungsarbeit berichtet über eine sehr hohe Wirksamkeit von Familienmanagement bei der Verringerung von Psychose-Rückfällen:

"Auf der Grundlage dieser Entwicklungen wurden seit 1980 mehrere psychoedukative Familienmanagement-Programme evaluiert, die eine signifikante Verringerung der Rückfallquote im Vergleich zur Standard-Psychiatrieversorgung von 49 auf 13 % zeigten. Bisher wurden mindestens 50 RCT-Studien veröffentlicht, die die Wirksamkeit von Familieninterventionen in verschiedenen kulturell unterschiedlichen Ländern belegen." (3)

Da Probleme im Zusammenhang mit Schizophrenie in der Familie oft auf Missverständnisse und die Unfähigkeit von Patienten und Familienmitgliedern, sich angemessen auszudrücken, zurückzuführen sind, soll die Schulung von Patienten und Familienmitgliedern in der effektiven Kommunikation diesem Problem Abhilfe schaffen.

Um dies zu erreichen, werden Patienten und ihre Familien ermutigt, einander zuzuhören, ihre Gefühle sicher und angemessen auszudrücken und Dinge zivilisiert zu diskutieren.

1. Familientherapie bei Schizophrenie

Unterstützung für Familienmitglieder bei der Kommunikation hilft, ausgedrückte Emotionen (EE) zu reduzieren und Wut und Schuldgefühle zu verringern. Die verringerten EE-Werte und andere Faktoren tragen dazu bei, die Symptome der Schizophrenie zu verringern.

Ziel der Familientherapie ist es, das Verhalten der gesamten Familie zu ändern, nicht nur das des Patienten. Sie nimmt dem Patienten viel Druck und behandelt ernsthafte Probleme, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Sie hilft auch Familienmitgliedern, eigene Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Eine geschulte Kommunikation führt zu einer Verbesserung der Problemlösungsfähigkeiten innerhalb der Familie. Patienten und ihre Betreuer oder Familienmitglieder können Probleme vorhersehen, da sie über die Erkrankung Bescheid wissen und effektiv kommuniziert haben, indem sie Grenzen gesetzt und auslösende Situationen erkannt haben.

Eine aktuelle umfassende Übersicht von 2024 untersuchte die Auswirkungen der Familientherapie auf ausgedrückte Emotionen (EE) im Zusammenhang mit psychiatrischen Störungen und kommt zu dem Ergebnis:

"Durch die Untersuchung verschiedener therapeutischer Ansätze wird deutlich, dass familientherapeutische Interventionen eine hohe emotionale Beeinträchtigung wirksam reduzieren und dadurch die Behandlungsergebnisse verbessern und die Familienfunktion stärken.

Indem sie auf dysfunktionale Kommunikationsmuster abzielt, den Zusammenhalt fördert und Psychoedukation bietet, stattet die Familientherapie Familien mit den notwendigen Werkzeugen aus, um emotionale Herausforderungen effektiver zu bewältigen.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Integration der Familientherapie in psychiatrische Behandlungspläne und betonen die Notwendigkeit für Kliniker, der Einbeziehung und Unterstützung der Familie Priorität einzuräumen. " (8)


2. Der offene Dialog

Der offene Dialog ist eine indirekte systemische Therapie, die eine Plattform für Konsultationen mit möglichst vielen wichtigen Personen aus dem sozialen Netzwerk des Klienten bietet. Dieses Treffen sollte so früh wie möglich stattfinden, idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Kontakt. Dieser schnelle und dynamische Ansatz ist auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten. Er geht jeder direkten Intervention voraus, doch der Einzelne ist immer anwesend.

Seine Ziele sind nicht die Reduzierung psychotischer Symptome, sondern vielmehr die Schaffung eines Dialogs mit der Familie, die Verbalisierung der psychotischen Erfahrungen und die Zusammenstellung multidisziplinärer Unterstützungsteams. (5)

3. Psychoedukation

Der Therapeut ermutigt Patienten und ihre Familien, sich über die Fakten und Ursachen der Krankheit zu informieren, einschließlich der Auswirkungen von Medikamenten. Aber auch Stress und ungerechtfertigte Schuldgefühle können sowohl den Patienten als auch die Familie beeinträchtigen. Diese Schulung wichtiger Themen bei psychischen Störungen wird Psychoedukation genannt.

Viele Probleme im Zusammenhang mit Schizophrenie in der Familie entstehen aus mangelnder Aufklärung/Information über die Krankheit. Die durchschnittliche Familie weiß möglicherweise nicht, was die Symptome einer Schizophrenie sind und wie man sie wirksam behandelt. Dadurch entsteht ein Klima der Feindseligkeit, das durch Unwissenheit und Fehlinformationen genährt wird.

3. Vorgehen und Wirkungsweise der systemische Therapie

Individuen werden als Teil ihres größeren Familiennetzwerks betrachtet, in dem es spezifische Beziehungen, Rollen, Erwartungen, Überzeugungen, Verantwortlichkeiten, Kommunikationsweisen usw. gibt.

Systemisch Arbeiten in Teams und Organisationen - Soziale Arbeit und  Systemische Therapie?

Alle Personen in einem System hängen unmittelbar miteinander zusammen - beispielsweise in einer Familie oder Partnerschaft. Veränderungen in einem System wirken sich daher auf alle Mitglieder aus. Gestörte Beziehungen oder ungünstige Kommunikationsmuster innerhalb des Systems können die psychische Gesundheit einzelner Mitglieder beeinträchtigen.

Systemische Therapeuten führen daher die Probleme einer Person auf eine Störung im System zurück. Im Unterschied zu anderen Therapierichtungen liegt der Fokus aber nicht darauf, die Einflüsse zu finden, die krank machen. Denn in der systemischen Therapie geht der Therapeut davon aus, dass jede Störung auch einen bestimmten Zweck im System erfüllt. Gemeinsam mit dem Patienten versucht er, die Funktion der Symptome innerhalb des Systems aufzudecken.

Die Rolle der Familientherapeuten besteht darin, den Diskurs zu leiten, um den Familienmitgliedern zu helfen, zu erkennen und zu verstehen, wie sich destruktive Verhaltensmuster und Prozesse gegenseitig beeinflussen. Darin liegt das Potenzial, Leiden und psychische Probleme zu lindern. Familientherapeuten zielen darauf ab, einen Zustand des Gleichgewichts oder der „Balance“ wiederherzustellen, der für eine gute psychische Gesundheit von grundlegender Bedeutung ist

Grundprinzipien

Der Therapeut ist sich bewusst, dass er nicht die Fähigkeit besitzt, Menschen oder Systeme zu ändern. Seine Rolle besteht darin, kreative „Anstöße“ zu geben, die den Systemen helfen, sich selbst zu ändern.

Die therapeutische Grundhaltung ist fragend und bemüht um Allparteilichkeit, Neutralität und Respekt gegenüber allen relevanten Personen (auch abwesenden) und um gute Kooperation mit allen Beteiligten (familiäre und außerfamiliäre Bezugspersonen). Festschreibungen werden vermieden.

Durch eine „Sprache der Veränderung“ sollen neue Handlungsspielräume eröffnet werden. Therapieziele werden gemeinsam entwickelt, orientiert an den Anliegen der behandelten Personen und ihres Umfelds. Es wird angestrebt, die Sicht der Patienten und Angehörigen zusammenzuführen mit Einschätzungen des Therapeuten, klinischen Erfahrungen und Wissen über Behandlungsstrategien für spezifische Beschwerden.

Vorgehensweise

Während der ersten Phase der Familientherapie befragt und beobachtet ein Therapeut Familien, um die Problembereiche und Stärken der Familie zu ermitteln.

Wo läuft es schief? Wo läuft es gut? Können diese Probleme durch eine Familientherapie angemessen angegangen werden?

Familien und Patienten werden ermutigt, frei über ihre Gefühle und ihr Wissen zur Situation zu sprechen, ohne Angst vor Verurteilung haben zu müssen.

In der systemischen Therapie geht es dann darum, die Beziehungsstrukturen und Muster innerhalb des Systems zu verstehen. Wer nimmt welche Rollen ein? Warum verhält sich eine Person auf eine bestimmte Weise? Wie interagieren die Personen miteinander?

Unausgewogene Beziehungen, ungesunde Muster sowie eine ungünstige Kommunikation gelten in der systemischen Therapie als entscheidende Einflussfaktoren für psychische Probleme. Die Lösung besteht demnach darin, diese ungünstigen Muster zu verändern.

Der Therapeut konzentriert sich dafür auf die bestehenden Fähigkeiten und Stärken, die der Patient und seine Bezugspersonen mitbringen. Häufig verfügen die Betroffenen über Fähigkeiten, die sie bisher nicht genutzt oder falsch eingesetzt haben. Das könnte die Fähigkeit sein, gut zuzuhören, Streits zu schlichten oder auch sich durchsetzen zu können.

Gefühlsmuster erkennen und verändern

Therapeuten und diejenigen, die systemische Therapie praktizieren, können Gefühlsmuster analysieren und erkennen. Oft fühlen sich Menschen in ihren Gefühlen eingeschränkt oder sind verwirrt darüber, was sie fühlen. Wenn man klären und verstehen kann, welche Emotionen man fühlt, kann dies zu einer positiven Veränderung führen. Das bedeutet, dass systemische Therapie auch hilft, emotionale Interpretation zu üben.

Konfliktbewältigung

Die Person, die neue Hinweise bespricht, stellt eine Situation oder eine Reihe von Routinen fest. Dann stellt der Therapeut den Personen ein bestimmtes Szenario zur Verfügung, das ihnen hilft, einen bevorstehenden Konflikt, der auftreten könnte, besser zu bewältigen. Auf diese Weise können Familienmitglieder an Diskussionen teilnehmen und mögliche Lösungen anbieten.

Systemische Therapie-Methoden

Der Therapeut verwendet unter anderem folgende systemische Therapie-Methoden, damit die Zusammenhänge im System und alternative Lösungsmöglichkeiten sichtbar werden:

1. Zirkuläre Fragen

Häufig setzen systemische Therapeuten zirkuläre Fragen ein. Sie befragen den Betroffenen nicht direkt über seine Gefühle zu einer anderen Person, sondern versetzen den Betroffenen in die Sichtweise einer dritten Person. Als Beispiel könnte der Therapeut einen Vater fragen, wie dessen Sohn die Beziehung zwischen dem Vater und der Mutter beschreiben würde. Dieser Perspektivwechsel kann zu Beginn etwas verwirrend und ungewohnt sein. Das zirkuläre Fragen ermöglicht aber, dass der Blick sich immer auf das gesamte System richtet.

2. Genogramm

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Damit der Therapeut einen Einblick in die Familienstruktur erhält, bittet er die Familie, ein Genogramm zu erstellen. Im Genogramm kann die Familie nicht nur ihren Familienstammbaum zeichnen, sondern auch mit unterschiedlichen Linien die Beziehungen untereinander darstellen. Dicke Linien können eine starke Bindung und zerbrochene Linien einen Konflikt ausdrücken. Das Ziel der Familientherapie ist es, starre Muster und festgefahrene Gedanken aufzudecken. Denn dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten, die Konflikte zu bearbeiten.

3. Familienskulptur

Systemische Therapie – Fokus auf das Ganze | Oberberg Kliniken

Ein weiterer Ansatz in der systemischen Therapie ist die Familienskulptur. Ein Familienmitglied positioniert die Mitglieder im Raum so, wie er oder sie die Beziehung der Familienmitglieder untereinander sieht. Familienmitglieder, die sich gut verstehen, würden beispielsweise nah zusammenstehen. Konflikte werden deutlich, wenn die Personen mit dem Rücken zueinander aufgestellt sind.

Diese Methode veranschaulicht, wie ein Familienmitglied die Familie wahrnimmt, und kann bei allen Beteiligten starke Gefühle auslösen. Der Therapeut leitet die Person danach an, die Familie so aufzustellen, wie sie sich die Situation wünschen würde. Die Familienskulptur kann dazu beitragen, die Dynamik in der Familie zu verändern.

4. Familienaufstellung

Potenzialorientierte System- und Familienaufstellung - Integralis Akademie

Ähnlich wie bei die Familienskulptur werden auch bei der Familienaufstellung Personen im Raum positioniert, um die Beziehungen in diesem System zu veranschaulichen. Es sind jedoch nicht die Familienmitglieder selbst, die aufgestellt werden. Aus einer Gruppe werden neutrale Personen gebeten, sich stellvertretend für die Familienmitglieder aufstellen zu lassen. Auch der Patient selbst wählt einen Stellvertreter für sich aus.

Der Patient positioniert daraufhin die Personen entsprechend seinem Familienbild im Raum. Danach setzt er sich an den Rand und kann die Interaktion von außen beobachten. Der Therapeut befragt die aufgestellten Personen, wie sie sich in ihrer Position fühlen. Obwohl die Teilnehmer die persönliche Geschichte des Patienten nicht kennen, ergeben sich oft ähnliche Dynamiken, wie sie tatsächlich in der Familie vorherrschen. Wenn einzelne Personen ihre Position verändern, ändert sich auch die Dynamik. Auf diese Weise können Lösungsmöglichkeiten ausprobiert werden.


4. Vorteile einer Familientherapie

Familienaufstellung: Was bringt es und was kostet es? - HEROLD.at

Angesichts des erheblichen Einflusses der Familiendynamik auf den Verlauf der Schizophreniebehandlung sind integrative Ansätze, die Familien einbeziehen, zunehmend wichtiger geworden.

Gemeinsames Verständnis

Familientherapiesitzungen bieten eine unschätzbare Gelegenheit, Familien über Schizophrenie, ihre Symptome, Auslöser und Behandlungsstrategien aufzuklären. Durch die Förderung eines gemeinsamen Verständnisses der Krankheit können Familien Empathie und Unterstützungsstrategien entwickeln, die auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten sind.

Kontinuierliche Unterstützung

Die Einbeziehung der Familie in die Behandlung gewährleistet ein dauerhaftes Unterstützungssystem für die diagnostizierte Person. Die gemeinsame Entwicklung von Bewältigungsmechanismen und Behandlungsplänen befähigt die Familie, konsequente Betreuung und Ermutigung zu bieten, was letztlich zum allgemeinen Wohlbefinden und Gesundung der Person beiträgt.

Emotionale Heilung

Die Auswirkungen von Schizophrenie verursachen oft emotionale Belastungen und Unruhen innerhalb der Familie. Therapeutische Interventionen, die auf die emotionalen Bedürfnisse der Familienmitglieder eingehen, bieten einen sicheren Raum für Ausdruck, Bestätigung und Heilung und fördern die Belastbarkeit und Einheit innerhalb der Familie.

Verbesserte Behandlungsergebnisse

Untersuchungen zeigen, dass die Einbeziehung der Familie in die Behandlung zu günstigeren Ergebnissen für Menschen mit Schizophrenie führt. Durch die Berücksichtigung familiärer Dynamiken und Unterstützung können Behandlungen effektiver auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten werden, was zu verbesserten Symptomen und Genesung führt.

Verbesserte Einhaltung von Behandlungsplänen

Die Einbeziehung der Familie in die Behandlung bereichert und verbessert die Versorgung mit gesundheitsförderlichen Wirkstoffen, Therapiesitzungen und anderen Aspekten des Behandlungsplans. Mit der Unterstützung und Ermutigung von Familienmitgliedern ist es wahrscheinlicher, dass sich Menschen mit Schizophrenie aktiv an ihrer Behandlung beteiligen und empfohlene Strategien zur Bewältigung ihrer Erkrankung befolgen.

Gestärkte Familienbande

Gemeinsame Teilnahme an der Behandlung, Kommunikation, Empathie und Verständnis zwischen Familienmitgliedern. Indem sie die Herausforderungen der Schizophrenie einheitlich meistern, können Familien ihre Bindungen stärken und belastbare Bewältigungsstrategien entwickeln, um zukünftige Hindernisse gemeinsam zu bewältigen.


5. Studien

Therapiebeschreibung - Systemische Therapeuten

Metaanalyse zu familiären Interventionen

1. Eine Metaanalyse von 90 kontrollierten Studien mit mehr als 10.000 Patienten und 11 verschiedene Ansätze für Familieninterventionen wurde durchgeführt. Die Analyse ergab, dass 9 der 11 Interventionen der regulären Behandlung bei der Reduzierung von Rückfällen der Patienten nach 12 Monaten überlegen waren.

Von allen Modellen schnitt die grundlegende Familienpsychoedukation, die den Patienten einbezog, am besten ab; nur etwa 10 % der Patienten, die an der grundlegenden Familienpsychoedukation teilgenommen hatten, erlitten nach 12 Monaten einen Rückfall, verglichen mit 37 % der Patienten, die reguläre Behandlung erhielten.

Die zweitwirksamste Intervention war die systemisch orientierte Familienintervention, die sich auf die Stärkung der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb einer Familie konzentriert. Etwa 16 % der Patienten, deren Familien an einer systemisch orientierten Familienintervention teilgenommen hatten, hatten nach 12 Monaten einen Rückfall erlitten.

Im Vergleich zur Standardversorgung reduzierte die Familienintervention signifikant mit geringen bis mäßigen Effektstärken die Gesamtsymptomatik, und verbesserte soziale Funktionsfähigkeit während der Behandlung und über einen einjährigen Nachbeobachtungszeitraum.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis:

„Unsere Netzwerk-Metaanalyse bestätigt die Relevanz von Familieninterventionen zur Rückfallprävention im Allgemeinen und die Wirksamkeit fast aller individuellen Familieninterventionsmodelle. Insbesondere im Kontext begrenzter Ressourcen sollte Familienpsychoedukation allein als einfaches, aber hochwirksames Instrument angeboten werden ... Um diesen Nutzen zu erzielen, ... sollten Menschen mit Schizophrenie und ihre Familien bereit sein, viel Zeit in Kontakt mit Diensten zu verbringen." (7)


Psychotische Symptome

2. Eine Studie untersuchte, ob ein 6-monatiges Programm familienorientierter Therapie im Vergleich zu Familienpsychoedukation wirksam war, um die Schwere positiver und negativer psychotischer Symptome zu verringern und die Funktionsfähigkeit von Personen mit hohem Psychose-Risiko zu verbessern.

129 Jugendliche und junge Erwachsene (bis 22 Jahre) mit positiven psychotischen Symptomen, kurzen und zeitweiligen Psychosen wurden 18 Sitzungen familienorientierter Therapie über 6 Monate oder 3 Sitzungen Familienpsychoedukation zugewiesen. Die familienorientierte Therapie umfasste Psychoedukation über frühe Anzeichen von Psychosen, Stressmanagement, Kommunikationstraining und Training von Problemlösungsfähigkeiten, während Familienpsychoedukation sich auf die Symptomprävention konzentrierte.

Ergebnisse: Teilnehmer an familienorientierter Therapie (FFT-CHR) zeigten nach 6 Monaten größere Verbesserungen um 35% bei der Abschwächung positiver Symptome als Teilnehmer an Familienpsychoedukation (EC) mit 15%.


Abbildung 3


In der vorliegenden Studie zeigten die Teilnehmer beider psychosozialer Behandlungen im Verlauf von 6 Monaten auch signifikante Verbesserungen der negativen Symptome. Ein weiteres Ergebnis war, dass sich bei beiden Teilnehmergruppen ihre sozialen und Rollenfunktionen verbesserten.

Die Studie komm zu dem Schluss: "Interventionen, die sich auf die Verbesserung der familiären Beziehungen konzentrieren, können bei Personen mit hohem Psychoserisiko prophylaktisch wirksam sein." (9)


Psychotische Symptome, negative Symptome und Depressionen

3. Eine Studie untersuchte die Wirkung der systemische Therapie bei Schülern mit Hochrisiko für Psychosen auf die Verringerung der Symptome und die Verbesserung der psychosozialen Funktion. (11)

Nach einer 6-monatigen Behandlung wurden in der Gruppe mit systemischer Therapie signifikante Verbesserungen bei positiven Symptomen, psychischer Störung und Selbstwertgefühl beobachtet. In der Kontrollgruppe waren diese Verbesserungen nicht signifikant.

Die positiven Symptome verbesserten sich um 35%, die negativen Symptome um 15% und Depressionen um 50% gegenüber der Kontrollgruppe. Die Funktionsfähigkeit (GAF) verbesserte sich ebenfalls.

Schaubild: Verbesserung der Symptome


Abbildung 1


Ergebnisse der Studie:

"Die Ergebnisse zeigten, dass eine systemische Intervention für Universitätsstudenten mit Hochrisiko für Psychosen kurzfristig einen positiven Effekt auf Symptome und Selbstwertgefühl sowie psychische Störung haben kann." (11)


Ängste

4. Angststörungen stehen bei Personen mit Hochrisiko für Psychosen mit einem höheren Krankheitsschweregrad in Zusammenhang. Eine Studie untersuchte, ob Angststörungen bei Hochrisiko für Psychosen durch Familientherapie wirksam Angstzustände reduziert werden können.

ABBILDUNG 3

129 Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip 18 Sitzungen familienfokussierte Therapie oder drei Sitzungen einem erweiterten Pflegeprotokoll mit psychoedukativen Behandlung (EC) mit drei Sitzungen zugewiesen.

Die selbstberichteten Angstsymptome der Personen vom Zeitpunkt vor der Behandlung bis zum 12-Monats-Follow-up in familienfokussierte Therapie nahmen um 20% stärker ab als in EC mit 5%.

Schlussfolgerungen der Studie:
"Personen mit Angstsymptomen im CHR profitieren von familiären Interventionen, da sich ihre Angst verringert und die Kommunikation in der Familie verbessert." (10)


6. Durchführung

Seit Ende 2018 ist in Deutschland die Systemische Therapie für Erwachsene in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen und wurde in die aktuelle "S3-Leitlinie Schizophrenie" als Behandlungsempfehlung mit integriert. Die Leitlinie richtet sich an alle Akteure, die an der Versorgung von Menschen mit einer Schizophrenie in Deutschland beteiligt sind, wie Ärzte, Psychiater und Therapeuten.

Dazu heißt es im Kapitel Psychotherapeutische Behandlung: "Zur Verbesserung der allgemeinen Symptomatik kann eine Systemische Therapie angeboten werden" (1)

Familientherapie dauert in der Regel neun Monate bis ein Jahr und bietet eine Therapie für einen begrenzten Zeitraum. Die Anzahl der Behandlungsstunden liegt oft bei nur circa 10–25 Stunden, manchmal aber auch deutlich höher.

Das Höchstkontingent der Systemischen Therapie begrenzt auf (nur) 48 Therapieeinheiten (50 Minuten im Einzelsetting/MPS oder 100 Minuten Gruppentherapie). Die Abstände zwischen den Sitzungen variieren zwischen einer und circa sechs Wochen. Hilfreich sind Teamarbeit, Notizen, Videoaufnahmen, Videofeedback, Unterbrechungen der Therapiegespräche für Reflexionspausen, eigene Selbsterfahrung und Supervision/Intervision

Die systemische Therapie kann auch im Einzelsetting stattfinden. Die Bezugspersonen sind dann nicht anwesend, aber der Therapeut kann stellvertretend zum Beispiel mit Symbolen arbeiten, um die Bezugspersonen mit einzubeziehen.


Studien und Quellen

(1) S3-Leitlinie Schizophrenie, 2019

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie

(3) Family therapy for persons with schizophrenia: neglected yet important.
Kurt Hahlweg, Donald H Baucom, 2022

(4) https://www.netdoktor.de/therapien/psyc…ische-therapie/

(5) Systemic Therapies and Consultation for People who Experience Psychosis. Chris Millar, 2022

(6) Family Interventions Benefit People With Schizophrenia. Nick Zagorski, 2022

(7) Family interventions for relapse prevention in schizophrenia: a systematic review and network meta-analysis. Alessandro Rodolico et. all, 2022

(8) Understanding the Dynamics: A Comprehensive Review of Family Therapy’s Impact on Expressed Emotions in Schizophrenia Patients
Anshita Girdhar, Ragini Patil, Apurva Bezalwar, 2024

(9) Family-Focused Treatment for Adolescents and Young Adults at High Risk for Psychosis: Results of a Randomized Trial. David J Miklowitz et all. , 2015

(10) Family communication and the efficacy of family focused therapy in individuals at clinical high risk for psychosis with comorbid anxiety.
Arianna C O’Brien Cannon et all, 2023

(11) Systemic Therapy for Youth at Clinical High Risk for Psychosis: A Pilot Study. Jingyu Shi, Lu Wang , Yuhong Yao, Chenyu Zhan, Na Su, Xudong Zhao, 2017

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