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SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG | 9. Trauma und Psychotherapien
Die mehrteilige teilige Reihe, SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG, befasst sich mit dem Zusammenhang von Trauma und Psychosen/Schizophrenie, um daraus folgend Therapien und Heilmethoden auf den 5 Ebenen der Heilung in ihrer Wirkung besser zu verstehen und zu motivieren.
Die Artikel 1. Kindheitstrauma, 2. Abspaltung und Entkörperung, 3. Ich-Störung und Psychose, 4. Negative Glaubensmuster und Wahnideen, 5. Emotionen und Psychose zeigen eine Entwicklung auf, die schließlich zu schizophrenen Erkrankung führen kann. Im Artikel 6. Wahn und Sinn wird deutlich, das Psychosen einen Sinn haben, eine Strategie sind, seltsame und traumatische Erlebnisse zu überleben – als eine gesunde Reaktion auf unsinnige Umstände.
Der Prozess der Gesundung erfolgt auf den 5 Ebenen der Heilung. Das heißt mit der Regulation der Symptome mit Hilfe verschiedener natürlicher Wirkstoffe auf der stofflichen Ebene (1. Körper-Ebene) , sowie der Entwicklung von Bewusstsein für Körper und Geist zur Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen auf den weiteren Ebenen. So können mit Mind-Body-Therapien und Homöopathie ( 2. Energie-Ebene), Trauma-Psychotherapien (3. Mental-Ebene), Kunst-Therapien (4. Intuitive Ebene) und Meditation (5. Geist-Ebene) traumatische Erfahrungen als Auslöser für Psychosen und Ursache von Schizophrenie geheilt werden.
| Kurzfassung |
| Die Psychotherapie hat eine lange Geschichte in der Behandlung der Schizophrenie, beginnend mit den Psychoanalytikern im frühen 20. Jahrhundert. Seitdem haben Fortschritte im psychoanalytischen Denken das Verständnis der Erkrankung erweitert. Eine Psychotherapie, die sich insbesondere mit Traumata auseinandersetzt, ist ein entscheidender Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung vieler Menschen mit Schizophrenie.
Trotz der oft bizarren und unlogischen Natur von Wahnvorstellungen und Halluzinationen, wie Stimmenhören, kann eine sorgfältige psychoanalytische Untersuchung ihre eigenwillige Bedeutung und Funktion aufdecken und somit den Schlüssel für eine gründliche Aufarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse sein. Psychotherapie verbessert die Genesung, indem sie das zugrunde liegende Trauma angeht, das Psychosen und die belastenden Symptome verursacht. Dies ist die Voraussetzung für die Gesundung von Psychosen und Schizophrenie.
Trauma und Schizophrenie
Forschungsergebnisse belegen einen starken Zusammenhang zwischen Traumata – insbesondere frühkindlichen Traumata – und der Verschlimmerung psychotischer Symptome sowie der späteren Entwicklung von Schizophrenie. Widrigkeiten in der Kindheit, wie sexueller, körperlicher oder emotionaler/psychischer Missbrauch, Vernachlässigung, Tod eines Elternteils und Mobbing sind gewichtige Faktoren. Menschen mit Psychosen berichten dreimal häufiger von Kindheitstraumata als die Allgemeinbevölkerung und die Häufigkeit posttraumatischer Belastungsstörungen liegt bei bis zu 29 %. (3)
Traumata können maßgeblich zum Auftreten und Inhalt von Psychosen beitragen. So können z. B. Halluzinationen traumabezogene Themen widerspiegeln, wie das Hören der Stimme des Täters. Zahlreiche Menschen mit Psychosen betrachten Traumata als einen wichtigen Teil ihrer Erfahrung, der jedoch im Rahmen ihrer Behandlung nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Traumatherapie bei Schizophrenie

Psychotherapie für Menschen mit Schizophrenie und einer Traumavorgeschichte hat sich als sicher und wirksam erwiesen. Traumafokussierte Therapien können die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung reduzieren und psychotische Symptome wie Paranoia und Halluzinationen lindern. Historisch gesehen wurde die Traumatherapie oft bei Psychosen vermieden aus Angst vor einer Verschlimmerung der Symptome, doch neuere Forschungsergebnisse haben diese Bedenken weitgehend ausgeräumt.
Traumafokussierte Psychotherapie bei Schizophrenie hilft Menschen, traumatische Erinnerungen zu verarbeiten, reduziert Symptome und verbessert das Psychosemanagement. Mit wirksamen Techniken wie der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie und der Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die zur Behandlung von Psychosen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen eingesetzt werden, können Symptome gelindert sowie die allgemeine Funktionsfähigkeit und Lebensqalität verbessern werden.
1. Kognitive Verhaltenstherapie
Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie ist eine in vielen Leitlinien hoch empfohlene Behandlung, die Patienten dabei unterstützt, Wahnvorstellungen zu hinterfragen, Halluzinationen zu bewältigen und gesündere Wege der Interpretation ihrer Erfahrungen zu entwickeln. Die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie geht speziell auf den Zusammenhang zwischen traumatischen Erinnerungen und psychotischen Symptomen ein. Sie hilft Menschen dabei, zu erkennen, wo traumatische Erinnerungen mit verzerrten Überzeugungen verknüpft sind, sowie negative Gedanken über das Trauma zu hinterfragen und Bewältigungsstrategien zu erlernen. Sie zielt auf traumabezogene Überzeugungen ab (z. B. „Die Welt ist unsicher“), die zu psychotischen Gedanken führen können. (Siehe Artikel: Negative Glaubensmuster und Wahnideen)
2. Eye Movement Desensitization and Reprocessing
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) verarbeitet traumatische Erinnerungen durch gezielte Augenbewegungen, während sich der Patient an belastende Ereignisse erinnert. EMDR hat sich als wirksam erwiesen, um die emotionale Intensität vergangener Traumata zu reduzieren, und gilt als sicher.
3. Konfrontationsbasierte Behandlungen
Konfrontationsbasierte Behandlungen, beinhaltet die schrittweise, wiederholte Konfrontation mit Traumaerinnerungen und -reizen, um eine emotionale Gewöhnung zu fördern. Ein wichtiger Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie ist die systematische Konfrontation mit traumabezogenen Erinnerungen und realen traumabezogenen Reizen in einer sicheren Umgebung, um die Schwere der PTSD-Symptome zu reduzieren.
Es konnte festgestellt werden, dass die Wirksamkeit von Konfrontation im Vergleich zu nicht auf Konfrontation basierenden Behandlung zur Reduzierung psychotischer Symptome größer ist. In einer Übersichtsarbeit fanden 80% der Studien, die Konfrontationmethoden nutzten, einen positiven Einfluss von traumafokussierte Psychotherapien auf mindestens ein psychotisches Symptom, während dies nur bei 33% der Studien, die keine Konfrontation nutzten, der Fall war. (2)
"Dies stützt die Ansicht, dass die Einbeziehung der Wiederaufbereitung von Traumaerinnerungen notwendig ist, um psychotische Symptome im Kontext von Traumata zu behandeln. Dies steht auch im Einklang mit einer Prozessanalyse, die zu dem Schluss kam, dass eine Konfrontation erforderlich ist, um Traumasymptome bei Patienten mit Psychosen zu behandeln" (2)
Wenn es einem Patienten daher gelingt, durch die konfrontationsbasierte Behandlungen während der traumafokussierten Psychotherapien eine vollständige Erinnerung an das traumatische Ereignis aufzubauen, wird die Erinnerung möglicherweise nicht mehr unfreiwillig durch Psychosen und Erlebnisse wie Stimmenhören abgerufen.
Es gibt Belege für konfrontationssbasierte Interventionen, die die Ansicht stützen, dass die Einbeziehung der Wiederaufbereitung von Traumaerinnerungen zur Behandlung psychotischer Symptome bei traumatisierten Patienten notwendig sein könnte.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis:
"Aus dieser Überprüfung ergeben sich mehrere klinische Empfehlungen. Angesichts der Beweise für einen Zusammenhang zwischen Trauma und Psychose besteht für Ärzte ein klarer Bedarf, die Vorgeschichte von Traumata und posttraumatischer Belastungsstörung bei Menschen mit psychotischen Symptomen zu berücksichtigen und zu beurteilen (starke Empfehlung)." (2)
Unsere Analyse ergab, dass traumafokussierte Psychotherapie gut vertragen wurde und die Akzeptanzniveaus mit anderen psychologischen Interventionen bei psychotischen Symptomen vergleichbar waren. Daher gibt es kaum Anhaltspunkte dafür, dass traumafokussierte Psychotherapie bei posttraumatischer Belastungsstörung Menschen mit psychotischen Symptomen vorenthalten werden sollte." (2)
Wirksamkeit
Ein traumasensibler Ansatz ist bei der Behandlung von Menschen mit Schizophrenie und einer Traumavorgeschichte von entscheidender Bedeutung. Die Schaffung eines Gefühls physischer und emotionaler Sicherheit ist eine Bedingung, bevor traumatische Erinnerungen eingehend verarbeitet werden können. Psychotherapie bietet oft einen sicheren Raum, in dem Menschen den Zusammenhang zwischen ihrem Trauma und ihren Symptomen (z. B. Stimmen, die einen Täter widerspiegeln) erforschen können. Dies hilft ihnen, eine gefestigtere persönliche Perspektive und ein stärkeres Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Therapien helfen den Betroffenen, traumatische Ereignisse zu verarbeiten und zu verstehen, wodurch Symptome wie Flashbacks und Übererregung reduziert werden. Die Betroffenen lernen, mit Belastungen umzugehen und gesündere Interpretationen ihrer Erfahrungen zu entwickeln. Einige Ansätze zielen speziell auf traumabedingte Stimmen ab. Traumafokussierte Interventionen gelten als sicher und wirksam zur Reduzierung von Symptomen der posttraumatischer Belastungsstörungen bei Menschen mit Psychosen.
Psychotherapie ist für viele Erkrankte der Schlüssel zur Sinnfindung, der Wiederherstellung persönlicher Zufriedenheit und Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation. Der Psychiater Silvano Arieti schrieb 1974 über das Ziel der Psychotherapie bei Schizophrenie:
"Bei vielen Patienten, die eine intensive und langwierige Psychotherapie erhalten, erreichen wir ein Maß an Integration und Selbstverwirklichung, das weit über dem vor dem Auftreten der Psychose liegt.
Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, bedeutet dies nicht, dass alle Probleme des Patienten – selbst nach erfolgreicher Psychotherapie – gelöst sind. Wir müssen die berühmten Worte Frieda Fromm-Reichmanns wiederholen: Wir können keinen Rosengarten versprechen.
Es wäre utopisch zu glauben, das Versprechen eines Lebens sei mit einem Rosengarten vergleichbar – utopisch für den Patienten und utopisch für uns, die wir ihm ebenbürtig sein wollen. Doch ich denke, es ist nicht utopisch, dem Patienten das zu versprechen, was wir uns selbst, seinen Gleichaltrigen, früher oder später im Leben versprechen: einen eigenen kleinen Garten zu haben" (4) |
1. Trauma und Psychose
Ein psychisches Trauma wird durchweg mit einem erhöhten Risiko für psychotische Erfahrungen in Verbindung gebracht. Traumatische Erfahrungen können auch zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen, und es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen PTBS und psychotischen Symptomen bei Menschen mit Psychosen besteht, die ein Trauma erlebt haben.
Eine posttraumatischen Belastungsstörung ist ein Risikofaktor für die Entwicklung psychotischer Symptome und etwa 30 % der Menschen mit Psychose leiden gleichzeitig unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Es wurde vermutet, dass akustische Halluzinationen eine Art posttraumatisches Wiedererleben im Zusammenhang mit einer traumatischen Erinnerung sind. Dies steht im Einklang mit Studien, die gezeigt haben, dass halluzinatorische Inhalte häufig mit Traumaerfahrungen verbunden sind.
"In diesem Rahmen wird eine aufdringliche Trauma-Erinnerung möglicherweise nicht als Erinnerung erlebt, sondern stattdessen auf psychotische Weise falsch zugeordnet (z. B. als Stimme)." (1)
2. Trauma und analytische Psychotherapien
Können analytische Psychotherapien ein Trauma lösen und psychotisches Verhalten reduzieren und ausheilen?
Psychodynamische Ansätze zur Behandlung schizophrener Erkrankungen richten einen Fokus auf frühe kindliche Erlebnisse und die Umgebung des Patienten, insbesondere auf die ursächliche Rolle von Angstzuständen und die Bedeutung und Symbolik psychotischer Symptome sowie deren ursächliche psychologische Faktoren.
In den letzten zwei Jahrzehnten wurden empirische Unterstützung für viele der Konzepte gefunden, die für die psychodynamische Arbeit mit Schizophrenie von zentraler Bedeutung sind. Dazu gehört:
- die Bestätigung der Bedeutung der frühen Bindung für die spätere Entwicklung einer psychotischen Störung
- die Bedeutung psychotischer Symptome und ihre Beziehung zu widrigen Umwelterfahrungen und
- die Beziehung zwischen Biologie und Psychologie bei der individuellen Anfälligkeit für Schizophrenie.
Trotz der oft bizarren und unlogischen Natur psychotischer Symptome kann eine sorgfältige psychoanalytische Untersuchung ihre eigenwillige Bedeutung und Funktion aufdecken und somit den Schlüssel für eine gründliche Aufarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse sein. Dies ist die Voraussetzung für die Gesundung von Psychosen und Schizophrenie.
Beispiele:
1. Ein Mann, der glaubt, dass andere seine Gedanken kontrollieren, erlebt eine Reaktivierung der Art und Weise, wie er einst das Gefühl hatte, dass seine Eltern sein Leben und seine Denkweise kontrollierten oder versuchten, sie zu lenken.
2. Bei katatoner Schizophrenie kann es vorkommen, dass der Patient über längere Zeiträume eine Statuenhaltung einnimmt. Überwältigt von der intensiven Angst, die mit Verantwortung einhergeht, bleibt der Patient „in der Zeit eingefroren“ und wird vor der potenziellen Zerstörungskraft seiner eigenen Handlungen geschützt.
In jedem der oben genannten Beispiele werden die schizophrenen Symptome als Abwehrmechanismen interpretiert, die für den Einzelnen eine psychologische Funktion erfüllen, nämlich die Linderung einer unerträglichen Angst, die auf intensiver Selbstkritik beruht.
3. Wirksamkeit der psychodynamische Behandlung
Die Literatur ist voll von Anekdoten und Fallberichten, die die erfolgreiche Behandlung einzelner Patienten hervorheben. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist der halbautobiografische Roman einer Patientin von Fromm-Reichmann, der Bestseller „Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen“ von 1964.
Ein Erfahrungsbericht eines Patienten beschreibt die Wirkung von analytischer Psychotherapie wie folgt:
"Die Arbeit in der Psychotherapie hat bei mir erst nach Jahren Anklang gefunden. Jeder psychotischen Erfahrung ging immer eine Veränderung meines emotionalen Zustands im Bruchteil einer Sekunde voraus. Mit der Zeit spürte ich, wie sich dieses Fenster öffnete … und meine Erfahrungen lösten sich langsam auf. Ich habe immer noch psychotische Symptome, aber viel seltener. In jeder Sitzung wird durch die Therapie eine neue Ebene dessen, was mir widerfahren ist, aufgedeckt. Fast jedes Mal, wenn ein Zusammenhang entdeckt wurde, verspüre ich in der Folge weniger Symptome." (1)
Die bisher größte Studie zur Psychotherapie bei Schizophrenie war die Boston Psychotherapy Study, die in den 1980er Jahren durchgeführt wurde. Psychotherapie zeigte einen Vorteil bei der Reduzierung von Klinikeinweisungen, einer Verbesserung der Arbeitsleistung und der Wahrung von Alltagspflichten, sowie einer verbesserten Ich-Funktion und Kognition.
4. Traumafokussierte Psychotherapien
Angesichts der Zusammenhänge zwischen traumatischen Erlebnissen, psychotischen Symptomen und posttraumatischen Belastungsstörung besteht ein wachsendes Interesse an traumafokussierten Psychotherapien für psychotische Symptome.
Traumatherapie ist eine Familie von Therapien, die zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) entwickelt wurden und sich explizit auf die Wiederverarbeitung von Erinnerungen an traumatische Erlebnisse konzentrieren. Einige Trauma-Psychotherapien nutzen nur kognitive Techniken, andere verwenden Konfrontation und einige verwenden eine Kombination aus beiden.
Im Großen und Ganzen geht man davon aus, dass Trauma-Psychotherapien, die die Konfrontationbehandlung nutzen, funktionieren, indem sie die emotionale Gewöhnung und die Wiederverarbeitung traumatischer Erinnerungen durch wiederholte Konfrontation gegenüber dem traumatischen Ereignis und damit verbundenen Hinweisen fördern.
Kognitive Therapien wie die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie konzentrieren sich darüber hinaus auf die Veränderung von Beurteilungen, z. B. „Ich werde sterben“ oder „Ich hätte besser damit zurechtkommen sollen“
Zu den Hauptbestandteilen gehören die Psychoedukation über Kindheitstraumata und die Erlernung von Entspannungsfähigkeiten. Es gibt 3 Behandlungsphasen:
1. Stabilisierung,
2. Trauma-Erzählung und -Verarbeitung
3. Integration und Konsolidierung
Diese Phasen umfassen während dieser Sitzungen verschiedene Komponenten:
- Psychoedukation und Erziehung
- Entspannung
- Emotionaler Ausdruck und Regulierung
- Kognitive Bewältigung
- Entwicklung und Verarbeitung von Geschichten über das traumatische Ereignis
- Belichtungstechniken: Schrittweise im realen Leben sich Reizen wie Objekten, Situationen oder Erinnerungen zu stellen, die Angst oder Leid auslösen
- Verbesserung der Sicherheit und künftigen Entwicklung
Im Vereinigten Königreich empfehlen die Gesundheitsrichtlinien (NICE) den Einsatz von traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie bei der Behandlung von PTBS. Die Studien nutzten eine Vielzahl von Belichtungstechniken, wie z. B. das Umschreiben und Wiedererleben von Bildern. Um sich als traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie zu qualifizieren, ist es notwendig, dass therapeutische Techniken zur Verarbeitung und Veränderung destruktiver traumatischer Gedanken und Gefühle wie kognitive Verzerrungen, Schuldgefühle und Schamgefühle einbezogen werden.
5. EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

Die EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) wird als sichere und potenziell wirksame Zusatzbehandlung bei Schizophrenie eingesetzt. Insbesondere für Menschen mit einer Vorgeschichte schwerer Traumata ist EMDR von Bedeutung, da viele Psychosepatienten auch PTBS-Symptome wie Albträume und Flashbacks erleben.
Studien zeigen, dass EMDR die Belastung und die Psychosesymptome reduzieren kann, indem es Traumaerinnerungen verarbeitet. EMDR wird zwar traditionell bei PTBS eingesetzt, doch Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es die Integration traumatischer Erinnerungen fördert und deren emotionale Auswirkungen verringert. Neuere Studien belegen zudem, dass EMDR bei sorgfältiger Anwendung auch bei Psychosepatienten durchführbar und vorteilhaft ist und mitunter zu besseren Ergebnissen führt als die alleinige Standardbehandlung.
Wie EMDR bei Traumata wirkt:
- Der Patient konzentriert sich kurz auf eine traumatische Erinnerung, während er den Bewegungen des Fingers des Therapeuten folgt oder durch Klopfen beide Gehirnhälften stimuliert.
- Informationsverarbeitung: Diese bilaterale Stimulation hilft dem Gehirn, belastende Erinnerungen zu verarbeiten, indem sie deren emotionale Intensität und Lebhaftigkeit reduziert und so ein adaptiveres Verständnis ermöglicht.
- Symptomreduktion: Studien haben EMDR mit einer Verringerung einiger psychotischer Symptome, einschließlich wahnhafter und negativer Symptome, einer verbesserten sozialen Funktionsfähigkeit, weniger Wiedereinweisungen ins Krankenhaus und einer geringeren Inanspruchnahme von psychiatrischen Diensten in Verbindung gebracht.
- Sicherheit und Durchführbarkeit: Anfängliche Bedenken, dass traumafokussierte Therapien wie EMDR psychotische Symptome verschlimmern oder zu unerwünschten Ereignissen führen könnten, wurden durch neuere Forschungsergebnisse weitgehend widerlegt. EMDR scheint für klinisch stabile Patienten sicher zu sein, und die Abbruchraten sind mit anderen traumafokussierten Behandlungen vergleichbar.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass EMDR eine vielversprechende Therapie bei Schizophrenie darstellt, insbesondere wenn ein Trauma eine bedeutende Rolle spielt. Sie hilft, Patienten gegenüber traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit zu desensibilisieren und so neben Standardbehandlungen ihre allgemeine psychische Gesundheit zu verbessern.
6. Studien
Eine aktuelle systematische Überprüfung von 2024 untersuchte 17 Studien mit 400 Teilnehmer bei Psychosen und die Wirkung und Akzeptanz traumafokusierter Psychotherapien auf psychotische Symptome. (2)
Die Ergebnisse dieser Übersicht:
Bei einer Studie handelte es sich um eine Fallserie, bei der Cloitres vorbereitende Arbeit „Kompetenztraining in der Gefühlsregulation“ zum Einsatz kam. Es wurde ein signifikanter Rückgang der psychotischen Gesamtsymptome, Wahnvorstellungen und Paranoia festgestellt. Eine weitere Studie stellte einen Rückgang von Stimmenhören und Wahnvorstellungen fest, wobei die Besserung bei über 40 % der Patienten auch nach 6 Monaten anhielt. Von den Fallberichten stellten zwei einen Rückgang der psychotischen Symptome fest. Der abschließende eingeschlossene Fallbericht ergab einen zuverlässigen Rückgang der akustischen Halluzinationen. (2)
Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte, dass EMDR der Kontrollgruppe hinsichtlich der Reduktion von Paranoia überlegen war. EMDR war zudem mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Genesung einer psychotischen Störung nach der Behandlung vewrbunden.
Es verringerten sich die PTBS-Symptome in allen Studien mit traumafokussierter kognitiver Verhaltenstherapie. Es wurde auch ein beständiger Rückgang der Depressions- und Angstwerte festgestellt. Nur eine Studie enthielt eine Lebensqualitätsskala und berichtete über eine wesentliche Verbesserung. (2)
Psychotherapie mit Konfrontation
Es konnte festgestellt werden, dass die Wirksamkeit von Konfrontation im Vergleich zu nicht auf Konfrontation basierenden Behandlung zur Reduzierung psychotischer Symptome größer ist. In der genannten Übersichtsarbeit fanden 80% der Studien, die Konfrontationmethoden nutzten, einen positiven Einfluss von traumafokussierte Psychotherapien auf mindestens ein psychotisches Symptom, während dies nur bei 33% der Studien, die keine Konfrontation nutzten, der Fall war. (2)
"Dies stützt die Ansicht, dass die Einbeziehung der Wiederaufbereitung von Traumaerinnerungen notwendig ist, um psychotische Symptome im Kontext von Traumata zu behandeln. Dies steht auch im Einklang mit einer Prozessanalyse, die zu dem Schluss kam, dass eine Konfrontation erforderlich ist, um Traumasymptome bei Patienten mit Psychosen zu behandeln" (2)
Paulik et al. ( 2019 ) entschieden sich auch dafür, ihre Traumaintervention auf Traumata zu konzentrieren, die im Zusammenhang mit psychotischen Phänomenen zu stehen schienen, und berichteten über die große Effektstärken in der Überprüfung, bei der Reduzierung von Stress und Stimmenhören nach der Behandlung.
Bei allen Teilnehmern verringerten sich gleichzeitig das Eindringen in das Trauma-Gedächtnis und das Stimmenhören, was darauf hindeutet, dass die beiden Symptombereiche möglicherweise durch gemeinsame zugrunde liegende Prozesse zusammenhängen. Dies steht im Einklang mit Theorien, die darauf hindeuten, dass ähnliche Mechanismen bei posttraumatischen Belastungsstörung und traumabedingten psychotischen Symptomen eine Rolle spielen und dass Stimmenhören im Kontext von Traumata eine Art Post sein können, ein traumatischer Eingriff im Zusammenhang mit einer Erinnerung.
Wenn es einem Patienten daher gelingt, durch die konfrontationsbasierte Behandlungen während der traumafokussierten Psychotherapien eine vollständige Erinnerung an das traumatische Ereignis aufzubauen, wird die Erinnerung möglicherweise nicht mehr unfreiwillig durch Psychosen und Erlebnisse wie Stimmenhören abgerufen.
Es gibt Belege für konfrontationssbasierte Interventionen, die die Ansicht stützen, dass die Einbeziehung der Wiederaufbereitung von Traumaerinnerungen zur Behandlung psychotischer Symptome bei traumatisierten Patienten notwendig sein könnte.
"Aus dieser Überprüfung ergeben sich mehrere klinische Empfehlungen. Angesichts der Beweise für einen Zusammenhang zwischen Trauma und Psychose besteht für Ärzte ein klarer Bedarf, die Vorgeschichte von Traumata und PTBS bei Menschen mit psychotischen Symptomen zu berücksichtigen und zu beurteilen (starke Empfehlung)." (2)
Unsere Analyse ergab, dass traumafokussierte Psychotherapie gut vertragen wurde und die Akzeptanzniveaus mit anderen psychologischen Interventionen bei psychotischen Symptomen vergleichbar waren. Daher gibt es kaum Anhaltspunkte dafür, dass traumafokussierte Psychotherapie bei posttraumatischer Belastungsstörung Menschen mit psychotischen Symptomen vorenthalten werden sollte." (2)
Einsatz von Konfrontation - Verträglichkeit und Akzeptanz
Obwohl in dieser Übersicht einige Studien über eine vorübergehende Zunahme der Belastung und/oder der Symptome berichteten, handelt es sich hierbei um eine typische Reaktion auf die Belastung in der Traumabehandlung, da sie darauf abzielt, die therapeutische Verarbeitung der Belastung hervorzurufen und zu erleichtern.
29 % der Studien berichteten von einer kurzen Verschlimmerung der Symptome zu Beginn der Behandlung, die später wieder verschwand, manchmal mit kurzer zusätzlicher Unterstützung. Es wurde nur eine Psychose gemeldet (von 369 Teilnehmern), die möglicherweise nicht abgeklungen ist. Es gab eine Abbrecherquote von 22 % für nicht konfrontationsbasierte Behandlungen und 20 % für konfrontationsbasierte Behandlungen. Die Quote entspricht der üblichen Zahl der Abbrüche für Psychotherapien. Dies weist darauf hin, dass traumafokussierte Psychotherapien und insbesondere die Konfrontation ein akzeptables Maß an Verträglichkeit und Akzeptanz aufweisen.
Studien und Quellen
(1) The Psychotherapy of Schizophrenia: A Review of the Evidence for Psychodynamic and Nonpsychodynamic Treatments. Mark L. Ruffalo, 2023
(2) The effectiveness and tolerability of trauma‐focused psychotherapies for psychotic symptoms: A systematic review of trauma‐focused psychotherapies.
Jordan Reid, Charles Cole, Nabeela Malik, Vaughan Bell and Michael Bloomfield, 2024
(3) Trauma-Focused Treatment in Early and Lifetime Psychosis: A Scoping Review Open Access. Samantha E Jankowski , Rémy Bennett , Bradley Tao , Yuval Neria , Lisa B Dixon , Milton Wainberg , Annika Sweetland , Sapana R Patel, 2025
(4) https://www.psychologytoday.com/us/blog/freud-…lized-treatment
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