
Guten Morgen ihr Lieben,
Ich höre gerade Musik von früher
Und mir fällt wieder meine Vergangenheit ein.
Der Verlust meiner Schwester.
Meines Cousins, meiner lieben Mutter und meiner geliebten Oma.
Ich hatte nicht gerade die schönste Kindheit.
Meine Mutter musste immer um die Liebe meines Vaters kämpfen und hatte deshalb kaum Raum , um uns die nötige Liebe zu geben.
Mein Vater ging sehr oft fremd, das hielt meine Mutter kaum aus.
Sie liebte aber meinen Vater so sehr, dass sie sich nicht von ihm trennen wollte.
Sie stritten fast jeden Tag.
Ich kompensierte diesen Streit oft mit Musik oder mit Schnulzenfilmen, wo es um die Liebe ging.
Meine Geschwister konnten es auch sehr schlecht verarbeiten.
Deshalb kam es auch dazu, dass meine Schwester irgendwann nicht mehr leben wollte. Sie war 16 und musste eine schmerzliche Liebe zu einem älteren Jungen verarbeiten, der genauso war , wie mein Vater.
Sie wurde immer ruhiger, schrieb sehr traurige Gedichte und meckerte mit uns , meinem Bruder und mir , wenn wir uns unterhielten.
Meine Schwester und ich hatten ein gemeinsames Zimmer. In einem bruchfälligem Haus, in dem es immer feucht und kalt war.
Eines Morgens, als ich meiner Schwester einen schönen Tag wünschen wollte , hatte sie im Wohnzimmer geschlafen.
Wenn sie überhaupt geschlafen hatte.
Ich sprach mit ihr und fragte Sie, ob ich mir eine Zigarette drehen darf.
Sie sagte, ich könne den Tabak behalten, sie bräuchte ihn nicht mehr.
Ich fragte sie warum sie ihn nicht mehr bräuchte , aber sie gab mir den Tabak und sagte nichts dazu.
Ich fragte sie noch, was mit ihr los sei , aber sie wollte nichts erzählen.
Und ich musste los zur Schule.
Also verabschiedete ich mich von ihr und ging.
Nach der Schule war ich noch bei meiner Freundin und ihre Mutter sagte, ich solle sofort bei meiner Oma anrufen . Oh , dachte ich . Warum sollte ich sie anrufen?
Ich tat es dann und meine Tante war am Apparat und sagte mir nur, ich solle sofort nach Hause fahren , da erfahre ich dann weiteres.
Auf dem Weg nach Hause , mit dem Fahrrad , kamen mir tausend Gedanken in den Kopf.
Ich versuchte mich abzulenken und sagte immer nur vor mich hin…
Es wird doch wohl nichts mit meinem Bruder sein?
Er war zu der Zeit bei der Bundeswehr.
Ich wollte nicht an meine Schwester denken. Das war zu schmerzhaft für mein Herz und meinen Kopf.
Als ich durch den Torbogen fuhr , da sah ich schon einen Polizeiwagen wir unserem Haus stehen.
Ich sagte immer wieder vor mich hin, oh nein, oh nein, es ist nichts schlimmes , es darf nichts schlimmes sein.
Angekommen , wurde ich gleich in den Bulli gebracht und sie legten gleich los , mich zu fragen.
„ Hat ihre Schwester irgendetwas gesagt?“
Gab es Anzeichen für ihre Tat?
Und noch viele andere Dinge.
Ich sagte nur“ meine Schwester hat gesagt , sie braucht keine Handschuhe und auch kein Tabak mehr und wenn sie tot ist, soll ihre Asche in die Urne!“
Das fiel mir alles ein, sie sagte es am Abend vorher, nur niemand hat richtig darauf reagiert.
Ich weiß nicht mehr wieso?
Es war alles so irreal.
Ich konnte nicht mehr vor lauter fragen. Mein Gehirn konnte damit nicht umgehen. Sie hörten einfach nicht auf zu fragen. Vorallem die Polizistin. Vielleicht musste sie sich profilieren. Dann sah ich draußen unsere sechs Wochen alte Katze draußen herum laufen. Ich sagte, ich müsse sie einfangen, sie ist noch zu klein, um draußen zurecht zu kommen.
Und wo sind die Hunde? Fragte ich?
Die bellen die ganze Zeit.
Der Polizist hatte ein Einsehen und sagte zu der Frau , sie solle aufhören zu fragen. Er sagte, gleich kommt ein Taxi, das dich zu deiner Oma bringt.
Ich sagte:“ und was ist mit der Katze und den Hunden?“ „ die können doch nicht hier bleiben!“
Ich durfte sie mitnehmen. Ich fing die kleine Petzi ein und setzte sie in das Taxi, dann ging ich ins Haus und wollte die Hunde holen. Die waren aber in dem Raum , in dem meine Schwester sich erschossen hatte.
Ich hörte Stimmen aus dem Raum und traute mich nicht hinein zu gehen. Es dauerte eine Zeit und ich klopfte leise an die Tür. Ein Mann kam und war ganz aufgebracht.
Er schimpfte laut los: „ wie könnt ihr das Kind hier herein lassen?“
Ich starrte ihn an und sagte nur: „ Ich möchte die Hunde.“ „ sie bellen und bellen und niemand kümmert sich darum.“
Der Mann sagte mir , ich solle kurz warten und brachte mir die beiden Rauhaardackel an die Tür.
Ich nahm sie und ging wieder nach draußen .
Draußen angekommen , sah ich einen Leichenwagen.
Ich wusste nicht mehr , ob er vorher auch schon dort stand. Ich setzte mich ins Taxi und sagte immer wieder vor mich hin: „ Claudia ist nicht tot. Nein sie ist nicht tot.“
Ich versuchte alle Möglichen Ausreden zu suchen, warum nun ausgerechnet hier ein Leichenwagen steht.
Mehr weiß ich leider nicht mehr.
Da habe ich völlig abgeschaltet.
Das ist jetzt mein erstes traumatisches Erlebnis gewesen.
Falls es euch interessiert , dann schreibe ich noch mehr.
Es ist ja auch ganz gut , sich alles von der Seele zu schreiben.
Jetzt höre ich noch weiter Musik und wünsche euch einen schönen Tag😘
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