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SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG |
2. Abspaltung und Entkörperung
Die mehrteilige teilige Reihe, SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG, befasst sich mit dem Zusammenhang von Trauma und Psychosen/Schizophrenie, um daraus folgend Therapien und Heilmethoden auf den 5 Ebenen der Heilung in ihrer Wirkung besser zu verstehen und zu motivieren.
Die Artikel 1. Kindheitstrauma, 2. Abspaltung und Entkörperung, 3. Ich-Störung und Psychose, 4. Negative Glaubensmuster und Wahnideen, 5. Emotionen und Psychose zeigen eine Entwicklung auf, die schließlich zu schizophrenen Erkrankung führen kann. Im Artikel 6. Wahn und Sinn wird deutlich, das Psychosen einen Sinn haben, eine Strategie sind, seltsame und traumatische Erlebnisse zu überleben – als eine gesunde Reaktion auf unsinnige Umstände.
Der Prozess der Gesundung erfolgt auf den 5 Ebenen der Heilung. Das heißt mit der Regulation der Symptome mit Hilfe verschiedener natürlicher Wirkstoffe auf der stofflichen Ebene (1. Körper-Ebene) , sowie der Entwicklung von Bewusstsein für Körper und Geist zur Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen auf den weiteren Ebenen. So können mit Mind-Body-Therapien und Homöopathie ( 2. Energie-Ebene), Trauma-Psychotherapien (3. Mental-Ebene), Kunst-Therapien (4. Intuitive Ebene) und Meditation (5. Geist-Ebene) traumatische Erfahrungen als Auslöser für Psychosen und Ursache von Schizophrenie geheilt werden.
| Kurzfassung |
| Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Schizophrenie als eine traumabedingte Ich-Störung verstanden werden kann. Gleich einem Schockerlebnis, wird eine Traumaerfahrung als so schmerzhaft empfunden, das es als Schutz zur Abspaltung von Körper, Gefühlen und Gedanken kommt. Trauma führt zu einem Zustand der Entfremdung vom eigenen Körper und der Umwelt.
Bei Psychosen kann dies in ein tiefes Gefühl münden, nicht mehr im eigenen Körper „zu Hause“ zu sein oder die Kontrolle über die körperliche Existenz verloren zu haben. Bei dieser Abspaltung kommt es zu einer Distanzierung vom eigenen Körper, bei der der Körper aufhört, mit dem Ich und der Welt verbunden zu sein, und zum Objekt der Beobachtung wird, wodurch er sich fremd anfühlt.
Psychose-Betroffene erleben oft eine Aufhebung der Grenzen zwischen dem "Ich" und der Umwelt. Sinnesreize werden nicht mehr als Teil des Selbst erlebt, was zu einem Gefühl der Unwirklichkeit oder Entfremdung vom eigenen Körper führt. Bei Psychosen ist das Gefühl, dass Gedanken oder Handlungen nicht zum eigenen „Ich“ gehören oder von außen beeinflusst werden, zentral, was als Ich-Störung bezeichnet wird. Dies ähnelt den Phänomenen der Entkörperung, das Gefühl, neben sich zu stehen oder fremdgesteuert zu sein.
Die Schizophrenie wird heute oft in einem Kontinuum mit Traumafolgestörungen gesehen. Ein Subtyp der Schizophrenie, geschätzt 25–40 % der Fälle, ist durch ein besonders hohes Maß an Dissoziation (Abspaltung und Entköperung) und eine klare Traumahistorie gekennzeichnet.
Die kausale Kette: 1. Trauma - 2. Entkörperung - 3. Ich-Störung - 4. Psychosen
Dieser Zusammenhang stellt einen Wandel grundlegender Erklärungsweisen im Verständnis von Schizophrenie dar – von einer rein genetischen Hirnerkrankung hin zu einem komplexen Krankheitsbild, das häufig in Entwicklungstraumata wurzelt und bei dem ein gespaltenes Selbstgefühl und Ich-Bewusstsein im Mittelpunkt steht. Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind nicht bloß "bedeutungslose Äußerungen eines kranken Gehirns", sondern sinnvolle, wenn auch bizarre Versuche, der Welt einen Sinn zu geben, nachdem das "Selbst" gespalten wurde.
1. Trauma
Trauma, insbesondere in der Kindheit, gilt als einer der am stärksten gesicherten Risikofaktoren für die Entwicklung von Psychosen und Schizophrenie. Das Risiko, an einer Psychose zu erkranken, ist bei Menschen mit traumatischen Erlebnissen statistisch 3- bis 15-mal höher.
Traumata erhöhen die psychische Verletzlichkeit und beeinträchtigt die Entwicklung eines stabilen Selbstgefühls. Insbesondere Kindheitstraumata können die Hirnentwicklung und das Stressregulation dauerhaft desensibilisieren oder überaktivieren, wodurch spätere Stressoren eher eine psychotische Krise auslösen können. Die emotionale Verarbeitung und kognitive Funktionen sind gestört. Eine erhöhte Stressempfindlichkeit und verringerte Fähigkeit mit schwierigen Gefühlen umzugehen, begünstigt wiederum die Entwicklung von Symptomen wie Verfolgungswahn und Angstzuständen.
2. Entkörperung
Trauma, insbesondere zwischenmenschliche Gewalt und sexueller Missbrauch, stört das "minimale Selbst", das grundlegende Gefühl, mit dem Körper verbunden zu sein. Analysen zeigen, dass körperliche Selbststörungen, wie etwa Gefühle der Unwirklichkeit oder sich verändernde Körpergrenzen, eine entscheidende Verbindung zwischen Kindheitstraumata und Halluzinationen und Wahnvorstellungen darstellen.

Sexueller und körperlicher Missbrauch stehen in direktem Zusammenhang mit verstärkten Wahrnehmungsstörungen, wie unklare Grenzen, Abspaltung von Körperteilen, was zu einem erhöhten Psychoserisiko führt.
In 25-40 % der Fälle wird eine „dissoziative Schizophrenie“ als mutmaßliche Traumafolge beschrieben. Betroffene mit hoher Entkörperung zeigen oft stärkere psychotische Positivsymptome.
Menschen mit einem erhöhten Psychoserisiko und einer Traumavorgeschichte, berichten von weit verbreiteten, „abnormen Körperempfindungen“ im Zusammenhang mit diesen Erlebnissen. Untersuchungen mittels Netzwerkanalyse ergaben, dass sexueller und emotionaler Missbrauch Halluzinationen und Depressionen durch körperliche Selbststörungen auslöst.
3. Ich-Störung
Die Ich-Störung gilt als der "unveränderlicher Kern" der Schizophrenie. Es beschreibt eine Erschütterung des Gefühls, der Urheber der eigenen Gedanken und Handlungen zu sein. Wenn dieses Fundament bröckelt, können Gedanken als "von außen eingegeben" oder der eigene Körper als fremd erlebt werden.
Ein zentraler Aspekt der Ich-Störung der Körper nicht mehr als integraler Bestandteil des Selbst, sondern als ein objektartiges, mechanisches oder fremdes Gebilde erfahren wird. Betroffene fühlen sich oft "getrennt" von ihrem Körper oder nehmen körperliche Grenzen nicht mehr klar wahr.
Bei Psychosen und Schizophrenie ist die Gewissheit, dass mein Erleben mein Erleben ist, gestört. Betroffene erleben, dass die Grenze zwischen ihrem „Ich“ und der Umwelt durchlässig wird. Das Gefühl, andere könnten die eigenen Gedanken lesen oder fremde Gedanken würden in den Kopf „eingepflanzt“. Handlungen oder Gefühle werden als von außen gesteuert wahrgenommen.
Die Abspaltung des Körpers, der Gefühle und Gedanken und ihre Folgen
Die Abspaltung des Körpers verändert die Bedeutung gewöhnlicher Objekte, die die klare Darstellung der Außenwelt verlieren. Es kommt zu einem Verlust von unmittelbaren Bedeutungen, die den Dingen in der Welt zugeordnet werden können, was in der Ratlosigkeit vor der Wahnvorstellung in einer Psychose geschieht. Da Dinge nicht greifbar sind, erscheinen sie als ohne ihre gewöhnliche Bedeutung , also die Art und Weise, wie man sie normalerweise verwendet. Es können neue Bedeutungen entstehen, wie bei wahnhaften Wahrnehmungen. Es entsteht eine ungewöhnliche Perspektive auf die Welt und neue Bedeutungen - die Suche nach dem, was real oder unwirklich ist - entstehen.
Ein weiteres Merkmal der Entkörperlichung ist die Neigung zur Abstraktion. Wörter werden der Situation entfremdet, auf die sie sich normalerweise beziehen, und der Bedeutung, die sie je nach Kontext annehmen würden, in dem sie verwendet werden. Worte werden nicht mehr verwendet, um eine Welt zu teilen, sondern um eine alternative oder eine eigene Welt zu schaffen. Was zum Beispiel als Metapher gemeint ist, wird wörtlich genommen, entfremdet und Teil von Wahnvorstellungen. (1)
Die Abspaltung der Gefühle
Der Körper ist der physische Anker für soziale und emotionale Erfahrungen. Zu den körperlichen Selbststörungen bei Schizophrenie gehört auch ein mangelhafter Ausdruck und Verarbeitung von Gefühlen durch den Körper. Insbesondere berichteten Personen mit Schizophrenie über weniger differenzierte und weniger körperliche Empfindungen von Emotionen. Anomale emotionale Defizite gelten seit langem als zentral für Schizophrenie. Ein „Flacher“ und „unangemessener“ Gefühlsausdruck ist ein Kernmerkmale der Erkrankung.
Entstehung von positiven und negativen Symptomen
Bei Schizophrenie gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die die komplexe und vielschichtige Erkrankung kennzeichnen und unterscheidbar macht von anderen psychischen Erkrankungen und von einem funktionalen Geisteszustand. In der wichtigsten Skala für Schizophrenie zur Bestimmung der Symptome und ihrer Besserung, der positiven und negativen Symptomskala (PANSS) werden 30 verschiedene Symptome genannt und zeigt wie komplex diese Erkrankung ist.
Es sind positive Symptome, wie Wahn, Halluzinationen und Denk- und Sprachstörungen. Desweiteren negative Symptome, wie Affektverflachung (wenig Gefühle), emotionaler Rückzug, wenig Einfühlungsvermögen, wenig vertrauensvolle Beziehungen, soziale Passivität und Teilnahmslosigkeit. Dazu kommen allgemeine Symptome, wie Depressionen, Angst, Schuldgefühle, Anspannung, ungewöhnliche Denkinhalte, Desorientiertheit und kognitive Symptome wie Konzentrations- und Gedächtnisschwäche. (ausführlich s. Artikel)
Ein Grundverständnis, welche Basis-Störung allen Symptomen zu Grunde liegt, bietet das Konzept der Ich-Störung oder Selbst-Störung. Die subjektiven Gefühle des Körpers verändern sich während der Entkörperung, was zu einer falschen Zuordnung innerer Zustände, normaler Gefühle und einer Entkopplung von körperlichen Ausdruck führt, was zu außergewöhnlichen, wahnhaften Erklärungen führen kann. Es kommt zu verstärkten positiven Symptomen.
Die Abspaltung von Gefühlen verursacht auch die negativen Symptome. Dazu gehört Unterdrückung von Emotionen, wie Wut, Trauer, Schmerz aber auch von Freunde, (sexuelle) Lust was Depressionen, Motivations- und Antriebslosigkeit zur Folge hat.
Apathie ist ein Mangel an Gefühlen, Emotionen, Interesse oder Sorge um etwas. Es ist ein Zustand der Gleichgültigkeit. Eine apathische Person hat kein Interesse an emotionalem, sozialem, spirituellem, philosophischem, virtuellem oder physischem Leben und der Welt. Apathie kann auch als mangelnde Zielorientierung einer Person definiert werden.
Wenig vertrauensvolle Beziehungen und mangelndes oder überhöhtes sexuelles Interesse und Aktivität. Unfähigkeit, Intimität und Nähe zu empfinden, wenig Beziehungen zu Freunden und Gleichaltrigen. Mangel an Motivation, sich an sozialer Interaktion zu beteiligen oder einsame Aktivitäten zu bevorzugen.
Zwischenmenschliche Beziehungen
Das Erkennen und Ausdrücken emotionaler Zustände ist entscheidend für die Kommunikation innerer Empfindungen und Absichten mit anderen. Bei Personen mit Schizophrenie sagt eine abnormale Verkörperung von Emotionen eine schlechte soziale Funktion voraus.
Schizophrener Autismus kann auf die Unfähigkeit zurückzuführen sein, sich emotional auf andere einzustimmen. Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Die Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen oder Verhaltensanpassungen an soziale Situationen sind selten angemessen. Diese soziale Welt verliert ihren Charakter als Netzwerk von Beziehungen zwischen Menschen, die von Emotionen bewegt werden, und verwandelt sich in ein kühles, unverständliches Spiel, von dem sich der schizophrene Mensch ausgeschlossen fühlt. (1)
Die Abspaltung von Gedanken
Durch Abspaltung von Gedanken kommt es zur Störungen im Gedankenfluss. Es kann auch vorkommen, dass unkontrolliert mehrere Gedankengänge zu unterschiedlichen Themen gleichzeitig durch den Kopf gehen, ein erlebtes Chaos unzusammenhängender Gedanken, die die Konzentration beeinträchtigen ( Gedankendruck ). Desweiteren kann eine ungewöhnlich lange und intensive Selbstreflexion eintreten, das Nachdenken über sich selbst (Hyperreflexivität) sowie „Gedankenverlust und Fremdbeeinflussung“, ein Gefühl, als ob die Gedanken nicht die eigenen sind. Durch die Abspaltung von Gedanken, enstehen Illusionen wie Gedankenausbreitung, Gedankeneingebung, Gedankenentzug.
Die Sprache bekommt eine verminderte Fließfähigkeit, Verzerrungen im Ausdruck, die dazu führen, dass andere es missverstehen. Ablenkung durch einzelne Wörter, was zu Schwierigkeiten führt, dem Gespräch anderer zu folgen, etwas zu lesen oder zu hören. Weitere Folgen einer Abspaltung von Gedanken sind typische positive Symptome wie Wahnideen und Halluzinationen.
4. Psychosen
Eine Psychose kann als eine Form der Krankheitsverarbeitung oder als verzögerte Reaktion auf extreme Trauma-Belastungen verstanden werden. Der schizophrene Wahn kann als Versuch verstanden werden, mit dem Verlust des Selbst und der Übermacht fremder traumatisierender Einflüsse umzugehen.
Psychotische Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen werden oft als der Versuch des Gehirns interpretiert, die grundlegenden Störungen des Selbst und des Körpers zu erklären oder zu kompensieren. So können beispielsweise akustische Halluzinationen (Stimmenhören) aus der Externalisierung eigener, nicht mehr als "mein" erkannter Gedanken resultieren.
Selbststörungen der Selbsterfahrung gehen oft der ersten akuten psychotischen Episode voraus und treten mitunter Jahre im Voraus auf. Diese Störungen äußern sich in einem verminderten Selbstgefühl, durchlässigen Grenzen und einem schwindenden Präsenzgefühl in der Welt.
Halluzinationen, wie Stimmenhören können als einschießende Trauma-Erinnerungen interpretiert werden, die aufgrund der Schwere des Traumas nicht mehr als eigene Erinnerung, sondern als äußere Stimme wahrgenommen werden. Halluzinationen sind höchst subjektive Interpretationen von sich aufdrängende traumatischen Erinnerungen.
Zusammenfassung:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Trauma zu Entkörperung führen kann und eine Selbststörung verursacht, die sich in Form von fragmentierten Gefühlen und Gedanken, Halluzinationen und Wahnvorstellungen manifestiert, die als Psychose bekannt sind. Eine verminderte Körperwahrnehmung führt oft zu einer stärkeren positiven, negativen, kognitiven und allgemeinen Symptomatik.
- Trauma-Erfahrung: Erschüttert die Ganzheit des Individuums.
- Störung des Körper-Selbst: Führt zu einem Gefühl der Entfremdung und des Kontrollverlusts über den eigenen Körper.
- Psychotische Abspaltung: Die Unfähigkeit, diese körperlichen und psychischen Erfahrungen einzubinden, mündet in Wahn und Halluzinationen.
Therapeutische Ansätze
Die hohe Häufigkeit von Traumata (bis 87%) bei Menschen mit Schizophrenie ist anzuerkennen und für eine genaue Diagnose und Therapie von entscheidender Bedeutung. Eine traumasensible Behandlung ist eine Voraussetzung für die Genesung von Psychosen und Schizophrenie. Antipsychotika, können Belastungen, die auf frühkindliche Widrigkeiten zurückzuführen sind, nicht auflösen sondern nur unterdrücken und in schwerer zugängliche Schichten des Bewusstsein verschieben und so eine Trauma-Aufarbeitung sogar verhindern.
Da Schizophrenie eine Störung der Entkörperung ist, sind Therapien wirksam, die ein Gefühl der Körperzugehörigkeit wiederherstellen und dabei helfen, ein stabileres und geschlossenes Selbstbild wieder zu erlangen. Es sind z.B. Yoga, Qi Gong, Tanz- und Bewegungstherapie, Körperpsychotherapie, die zur Reduzierung positiver und negativer Symptome beitragen. |
1. Trauma, Abspaltung, Selbststörung und Psychosen
Die Familiengeschichte und ein frühkindliches Trauma haben als Einzelfaktor den größten Einfluss auf die Entwicklung einer Schizophrenie. Unter den zahlreichen Symptomen und Risikofaktoren für Psychosen ist die Belastung durch Traumata weit verbreitet. Tatsächlich berichten bis zu 80 % der Personen, die die Kriterien für ein Hochrisiko für ein Psychose-Syndrom erfüllen, über eine Traumageschichte.
Es gibt starke Beweise dafür, dass Widrigkeiten in der Kindheit auftraten, wie sexueller Missbrauch, körperlicher Missbrauch, emotionaler/psychischer Missbrauch, Vernachlässigung, Tod eines Elternteils und Mobbing. Das Risiko für Psychosen im Erwachsenenalter ist bei Menschen mit traumatischen Erlebnissen statistisch 3- bis 15-mal höher.
Es wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Kindheitstraumata und schizophrenen Symptomen festgestellt, wobei Kindheitstraumata mit den schwersten Formen positiver Symptomatik im Erwachsenenalter verbunden sind, insbesondere Halluzinationen und affektive Symptome, wie Depressionen, Antriebsarmut, Verlust von Interesse und Freude, Konzentrations- und Denkstörungen, Störungen des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens, Gefühle von Wertlosigkeit und Schuldgefühle und Zukunftsängste.
Ein traumatisches Erlebnis ist ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis, das die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt und den betroffenen Menschen mit Gefühlen der Hilflosigkeit, intensiver Angst oder Entsetzen überflutet. Dissoziation, also die Abspaltung von Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen oder Handlungen, ist eine Möglichkeit, diese traumatische Situation zu überstehen. Die Aufspaltung der Persönlichkeit ermöglicht das Überleben in solch ausweglosen Lebensverhältnissen. Durch die Abspaltung von Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen wird versucht, der traumatischen Belastung zu entgehen, also weniger Schmerz zu fühlen. Diese Abspaltung ist keine Entscheidung, sondern geschieht unwillkürlich und ist von den Betroffenen nicht steuerbar.
Was eine Hilfe als Kind in dieser Situation ist, führt jedoch im frühen Erwachsenenalter dazu, dass sich dieses nützliche Schutzverhalten und unterdrückten Emotionen umkehrt in eine illusorische Ich-Perspektive. Die Folge ist eine dissoziative Ich-Störung, eine durch das Trauma verursachte tiefgreifende Transformation der Selbstwahrnehmung, die vor oder bei dem Einsetzen psychotischer Symptome erfolgt. Ich-Störungen sind u.a. Abspaltungen mit einem Gefühl des Loslösens vom Selbst, dem Körper und/oder der Umgebung. Das reale Ich und die Welt werden verschoben oder "verrückt" wahrgenommen. Der "Wahn" -sinn einer Psychose entsteht also aus der Abspaltung des Selbst, aus der Selbststörung.

2. Die Abspaltung des Körpers, der Gefühle und Gedanken und ihre Folgen
Schizophrenie wird als eine grundlegende Störung des verkörperten Selbst bzw. als Entkörperlichung angesehen. Dazu gehört eine Schwächung des grundlegenden Selbstgefühls, eine Störung der Körperfunktionen und als Folge davon ein Gefühl der Trennung von der Außenwelt.
Ohne ein innerlich fest verankertes körperliches Selbstgefühl erleben Menschen mit Schizophrenie oft ein vermindertes Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl. Das eingeschränkte Selbstbewusstsein von Menschen mit Schizophrenie wird durch ihr oft gestörtes nach innen gerichtetes Bewusstsein noch verstärkt. Es fehlt ein Bewusstsein der eigenen Körperempfindungen und der Körpersignale.
Menschen denen Schizophrenie diagnostiziert wurde, können Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Körpersignale sowie die anderer zu interpretieren. Dies ist auch auf die Störung der Körpergrenzen zurückzuführen. Ein vermindertes Grenzgefühl kann sowohl in Bezug auf sich selbst als auch auf die Umwelt bestehen.
Typischerweise kommunizieren Körper und Gehirn miteinander, um eine Beziehung innerhalb des eigenen Selbst aufrechtzuerhalten. Diese und andere körperliche Störungen tragen bei Menschen mit Schizophrenie zu einer erheblichen Verschlechterung der Geist-Körper-Verbindung bei, was das Wohlbefinden auf mehreren Ebenen beeinträchtigt.
Symptome einer Schizophrenie können eine direkte Folge der Körperlosigkeit sein. Eine verminderte Körperwahrnehmung führt oft zu einer stärkeren positiven, negativen, kognitiven und allgemeinen Symptomatik, die zu weiteren körperlichen Störungen beiträgt. Dieser negative Kreislauf von Symptomen und körperlichen Störungen verhindert eine gesunde Verbindung von Geist und Körper bei Menschen mit Schizophrenie.
Die Abspaltung des Körpers
Das wesentliche Merkmal der schizophrenen Existenz ist ihre Körperlosigkeit. Eine neuere Sicht auf die Krankheitsentwicklung der Schizophrenie unterstreicht die beeinträchtigte Beziehung zwischen Geist und Körper. Das abweichende Körper- und Lebensgefühl kann die eigentliche Ursache für das Leiden von Psychose-Patienten sein und Auswirkungen auf die Symptomatik haben. Entkörperlichung ist das Merkmal, das die verschiedenen Dimensionen der schizophrenen Existenz vereint:
1. Entkörperlichung des Selbst
2. Selbst-Objekt-Beziehung und der
3. zwischenmenschlichen Beziehungen
Dies ist die Art der Welt, in der der schizophrene Mensch wie ein seelenloser Körper oder ein körperloser Geist lebt und sich verhält.
Die Entkörperlichung des Selbst

Im ersten Bereich offenbart der schizophrene Mensch aufgrund der körperlosen Sicht auf den Organismus die Überzeugung über den abgespalteten Körper. Das Hauptproblem einer gestörten Selbstwahrnehmung wirkt sich auf die täglichen Aktivitäten aus.
Das eingeschränkte Körper- und Lebensgefühl ist der deutlichste Ausdruck der Form, die das schizophrene Leben als abgespalteter Körper zeigt. D.h. der Mensch mit Körper, dem die Möglichkeit entzogen ist, persönliche Erfahrungen – Wahrnehmungen, Gedanken, Emotionen – als seine eigenen zu leben. Und auch als körperloser Geist, d. h , als eine Art abstrakte Einheit, die ihre eigene Existenz von außen betrachtet – eine perspektivische Ansicht einer dritten Person oder eine Ansicht aus dem Nichts.
Mit abgespaltetem Körper erlebt der schizophrene Mensch ein spezifisches Gefühl des Präsenzverlusts. In den leichtesten Fällen fühlt er sich von sich selbst und seinen Handlungen und Erfahrungen losgelöst. Die Nahtstelle zwischen Geist und Körper scheint auseinandergerissen worden zu sein.
In den schlimmsten Fällen beschreibt er sich selbst als leer und hohl: „In meinem Körper ist nichts, es ist nur ein Rahmen“, „In meiner Brust ist nichts, nur ein großes Loch“. Die Hohlheit äußert sich in Bewegungen als mangelnder Kontakt zwischen den verschiedenen Körperteilen: „Wenn ich mich bewege, kommt es mir vor, als ob ich etwas verliere, so als würde mein ganzer Körper mich verlassen. Die Wirbelsäule oder so etwas geht unsichtbar durch das Fleisch.“ Organe verlieren ihre Masse und damit auch ihre Fähigkeit, eine gegenseitige Bindung einzugehen, die als Kraft wirkt, die sie zusammenhält. (1)
Dieser Zustand ist durch eine völlige Mechanisierung des Körpers gekennzeichnet: „Ich bin mit einem Blasenentleerer, den ich an- und ausschalten kann, und einem Analvertreiber gesegnet.“ Sie fühlen sich an wie mechanische Nachbildungen lebender Organismen: „Ich bin eine Psychomaschine“ – sagt ein Patient.
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Im Rahmen einer Analyse wurden die berichteten körperlichen Empfindungen, die auf einen bestimmten Körperteil beschränkt waren, und generalisierte Empfindungen, die den gesamten Körper betrafen, kategorisiert.
Darstellung der zusammengefassten Körperkartendaten, lokalisiert auf den Kopf (A) und auf Hals, Schultern und Arme (B). Schwarze Schrift enthält Zitate der Teilnehmenden, graue Schrift kennzeichnet die jeweils gleichzeitig auftretende Halluzinationsmodalität. (6)
Darstellung der zusammengefassten Körperkartendaten, lokalisiert auf Brustkorb und Bauch (A) sowie Becken, Beine und Füße (B). Schwarze Schrift enthält Zitate der Teilnehmenden, graue Schrift kennzeichnet die jeweils gleichzeitig auftretende Halluzinationsmodalität. (6)
Die Selbst-Objekt-Beziehung
Der zweite beschriebene Bereich verändert die Bedeutung gewöhnlicher Objekte, die die klare Darstellung der Außenwelt verlieren.
Eine zweite Art und Weise, wie Menschen mit Schizophrenie ihren eigenen Körper erleben, ist die des körperlosen Geistes oder des unkörperlichen, rein theoretischen Bewusstseins. Sie leben als bloße Zuschauer ihrer eigenen Wahrnehmungen, Handlungen und Gedanken: „Die Welt ist eine Illusion, weil sie durch ein Gehirn gesehen wird“; „Wenn der Geist leer ist, funktioniert er wie ein Plotter oder eine Kamera.“
Die umfassende Krise der Verkörperung bringt Abweichungen der Selbst-Objekt-Beziehungen und der Bedeutungsgebung mit sich. Wenn die körperbasierte Beteiligung an der Welt ausgeschaltet wird, schwindet auch der Zugriff auf die Welt. Objekte in der Welt stehen nicht unmittelbar als Dinge mit dem Körper in Beziehung. Sie werden unbrauchbar und scheinen ohne praktische Bedeutung zu sein. Es kommt zu einem Verlust von unmittelbaren Bedeutungen, die den Dingen in der Welt zugeordnet werden können, was in der Ratlosigkeit vor der Wahnvorstellung in einer Psychose geschieht.
Da Dinge nicht greifbar sind, erscheinen sie als ohne ihre gewöhnliche Bedeutung, also die Art und Weise, wie man sie normalerweise verwendet. Es können neue Bedeutungen entstehen, wie bei wahnhaften Wahrnehmungen, die keine praktischen Bedeutungen im gewöhnlichen Sinne sind, also das Alltagsleben ausgerichtet sind.
Beispielsweise empfindet ein Betroffener in einer Psychose einen Hund, der sein Bein vor sich hebt, als „eine wahre Offenbarung“. Was in wahnhaften Wahrnehmungen, wie Beziehungswahn, zum Vorschein kommt, ist ein zu stark wahrgenommenes Detail, das die Person anspricht und dadurch ein neues Verständnis der Welt oder eine neue Identität offenbart, die tiefer und persönlicher ist.
Ein symbolträchtiges Beispiel einer Inszenierung ist das Folgende: Ein schizophrener Mensch sagt, wenn er im Theater sitzt, konzentriere er sich nicht auf das, was auf der Bühne passiert, da er nicht anders kann, als darüber nachzudenken, was sich hinter der Bühne abspielt. Es entsteht eine ungewöhnliche Perspektive auf die Welt und neue Bedeutungen - die Suche nach dem, was real oder unwirklich ist - entstehen.
Die Suche nach persönlicher Identität und dem eigenen Platz in der Welt stellen eine neue und eigenartige Art der Gestaltung in schizophrenen, körperlosen Selbst-Welt-Beziehungen dar.
Wörter und Sprache
Ein weiteres Merkmal der Entkörperlichung ist die Neigung zur Abstraktion. Wörter werden der Situation entfremdet, auf die sie sich normalerweise beziehen, und der Bedeutung, die sie je nach Kontext annehmen würden, in dem sie verwendet werden. Auch Wörter werden körperlos und entsituiert und erlangen eine eigene Existenz. Worte werden nicht mehr verwendet, um eine Welt zu teilen, sondern um eine alternative oder eine eigene Welt zu schaffen. Was zum Beispiel als Metapher gemeint ist, wird wörtlich genommen, entfremdet und Teil von Wahnvorstellungen. (1)
Zwischenmenschliche Beziehungen
Die fehlerhafte Strukturierung des Selbst, durch Entkörperung und der Loslösung von den eigenen Emotionen und Gedanken, kann zu einem Hindernis für den Austausch zwischen dem Selbst und andren Menschen werden.
Schizophrener Autismus kann auf die Unfähigkeit zurückzuführen sein, sich emotional auf andere einzustimmen. Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Die Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen oder Verhaltensanpassungen an soziale Situationen sind selten angemessen.
Schizophrener Autismus spiegelt die grundlegende Zerbrechlichkeit des Selbst wider, das heißt seine grundlegende Unvollständigkeit, die zu problematischen Beziehungen, Begegnungen und Konfrontationen mit dem anderen führt. Die Loslösung von der sozialen Welt scheint auf das Fehlen dieser grundlegenden Struktur zurück zu führen zu sein, die notwendig und in der Tat entscheidend ist, um ein Selbst zu sein und somit an sozialen Beziehungen teilzunehmen.
Diese soziale Welt verliert ihren Charakter als Netzwerk von Beziehungen zwischen Menschen, die von Emotionen bewegt werden, und verwandelt sich in ein kühles, unverständliches Spiel, von dem sich der schizophrene Mensch ausgeschlossen fühlt. (1)
Die Verkörperung von Emotionen
Zu den körperlichen Selbststörungen bei Schizophrenie gehören ein gestörtes Körpereigentum, eine beeinträchtige Entscheidungsfreiheit, eine gestörte Ich-Umwelt-Unterscheidung und auch mangelhafter Ausdruck und Verarbeitung von Gefühlen und Gedanken durch den Körper (Verkörperung).
Verkörperung ist besonders wichtig für das Selbstgefühl und das soziale Funktionieren, da der Körper die Erfahrung des Selbst, der Empfindungen und Emotionen verankert. Das subjektive Erleben von Emotionen entsteht durch Veränderungen im Körper. Gängige Ausdrücke wie „Kochen vor Wut“ unterstreichen die Rolle innerer Körperempfindungen bei emotionalen Erfahrungen.
Empirische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Aktivitätsmuster im Körper (z. B. Temperatur, Schmerz und Erregung) und im Gehirn mit subjektiven Gefühlen verschiedener Emotionen verbunden sind. Die Verkörperung von Emotionen ermöglicht die interne Simulation der impulsartigen Gefühlsregungen anderer, die für das Verständnis der Gefühle anderer Menschen notwendig ist, und schafft die Voraussetzungen für den angepassten zwischenmenschlichen Austausch. Bei Personen mit Schizophrenie sagt eine abnormale Verkörperung von Emotionen eine schlechte soziale Funktion voraus.
2. Die Abspaltung von Gefühlen

Der Körper ist der physische Anker für soziale und emotionale Erfahrungen. Tatsächlich hängt das subjektive Erleben unserer Emotionen von unserer Wahrnehmung physiologischer Veränderungen im Körper ab. Das Erkennen und Ausdrücken emotionaler Zustände ist wiederum entscheidend für die Kommunikation innerer Empfindungen und Absichten mit anderen.
Anomale Verkörperung und sozioemotionale Defizite gelten seit langem als zentral für Schizophrenie. „flache“ und „unangemessene“ Affekte sind Kernmerkmale der Erkrankung. Auf der Ganzkörperebene fand eine aktuelle Studie Hinweise auf eine anomale emotionale Verkörperung bei Personen mit Schizophrenie. Insbesondere berichteten Personen mit Schizophrenie über weniger differenzierte und weniger körperliche Empfindungen von Emotionen.
Diese Unterschiede in der emotionalen Verkörperung bei Schizophrenie wurden kürzlich in verschiedenen Kulturen bestätigt. Darüber hinaus wurde eine anomale emotionale Verkörperung mit zwischenmenschlichen Defiziten bei Schizophrenie in Verbindung gebracht.
Mithilfe eines computergestützten Kartierungstools konnte gezeigt werden, dass unterschiedliche emotionale Erfahrungen mit einzigartigen Mustern körperlicher Empfindungen verbunden sind. Statistische Analysen bestätigte die Unabhängigkeit der topografischen Darstellung jeder der 14 untersuchten Emotionen. Die Grafik zeigt die Unfähigkeit von Menschen mit Schizophrenie starke Emotionen zu fühlen und auszudrücken:

Die Folgen einer Abspaltung von Gefühlen
Verstärkte positive Symptome: Eine aktuelle Studie dokumentierte eine verminderte körperliche Aktivierung und eine erhöhte körperliche Deaktivierung im Zusammenhang mit Emotionen bei Personen mit hoher Neigung zu Halluzinationen. Die subjektiven Gefühle des Körpers verändern sich während der Schizophrenie (Entkörperung), was zu einer falschen Zuordnung innerer Zustände, normaler Gefühle und einer Entkopplung von körperlichen Ausdruck führt, was zu außergewöhnlichen, wahnhaften Erklärungen führen kann ( 7 ).
Die Abspaltung von Gefühlen verursacht auch die negativen Symptome. Dazu gehören:
Depressionen. Depression heißt Unterdrückung von Emotionen, wie Wut, Trauer, Schmerz aber auch von Freunde, (sexuelle) Lust was Motivations- und Antriebslosigkeit zur Folge hat.
- Anhedonie beschreibt eine Vielzahl von Defiziten, einschließlich verminderter Motivation oder Fähigkeit, Freude zu erleben. Mangel an Freizeitinteressen und -aktivitäten. Unfähigkeit Vergnügen zu erleben, reduzierte Motivation, reduziertes Genussvergnügen und Defizite beim bestärkenden Lernen.
- Avolition ist Abnahme der Fähigkeit, selbstgesteuerte, zielgerichtete Aktivitäten zu beginnen und daran festzuhalten. Zu den vernachlässigten Aktivitäten gehören in der Regel Routinetätigkeiten wie Pflege und Hygiene sowie Hobbys, der Gang zur Arbeit und/oder zur Schule und vor allem soziale Aktivitäten. Eine Person, die unter Avolition leidet, kann längere Zeit zu Hause bleiben, anstatt Arbeit oder Beziehungen zu Gleichaltrigen zu suchen.
- Apathie ist ein Mangel an Gefühlen, Emotionen, Interesse oder Sorge um etwas. Es ist ein Zustand der Gleichgültigkeit oder das Unterdrücken von Emotionen wie Sorge, Aufregung, Motivation oder Leidenschaft. Eine apathische Person hat kein Interesse an emotionalem, sozialem, spirituellem, philosophischem, virtuellem oder physischem Leben und der Welt. Apathie kann auch als mangelnde Zielorientierung einer Person definiert werden.
- Affektverflachung (wenig Gefühle). Unveränderlicher Gesichtsausdruck, Verringerte spontane Bewegungen, Mangel an ausdrucksvollen Gesten, schlechter Blickkontakt, eine mangelnde Aufhellbarkeit der Stimmung auf positive Ereignisse, Mangel an stimmlichen Beugungen, unangemessene Gefühlsreaktionen.
- Emotionaler Rückzug (wenig Gefühle zu anderen Menschen). Soziale Unaufmerksamkeit, Unaufmerksamkeit bei den Gefühlen anderer.
- Mangelnder affektiver Rapport (wenig vertrauensvolle Beziehungen). Mangelndes oder überhöhtes sexuelles Interesse und Aktivität. Unfähigkeit, Intimität und Nähe zu empfinden, wenig Beziehungen zu Freunden und Gleichaltrigen.
- Asozialität (soziale Passivität). Asozialität bezieht sich auf den Mangel an Motivation, sich an sozialer Interaktion zu beteiligen oder einsame Aktivitäten zu bevorzugen. Asozialität kann aber darüber hinaus eine begrenzter Möglichkeiten für soziale Beziehungen sein.
- Alogia - Spracharmut, Armut des Sprachinhalts, Unvermögen grammatikalisch richtige und in sich logische Sätze zu bilden, Blockierung, verlangsamte Reaktionen.
3. Die Abspaltung von Gedanken
Durch Abspaltung von Gedanken kommt es zur Störungen im Gedankenfluss.
Es kann auch vorkommen, dass unkontrolliert mehrere Gedankengänge zu unterschiedlichen Themen gleichzeitig durch den Kopf gehen, ein erlebtes Chaos unzusammenhängender Gedanken, die die Konzentration beeinträchtigen (Gedankendruck ). Das führt dazu sich mit voller Aufmerksamkeit auf Dinge konzentrieren müssen, um das zu erledigen, was die meisten Menschen tun können, ohne sich viel Mühe zu geben, was zu Erschöpfung führen kann.
Desweiteren kann eine ungewöhnlich lange und intensive Selbstreflexion eintreten, das Nachdenken über sich selbst (Hyperreflexivität) sowie „Gedankenverlust und Fremdbeeinflussung“, ein Gefühl, als ob die Gedanken nicht die eigenen sind. Durch die Abspaltung von Gedanken, enstehen Illusionen wie:
- Gedankenausbreitung - eigene Gedanken gehen auf andere über
- Gedankeneingebung - Gedanken werden von Fremden in den Kopf eingegeben
- Gedankenentzug - eigene Gedanken werden von außen entzogen
Fremdsteuerung - Gedanken, Handeln bzw. Körperfunktionen werden als fremdgesteuert empfunden. - Die eigenen Gedanken, Ideen und Gefühle können mit denen eines Gesprächspartners verwechselt werden.
Die Sprache bekommt eine verminderte Fließfähigkeit und Störungen in der Muttersprache, Verzerrungen im Ausdruck, die dazu führen, dass andere es missverstehen Probleme mit konkreten und abstrakten Konzepten und Ablenkung durch einzelne Wörter und Phrasen, was zu Schwierigkeiten führt, dem Gespräch anderer zu folgen, etwas zu lesen oder zu hören. Weitere Folgen einer Abspaltung von Gedanken sind typische positive Symptome wie Wahnideen und Halluzinationen.
Studien und Quellen
(1) Embodiment and schizophrenia. GIOVANNI STANGHELLINI, 2009
(2) Disembodied Language in Early-Onset Schizophrenia.Przemysław Zakowicz, Maria Skibińska, and Joanna Pawlak, 2022
(3) Embodiment of emotion in schizophrenia in the context of culture. Hyeon-Seung Lee, Lénie J. Torregrossa, Sunil Shenoy, Sohee Park, 2022
(4) Self-disorders and psychopathology: a systematic review. Mads Gram Henriksen, Andrea Raballo, Julie Nordgaard, 2021
(5) The Self on the Spectrum: A Meta-Analysis of the Evidence Linking Basic Self Disorders and Schizophrenia. Andrea Raballo, Michele Poletti, Antonio Preti and Josef Parnas, 2021
(6) The feeling, embodiment and emotion of hallucinations in first episode psychosis: A prospective phenomenological visual-ecological study using novel multimodal unusual sensory experience (MUSE) maps, Katie Melvina, ∙ Jon Crossley, DClinPsya,b ∙ John Cromby, 2021