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FALLBERICHT |
Achtung Absetzpsychose - Olanzapin in zu großen Schritten reduziert.
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Pflegehelfer im ambulanten Dienst, habe ich auch gelegentlich Menschen mit Schizophrenie mit täglicher Medikamentengabe zu versorgen.
So bekommt Frau M. (48) Antipsychotika seit ca. 15 Jahren. Dosis: 100 mg Seroquel und 20 mg Olanzapin für die Nacht, seit 2 Monaten auf 15 mg reduziert. Sie hat 2 Suizidversuche hinter sich und hat daher eine tägliche überwachte Medikamenten-Gabe vom ambulanten Dienst seit 10 Jahren gewünscht.
Seit einer Woche verweigert sie komplett alle Medikamente (auch für andere Erkrankungen) und ist einer vernünftigen Zusprache schon nicht mehr zugänglich. Die Ärzte sind informiert.
Das Beispiel zeigt, das der Schritt von 20 mg auf 15 mg , also 25% viel zu groß war. Die Empfehlung von der Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP - s. Anhang) lautet 10% alle 4-6 Wochen bei ausreichend Stabilität. Und bei mehr als 5 Jahren Antipsychotika Einnahme, sollte das Ausschleichen in einen Zeitraum von 2 Jahren erfolgen. D.h. 1 mg Olanzanpin pro Monat Reduktion statt 5 mg, was bedeutet die kleinste Tablette von 2,5 mg zu halbieren.
Das Beispiel zeigt wieder einmal, das Psychiater keine Kenntnisse über das Absetzen haben, wenn sie eine 5 fach höhere Reduktion anweisen. Sie lernen es selten im Studium und bekommen eine Beratung zum Absetzen von Psychopharmaka auch nicht von der Krankenkasse bezahlt, da es dafür keine Abrechnungsziffer gibt. So skandalös sind die pharmadominierten Bedingungen in unserem kranken Gesundheitssystem ... mit ggf. lebensgefährlichen Konsequenzen für die Patienten.
Das Beispiel zeigt auch, das es scheinbar an ausreichendem Kontakt zu sich selbst fehlte, z.B. durch tägliche Meditation, um Frühwarnsignale rechtzeitig wahrnehmen und die Dosis anpassen zu können.
Frau M. ist aktiv an ihrer Gesundung interessiert, unternimmt eine Trauma-Aufarbeitung, ist auch alternativer Medizin grundsätzlich aufgeschlossen. Antipsychotische Heilpflanzen als Unterstützung wollte sie jedoch keine. Das wäre sicher eine Hilfe gewesen. Ob diese bei einem so großen Reduktionsschritt eine Absetzpsychose verhindern können, ist jedoch auch fraglich.
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