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ERFAHRUNGSBERICHT | Theatertherapie
"Der Applaus und das positive Feedback aus dem Publikum baute mich auf, gab meinem Leben einen Sinn und mir Kraft zurück"

"Es war Herbst 2015 als ich spazieren ging und durch Zufall auf dieses kleine Theater stieß. Ich war 29 und so manch einer würde sagen, dass ich noch in der Blüte meines Lebens gestanden habe. Aber so habe ich mich ganz und gar nicht gefühlt.
Nun ich war seit Monaten krank geschrieben, verbrachte fast den ganzen Tag lang mit Schlafen. Ich wusste nicht wie es weitergehen sollte mit mir oder wie ich da wieder raus kommen sollte.
Irgendwann meinte meine Psychiaterin, dass es ein Theater gäbe, wo auch Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung aufgenommen werden. Das war das Theater, das ich beim Spazierengehen gefunden hatte. Sie nannte mir die Probezeiten und ich ging einfach hin. Der Theaterleiter, ein Ergotherapeut, empfing mich mit offenen Armen und fragte mich gleich, ob ich mir vorstellen kann Willina, eine gute Fee, zu spielen.
Am Anfang habe ich mich wirklich dorthin geschleppt, es ging mir wirklich dreckig. Aber von Stück zu Stück wurde es besser und die Nervosität sank auch. Nach einigen Jahren habe ich eine meiner größten Rollen gespielt, die kindliche Kaiserin, in der unendlichen Geschichte.
Für mich war das Theater immer ein Ankommen, ein Grund mit einem Lächeln aus dem Haus zu gehen und mit einem wieder nach Hause zu gehen. Der Applaus und das positive Feedback aus dem Publikum baute mich auf, gab meinem Leben einen Sinn und mir Kraft zurück. Wir hatten ein junges und verständnisvolles Publikum. Meine Eltern waren bei fast jeder Vorstellung da. Fast immer war die erste Reihe mit Kindern ausgefüllt. Für mich war es fast wie ein zu Hause."
Von Franziska, schizophren erkrankt seit 2013