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ROAD TO RECOVERY | Therapien und Heilmethoden bei Schizophrenie:
15. Psychotherapien
(G) = Gesamtsymptome, (+) = positive, (-) = negative, (k) = kognitive Symptome, (D) = Depressionen, (Ä) = Ängst, (ST) = Stress, (SCH) = Schlaf,
I. Die Körper-Ebene
Unser physischer Körper ist die materielle Ebene des Menschen. Er besitzt eine anatomische Gestalt, die aus Zellen zusammengesetzt ist und durch eine Vielzahl von biochemischen Stoffwechselprozessen gesteuert wird. Körper und Geist sind mit einander verbunden.
Therapien und Heilmethoden:
1. Arbeit und Beschäftigung
2. Sport
3. Ernährung und Nahrungsergänzung
4. Naturheilkunde
5. Orthomolekulare Medizin
6. Konventionelle Medizin
A. Antipsychotika
B. Antidepressiva
II. Die Energie-Ebene
Auf der 2. Ebene befindet sich der Energiekörper. Er wird vor allem durch unsere Nerven und Energieleitbahnen, den Meridianen gebildet. Die Meridiane sind Energieverbindungen zu unseren Organen, Körperfunktionen und zur Psyche. Auch unser Antrieb und unsere Energie wird dieser Ebene zugeordnet. Die Therapien der Energie-Ebene haben direkten Einfluss auf die Symptome von Psychosen, Schizophrenie und Depression.
Therapien und Heilmethoden:
7. Berührung und Massage
8. Atemtherapie
9. Yoga
10. Akupunktur
11. Qi Gong
12. Tai Chi
13. Naturerleben
III. Die Mental-Ebene
Der Mentalkörper ist eine Struktur, in die alle Lernerfahrungen im Leben eingehen. Zu diesem Feld gehören Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Glaubenssätze. Hier handelt es sich um eine bewusste und unbewusste Ebene, in der u.a. auch das Gedächtnis gespeichert ist.
Therapien und Heilmethoden:
14. Psychosoziale Interventionen
15. Psychotherapien
16. Positive Psychologie
17. Positives Denken
18. Positive Affirmationen
19. Homöopathie
IV. Die intuitive Ebene
Die intuitive Ebene ist der Bereich des Träumens, der Intuition, der Kunst und Kreativität. Es sind Erfahrungen, die mit veränderten Bewusstseinszuständen jenseits des gewöhnlichen „normalen“ Wachbewusstseins einhergehen, insbesondere Zustände wie Trance, Ekstase, spirituelle Erlebnisse und Grenzerfahrungen. Auf dieser Ebene wirkt der Einfluss von Lernerfahrungen aus dem Familiensystem und von traumatischen Ereignissen.
Therapien und Heilmethoden:
20. Maltherapie
21. Musiktherapie
22. Tanztherapie
23. Theatertherapie
24. Systemische Therapie
V. Die Geist-Ebene
Die 5. Ebene beschreibt den geistigen Aspekt eines Menschen. Es ist das Feld von innewohnender Weisheit und Zufriedenheit, des natürlichen Mitgefühls und Liebe zu uns und anderen. Da dieses Feld alles durchdringt, ist es die Ebene, die letztendlich zur Heilung führen kann, vorausgesetzt, wir kümmern uns um die Harmonisierung der anderen Ebenen. Um Erfahrungen auf der fünften Ebene machen zu können, braucht es Zeit und Raum – für das Alleinsein und die Meditation.
Therapien und Heilmethoden:
III. Die Mental-Ebene
Der Mentalkörper ist eine Struktur, in die alle Lernerfahrungen im Leben eingehen. Zu diesem Feld gehören Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Glaubenssätze. Hier handelt es sich um eine bewusste und unbewusste Ebene, in dem u.a. auch das Gedächtnis gespeichert ist.
14. Psychosoziale Interventionen
15. Psychotherapien
16. Positive Psychologie
17. Positives Denken
18. Positive Affirmationen
19. Homöopathie
Zitat"Psychotherapie kann eines der größten und lohnendsten Abenteuer sein, sie kann die tiefsten Gefühle von persönlichem Wert, von Sinn und Reichtum im Leben mit sich bringen." Eda LeShan (amerikanische Schriftstellerin)
| Kurzfassung |
| Psychologische Ansätze haben eine lange Geschichte bei der Behandlung von Schizophrenie und stellen einen wichtigen Bestandteil der Therapie von Schizophrenie dar. Nach der Entdeckung von Chlorpromazin in den 1950er Jahren kam es jedoch zu einer allmählichen Abkehr von psychotherapeutischen und hin zu pharmakologischen Behandlungsmethoden. Psychotherapie und andere psychosoziale Interventionen wurden seit dem bei der Behandlung nur als sekundäre und ergänzende Maßnahmen betrachtet - mit Folgen für den Genesungsprozess. Ein Rezension über Psychotherapie bei Schizophrenie merkt an:
"Während die Forschung in den Neurowissenschaften spannende Informationen zu den physiologischen Aspekten der Krankheit erbracht hat, führten diese Ergebnisse nicht zu Verbesserungen in der Behandlung. Tatsächlich sind die wirksamsten Medikamente gegen Schizophrenie heute diejenigen, die vor über einem halben Jahrhundert entdeckt wurden." (1)
Denn trotz einer medikamentösen Behandlung bleiben viele Patienten symptomatisch und leiden ihr Leben lang, da Psychopharmaka nur die Symptome unterdrücken und die psychischen Ursachen der Erkrankung, wie ein Kindheitstrauma, unberührt lassen. Antipsychotika und Antidepressiva machen es genau genommen sogar schwieriger, gesunden zu können, da sie wichtige Gefühle unterdrücken, deren Bewusstwerdung zur Heilung notwendig ist. Eine Forschungarbeit über den Nutzen und Schäden von Antipsychotika stellt fest:
"Wenn psychotische und schizophrene Symptome jedoch Bewältigungsstrategien für schwere traumatische Belastungen, meist aus der Kindheit, darstellen, ist keine wirkliche Genesung von Antipsychotika zu erwarten, da nur die Symptome unterdrückt werden. Vielmehr ist mit Rückfällen nach Absetzen der Medikamente zu rechnen, da die Traumata nicht aufgearbeitet wurden; die Patienten wurden lediglich sediert und von ihren Gedanken und Gefühlen abgeschnitten. " (3)
Bertram Karon, Professor für Klinische Psychologie, Therapeut und Autor von "The Psychotherapy of Schizophrenia" stellt fest:
Unter dem Einfluss von Antipsychotika zu sein, "ist so als würden die Patienten einen Drink zu sich nehmen bevor sie eine Therapiesitzung besuchen, sie sprechen frei, aber sie verändern sich nicht. Und der Grund dafür ist, das Antipsychotika die Wirkung [der Therapie] abschwächen" (14)
Vier Studien mit über 300 Teilnehmern zeigten, dass für 65% eine kognitive Verhaltenstherapie die Gesamtsymptome der Schizophrenie genauso gut verbessern kann wie Antipsychotika in einem Behandlungszeitraum von 6-10 Monaten und nachwirkend bis 2 Jahre. (5)
Antipsychotika haben schwere Nebenwirkungen, verursachen typische Folgeerkrankungen und führen zu einer durchschnittlichen Lebenszeitverkürzung von 15- 20 Jahren. Angesichts dieser Sachlage erscheint es ratsam, die Rolle der Psychotherapie, bei der Behandlung schizophrener Erkrankungen neu zu bewerten.
Wie Psychotherapie hilft ?
Schon nach 10 bis 15 Sitzungen zeigen sich in der Regel deutliche Verbesserungen. Ziel ist es, nicht nur die Symptome zu lindern sondern auch die allgemeine Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität zu verbessern. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis:
"Eine Psychotherapie von Schizophrenie-Spektrum-Störungen kann die sozialen Funktionen und Positivsymptome sowie viele andere symptomatische Bereiche verbessern und könnte daher als hilfreiche Begleitbehandlung von Schizophrenie-Spektrum-Störungen angesehen werden."(2)
Positive Symptome
Psychotherapie vermittelt Wege, mit belastenden Symptomen wie dem Hören von Stimmen oder anderen Halluzinationen umzugehen. Patienten erlernen Techniken, um trotz verbleibender Resthalluzinationen ein weitgehend normales Leben zu führen.
Die Psychoananlyse erforscht die emotionale Bedeutungen von Wahn und zielt auf nachhaltige Verbesserungen ab, indem sie psychotischen Erfahrungen Sinn verleiht und die Verbindung zur Realität fördert, anstatt Wahnvorstellungen einfach abzutun. Wahnvorstellungen werden als Symbole für tieferliegende emotionale Wahrheiten verstanden. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft dabei, wahnhafte Überzeugungen zu hinterfragen und zu bewältigen, indem sie hinderliche Denkmuster verändert und Strategien zur Bewältigung entwickelt werden.
Metaanalysen psychologischer Interventionen für positive Symptome einer Psychose berichten von kleinen bis mittleren Effektstärken. (20) Die Ergebnisse aus einzelnen Studien zeigten, vier Monate bzw. 20 Sitzungen kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe (Warteliste) die Gesamtsymtome um 10% (12) und die Wahnskala um 15-25% verbesserten. (11) (12)
Negative Symptome und soziales Funktionieren
Psychotherapie trainiert soziale Fähigkeiten und lindert Apathie und Freudlosigkeit. Gezielte Ansätze helfen gegen Antriebslosigkeit und sozialen Rückzug. Der Fokus liegt darauf, Patienten bei der Rückkehr in den Beruf, die Ausbildung oder ein selbstständiges Leben zu unterstützen. Sie steigert soziale Kompetenzen, verbessert Beziehungen und das Verhalten in sozialen Situationen, die Arbeitsfähigkeit und das gesamte tägliche Leben.
Aktuelle Metaanalysen zur Psychotherapie der Negativsymptome der Schizophrenie (wie Antriebsschwäche und Gefühlsarmut) berichten im Allgemeinen von kleine bis mittlere Effektstärken. (21) Die Ergebnisse aus verschiedenen Studien zeigten, dass kognitive Verhaltenstherapie beispielsweise Negativsymptome um 15% in 4-6 Monaten (30% nach 12 Monaten) und die Funktionsfähigkeit um 40% bei Schizophrenie im Vergleich zur Kontrollgruppe verbessern konnte. (10) (11).
Rückfallrisiko Psychose
Psychotherapie hilft Betroffenen, ihre Krankheit zu verstehen und Realität von Psychose zu unterscheiden, Auslöser und frühe Anzeichen von Psychosen zu erkennen. Ziel ist es zukünftige Episoden und Krankenhausaufenthalte zu verhindern. Psychotherapie senkt die Wahrscheinlichkeit erneuter Psychosen signifikant. Eine kürzlich durchgeführte Überprüfung der kognitiven Verhaltenstherapie bei Psychosen kam sogar zu dem Schluss, "dass kognitive Verhaltenstherapie die erste Episode einer Psychose bei Patienten mit extrem hohem Risiko verhindern kann und bei der Verbesserung von Depressionen, Selbstwertgefühl und psychisches Wohlbefinden wirksam ist." (1) (4)
Depressionen, Ängste und Stress
Eine Psychotherapie konzentriert sich auf den Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten und hilft dabei, Muster zu erkennen, die Depressionen, Ängste und Stress verursachen. Psychotherapie oder „Gesprächstherapie“ ist dabei eine hochwirksame Behandlungsmethode , die Betroffenen hilft, ungesunde Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu verändern und vergangene Erfahrungen und unbewusste Verhaltensmuster zu ergründen, um die aktuellen Symptome zu verstehen.
Verschiedene Therapieformen wie die kognitive Verhaltenstherapie und die psychodynamische Therapie zeigen gute Ergebnisse, die kurzfristig oft mit Medikamenten vergleichbar, langfristig aber potenziell besser sind. Ergebnisse einer Metaanalyse:
"Die Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie unterschieden sich kurzfristig nicht signifikant von denen der Pharmakotherapie, waren aber nach 6–12 Monaten signifikant größer ... Die kombinierte Behandlung war kurz- und langfristig wirksamer als die alleinige Pharmakotherapie, jedoch zu keinem der beiden Zeitpunkte wirksamer als die kognitiven Verhaltenstherapie allein." (14)
Schlussfolgerung: "Kurzfristig scheint die kognitiven Verhaltenstherapie genauso wirksam wie medikamentöse Therapien zu sein, langfristig jedoch wirksamer." (14)
Rückfallrisiko Depressionen
Schwere Depressionen sind mit einem hohen Rückfallrisiko von etwa 50 % nach der ersten depressiven Episode verbunden, das mit jeder weiteren Episode zunimmt, und etwa 30 % der depressiven Patienten leiden unter chronischer Depression. Ein Grund für die Chronifizierung von Depressionen können Antidepressiva sein. (siehe ANTIDEPRESSIVA | Warum Antidepressiva zur Chronifizierung von Depressionen führen?). Eine Metaanalyse untersuchte die langfristige Wirkungen von Psychotherapie, Antidepressiva und deren Kombination bei Depressionen, und kommt zu folgendem Ergebnis:
"Da Depressionen als wiederkehrende Erkrankung gelten, sind anhaltende Behandlungseffekte von großer Bedeutung ... Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass eine kombinierte Behandlung [aus Psychotherapie und Antidepressiva] langfristig nicht der alleinigen Psychotherapie überlegen ist." (15)
Psychotherapie bei Depressionen, Ängste und Stress zeigt im Allgemeinen mittlere bis große Effektstärken in Metaanalysen. (14) Die meisten Studien konzentrierten sich auf die kognitive Verhaltenstherapie, doch auch zahlreiche andere Psychotherapieformen sind wirksam und unterscheiden sich nur geringfügig.
Die starke Depressionen zeigten in einer Studie über Langzeit-Psychoanalyse einen um 20% stärkeren Rückgang nach 12 Monaten und um 30% nach 42 Monaten gegenüber der Kontrollgruppe, begleitet von größeren Verbesserungen der sozialen Anpassung. (16)
Bei 12 wöchentlichen Sitzungen besserten sich Ängste deutlich um 70% mit kognitiver Verhaltenstherapie und um 35% mit angewandter Entspannung gegenüber 20% in der Wartelisten-Gruppe. (18)
Stress und Schlaf
Psychotherapie bei Stress und Schlafstörungen hilft die zugrunde liegenden Ursachen emotionaler oder körperlicher Anspannung zu erkennen, zu verstehen und zu bewältigen. Es bietet einen sicheren Raum, um Strategien zu entwickeln, die emotionale Regulation zu verbessern und die langfristige Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Alltagsdruck zu stärken.
Metaanalysen zur Psychotherapie bei Stress und Schlafstörungen berichten im Allgemeinen von mittleren bis großen Effektstärken. Kognitive Therapie führte im Vergleich zur Kontrollgruppe zu größeren Verbesserungen der Stresswerte um 13% (18) und Schlafstörungen um 25%. (11)
Lebensqualität
Aktuelle Erkenntnisse sprechen für kognitive Therapien der „dritten Welle“, darunter die Akzeptanz- und Commitmenttherapie und achtsamkeitsbasierte Ansätze, die Patienten dabei helfen, psychische Flexibilität und eine nicht wertende Beziehung zu ihren Symptomen zu entwickeln. Achtsamkeitsbasierte Verfahren dienen der besseren Emotionsregulation und Vorbeugung von Schüben.
Diese Therapien helfen Patienten, ihre oft ihre zersplitterten Lebenserfahrungen zu einer Ganzheit und positiveren persönlichen Geschichte zusammenzufügen und trägt so zur Selbstfindung und Genesung bei. Die moderne Psychotherapie zielt nicht mehr nur auf die Symptomreduktion ab, sondern verstärkt auf die Lebensqualität und soziale Teilhabe.
Moderne und digitale Verfahren
Die neuesten Leitlinien-Updates haben das Spektrum um moderne und digitale Verfahren erweitert, wie die Avatar-Therapie zur gezielten Behandlung von hartnäckigen auditiven Halluzinationen.
Psychotherapie Bestandteil der Leitlinien
In der Behandlung der Schizophrenie ist die Psychotherapie heute fester Bestandteil der Leitlinien in Deutschland und wird im Jahr 2026 als notwendige Ergänzung zur medikamentösen Therapie in allen Phasen der Erkrankung empfohlen. Die aktuelle S3-Leitlinie (Stand Oktober 2025) betont dabei einen patientenzentrierten und multimodalen Ansatz.
Die kognitive Verhaltenstherapie ist die am besten untersuchte Methode und wird in den S-3 Richtlinien für Ärzte und Psychologen mit A , der höchsten Priorität empfohlen, da sie nicht nur die Symptome reduziert, sondern auch das Risiko eines Rückfalls von 35% auf 20% senken kann. (7)
Verhaltentherapie oder Psychoanalyse?
Eine dauerhafte Gesundung mit kognitiver Verhaltentherapie wird jedoch schwer erreicht, da sie nur das oberflächliche Verhalten positiv beeinflusst und nicht die tieferliegenden traumatischen Ursachen von Psychosen und Schizophrenie behandelt.
Nur psychoanalytische und traumafokussierte Ansätze arbeiten frühe Kindheitserlebnisse und die Umgebung des Patienten auf, insbesondere die ursächliche Rolle von Angstzuständen und die Bedeutung und Symbolik psychotischer Symptome sowie deren ursächliche psychologische Faktoren. Trotz der oft bizarren und unlogischen Natur psychotischer Symptome kann eine sorgfältige psychoanalytische Untersuchung ihre eigenwillige Bedeutung und Funktion aufdecken und somit den Schlüssel für eine gründliche Aufarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse sein. Dies ist die Voraussetzung für die Gesundung von Psychosen und Schizophrenie. Ein weiterer Artikel befasst sich eingehender mit Psychotherapie und Trauma. |
Geschichte der Psychotherapie zur Behandlung von Schizophrenie
Die Geschichte der psychoanalytischen Behandlung von Schizophrenie reicht über 100 Jahre zurück. Freud war ursprünglich pessimistisch hinsichtlich der Möglichkeit, Schizophrenie mit Psychoanalyse zu behandeln.
Mit der Zeit änderte er seine Ansichten und bestand darauf, dass der
Schizophreniepatient eine aktivere und konfrontativere Methode benötige
als in der klassischen Psychoanalyse.
Zu den frühen Pionieren der psychoanalytischen Arbeit mit Schizophreniepatienten zählt unter anderem auch Alfred Alder. Adler ging davon aus, dass im Laufe der Therapie der Patient immer mehr in die Lage kommt, seine Probleme selbst zu erkennen und zu lösen.
Fast gleichzeitig mit Freud entstand in Amerika der Behaviourismus als Grundlage der Verhaltenstherapie.

Zu den Führungspersönlichkeiten der Psychotherapie in den 1940er und 1950er Jahren gehörte auch Frieda Fromm-Reichmann. Sie war Therapeutin von Joanne Greenberg, der Autorin des verfilmten Romans "Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen", die in der Dokumentation "Take these broken Wings" über ihre Heilung von Schizophrenie ohne Psychopharmaka spricht.
Es folgte die Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers, die wie die später entstandene Gestalttherapie und andere zur Humanistischen Psychotherapie gezählt wird.
Ab den 1980er-Jahren wurden zunehmend Hinweise darauf untersucht, dass psychologische, soziale und umweltbedingte Faktoren die psychotische Symptomatik beeinflussen. Zusammen mit genetischer Veranlagung wie Temperament und Persönlichkeit traten traumatische Kindheitserfahrungen in den Vordergrund der Untersuchungen und Behandlung.
Ausführlich siehe: ERKRANKUNG UND GESUNDUNG | Die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie: 1. Psychologische Theorien
Welche Psychotherapien gibt es?
In der Psychotherapie entwickelten sich zunächst zwei Hauptrichtungen, welche auch heute noch zu den Verfahren im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung zählen. Die Psychoanalyse sowie die Verhaltenstherapie.
1. Analytische Psychotherapie:
Im Mittelpunkt steht die Aufarbeitung vergangener Erfahrungen. Ziel ist es, sich frühere Beziehungsmuster, verdrängte Gefühle, Erinnerungen und innere Konflikte bewusst zu machen und zu lösen. Dieses Verfahren nimmt meist längere Zeit in Anspruch.
2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie entwickelte sich aus der Psychoanalyse. Während der Therapie stehen unbewusste Konflikte und Erfahrungen aus früheren Lebensabschnitten im Fokus, die aktuellen Problemen zugrunde liegen. Sie werden herausgearbeitet und bestenfalls gelöst.
3. (Kognitive) Verhaltenstherapie:
Patienten arbeiten mithilfe des Therapeuten problematische Verhaltensweisen, Denkstrukturen und Einstellungen heraus – mit dem Ziel, diese zu verändern und Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. Bei Schizophrenie und Angststörungen eignet sich eine Verhaltenstherapie am besten. Ihre Wirkung bei Depressionen ist ebenfalls sehr gut in Studien untersucht.
4. Systemische Therapie
Soziale Beziehungen in der Familie können einer Erkrankung zugrunde liegen oder deren Symptome verstärken. Die Therapie bezieht Familienmitglieder mit ein, um gemeinsam Verhaltensweisen zu ändern und Beziehungen anders zu gestalten oder wahrzunehmen. So werden Lösungen für aktuelle Probleme entwickelt.
5. Gesprächstherapie
Motivierende Gesprächsführung ist eine klientenzentrierte Methode, bei der Patienten in Gespräche über ihre Probleme eingebunden werden. Dabei werden persönliche Vorstellungen und innere Konflikte erkundet, sogenannte Change Talks angeregt. Missverhältnisse zwischen dem gegenwärtigen Verhalten und den eigenen Zukunftszielen des Patienten können so aufgedeckt und verändert werden. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Motivation des Patienten für Veränderungen zu steigern um eine Lebensführung zu wählen, die der Gesundung dienlich ist.
6. Neue Therapieansätze für Schizophrenie
Es wurden neue Therapieansätze für Schizophrenie vorgeschlagen, untersucht und scheinen heutzutage in eine riesige Landschaft therapeutischer Möglichkeiten eingebettet zu sein. Dazu gehört die kognitive Verhaltenstherapie, achtsamkeitsbasierte Gruppentherapie, kognitives Verhaltens- und Sozialkompetenztraining und individualisierte metakognitive Therapie.
1. Was ist die kognitive Verhaltenstherapie und welche Wirkung hat sie?

Die kognitive Verhaltenstherapie wurde von Beck entwickelt, der Anfang der 1960er Jahre seine Therapie zur kurzzeitigen Behandlung von Depressionen einsetzte. Seitdem wurde sie bei einer Vielzahl von psychiatrischen Störungen angewendet, und in vielen späteren Arbeiten von Beck wurde ihre Rolle bei der Behandlung von Schizophrenie untersucht.
Diese Behandlung hilft, die Denkweise und Reaktion auf Dinge zu ändern. Sie lehrt auch, mit negativen Gefühlen umzugehen, indem anders über sie nachgedacht wird. Dazu müssen Muster erkannt werden, die das Leben schwer machen. Wenn das Muster geändert wird, können sich die Symptome ändern.
Die Normalisierung psychotischer Symptome soll Patienten dabei helfen, negative Gedankenschleifen zu vermeiden und problematische Verhaltensweisen (z. B. sozialen Rückzug) als Zwänge umzudeuten, die auf einer Fehlinterpretation äußerer Bedrohungen beruhen. Das Leben wird beherrschbarer. Kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, Folgendes zu lernen:
- Probleme zu lösen
- das Verhalten anderer besser zu verstehen
- sich den Ängsten zu stellen
- neue Wege zur Entspannung zu finden
Das Ziel besteht darin, die Kontrolle durch Beobachtung über die Emotionen zu übernehmen. In dieser Therapie können Fähigkeiten erlernt werden, die für das Leben genutzt werden können. Der Therapeut vermittelt, wie Gedanken und Stimmenhören ignoriert werden können. Ein neues Verständnis der Realität kann gewonnen werden.
Kognitive Verhaltenstherapie verbesserte die positiven, negativen und kognitiven Symptome, die allgemeine Funktionsfähigkeit, die soziale und berufliche Funktion und die Lebensqualität nach 10 Wochen im Vergleich zur Standardbehandlung.
Problematik der Verhaltenstherapie
Therapien wie die kognitive Verhaltenstherapie können jeweils eine Rolle bei der Behandlung von Schizophreniepatienten spielen, doch handelt es sich dabei um Behandlungen, die nur auf die Symptome der Störung abzielen.
Es gibt kaum Hinweise darauf, dass sich eine dieser Behandlungen aus psychosozialer Sicht mit den psychologischen Faktoren, den traumatischen Ursachen befasst, die zur Entstehung der Störung beitragen und somit auch nur kurzfristige Effekte bewirken können. Daher können Verhaltenstherapien nicht die zugrunde liegenden ursächlichen Faktoren aufarbeiten, die bei der Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie eine Rolle spielen. (1)
Dynamische Psychotherapien
Es konnte gezeigt werden, das psychodynamische Therapien, wie tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die Psychoanalyse, die soziale Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren schrittweise verbessern kann. In ähnlicher Weise beeinflusste die Gruppen-psychodynamische Therapie bei Patienten mit Schizophrenie erfolgreich Funktionen wie „Wahrnehmungsgeschwindigkeit“ und die Fähigkeit, „Beziehungen und Verbindungen zwischen verschiedenen Situationen“ zu verstehen.
Tatsächlich gibt es keine einzige „psychodynamische Therapie“ für Schizophrenie, sondern vielleicht Dutzende oder mehr. Dennoch weisen psychodynamische Ansätze zur Behandlung schizophrener Erkrankungen einige Gemeinsamkeiten auf. Dazu gehört ein Fokus auf frühe kindliche Erlebnisse und die Umgebung des Patienten, insbesondere auf die ursächliche Rolle von Angstzuständen und die Bedeutung und Symbolik psychotischer Symptome sowie deren ursächliche psychologische Faktoren.
Trotz der oft bizarren und unlogischen Natur psychotischer Symptome kann eine sorgfältige psychoanalytische Untersuchung ihre eigenwillige Bedeutung und Funktion aufdecken und somit den Schlüssel für eine gründliche Aufarbeitung traumatischer Kindheitserlebnisse sein. Dies ist die Voraussetzung für die Gesundung Psychosen und Schizophrenie.
Siehe ausführlich: SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG | 9. Trauma und Psychotherapie.
2. Welche Psychotherapie ist bei Schizophrenie empfohlen?
1. Kognitive Verhaltenstherapie
Die Kognitive Verhaltenstherapie erhält die höchste Priorität A in den den S-3 Richtlinien für Schizophrenie für Ärzte und Therapeuten. Da heißt es:
"Menschen mit einer ersten psychotischen Episode soll eine spezifische kognitive Verhaltenstherapie zur Besserung der Positiv- und Negativsymptomatik angeboten werden. Besondere Merkmale der Kognitive Verhaltenstherapie bei Psychosen sind dabei ein ... unterstützendes Beziehungsangebot, „Normalisierung“ von Beschwerden, die Annahme in Bezug auf die Symptomatik und die Orientierung an den Lebenszielen der Teilnehmer. Zur Reduktion der Positivsymptomatik sollte/soll das Metakognitive Training angeboten werden." (7)
Systemtische Therapie
"Zur Verbesserung der allgemeinen Symptomatik kann eine Systemische Therapie angeboten werden." (7)
Psychotherapie unter Einbeziehung der Familie
"Psychotherapie unter Einbeziehung der Familie sollte folgendermaßen durchgeführt werden: Sowohl die betroffene Person als auch die Familienmitglieder sollten mit einbezogen werden. Die Psychotherapie sollte eine spezifische unterstützende, psychoedukative und therapeutische Ausrichtung haben sowie Problemlösetraining oder die Erarbeitung eines Krisenplans beinhalten." (7)
Psychodynamische oder psychoanalytische Therapie
"Psychodynamisch orientierte Psychotherapie kann zur Verbesserung des globalen Funktionsniveaus angeboten werden." (7)
Gesprächspsychotherapie und Supportive Psychotherapie
"Gesprächspsychotherapie als systematische Form von Psychotherapie ist in Bezug auf die Schizophrenie nicht ausreichend untersucht. Da Gemeinsamkeiten von Gesprächspsychotherapie mit Supportiver Psychotherapie bestehen, kann sie angeboten werden, wenn besser untersuchte Verfahren nicht zur Verfügung stehen oder mit den Präferenzen der Patienten nicht übereinstimmen." (7)
3. Studien
Verschiedene Studien konzentrierten sich auf ergänzende Psychotherapien bei Schizophrenie. Die meisten Beweise der Wirksamkeit in der Psychotherapieforschung bei Schizophrenie stammen aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die immer noch die überwiegende Anzahl randomisierter kontrollierter Studien ausmacht. Veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen kleine bis mittlere Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie auf die Reduktion psychotischer und negativer Symptome. (20) (21)
1. Eine aktuelle Metaanalyse von 2024 überprüfte 26 Studien mit 2407 Teilnehmern.
Schlussfolgerungen der Autoren: "Die in dieser Überprüfung identifizierten Beweise deuten darauf hin, dass Menschen mit einer Erstepisode oder einer kürzlich aufgetretenen Psychose von einer kognitiven Verhaltenstherapie zusätzlich zur Standardversorgung in Bezug auf mehrere Ergebnisse (allgemeine, positive, negative und depressive Symptome der Schizophrenie, Gesamtzustand und Funktionsfähigkeit) profitieren können." (3)
Positiv- und Negativsymptome
2. Studienteilnehmer wurden entweder der kognitive Verhaltenstherapie (Behandlungsgruppe) mit Standardbehandlung oder der Wartegruppe (nur Standardbehandlung) zugeteilt.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten, dass 20 Sitzungen kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zur Kontrollgruppe (Warteliste) hinsichtlich des Gesamtscores um 10% (BPRS), der Wahnskala um 25% (PSYRATS) und des Funktionsniveau um 10% nach der Behandlung signifikant bessere Ergebnisse erzielten. (12)
3. In einer weiteren randomisierten klinischen Studie wurden 149 Teilnehmer mit Schizophrenie Störung nach dem Zufallsprinzip entweder einer kognitiven Verhaltenstherapie mit Übung sozialer Kompetenzen und Problemlösetraining oder einer aktiven, unterstützenden Kontaktgruppe zugeteilt, mit Fokus auf die Festlegung und Erreichung von Funktionszielen.
Die Ergebnisse zeigten, dass kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit und der erlebten Positiv- und Negativsymptome (um 15% in 4 Monaten) im Vergleich zur Kontrollgruppe ist. Depressionen und pessimistischen Leistungseinstellung besserten sich ebenfalls um 15%. (11)
Negativsymptome und Funktionsfähigkeit
4. Eine Studie untersuchte, ob Negativsymptome und der Funktionsfähigkeit sich mit kognitive Verhaltenstherapie besserten und durch den Gruppeneffekt auf negative Leistungseinstellungen vermittelt wurden.
Die Ergebnisse legen nahe, dass kognitive Verhaltenstherapie, die auf dysfunktionale Einstellungen abzielen, zu einer Verbesserung der Negativsymptome um 15% nach 6 Monaten (30% nach 12 Monaten) und der Funktionsfähigkeit um 40% bei Schizophrenie führen können. (10)
Kognitive Verhaltenstherapie ohne Medikamente ?
5. In einer aktuellen Übersichtsarbeit von 2024 wurden 4 Studien eingeschlossen, die Daten für 300 Teilnehmer lieferten. Die Studiendauer betrug zwischen 6 und 10 Monaten für den Behandlungszeitraum und bis 2 Jahre für die Nachbeobachtungszeit.
Es wurde heraus gefunden, dass kognitive Verhaltenstherapie ohne Antipsychotika zu einer Verringerung der Gesamtsymptome (zumindest langfristig) und der negativen Symptome (z. B. Apathie, Interessen- und Motivationsverlust, mangelnde Konzentration) führen kann. Dies kann auch zu einer besseren Funktionsfähigkeit und einer kürzeren Klinikaufenthaltsdauer führen.
Eine kognitive Verhaltenstherapie ohne Antipsychotika unterscheidet sich nicht hinsichtlich der Verbesserung der Gesamtsymptome von einer kognitiven Verhaltenstherapie plus Antipsychotika. Immerhin gelten diese Ergebnisse für die Mehrheit von 65% der Teilnehmer. Nur 35% der Patienten wurden Antipsychotika unvorhergesehen verabreicht. (5)
Kognitive Symptome
Kognitive Symptome beziehen sich üblicherweise auf Beeinträchtigungen wie Gedächtnis und Konzentration. Diese Symptome überschneiden sich häufig mit denen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen oder Stress, bzw. werden von diesen beeinflusst.
Wie zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien zu Depressionen, Angststörungen und anderen Erkrankungen belegen, verbessert die kognitive Verhaltenstherapie die Stimmung, reduziert negatives Denken und fördert so auch kognitive Fähigkeiten.
Bei Schizophrenie ist die kognitive Rehabilitation bei kognitiven Symptomen wirksamer obwohl ein Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 15 randomisierte kontrollierte Studien umfasste, zu dem Ergebnis kam, dass die kognitive Verhaltenstherapie die allgemeine Kognition auch bei Patienten mit Alzheimer signifikant verbesserte.
Depressionen
Psychotherapie bei Depressionen zeigt im Allgemeinen mittlere bis große Effektstärken in Metaanalysen mit über 400 auswertbaren Studien. Die meisten Studien konzentrierten sich auf die kognitive Verhaltenstherapie, doch auch zahlreiche andere Psychotherapieformen sind wirksam und unterscheiden sich nur geringfügig.
Psychotherapie im Vergleich zu Antidepressiva
1. Eine aktuelle Metaanalyse untersuchte die Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zu anderen Psychotherapien, Pharmakotherapien und Kombinationsbehandlungen bei Depressionen. Er wurden 409 Studien mit 52.702 Patienten eingeschossen. (14)
Die kognitive Verhaltenstherapie zeigte im Vergleich zu Kontrollbedingungen wie Standardversorgung und Warteliste mittlere bis große Effekte. Diese Effekte waren auch nach 6–12 Monaten noch signifikant.
"Die Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie unterschieden sich kurzfristig nicht signifikant von denen der Pharmakotherapie, waren aber nach 6–12 Monaten signifikant größer ... Die kombinierte Behandlung war kurz- und langfristig wirksamer als die alleinige Pharmakotherapie, jedoch zu keinem der beiden Zeitpunkte wirksamer als die kognitiven Verhaltenstherapie allein." (14)
Schlussfolgerung: "Kurzfristig scheint die kognitiven Verhaltenstherapie genauso wirksam wie medikamentöse Therapien zu sein, langfristig jedoch wirksamer." (14)
Depressionen und Rückfallrisiko
2. Schwere Depressionen sind mit einem hohen Rückfallrisiko von etwa 50 % nach der ersten depressiven Episode verbunden, das mit jeder weiteren Episode zunimmt, und etwa 30 % der depressiven Patienten leiden unter chronischer Depression. Ein Grund für die Chronifizierung von Depressionen können Antipsychotika sein. (siehe ANTIDEPRESSIVA | Warum Antidepressiva zur Chronifizierung von Depressionen führen?).
Eine Metaanalyse untersuchte die langfristige Wirkungen von Psychotherapie, Antidepressiva und deren Kombination bei Depressionen, und kommt zu folgendem Ergebnis:
"Da Depressionen als wiederkehrende Erkrankung gelten, sind anhaltende Behandlungseffekte von großer Bedeutung ... Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass eine kombinierte Behandlung [aus Psychotherapie und Antidepressiva] langfristig nicht der alleinigen Psychotherapie überlegen ist." (15)
D.h. eine Psychotherapie erreicht kurzfristig gleiche und langfristig bessere Ergebnisse als Antidepressiva und kann auch ohne diese genau so gut vor Rückfällen schützen. Eine Abhängigkeit und eine potenzielle Chronifizierung, sowie Nebenwirkungen und typische Folgeerkrankungen durch Antidepressiva können so vermieden werden.
3. Eine randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit einer Langzeit-Psychoanalyse als Ergänzung zur Standardbehandlung in Großbritanniens im Vergleich zur alleinigen Standardbehandlung bei 129 Patienten mit langjähriger schwerer Depression, die auf mindestens zwei verschiedene Behandlungen nicht angesprochen hatten und als therapieresistent galten.
Die Depressionswerte zeigten in der Langzeit-Psychoanalyse -Gruppe einen um 20% stärkeren Rückgang nach 12 Monaten und um 30% nach 42 Monaten gegenüber der Kontrollgruppe, begleitet von größeren Verbesserungen der sozialen Anpassung.
"Diese Daten legen nahe, dass Langzeit-Psychoanalyse die Langzeitprognose therapieresistenter Depressionen verbessern kann." (16)
Angst
Psychotherapie, oder Gesprächstherapie, ist eine primäre Behandlungsmethode für Angststörungen und ist oft genauso wirksam wie Medikamente, wobei die positiven Effekte tendenziell länger anhalten als die Behandlung selbst. Eine Metaanalyse kommt zu folgendem Ergebnis:
"Wir stellten keine Wirksamkeitsunterschiede zwischen den verschiedenen Psychotherapieformen fest und konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Akzeptanz feststellen. Letzteres Ergebnis deutet darauf hin, dass jede Psychotherapie genauso akzeptiert wird wie die Standardbehandlung [mit Psychopharmaka]. Die Ergebnisse unserer Sekundäranalyse, die nahelegen, dass nach durchschnittlich 23,6 (SD 13,6) Wochen nach Therapieende nur die kognitive Verhaltenstherapie wirksamer war als die Standardbehandlung [mit Psychopharmaka] " (17)
Psychotherapie bei Angststörungen zeigt im Allgemeinen mittlere bis große Effektstärken. Internetbasierte Therapien zeigen im Vergleich zu persönlichen Behandlungen keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit, insbesondere wenn sie von einem Therapeuten „angeleitet“ werden. Die verschieden psychotherapeutischen Ansätze zeigen, wie individuell angepasst und wirksam die Therapie bei Ängsten sein kann:
1. Kognitive Verhaltenstherapie: Sie gilt als Goldstandard in der Angsttherapie. Sie hilft irrationale Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen (kognitive Umstrukturierung) und Verhaltensweisen zu ändern, die die Angst aufrechterhalten.
2. Expositionstherapie: Diese Therapieform ist oft Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie und beinhaltet die schrittweise und wiederholte Konfrontation mit gefürchteten Situationen oder Objekten in einer sicheren Umgebung, um die Angstreaktion zu desensibilisieren.
3. Akzeptanz- und Commitmenttherapie: Konzentriert sich darauf, schwierige Gedanken und Gefühle wertfrei zu akzeptieren, anstatt zu versuchen, sie zu eliminieren, und gleichzeitig Handlungen vorzunehmen, die mit den eigenen Werten übereinstimmen.
4. Dialektische Verhaltenstherapie: Kombiniert Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie mit Achtsamkeit, um die Emotionsregulation zu unterstützen und Bewältigungsstrategien für belastende Situationen zu entwickeln.
5. Interpersonelle Therapie: Nützlich, wenn Angstzustände mit Beziehungskonflikten oder wichtigen Lebensübergängen zusammenhängen; mit dem Schwerpunkt auf der Verbesserung der Kommunikation und des sozialen Funktionierens.
1. Eine randomisierte klinische Studie verglich kognitive Verhaltenstherapie, angewandte Entspannung und eine Wartegruppe bei 65 Erwachsenen mit generalisierter Angststörung. (18) Beide Behandlungen wurden über 12 wöchentliche Sitzungen à 60 Minuten durchgeführt.
Ängste besserten sich deutlich um 70% mit kognitiver Verhaltenstherapie bzw. um 35% mit angewandter Entspannung gegenüber 20% in der Wartelisten-Gruppe. Depressionen besserten sich um 40% mit beiden Behandlungen gegenüber 20% in der Wartelisten-Gruppe.
"Im Verlauf der Nachbeobachtung waren kognitive Verhaltenstherapie und angewandte Entspannung gleichwertig, jedoch führte nur die kognitive Verhaltenstherapie zu einer anhaltenden Verbesserung." (18)
Stress
Psychotherapie bei Stress hilft die zugrunde liegenden Ursachen emotionaler oder körperlicher Anspannung zu erkennen, zu verstehen und zu bewältigen. Es bietet einen sicheren Raum, um Strategien zu entwickeln, die emotionale Regulation zu verbessern und die langfristige Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Alltagsdruck zu stärken.
Metaanalysen zur Psychotherapie bei Stress und stressbedingten Störungen (wie z. B. PTBS) berichten im Allgemeinen von mittleren bis großen Effektstärken.
Kognitive Verhaltenstherapie identifiziert und verändert negative Denkmuster und Verhaltensweisen, die zu Stress beitragen. Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie kombiniert kognitive Techniken mit Achtsamkeit, um die Auswirkungen von Stress zu reduzieren. Psychodynamische oder psychoanalytische Therapie untersucht, wie vergangene Erfahrungen die aktuellen Stressreaktionen prägen. Expositionstherapie übt die schrittweise und kontrollierte Konfrontation mit spezifischen Auslösern, um deren Macht zu verringern.
1. Ziel einer Studie war es, den Behandlungserfolg einer achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie im Vergleich zu einer Qigong basierenden kognitiven Therapie und einer Wartelistenkontrollgruppe bei Personen mit Stimmungsstörungen zu untersuchen. (18)
Ergebnisse: Sowohl kognitive Therapie (MBCT) als auch Qigong-basierte kognitive Therapie (HQCT) führten im Vergleich zur Kontrollgruppe (Warteliste) zu größeren Verbesserungen. Die Stresswerte verbesserten sich um 13% bei beiden Therapien. Qigong-basierte kognitive Therapie wirkt sich positiver auf den körperlichen Gesundheitszustand aus, während achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie günstigere Ergebnisse für die psychische Gesundheit erzielt. (18)

Schlaf
Die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie gilt in der Allgemeinbevölkerung als Therapie der ersten Wahl bei Schlaflosigkeit. Erst seit Kurzem wird sie jedoch auch bei Menschen mit Schizophrenie untersucht.
Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit war es, die derzeit verfügbaren Erkenntnisse zusammenzufassen. Drei Studien mit 137 randomisierten Teilnehmenden wurden identifiziert. kognitive Verhaltenstherapie war hinsichtlich des Schweregrads der Insomnie wirksamer als die Standardbehandlung.
| Ergebnis | Erwartete absolute Ereignisrate (95 %KI) | |
| Kontrolle | kognitive Verhaltenstherapie | |
| Rückgang der Schlaflosigkeit | 7 % | 30 % (12 %–57 %) |
| Schizophrenie-Reaktion | 10 % | 23 % (8 %–49 %) |
"Diese Metaanalyse ergab, dass kognitive Verhaltenstherapie die Symptome von Schlaflosigkeit bei Menschen mit Schizophrenie verbessern kann ... " (13)
Studien und Quellen
(1) The Psychotherapy of Schizophrenia: A Review of the Evidence for Psychodynamic and Nonpsychodynamic Treatments. Mark L. Ruffalo, 2023
(2) A Systematic Review on Add-On Psychotherapy in Schizophrenia Spectrum Disorders. Martina Nicole Modesti, Jan Francesco Arena, Natalia Palermo, Antonio Del Casale, 2023
(3) Cognitive behavioural therapy added to standard care for first-episode and recent-onset psychosis. Susanna Franziska Mayer, Ciaran Corcoran, Liam Kennedy, Stefan Leucht, Irene Bighelli, 2024
(4) The role of cognitive behavioral therapy in the treatment of psychosis. Agbor C, Kaur G, Soomro FM, et al. , 2022
(5) Cognitive behavioural therapy without medication for schizophrenia. Irene Bighelli, Oğulcan Çıray, Nurul Husna Salahuddin, Stefan Leucht, 2024
(6) Cognitive behavioural therapy for the treatment of schizophrenia spectrum disorders: an umbrella review of meta-analyses of randomised controlled trials. Steven Berendsen, Silke Berendse, Jeanne van der Torren, Jentien Vermeulen, Lieuwe de Haan, 2024
(7) Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) (Hrsg.) S3-Leitlinie Schizophrenie, 2019
(8) Benefits and harms of antipsychotic drugs in drug-naïve patients with psychosis: A systematic review. PB Danborg a, PC Gøtzsche, 2019
(9)
(10) Improvement in Negative Symptoms and Functioning in Cognitive-Behavioral Social Skills Training for Schizophrenia: Mediation by Defeatist Performance Attitudes and Asocial Beliefs. Eric Granholm 1,2,✉, Jason Holden 1, Matthew Worley, 2017
(11) Randomized Clinical Trial of Cognitive Behavioral Social Skills Training for Schizophrenia: Improvement in Functioning and Experiential Negative Symptoms
Eric Granholm 1,2, Jason Holden 1,2, Peter C Link 1, John R McQuaid, 2015
(12) Cognitive Behaviour Therapy for Psychotic Symptoms: A Randomized Controlled Effectiveness Trial. Bodil Kråkvik 1,✉, Rolf W Gråwe 2, Roger Hagen 3, Tore C Stiles, 2013
(13) Cognitive behavioral therapy for insomnia in people with schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Yuki Furukawa et. al, 2025
(14) Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined reatment for depression: a comprehensive meta‐analysis including 409 trials with 52,702 patients. Pim Cuijpers 1,2,3, Clara Miguel 1, Mathias Harrer 4,5, Constantin Yves Plessen 1,6, Marketa Ciharova 1, David Ebert 4, Eirini Karyotaki, 2023
(15) Enduring effects of psychotherapy, antidepressants and their combination for depression: a systematic review and meta-analysis. Ulrich Voderholzer1,2,3*Barbara B. Barton1Matthias Favreau1,3Eva M. Zisler1,3Winfried Rief4Marcel Wilhelm4Elisabeth Schramm, 2023
(16) Pragmatic randomized controlled trial of long-term psychoanalytic psychotherapy for treatment-resistant depression: the Tavistock Adult Depression Study (TADS) . Peter Fonagy 1, Felicitas Rost 2, Jo-anne Carlyle 2, Susan McPherson 3, Rachel Thomas 2, RM Pasco Fearon 1, David Goldberg 4, David Taylor, 2013
(17) Psychotherapies for Generalized Anxiety Disorder in Adults. A Systematic Review and Network Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Davide Papola, 2023
(18) A Randomized Clinical Trial of Cognitive-Behavioral Therapy and Applied Relaxation for Adults With Generalized Anxiety Disorder. Michel J Dugas 1, Pascale Brillon 2, Pierre Savard 3, Julie Turcotte 4, Adrienne Gaudet 5, Robert Ladouceur 6, Renée Leblanc 7, Nicole J Gervais, 2010
(19) A randomized controlled trial on the comparative effectiveness of mindfulness-based cognitive therapy and health qigong-based cognitive therapy among Chinese people with depression and anxiety disorders. Sunny H W Chan 1,✉, Wendy W K Chan 2, June Y W Chao 2, Phyllis K L Chan, 2020
(20) Meta-analysis and Meta-regression of Cognitive Behavioral Therapy for Psychosis (CBTp) Across Time: The Effectiveness of CBTp has Improved for Delusions Open Access. Katarzyna Sitko , Bridgette M Bewick , David Owens , Ciara Masterson, 2020
(21) Efficacy of Psychological Treatments for Patients With Schizophrenia and Relevant Negative Symptoms: A Meta-Analysis. Marcel Riehle*a, Mara Cristine Böhla, Matthias Pillnya, Tania Marie Lincoln, 2020