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ROAD TO RECOVERY | Therapien und Heilmethoden bei Psychosen und Schizophrenie: 20. Maltherapie

  • Phoenix
  • 29. März 2026 um 10:15
  • 607 Mal gelesen
  • 5 Kommentare

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ROAD TO RECOVERY |

Therapien und Heilmethoden bei Psychosen und Schizophrenie

20. Maltherapie


Symptome(G)(+)(-)(k)(D)(Ä)(ST)(SCH)(LQ)
Maltherapie:
Besserung in 6 - 20 Wochen
20%25%40%✓30%30%15%15%✓
Effektstärkekleinklein-mittelmittel✓mittelgroß✓✓✓

(G) = Gesamtsymptome, (+) = positive, (-) = negative, (k) = kognitive Symptome, (D) = Depressionen, (Ä) = Ängste, (ST) = Stress, (SCH) = Schlaf, LQ = Lebensqualität


  • Die 5 Ebenen der Heilung
  • Road to Recovery | Einleitung und Übersicht
I. Die Körper-Ebene

Unser physischer Körper ist die materielle Ebene des Menschen. Er besitzt eine anatomische Gestalt, die aus Zellen zusammengesetzt ist und durch eine Vielzahl von biochemischen Stoffwechselprozessen gesteuert wird. Körper und Geist sind mit einander verbunden.

Therapien und Heilmethoden:

1. Arbeit und Beschäftigung
2. Sport
3. Ernährung und Nahrungsergänzung
4. Naturheilkunde
5. Orthomolekulare Medizin
6. Konventionelle Medizin
A. Antipsychotika
B. Antidepressiva

II. Die Energie-Ebene

Auf der 2. Ebene befindet sich der Energiekörper. Er wird vor allem durch unsere Nerven und Energieleitbahnen, den Meridianen gebildet. Die Meridiane sind Energieverbindungen zu unseren Organen, Körperfunktionen und zur Psyche. Auch unser Antrieb und unsere Energie wird dieser Ebene zugeordnet. Die Therapien der Energie-Ebene haben direkten Einfluss auf die Symptome von Psychosen, Schizophrenie und Depression.

Therapien und Heilmethoden:

7. Berührung und Massage
8. Atemtherapie
9. Yoga
10. Akupunktur
11. Qi Gong
12. Tai Chi
13. Naturerleben

III. Die Mental-Ebene

Der Mentalkörper ist eine Struktur, in die alle Lernerfahrungen im Leben eingehen. Zu diesem Feld gehören Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Glaubenssätze. Hier handelt es sich um eine bewusste und unbewusste Ebene, in der u.a. auch das Gedächtnis gespeichert ist.

Therapien und Heilmethoden:

14. Psychosoziale Interventionen
15. Psychotherapien
16. Positive Psychologie 
17. Positives Denken
18. Positive Affirmationen
19. Homöopathie

IV. Die intuitive Ebene

Die intuitive Ebene ist der Bereich des Träumens, der Intuition, der Kunst und Kreativität. Es sind Erfahrungen, die mit veränderten Bewusstseinszuständen jenseits des gewöhnlichen „normalen“ Wachbewusstseins einhergehen, insbesondere Zustände wie Trance, Ekstase, spirituelle Erlebnisse und Grenzerfahrungen. Auf dieser Ebene wirkt der Einfluss von Lernerfahrungen aus dem Familiensystem und von traumatischen Ereignissen.

Therapien und Heilmethoden:

20. Maltherapie
21. Musiktherapie
22. Tanztherapie
23. Theatertherapie
24. Systemische Therapie

V. Die Geist-Ebene

Die 5. Ebene beschreibt den geistigen Aspekt eines Menschen. Es ist das Feld von innewohnender Weisheit und Zufriedenheit, des natürlichen Mitgefühls und Liebe zu uns und anderen. Da dieses Feld alles durchdringt, ist es die Ebene, die letztendlich zur Heilung führen kann, vorausgesetzt, wir kümmern uns um die Harmonisierung der anderen Ebenen. Um Erfahrungen auf der fünften Ebene machen zu können, braucht es Zeit und Raum – für das Alleinsein und die Meditation.

Therapien und Heilmethoden:

25. Achtsamkeit und Meditation

IV. Die intuitive Ebene

Die intuitive Ebene ist der Bereich des Träumens, der Intuition, der Kunst und Kreativität. Es sind Erfahrungen, die mit veränderten Bewusstseinszuständen jenseits des gewöhnlichen „normalen“ Wachbewusstseins einhergehen, insbesondere Zustände wie Trance, Ekstase, spirituelle Erlebnisse und Grenzerfahrungen. Auf dieser Ebene wirkt der Einfluss von Lernerfahrungen aus dem Familiensystem und von traumatischen Ereignissen.


Therapien und Heilmethoden:

20. Maltherapie
21. Musiktherapie
22. Tanztherapie
23. Theatertherapie
24. Systemische Therapie


Zitat

„Bilder geben nicht das Sichtbare wieder, sondern machen sichtbar.“ Paul Klee (deutscher Maler)


Kurzfassung
Michelle Hammer, Befürworterin der Schizophrenie

| "Da ich an Schizophrenie leide, kreisen in meinem Kopf oft laute Gedanken. In solchen Momenten wende ich mich meinem Skizzenbuch zu.

Ich schlage eine leere weiße Seite auf und lasse meine Stifte Wirbel um Wirbel zeichnen. Wenn ich fertig bin, verspüre ich ein Gefühl der Entspannung, Ruhe und eine spürbare Verbesserung meines Gemütszustands ... Wenn Stimmen laut sind und mir sagen, dass ich ein schrecklicher Mensch bin, zeichne ich sehr detaillierte Bilder, um sie zu ignorieren.

Tatsächlich habe ich ein ganzes Skizzenbuch mit extrem detaillierten Zeichnungen. Mit diesen Zeichnungen begann meine große Kunstkarriere . Ich hätte nie gedacht, dass ich aufgrund dieser Zeichnungen meine Kunst jetzt auf der ganzen Welt verkaufen würde." (Erfahrungsbericht von Michelle Hammer, schizophrene Künstlerin aus New York - Die transformative Kraft der Kunst bei Schizophrenie )


Maltherapie bei Psychosen und Schizophrenie

Kunsttherapie bei Psychosen und Schizophrenie ist eine nonverbale, kreative Möglichkeit, die dabei hilft, komplexe, oft chaotische innere Erfahrungen in einem sicheren Umfeld auszudrücken. Sie hilft dabei über eigenen Gedanken und Gefühle nachzudenken – und strukturiert ungeordnete innere Reize.

Kunsttherapie fungiert als „Kommunikationsbrücke“ und ermöglicht es, das inneres Chaos nach außen zu tragen. Sie dient als Ventil, um Erfahrungen – wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder komplexe Emotionen – mitzuteilen, die sich oft nur schwer in Worte fassen lassen. Sie wird häufig als therapeutisches Hilfsmittel eingesetzt, um bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse zu unterstützen, die Stimmenhören oder psychotischen Symptomen zugrunde liegen.

Oft liegt der Fokus nicht auf dem fertigen Kunstwerk, sondern auf dem Entstehungsprozess selbst, der in Momenten der Verwirrung oder Dissoziation als Anker dient. Kunsttherapie fördert das Selbstbewusstsein, reduziert Angstzustände, lindert positive und negative Symptome und hilft dabei, fragmentierte Gedanken zu strukturieren, wenn Worte schwer zu finden sind.

Beziehung zwischen dem Patienten, dem Therapeuten und dem Kunstwerk

Kunsttherapie ist eine spezielle Form der Psychotherapie, die künstlerische Materialien zur Selbstausdruck und Reflexion innerhalb einer sicheren, therapeutischen Beziehung nutzt. Maltherapie kann für Menschen mit Schizophrenie einige Vorteile gegenüber psychologischen Therapien haben, die auf Gesprächen basieren. Beispielsweise fällt denjenigen, die unter den negativen Symptomen leiden ( z. B. Sprachschwierigkeiten), möglicherweise schwer, ihre Gedanken und Gefühle einem herkömmlichen Therapeuten verbal mitzuteilen. Kunsttherapien haben daher das einzigartige Potenzial, dieses Hindernis zu umgehen, indem sie eine Beziehung zwischen dem Patienten, dem Therapeuten und dem Kunstwerk selbst schaffen.

Psychosen

Kunsttherapie hilft, "zur Ruhe zu kommen" und über den eigenen und den mentalen Zustand anderer nachzudenken, der während einer Psychose beeinträchtigt sein kann. Sie konzentriert sich auf die Erforschung der inneren Welt des Patienten und der symbolischen Bedeutungen hinter seinen Bildern.

Die Arbeit mit sinnlichen Materialien wie Ton oder Farbe kann Menschen helfen, sich in Phasen der Dissoziation, wie es bei Psychosen oft der Fall ist, wieder stärker mit ihrem Körper und dem gegenwärtigen Moment verbunden zu fühlen. Maltherapie ermöglicht es, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Emotionen über das Werk auszudrücken, die sich verbal nur schwer mitteilen lassen. Durch die Erstellung visueller Darstellungen von Halluzinationen können diese weniger bedrohlich wirken und einen „Realitätscheck“ ermöglichen.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 ergab, dass die visuelle Kunsttherapie, insbesondere Malerei und Kunsthandwerk, einen kleinen bis mittleren Effekt auf die Reduzierung positiver Symptome hat. Das Ergebnis der Autoren: "Eine längere wöchentliche Behandlungsdauer war mit einer besseren Verbesserung der positiven Symptome verbunden. Die Ergebnisse zeigen, dass die bildende Kunsttherapie positive Auswirkungen auf die psychiatrischen Symptome und Emotionen von Personen mit Schizophrenie hat." (2) In Studien ergaben sich Besserungen positiver Symptome um 20-35% nach 6 Wochen im Vergleich zur Standardbehandlung. (4) (5)

Negative Symptome

In Gruppensituationen wirkt Kunst als „Puffer“. Patienten können durch ihre Arbeit indirekt mit anderen in Kontakt treten, was die Intensität des direkten sozialen Drucks verringern kann. Jüngste Metaanalysen von 2024 deuten auf signifikante positive Effekte der Maltherapie auf negative Symptome, wie sozialer Rückzug und mangelnde Motivation und emotionale Zustände wie Depressionen und Angstzustände hin. (2)

Eine Studie zeigte, dass Maltherapie mit einer verbesserten psychosozialen Funktionsfähigkeit von 25% sowie mit einer stärkeren durchschnittlichen Reduktion negativer Symptome um 30% nach 6 Wochen und um 50% bei der Nachuntersuchung nach 12 Wochen im Vergleich zur Standardbehandlung verbunden war. (4)

Kognitive Symptome

Maltherapie verbessert kognitive Funktionen wie Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Regelmäßige Trainingseinheiten steigern nachweislich die Wachheit und die Reaktionsfähigkeit. Sie steigert die kognitive Verarbeitung und fördert das Nervenzellen neue Verbindungen bilden, während sie gleichzeitig die verbale Kommunikation und den emotionalen Ausdruck verbessert. Die Planung, Entscheidungsfindung und Farbmischung stärken die exekutiven Funktionen.

Depression

Studien legen nahe, dass Maltherapie depressive Symptome lindert und die Stimmung verbessert. Sie bietet einen sicheren Weg zur Verarbeitung tiefer Emotionen, negativer Gedanken und Traumata. Durch das Malen können „innere Bilder“ sichtbar gemacht werden, was die Selbstwahrnehmung und das Verständnis für die eigenen Gefühle fördert.

Der kreative Prozess hilft, den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu richten (Flow-Zustand) und wirkt so gegen die für Depressionen typische Passivität und Grübelei. Warme, energiegeladene Farben, verbessern die Stimmung oder um dunkle, komplexe Emotionen zu erforschen und auszudrücken.

Maltherapie ist eine konstruktive Tätigkeit, die Motivation und Erfolgserlebnisse fördert, selbst wenn die kreative Energie gering ist. Der kreative Ausdruck wird genutzt, um das Selbstbewusstsein zu stärken und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Eine aktuelle systematische Überprüfung hat gezeigt, dass Maltherapie einen mittleren Effekt auf Depressionen und hatte. (2) In Studien besserten sich Depressionen um 30% in 20 Wochen (8) bzw. um 50% in 12 Monaten gegenüber Kontrollgruppen. (4)

Ängste

Maltherapie bei Angstzuständen lindert Symptome durch Emotionale Entladung, Abbau von Spannungen, Senkung des Cortisolspiegels und Förderung der Entspannung durch Farbe und Form.

Komplexe Ängste können symbolisch dargestellt werden, was Distanz zu den Gefühlen schafft und eine objektivere Betrachtung ermöglicht. Sie bietet einen sicheren Raum, um Ängste zu verarbeiten.

Das gefühlte Erlebnis des Farbauftrags kann den Geist beruhigen und wirkt wie eine Form der aktiven Meditation. Die Konzentration auf Farben und Formen bietet eine Ablenkung von kreisenden Sorgen und fördert einen Zustand des "Flows". Das Fertigstellen eines Kunstwerks vermittelt ein Gefühl der Erfüllung. Das Erschaffen von etwas Eigenem vermittelt ein Gefühl von Kontrolle und Erfolg.

Eine Metaanalyse ergab eine durchschnittliche Reduktion der Angstsymptomatik um 18,6 %. Es wurde dabei gezeigt, dass Maltherapie einen großen Effekt auf Ängste hatte. (2) Untersuchungen zeigen, dass Mandalamalen oder freies Malen besonders bei akuter Angst zu drastischen Verbesserungen führen können, die in Einzelfällen oder spezifischen Studien bis zu 60 % Angstreduktion bei Messungen vor/nach der Sitzung erreichen können.

Stress

Maltherapie wirkt wie eine Form der Achtsamkeit und reduziert Stress, indem es den Fokus auf den künstlerischen Prozess anstatt auf ein Ziel richtet. Malen kann einen „Flow-Zustand“ hervorrufen, der der Meditation ähnelt, den Stresspegel senken und die Entspannung fördern. Das Ausmalen oder Erstellen von Mandalas dient der Zentrierung und Beruhigung des Nervensystems.

Eine Studie zeigte, das die Werte für Stress in der Interventionsgruppe nach 6 Wochen um 15% signifikant niedriger waren als in der Kontrollgruppe. Auch in den Bereichen Angst ( - 30%) und Depression (- 20%) zeigten sich in der Interventionsgruppe signifikant günstigere Werte. Die positiven Effekte blieben auch nach 3 Monaten bestehen. (6)

Schlaf

Maltherapie Verbessert den Schlaf durch Reduzierung von Stress, Angstzuständen und übermäßigem Grübeln. Sie dient als beruhigendes Abendritual, das Entspannung fördert. Künstlerisches Schaffen senkt bei 75 % der Teilnehmer innerhalb von 45 Minuten den Cortisolspiegel (das Stresshormon) und lindert so Spannungen, die zu Schlaflosigkeit führen. Maltherapie ist dient als Brücke zum Verständnis und zur Beruhigung des Geistes.

Eine Studie untersucht die Wirkung der Kunsttherapie in Kombination mit emotionaler Therapie bei Patienten mit Schizophrenie. Nach der Intervention war der Schlaf-Index der Interventionsgruppe signifikant um 15% im Vergleich Kontrollgruppe nach 3 Monaten verbessert. |


Geschichte der Maltherapie


Carl Gustav Jung - Jungian Analysts of Washington Association

Theoretisch basieren tiefenpsychologische Ansätze der Maltherapie auf der analytischen Psychologie von Carl Gustav Jung, der von einem Zusammenhang zwischen Psyche und gestaltetem Ausdruck ausgeht. C. G. Jung war ein Schweizer Psychiater und Psychoanalytiker, der grundlegende Konzepte in der Tiefenpsychologie entwickelte.

Die Bildinterpretation bietet einen methodischen Zugang zur Deutung der gemalten Bilder. In tiefenpsychologischen Ansätzen der Maltherapie können die gemalten Bilder Ausgangspunkt eines therapeutischen Gesprächs sein. Die Maltherapie ist dann ein zweistufiges Therapieverfahren, das das Malen und das Gespräch über das entstandene Bild umfasst. Die entstandenen Bilder gelten als Visualisierungen von Unbewusstem, das sich in symbolischen Darstellungen manifestiert, die als Archetypen, also „Urbilder“ der menschlichen Seele, gedeutet werden können. (3)

Die therapeutische Wirkung tiefenpsychologischer Ansätze der Maltherapie wird nicht nur dem analytischen Gespräch, sondern auch dem Gestaltungsprozess selbst als Möglichkeit der Selbstgestaltung zugeschrieben. Nach Ingrid Riedel, auf die entsprechende Ansätze zurückgehen, arbeitet der Gestaltende in der Maltherapie beim „Malen direkt an seiner Selbstgestaltung, seiner Selbstheilung und seiner Individuation“.

Vorteile der Maltherapie - Erfahrungsbericht von Michelle Hammer, schizophrene Künstlerin.

Das Schaffen von Kunstwerken kann Menschen mit Schizophrenie auf vielfältige Weise helfen. Aus der Erfahrung von Michelle Hammer, schizophrene Künstlerin:

1. Ausdruck

Art therapy: Definition, uses, and how it works

Das Schaffen von Kunst bietet eine ruhige Möglichkeit, komplexe Emotionen auszudrücken, über die Menschen mit Schizophrenie möglicherweise nur schwer sprechen können. Kunst ermöglicht es Menschen, auf sichere, kreative und unterhaltsame Weise zu kommunizieren und ihre Gefühle zu erforschen.

2. Kommunikation

Für manche Menschen mit Schizophrenie kann verbale Kommunikation schwierig sein. Kunst kann als Kommunikationsform dienen, die nicht auf konventioneller Sprache beruht und es Menschen ermöglicht, ihre Gedanken und Erfahrungen auf eine Weise zu teilen, die sich angenehm anfühlt.

3. Selbsterkundung

Die Teilnahme an künstlerischen Aktivitäten fördert die Selbstreflexion und Selbsterforschung. Dieser Prozess kann Menschen mit Schizophrenie helfen, ein tieferes Verständnis für sich selbst, ihre Gedanken und ihre Emotionen zu erlangen. Die Kunstwerke, die eine Person schafft, können manchmal ihre inneren Emotionen durch die Wahl der Farben und Motive offenbaren.

4. Ablenkung und Entspannung

Kunst zu schaffen kann eine Form der Ablenkung von aufdringlichen Gedanken oder belastenden Symptomen sein. Es kann auch als Entspannungstechnik dienen, ein Gefühl der Ruhe fördern und Ängste reduzieren.

5. Vertrauen aufbauen

Das Erfüllen künstlerischer Aufgaben, sei es Zeichnen, Malen oder andere Formen des kreativen Ausdrucks, kann das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen stärken. Dieses Erfolgserlebnis kann besonders wertvoll für Menschen sein, die mit den Herausforderungen der Schizophrenie zu kämpfen haben. Das Schaffen von Kunstwerken, die nicht nur mit den eigenen Vorlieben übereinstimmen, sondern auch die Anerkennung anderer finden, ist bestärkend und bereitet dem Künstler Freude.

6. Soziale Interaktion

Psychosomatik und Psychotherapie · Klinikum Freising

Kunsttherapie kann einzeln oder in einer Gruppe durchgeführt werden. In einer Gruppe bietet sie die Möglichkeit zur sozialen Interaktion und einem Gemeinschaftsgefühl , was für Menschen mit Schizophrenie, die möglicherweise sozialen Rückzug erleben, wichtig sein kann.

Das Leben mit Schizophrenie kann sich oft isoliert anfühlen. Gemeinsame Aktivitäten mit Gleichaltrigen können eine fantastische Idee sein und eine Chance für Kontakte und gemeinsame Erfahrungen bieten.

7. Bewältigungsfähigkeiten

Die Teilnahme an künstlerischen Aktivitäten kann Menschen dabei helfen, Bewältigungsfähigkeiten und Strategien für den Umgang mit Stress und den mit Schizophrenie verbundenen Symptomen zu entwickeln. Es bietet eine konstruktive und positive Möglichkeit, mit Herausforderungen umzugehen.

8. Achtsamkeit und Konzentration

Das Schaffen von Kunst kann Achtsamkeit und konzentrierte Aufmerksamkeit fördern und es den Menschen ermöglichen, im Moment präsent zu sein. Dies kann insbesondere für Menschen mit Schizophrenie hilfreich sein, die möglicherweise Konzentrationsschwierigkeiten haben. (Quelle)


1. Maltherapie bei Schizophrenie

Psychologie: Schizophrenie Teil 2 | Helles-Koepfchen.de

Neben „positiven“ Symptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen erlebten viele Menschen mit Schizophrenie auch Motivationsverlust, schwankende Energieniveaus und verminderte Konzentration.

In einer Forschungsarbeit an der Charitee Berlin ist zu lesen: "Für diese Patienten wird Kunsttherapie dringend empfohlen, um emotionale, kognitive und psychotische Erfahrungen zu verarbeiten und Symptome zu lindern. Tatsächlich wurden viele Formen der Kunsttherapie erfolgreich bei Schizophrenie eingesetzt. " (4)

Kunsttherapie hat eine lange Tradition im Verständnis und der Behandlung von Patienten mit schweren psychischen Störungen, und Gruppenkunsttherapie ist zu einer häufigen begleitenden Intervention in Krankenhäusern geworden. Kunsttherapie wird als nonverbale Therapieform geschätzt, bei der das Erschaffen visueller Bilder in Anwesenheit eines qualifizierten Kunsttherapeuten zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen beiträgt, die sonst unausgesprochen blieben.

Der kreative Raum bietet die Möglichkeit, auch ungewöhnliche Erfahrungen in einer bestätigenden und nicht wertenden Umgebung auszudrücken und zu kommunizieren. Kunsttherapie wird als besonders hilfreich für Patienten erachtet, die ihr Seelenleben nicht verbal ausdrücken können - sei es wegen seiner „abnormalen“ oder „unaussprechlichen“ Inhalte, einer formalen Denkstörung, oder der Angst, von Emotionen überwältigt zu werden.

"Außerdem kann das Schaffen von Kunstwerken das verletzliche Selbst- und Besitzgefühl bei Psychosen bekräftigen, ein wohlwollendes Selbstbewusstsein fördern und die Selbstwirksamkeit im Genesungsprozess stärken." (4)

Kunsttherapie kann psychotischen Menschen helfen, Orientierung und Struktur innerhalb innerer und äußerer Erfahrungen wiederherzustellen, und den künstlerische Ausdruck innerer Zustände oder Erfahrungen kann einer Distanzierung und Realitätsprüfung unterzogen werden.

Art Therapy for Schizophrenia: What to Know | Psych Central

Bisherige Befunde legen nahe, dass die Unfähigkeit besteht Probleme sich selbst bewusst zu machen und anderen mitzuteilen, in allen Stadien und im gesamten Spektrum psychotischer Störungen nachweisbar sind.

Kunsttherapie könnte wie jede andere Psychotherapie, aber noch mehr durch die Reflexion von Bildern, helfen, diese Funktion bei Psychosen wiederherzustellen, indem sie durch das Kunstwerk Gedanken und Gefühle fördert und eine Sprache für mentale Inhalte entwickelt, die die geistige Vergegenwärtigung unterstützt. Das gemeinsame Nachdenken und Teilen der Kunsterfahrung kann dazu einladen, die Perspektive anderer einzunehmen.

Die kürzlich veröffentlichte Leitlinie zu psychosozialen Therapien bei schweren psychischen Störungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie empfiehlt die Kunsttherapie mit dem zweithöchsten Empfehlungsgrad B.


2. Studien

Art & Mental Health: Expressive Therapies for Well-being

Eine aktuelle systematische Überprüfung und Metaanalyse von 2024 fasst die Ergebnisse kontrollierter Studien zur Maltherapie zu positiven Symptomen, negativen Symptomen und Emotionen bei Patienten mit Schizophrenie zusammen. Insgesamt nahmen über 2.000 Personen mit Schizophrenie an 19 Studien teil.

Es wurde dabei gezeigt, dass Maltherapie einen signifikanten

  • kleinen bis mittleren Effekt auf positive Symptome,
  • einen mittleren Effekt auf negative Symptome und Depressionen und
  • einen großen Effekt auf Ängste hatte.


Positive und negative Symptome

1. Ziel einer Pilotstudie an der Charité Berlin war es, die Durchführbarkeit einer kontrollierten Studie zur psychodynamischen Kunsttherapie zur Behandlung von Patienten mit Schizophrenie zu beurteilen und vorläufige Daten zur Wirksamkeit bei akuten psychotischen Episoden zu gewinnen. 58 stationäre Patienten mit Schizophrenie-Diagnose wurden entweder 12 Sitzungen psychodynamischer Kunsttherapie in der Gruppe zweimal wöchentlich plus übliche Behandlung oder nur der Standardbehandlung zugewiesen.

Die Kunsttherapie war mit einer signifikant stärkeren durchschnittlichen Reduktion positiver Symptome um 35% und einer verbesserten psychosozialen Funktionsfähigkeit von 25% nach der Behandlung sowie mit einer stärkeren durchschnittlichen Reduktion negativer Symptome um 30% nach 6 Wochen bzw. um 50% bei der Nachuntersuchung nach 12 Wochen im Vergleich zur Standardbehandlung verbunden.

"Was die sekundären Ergebnisparameter betrifft, zeigten die Patienten in der Kunsttherapiegruppe eine signifikante Verbesserung des emotionalen Bewusstseins und insbesondere ihrer Fähigkeit, über die emotionalen und mentalen Zustände anderer nachzudenken." (4)


Selbstwertgefühl und soziale Funktion

2. Ein Forscherteam untersuchte die Erfahrungen jedes einzelnen Patienten vor und nach der Maltherapie sowie bei einer einjährigen Nachuntersuchung und fand heraus, dass Gruppenmaltherapie bei Patienten mit Schizophrenie nicht nur die psychotischen Symptome verringern, sondern auch das Selbstwertgefühl steigern und die soziale Funktion verbessern konnte. (Teglbjaerg, 2011)


Depressionen und Ängste

Adherence Therapy for Patients with Schizophrenia (1 CE)

1. Ziel einer Studie war es, die Effekte von Kunsttherapie und psychosozialem Kompetenztraining in Behandlung von Schizophrenie zu vergleichen. Die 15 Patienten wurden randomisiert in Kunsttherapie und psychosozialem Kompetenztraining aufgeteilt. Die 90-minütigen Sitzungen Programme fanden einmal wöchentlich über 17 Wochen statt.

Kunsttherapie zeigte im Vergleich zu psychosozialem Kompetenztraining eine stärkere Reduktion der Symptome: Gesamtsymptome 30% vs. 25%, Positivsymptome 20% vs. 10%, Negativsymptome 40% vs. 25%, prosoziale Aktivitäten und Freizeitaktivitäten.

Innerhalb der Negativsymptome waren passiver sozialer Rückzug, Schwierigkeiten beim abstrakten Denken, mangelnde Spontaneität und Gesprächsflussstörungen sowie stereotypes Denken in der Kunsttherapiegruppe signifikant niedriger.

Depressionen und Ängste besserten sich um 50% in 12 Monaten, wobei Ängste beim psychosozialem Kompetenztraining unverändert blieben.

"Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen nahe, dass Kunsttherapie und PSST positive Auswirkungen auf die Verbesserung negativer Symptome sowie auf die Verbesserung der sozialen und kognitiven Funktionalität bei Schizophrenie haben." (5)


2. Ziel einer Studie war es, zu beurteilen, ob Kunsttherapie als ergänzende Behandlung von Depressionen bei älteren Menschen von Nutzen ist. (8) Die Versuchsgruppe erhielt 20 wöchentliche Kunsttherapiesitzungen (90 Min./Sitzung). Die Kontrollgruppe wurde keiner adjuvanten Intervention unterzogen. Ergebnisse: Eine Analyse ergab, dass Frauen mit Kunsttherapie im Vergleich zu den Kontrollgruppen signifikante Verbesserungen bei den Werten von Depression und Angst um 30% aufwiesen.

Schlussfolgerung der Autoren: "Kunsttherapie als ergänzende Behandlung von schwerer Depression bei älteren Menschen kann depressive und Angstsymptome lindern." (8)


3. Bei einer dreimonatige Gruppenmaltherapie mit 30 Patienten mit Depressionen wurde heraus gefunden, dass die Maltherapie ihre Wiederherstellung sozialer Funktionen fördern und ihre soziale Anpassungsfähigkeit und Lebensqualität verbessern konnte. (Wang et al. , 2011)


Stress

Aktuelle randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und systematische Übersichtsarbeiten belegen, dass Maltherapie (als Teil der Kunsttherapie) den Stresspegel und damit verbundenen psychischen Leidensdruck signifikant senken kann. Eine umfassende Meta-Analyse von 52 Studien mit fast 5.000 Teilnehmenden ergab, dass über 75 % der Interventionen zu einer signifikanten Verbesserung der Stress- oder Angstwerte führten.

1. Eine Studie untersuchte die Wirksamkeit einer Gruppen-Kunsttherapie zur Reduzierung von Burnout und damit verbundener psychischer Belastung bei medizinischem Fachpersonal. Insgesamt wurden 129 Angehörige der Gesundheitsberufe mit einem mittleren bis hohen Risiko für Burnout oder einem hohen wahrgenommenen Stressniveau entweder einer Gruppenkunsttherapie (6 wöchentliche Sitzungen à 90 Minuten) oder einer Wartelistenkontrollgruppe zugeteilt.

Die Werte für Stress waren in der Interventionsgruppe nach 6 Wochen um 15% signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Auch in den Bereichen Angst (- 30%) und Depression (- 20%) zeigten sich in der Interventionsgruppe signifikant günstigere Werte. Die positiven Effekte blieben auch nach 3 Monaten bestehen.

"Sechs wöchentliche Sitzungen Gruppenkunsttherapie können das Burnout-Risiko und die psychische Belastung von medizinischem Fachpersonal unterschiedlicher Berufsgruppen in Akutkrankenhäusern deutlich reduzieren. Eine breitere Anwendung dieser Intervention sollte in Betracht gezogen werden." (6)


Schlaf

Eine Studie untersucht die Wirkung der Kunsttherapie in Kombination mit emotionaler Therapie auf 92 Patienten mit Schizophrenie für eine Dauer von 3 Monaten. Die Kontrollgruppe (46 Patienten) erhielt eine medikamentöse und diätetische Therapie. Die Interventionsgruppe ergänzte die medikamentöse und diätetische Betreuung der Kontrollgruppe um künstlerische Aktivitäten und ein Training zur Förderung positiver Emotionen.

Nach der Intervention war der Schlaf-Index (PSQI) der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 15% verbessert.

"Die experimentellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Malerei Patienten mit Schizophrenie helfen kann, über ihre Probleme nachzudenken und ihr Potenzial zu entfalten. Durch den künstlerischen Schaffensprozess erleben die Patienten positive Emotionen.

Beim Malen können sie nonverbal mit sich selbst kommunizieren und so ihren inneren Widerstand und ihre Ängste reduzieren. Gleichzeitig können sie, ergänzt durch emotionale Therapie, ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstwirksamkeit stärken, emotionale Störungen verringern, ihre Selbstwahrnehmung und Kognition verbessern und dadurch Angst- und Schlafstörungen lindern sowie ihre Schlafqualität steigern." (7)


Studien und Quellen

(1) Art Therapy: A Complementary Treatment for Mental Disorders
Jingxuan Hu, Jinhuan Zhang, Liyu Hu, Haibo Yu, and Jinping Xu, 2021

(2) Effects of Visual Art Therapy on Positive Symptoms, Negative Symptoms, and Emotions in Individuals with Schizophrenia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Shih-Cing Du, Chih-Yen Li, Ya-Yun Lo,2 Yu-Hsuan Hu, Chi-Wei Hsu, Chung-Yin Cheng, Tzu-Ting Chen, Pei-Hsuan Hung, Pao-Yen Lin, and Chyi-Rong Chen, 2024

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Maltherapie

(4) A Pilot RCT of Psychodynamic Group Art Therapy for Patients in Acute Psychotic Episodes: Feasibility, Impact on Symptoms and Mentalising Capacity
Christiane Montag, Laura Haase, Dorothea Seidel, Martin Bayerl, Jürgen Gallinat, Uwe Herrmann, and Karin Dannecker, 2014

(5) The Effects of Art Therapy and Psychosocial Skills Training on Symptoms and Social Functioning in Patients with Schizophrenia and Their Relatives
Aslı Sarandöl 1, Rümeysa Ayşe Güllülü 2,✉, İlknur Kiraz Avcı 3, Eralp Türk 4, Salih Saygın Eker, 2024

(6) Kunsttherapie zur Reduzierung von Burnout und psychischer Belastung bei medizinischem Fachpersonal in Akutkrankenhäusern: eine randomisierte kontrollierte Studie. Megan Tjasink , Catherine Elizabeth Carr , Paul Bassett 4 , Gehan Soosaipillai 5 , Dennis Ougrin 3, 6 , Stefan Priebe, 2025

(7) THE EFFECT OF PAINTING ART COMBINED WITH EMOTIONAL THERAPY ON THE SLEEP QUALITY OF PATIENTS WITH SCHIZOPHRENIA Free
Shujing Xue, 2025

(8) Art therapy as an adjuvant treatment for depression in elderly women: a randomized controlled trial. Eliana C Ciasca 1, Rita C Ferreira 1, Carmen L A Santana 2, Orestes V Forlenza 1, Glenda D Dos Santos 1, Paula S Brum 3, Paula V Nunes, 2018

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Kommentare 5

forsythia
29. März 2026 um 16:37
  • Inhalt melden

Kunsttherapie mag ich sehr. Auch eigenständiges Ausdrucksmalen.

Paul Klee hat zudem lyrisch sehr schöne Texte geschrieben, wie ich finde

Vielleicht probiere ich auch mal aus, eher quadratische Formen zu malen...

Phoenix
29. März 2026 um 17:23
Autor
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5824

Ich war in der Schule in Kunst recht unbegabt, aber bei Quadraten kann selbst ich nichts falsch machen. Jeder bunte Farbtupfer erhellte mein Gemüt.

Quadrate können aber auch einengen, wenn eher starke Gefühle ausgedrückt werden wollen, könnte ich mir vorstellen ...

Elisa
29. März 2026 um 16:18
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Ich gehe ja Kunst, und dort fällt es mir relativ leicht zu malen oder collagen zu machen.

Das ist auch ein kreatives Umfeld was stützt.

Molly
29. März 2026 um 14:00
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In einen Flow kommt man mit Neuroleptika nur sehr schwer. Man muss sich für alles was man tut immer sehr anstrengen, auch fürs malen.

Phoenix
29. März 2026 um 15:43
Autor
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5823

Bei meiner letzen Psychose hat mir malen sehr geholfen. Es war eine zentrierende und beruhigende Aufgabe. Ich malte Bilder mit bunten Quadraten, so ähnlich wie Paul Klee.

Jetzt habe ich mal geschaut, was Quadrate für eine psychologische Bedeutung haben:

"Ein Bild, das Quadrate beinhaltet, wird in der Formenpsychologie mit Stabilität, Struktur, Ordnung und Verlässlichkeit assoziiert. Aufgrund ihrer 90-Grad-Winkel vermitteln Quadrate ein Gefühl von Sicherheit, Professionalität und Festigkeit."

... also das was ich für mich in der Zeit brauchte. Ich habe in 2 Monaten ca. 50 Bilder gemalt ... ein echter Mal-Wahn ...

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