SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG | 3. Ich-Störung und Psychosen
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Phoenix -
22. März 2026 um 09:30 -
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SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG |
3. Ich-Störung und Psychosen
Die mehrteilige teilige Reihe, SCHIZOPHRENIE UND GESUNDUNG, befasst sich mit dem Zusammenhang von Trauma und Psychosen/Schizophrenie, um daraus folgend Therapien und Heilmethoden auf den 5 Ebenen der Heilung in ihrer Wirkung besser zu verstehen und zu motivieren.
Die Artikel 1. Kindheitstrauma, 2. Abspaltung und Entkörperung, 3. Ich-Störung und Psychose, 4. Negative Glaubensmuster und Wahnideen, 5. Emotionen und Psychose zeigen eine Entwicklung auf, die schließlich zu schizophrenen Erkrankung führen kann. Im Artikel 6. Wahn und Sinn wird deutlich, das Psychosen einen Sinn haben, eine Strategie sind, seltsame und traumatische Erlebnisse zu überleben – als eine gesunde Reaktion auf unsinnige Umstände.
Der Prozess der Gesundung erfolgt auf den 5 Ebenen der Heilung. Das heißt mit der Regulation der Symptome mit Hilfe verschiedener natürlicher Wirkstoffe auf der stofflichen Ebene (1. Körper-Ebene) , sowie der Entwicklung von Bewusstsein für Körper und Geist zur Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen auf den weiteren Ebenen. So können mit Mind-Body-Therapien und Homöopathie ( 2. Energie-Ebene), Trauma-Psychotherapien (3. Mental-Ebene), Kunst-Therapien (4. Intuitive Ebene) und Meditation (5. Geist-Ebene) traumatische Erfahrungen als Auslöser für Psychosen und Ursache von Schizophrenie geheilt werden.
| Ich-Störung bezeichnet die grundlegende Störung des Selbstgefühls, die oft als Kernphänomen einer psychotischer Erkrankungen und der Schizophrenie gilt. Es handelt sich um ein frühes Erleben von Entfremdung, das dem Ausbruch von Psychosen vorausgeht, und durch Störungen im Wahrnehmen, dem Körpererleben, dem Fühlen und Denken sowie der Welt und sozialen Interaktion gekennzeichnet ist.
Ich Störungen gelten als stabil über die Zeit, auch wenn die akuten psychotischen Symptome abklingen, und beeinflussen die soziale und funktionelle Erholung und prägen das Langzeiterleben der Betroffenen.
Negative Kindheitserfahrungen wie mangelnde Zuwendung, emotionale Vernachlässigung oder abwertende Bezugspersonen können die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls und einer klaren Ich-Identität behindern. Ein überkritischer oder entwertender Erziehungsstil, der Eigenständigkeit unterdrückt, begünstigt Unsicherheiten in der Selbstwahrnehmung.
Eine Ich-Störung wird also ausgelöst durch traumatische Kindheitserlebnisse, denn daraus folgt ein Dissoziation, d.h. der Abspaltung vom Körper mit seinen (schmerzlichen) Gefühlen und Gedanken, als Schutzfunktion, weil die Erfahrungen überwältigend und als Kind nicht verarbeitbar sind. Der Traumatisierte beginnt, eine „subjektive Distanzierung“ von seinem eigenen Körper und der Welt zu erleben, die oft als „Entkörperung“ bezeichnet wird.
Dieses Verhalten ist vergleichbar mit einem Schock, in dem das Schmerzempfinden nach einer Verletzung einige Zeit aussetzt, um funktionsfähig zu sein um sich in Sicherheit zu bringen oder Hilfe zu organisieren zu können. Nach dem Ende der Kindheit zeigen sich meist im frühen Erwachsenenalter als Konsequenz ein deformiertes Gefühl der Ich-Perspektive eine sogenannte Ich-Störung.
Bei einer bestehenden biologischen Anfälligkeit können akute Stressbelastungen oder lebensverändernde Krisen dann zum Ausbruch von Ich-Störungen führen. Auch Schwierigkeiten im Umgang mit intensiven Gefühlen können dazu führen, dass Betroffene das Gefühl für ihr eigenes Ich verlieren oder sich von sich selbst entfremdet fühlen.
Die Beziehung zwischen Selbststörungen und Psychose wird in der aktuellen Forschung als zentrales Bindeglied für das Verständnis von Schizophrenie angesehen. Die Erforschung der Ich-Störung hilft, Schizophrenie nicht nur als Hirnstoffwechselstörung, sondern als tiefgreifende Störung des Erlebens und der Selbstwahrnehmung zu verstehen. Während die klassische Psychiatrie Psychosen oft über Symptome wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen definiert, betrachtet die phänomenologische Forschung die Störung des basalen Selbst oder minimalen Selbst als den eigentlichen Kern der Erkrankung.
Das „minimale Selbst“ bezeichnet das unmittelbare Gefühl, dass meine Erfahrungen meine sind. Bei einer Ich-Störung geht diese automatische Vertrautheit mit sich selbst verloren. Es ensteht eine tiefgreifende Unsicherheit und Instabilität des Bewusstseins für sich selbst. Das grundlegende und automatische Gefühl, als Subjekt der Erfahrung zu existieren, ist gestört. Die „Ich-Perspektive“ oder das „Für-mich-Sein“ der Erfahrung seiner Selbst und der Welt ist stark geschwächt.
Die Kernmerkmale der Ich-Störung sind:
- Körperentfremdung: Das Gefühl, den eigenen Körper nicht vollständig zu bewohnen oder dass er nicht "passt".
- Verminderte Selbstpräsenz: Eine Abnahme des Gefühls, ein „Selbst“ oder ein Akteur des Handelns zu sein. Es ist ein Nachlassen des Gefühls, als Zentrum des Bewusstseins zu existieren, was zu Gefühlen der Leere oder Entfremdung führt. Es entsteht ein Gefühl, nicht wirklich lebendig zu sein, wie ein Roboter zu funktionieren oder dass die eigenen Wahrnehmung, die Gefühle, die Gedanken wie äußere Objekte im Kopf existieren.
- Verlust des „Meinseins“: Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen oder Handlungen fühlen sich nicht mehr so an, als würden sie direkt von sich selbst erzeugt und werden nicht mehr unmittelbar als zum eigenen Selbst zugehörig empfunden.
- Hyperreflexivität: Eine krankhafte gesteigerte Selbstaufmerksamkeit und Selbstbeobachtung, bei der alltägliche, automatische Prozesse, wie das Gehen, das Atmen, der eigene Gedankengang oder die eigene Wahrnehmung intensiv beobachtet und explizit wahrgenommen werden und dadurch als fremdartig oder "dinghaft" empfunden werden.
- Verlust des Selbstverständlichen: Dinge, die für andere selbstverständlich sind, erscheinen rätselhaft oder müssen mühsam intellektuell erschlossen werden.
- Gestörte Weltwahrnehmung: Ein verändertes Weltgefühl, oft gekennzeichnet durch einen Verlust des "gesunden Menschenverstands" oder des vertrauten, automatischen Verständnisses sozialer Signale. Die Welt verliert ihre vertraute, selbstverständliche Bedeutung oder erscheint fragmentiert.
- Radikale Selbstveränderung: Ein tiefes Gefühl, anders zu sein als andere oder nicht vollständig zu existieren.
Selbststörungen treten oft Jahre vor dem ersten psychotischen Schub auf. Bei Jugendlichen in der Prodromalphase (Vorphase) mit einem hohen klinischen Risiko für Psychosen lassen sich Selbststörungen gehäuft feststellen. Sie sind somit ein wichtiges Instrument für die Früherkennung.
Betroffene können gleichzeitig in der geteilten sozialen Welt und einer privaten Welt mit Selbststörungen leben, ohne den Widerspruch als störend zu empfinden. Eine mangelnde Krankheitseinsicht in diesem Stadium wird oft dadurch erklärt, dass Betroffene ihre anomalen Erfahrungen nicht als krankhaft empfinden, sondern als grundlegender Teil ihrer Identität erleben.
Im Gegensatz zu Psychosen, bei denen die Realitätsprüfung gestört ist, werden Selbststörungen als Teil des Selbst erlebt, d.h. der Betroffene erlebt sie als Teil seiner Person, aber als beunruhigende Veränderung. Selbststörungen können sich aber zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen entwickeln, wenn die Selbststruktur weiter zerbricht und sich auflöst.
Der Übergang von der Ich-Störungen zur Psychose
Der Übergang von Selbststörungen zur Psychose beschreibt einen oft schleichenden Prozess, bei dem grundlegende Veränderungen im Erleben des eigenen Selbst in eine akute psychotische Episode übergehen.

Das Auslösen einer Psychose ist ein multifaktorielles Geschehen, und kann durch starken Stress, Traumata oder Substanzkonsum (z. B. Cannabis) begünstigt werden, was eine Dissoziation auslösen kann, die möglicherweise als Mechanismus zur Flucht vor einer unerträglichen Realität dient, bevor man sich vollständig von ihr löst.
Die Psychose wird als ein Scheitern der Kompensation verstanden. Wenn das Selbsterleben zu brüchig wird, versucht das Gehirn, die resultierende Unsicherheit und Angst durch wahnhafte Erklärungen zu strukturieren („Sinnstiftung“ im Chaos). Wenn die Selbststörungen nicht mehr kompensiert werden können, treten Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf, die als akute Psychose diagnostiziert werden. Wahn und Halluzinationen können im Modell der Selbststörung können also als missglückte Versuche des Gehirns interpretiert werden, auf die brüchige Realitätswahrnehmung zu reagieren.
Wahnstimmung
Bevor ein konkreter Wahn entsteht, tritt oft eine Wahnstimmung auf. Die Welt erscheint sonderbar verändert, bedeutungsvoll oder bedrohlich, ohne dass der Betroffene genau sagen kann, warum. Es kommt zur gesteigerte Ratlosigkeit, ein tiefes Gefühl der Verwirrung, der Fremdheit oder des Verlusts des gesunden Menschenverstands. Neutrale Ereignisse (z. B. eine Ampel oder ein Lied im Radio) werden plötzlich als persönlich bedeutsam oder auf sich bezogen wahrgenommen.
Die akute Psychose
Innere Ängste oder Gedanken werden nach außen projiziert und werden so zu äußeren Bedrohungen oder Botschaften. Es treten voll ausgeprägte Symptome auf, wie das deutliche Hören von Stimmen, die von außen kommen, oder der Glaube, dass äußere Kräfte die eigenen Gedanken kontrollieren.
Mit fortschreitender Abnahme des Selbstbewusstseins verfestigen sich die Erfahrungen von Fremdheit oder Entfremdung zu voll ausgeprägten Symptomen wie Paranoia, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
Nicht jede Selbststörung führt zu einer Psychose
Frühzeitig erkannt und behandelt, können Verschlimmerungen verhindert werden. Psychose-Erfahrene können oft durch Erfahrung und Psychoedukation früher erkennen, wann sie die Realität zu verlieren drohen. Das Erkennen von Frühwarnzeichen (wie Schlafstörungen, soziale Rückzug, verändertes Körperempfinden) ist entscheidend, um den Übergang in eine manifeste Psychose zu verzögern oder abzumildern.
Lösungsansätze und Gesundung
Embodiment: Mind-Body-Therapien
Die Entkörperung gilt als Ursache für die Selbststörung - die fehlende Verankerung im Körper und in einer Gemeinschaft sowie die Verbindung zur Natur. Es fehlt das innere distanzierte Bewusstsein. Mind-Body-Therapien sind ein geeignetes Werkzeug die Selbststörung zu überwinden und Prozesse der Gesundung auszulösen.
Recovery-Ansatz: Die Identität
Der Ansatz der sozialen Identität ist ein wesentlicher Bestandteil des Recovery-Konzepts in der psychiatrischen Rehabilitation. Er zielt darauf ab, die persönliche Gesundung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und eine positive Neudefinition des Selbstbildes zu fördern. Menschen streben nach einer positiven sozialen Identität. In der Recovery hilft dies Betroffenen, sich nicht mehr primär über ihre Krankheit, sondern über Mitgliedschaften in Gruppen (z.B. Selbsthilfegruppen, soziale Netzwerke) zu definieren. |
1. Das Identitätsgefühl und das minimale Selbst
Das Identitätsgefühl eines Menschen oder sein Gefühl dafür, wer er als Individuum und in der Beziehung zu anderen ist, kann sich im Laufe seines Lebens in verschiedenen Lebensabschnitten, wie Schule, Beruf, Familiengründung, aber auch bei einer Erkrankung verändern.
Betroffene beschreiben, dass das Erleben einer Ich-Störung, einer Psychose sowie die Diagnose von Schizophrenie, als einen tiefgreifenden Umbruch ihres Identitätsgefühls und ihres Lebens.
Das minimale Selbst
Das Gefühl des minimalen Selbst bezieht sich auf das grundlegende Gefühl, eigene Erfahrungen zu machen. Es hat keine Eigenschaften, im Gegensatz zum erweiterten Selbst, das sich aus Eigenschaften wie der Identität der Person, der Erzählung der Person, ihren Vorlieben und Abneigungen und anderen Aspekten zusammensetzt, die das Ergebnis der Beschreibung über sich selbst sind.
Das minimale Selbst bezieht sich auf die „Mein-Zugehörigkeit“ der Erfahrung, dass die Erfahrungen, die eine Person macht, die eigen sind. Diese Erfahrungen, die Teil des minimalen Selbst sind, sind normalerweise selbstverständlich und erfordern kein Nachdenken darüber seitens der erlebenden Person, um zu wissen, dass es sich um die eigene Erfahrung handelt, die ihr gehört.
Bei der Beobachtung eines Baumes z.B., ist das Bewusstsein auf einen Baum gerichtet und nicht auf den eigenen Wahrnehmungsakt. Der Beobachter ist sich bewusst, von sich selbst, als würde er diesen Baum wahrnehmen, doch dieses "Selbst"-Bewusstsein ist im Hintergrund und in diesem Moment nicht Gegenstand der Betrachtung. Der Fokus liegt also normalerweise auf dem Baum selbst, nicht auf dem eigenen Akt der Person, den Baum zu sehen.
Das minimale Selbst geht Hand in Hand mit dem Eintauchen in die gemeinsame soziale Welt, so dass „die Welt immer vorgegeben, d. h. stillschweigend als selbstverständlicher Hintergrund aller Erfahrungen und Bedeutungen erfasst wird.“ Das ist die Selbst-Welt-Struktur.
2. Die Störung der Selbst-Welt-Struktur
Bei Schizophrenie ist das minimale Selbst und die Selbst-Welt-Struktur „ständig herausgefordert, instabil und schwankend “, was zu anomalen Selbsterfahrungen führt, die als Ich-Störungen bekannt sind. Bei einer Ich-Störung verschwimmt die Grenze zwischen dem „Ich“ und der Umwelt. Betroffene erleben sich selbst und ihre Umwelt als unwirklich und fremd.
Dazu gehört, dass die Person das Gefühl hat, dass ihr eine Identität fehlt, dass sie nicht wirklich existiert, dass das Gefühl, dass ihre Erfahrungen ihre eigenen sind (das „Meinsein“ ihrer Erfahrungswelt), nachlässt.
Oder als ob ihr Inneres Erfahrungen sind, die nicht länger privat sind und sie verstehen die Welt nicht wirklich. Die Selbstidentität und die innerer stimmige Geschlossenheit verflüchtigt sich und lösen sich auf.
Ich-Störungen sind Erfahrungen der Selbstentfremdung, die mit dem schmerzlichen Verlust der Selbstbestimmung einhergehen. Es ensteht das Gefühl der Isolierung, ein schwindendes Gefühl des sonst Eingetauchtseins, in die umgebende Welt. Der Zugriff und der Halt in der Welt geht verloren sowie die räumlich-zeitlichen Struktur der Erfahrungen. Als Folge kommt es zu Störungen der Fließfähigkeit des Gedankenstroms, zu ungewöhnlich langer und intensiver Selbstreflexion, des Nachdenkens über sich selbst.
Obwohl diese Gefühle sehr beängstigend sein kann, bleibt die Realitätsprüfung intakt – Betroffene wissen, dass ihre Wahrnehmung gestört ist und sie nicht wirklich „verrückt“ sind. Es kann jedoch auch zu Erlebnisse der Fremdbeeinflussung ("Gedankenausbreitung", "Gedankenentzug", "Gedankeneingebung") kommen, die einem psychotischen Wahn münden können und so Realitätsprüfung gestört ist.
Folgende Störungen werden unterschieden:
Störungen des Erlebens der Identität, der Ich-Außenwelt-Grenze ("Depersonalisation"). Die eigene Person wird als fremd erlebt.
Störungen des Erlebens der äußeren Welt und Personen ("Derealisation"). Die Umgebung wird als Kulisse, als nicht real wahrgenommen ( s. Film Truman Show)
Hyperreflexion. Eine krankhafte gesteigerte Selbstaufmerksamkeit und Selbstbeobachtung, bei der alltägliche, automatische Prozesse, wie das Gehen, das Atmen, der eigene Gedankengang oder die eigene Wahrnehmung intensiv beobachtet und explizit wahrgenommen werden und dadurch als fremdartig oder "dinghaft" empfunden werden.
Störungen der Ich-Haftigkeit von Erlebtem ("Gedankenausbreitung", "Gedankenentzug", "Gedankeneingebung") oder andere Fremdbeeinflussungserlebnisse.
- Gedankenausbreitung - eigene Gedanken gehen auf andere über
- Gedankeneingebung - Gedanken werden von Fremden in den Kopf eingegeben
- Gedankenentzug - eigene Gedanken werden von außen entzogen
- Fremdsteuerung - Gedanken, Handeln bzw. Körperfunktionen werden als fremdgesteuert empfunden
- Willens- und Gefühlsbeeinflussung
"Depersonalisation" und "Derealisation"
Die Begriffe "Depersonalisation" und "Derealisation" beschreiben den Zustand der Ich-Störung. Während Depersonalisation das Gefühl beschreibt, von sich selbst losgelöst zu sein, also sich selbst als fremd oder wie in einem Film zu erleben, bezieht sich die Derealisation auf die Wahrnehmung der Außenwelt als unwirklich.
Depersonalisation (Selbstentfremdung) ist ein Zustand, bei dem sich Betroffene von ihrem Körper, ihren Gefühlen oder Gedanken entfremdet fühlen. Es ist ein Gefühl der Unwirklichkeit und wird oft so beschrieben, als stünde man neben sich selbst oder beobachte das eigene Leben wie einen Film. Man hat das Gefühl, mechanisch wie ein Roboter zu funktionieren, ohne die eigenen Bewegungen bewusst zu steuern.
Gliedmaßen fühlen sich an, als gehörten sie nicht zu einem selbst, oder das Spiegelbild wirkt fremd. Gefühle wie Freude oder Trauer werden kaum noch wahrgenommen; man fühlt sich innerlich leer. Die Zeit scheint verzerrt zu vergehen, oder die eigene Stimme klingt wie die eines Fremden.
Obwohl diese Gefühle sehr beängstigend sein können, bleibt die Realitätsprüfung intakt – Betroffene wissen, dass ihre Wahrnehmung gestört ist und sie nicht wirklich „verrückt“ sind.
Derealisation
Derealisation ist ein Erleben, bei dem die Umgebung als unwirklich, fremd, traumartig oder wie durch einen Schleier wahrgenommen wird. Vertraute Orte oder Personen kommen unvertraut oder künstlich vor. Objekte können flach, zweidimensional, farblos, zu klein oder zu groß erscheinen. Das Gefühl, wie in einem Nebel oder durch eine Glaswand von der Welt getrennt zu sein. Geräusche können gedämpft oder übermäßig laut wahrgenommen werden. Zeit kann als langsamer oder schneller vergehen. Betroffene fühlen sich von ihrer Umwelt abgeschnitten, wobei die Realitätsprüfung erhalten bleibt – sie wissen, dass das Gefühl nicht der Wahrheit entspricht.
Hyperreflexion
Diese Erfahrungen führen dazu, dass sich die Person einer Hyperreflexion widmet, also einer ungewöhnlich langen und intensiven Selbstreflexion, das nachdenken über sich selbst, um zu versuchen, diese Erfahrungen zu verstehen. Eine solche intensive Reflexion kann jedoch die Selbststörungen noch verschlimmern.
Hyperreflexion kann sich bei Menschen auf verschiedene Weise manifestieren, unter anderem als Tendenz, die eigenen Gedanken zu untersuchen, um zu wissen, was sie denken, etwa wenn sie ein Bild sehen, eine Nachricht lesen oder jemandem aufmerksam zuhören. Ein Mensch muss gewöhnlich nicht über seine Gedanken nachdenken, um zu verstehen, was er denkt. Bei Menschen mit Selbststörung kommt es jedoch häufig vor, dass viele Gedanken eher als äußere Objekte wahrgenommen werden, die nicht verstanden werden. Die Person muss ihren Fokus auf die Gedanken richten, um ihre Gedanken zu verstehen, da es an implizitem Verständnis mangelt.
Dies ist ein Beispiel für das Scheitern des „Mein-Seins“ der Erfahrung, wenn das minimale Selbst sich von seinen eigenen Gedanken zurückzieht, die in einen äußeren Raum verbannt werden. Es kann auch vorkommen, dass ihnen unkontrolliert mehrere Gedankengänge zu unterschiedlichen Themen gleichzeitig durch den Kopf gehen, die die Konzentration beeinträchtigen (Gedankendruck ), oder sie haben oft das Gefühl, dass sie sich mit voller Aufmerksamkeit auf Dinge konzentrieren müssen, um das zu erledigen, was die meisten Menschen tun können, ohne sich viel Mühe zu geben Denken, was zu Erschöpfung führen kann.
Fremdbeeinflussung
Zum anderen können Phänomene auftreten, bei denen die eigenen Erlebnisinhalte und Handlungen, insbesondere auf der Ebene des Denkens, als von außen manipuliert wahrgenommen werden, was auch als Fremdbeeinflussungserleben bezeichnet wird.
Betroffene glauben z.B., Außenstehende könnten ihre Gedanken lesen, beeinflussen oder sogar „wegnehmen“. Manche Patienten berichten, dass sie sich von außen manipuliert, ferngesteuert oder auch hypnotisiert fühlen. Bei einer gestörten Ich-Wahrnehmung im Sinne eines Erlebens von Fremdbeeinflussung ist hierdurch häufig zusätzlich das Kriterium einer Wahnsymptomatik, wie Verfolgungswahn, gegeben, bzw. der Übergang zur Psychose fließend, welche den Betroffenen unter Umständen zu gestörten Verhaltensweisen führt.
Selbststörungen sind meist chronisch
Selbststörungen neigen dazu, chronisch zu sein, sich in die Lebensweise der Person einzugliedern und sich darauf auszuwirken, „wie“ sie die Welt erlebt, und nicht unbedingt, „was“ sie erlebt. Diese Instabilität des minimalen Selbst kann Teil einer Psychose sein oder den Ausbruch dieser hervorrufen.
3. Erlebnisberichte
Diese berührenden Zitate aus ersten persönlichen Erzählungen beleuchten wesentliche Erfahrungsmerkmale bei Schizophrenie-Spektrum-Störungen:
„Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als es passierte. Wir waren auf dem Land und ich war spazieren gegangen … in diesem Moment überkam mich ein seltsames Gefühl, ein Gefühl, das schwer zu analysieren war … Es war das erste Auftauchen jener Elemente, die in späteren Empfindungen der Unwirklichkeit immer vorhanden waren: grenzenlose Weite, strahlendes Licht und der Glanz und die Glätte materieller Dinge. ” Sechehaye, 1951
„Die Stimmen usw. waren nicht so wichtig. Ich denke, dass das anhaltende und allgegenwärtige Gefühl, unwirklich zu sein, die Krankheit selbst ist. Als mir klar wurde, dass dieser Zustand, mich selbst wie in einem Film zu sehen, dauerhaft war, wurde mir klar, dass er irgendwann den Kern meines Lebens zerstören würde. ” Møller und Husby, 2000
„Ich bin sieben oder acht Jahre alt und schaue auf den sonnigen Tag … Und dann passiert etwas Seltsames. Mein Bewusstsein (über mich selbst, über ihn, über den Raum, über die physische Realität um uns herum und darüber hinaus) wird augenblicklich verschwommen. Oder wackelig. Ich glaube, ich löse mich auf. Ich fühle mich – mein Geist – wie eine Sandburg, in der der ganze Sand in der zurückweichenden Brandung wegrutscht .“ Saks, 2007
„Die klinischen Symptome kommen und gehen, aber dieses Nichts des Selbst ist permanent da … Mit Nichts meine ich ein Gefühl der Leere, eine schmerzhafte Leere der Existenz, die nur ich fühlen kann.
Meine Gedanken, meine Gefühle und meine Handlungen, nichts davon gehört mir mehr. Diese allmächtige und allgegenwärtige Leere hat die Kontrolle über alles übernommen. Ich bin ein Automat, aber in mir funktioniert nichts .“ Kean, 2009
4. Untersuchung anomaler Selbsterfahrung
Das EASE ist ein halbstrukturiertes Interview , das versucht, das Ausmaß der überwiegend Selbststörungen der Person zu erfassen. Es ist in 5 große Abschnitte unterteilt:
Kognition und Bewusstseinsstrom, der Störungen im Gedanken- und Erfahrungsfluss abdeckt und solche Selbststörungen wie „Gedankendruck“, ein erlebtes Chaos unzusammenhängender Gedanken, und „Gedankenverlust“, ein Gefühl, als ob die Gedanken nicht die eigenen sind.
Selbstwahrnehmung und Präsenz, die sich mit abgetrennten Erfahrungen des Selbst und der Welt sowie einer Tendenz zu intensiver Reflexion befasst, zusätzlich zu einem nachlassenden Verständnis dafür, wie man mit anderen und der Welt interagiert, was als „Ratlosigkeit“ bezeichnet wird.
Körperliche Erfahrungen, die sich mit entfremdenden Erfahrungen des Körpers beschäftigen, dem Gefühl einer Person, dass, wenn sie sich bewegt, Pseudobewegungen anderer sind.
Abgrenzung/Transitivismus, der spezifische Störungen in den Ich-Grenzen einer Person abdeckt, beispielsweise wenn die Person ihre eigenen Gedanken, Ideen und Gefühle mit denen ihres Gesprächspartners verwechselt.
Existenzielle Neuorientierung, die sich auf Veränderungen in der Welterfahrung einer Person bezieht, die die Auswirkung von Selbststörungen auf die Weltanschauung der Person widerspiegeln.
EAWE - Untersuchung anomaler Welterfahrung
Das EAWE ist das Begleitinterview zum EASE, das sich auf die Erfahrungen der Person mit der Welt und nicht auf die Erfahrungen mit sich selbst konzentriert. Es gibt 6 Domänen:
„Raum und Objekte" befasst sich mit der Erfahrung der Person mit Raum und physischen Objekten, mit Störungen wie Halluzinationen, Verzerrungen räumlicher Beziehungen und Erfahrungen, dasselbe Objekt auf verschiedene Arten gleichzeitig zu sehen.
„Zeit und Ereignisse“ befasst sich mit der Erfahrung einer Person mit der Zeit, mit Störungen, bei denen die Zeit sich beschleunigt oder verlangsamt, die Zeit aufbricht oder fragmentiert wird und die ständige Erwartung, dass etwas Wichtiges passieren wird.
„Andere Personen“ befasst sich mit den Erfahrungen einer Person mit anderen Menschen, mit Störungen, einschließlich Störungen des Gefühls der Ich-Grenzen zu anderen Menschen, Vorstellungen auf der Grundlage von Handlungen oder Worten anderer Menschen und dem Verlust oder Mangel der Fähigkeit, soziale Situationen auf natürliche Weise zu verstehen.
„Bei der Sprache" geht es um verminderte Fließfähigkeit und Störungen der Prosa in der Muttersprache, Verzerrungen im Ausdruck der Person, die dazu führen, dass andere die Person missverstehen, Probleme mit konkreten und abstrakten Konzepten und Ablenkung durch einzelne Wörter und Phrasen, die dazu führen, dass die Person Schwierigkeiten hat, der Person zu folgen was sie lesen oder hören.
„Atmosphäre" , die sich mit dem allgemeinen Gefühlszustand der Person in Bezug auf die Welt befasst, mit Störungen einschließlich dem Gefühl die Welt sei irreal (insbesondere Derealisation im Stil der Truman Show ), Objekten, die keine normale Bedeutung mehr haben, übermäßigem Bewusstsein für Dinge, die normalerweise im Hintergrund des Bewusstseins bleiben, ein Gefühl radikaler Veränderungen in der Struktur des Universums selbst.
„Existenzorientierung" , bei der es um radikale Veränderungen in der Weltanschauung einer Person geht, um Dinge wie die Ablehnung gesellschaftlicher Konventionen und Regeln, die extreme Offenheit für den Glauben an neue Ideen und die Grandiosität , bei der die Person andere für minderwertig hält, wie Insekten im Vergleich zu ihnen.
Hohe Werte bei Selbsteinschätzungen von Störungen (wie der EASE-Skala ) sagen einen zukünftigen Übergang zu einer Schizophrenie-Spektrum-Störung signifikant voraus.
5. Von der Ich-Störungen zur Psychose
Der Übergang von Selbststörungen zur Psychose beschreibt einen oft schleichenden Prozess, bei dem grundlegende Veränderungen im Erleben des eigenen Selbst in eine akute psychotische Episode übergehen. Selbststörungen sind häufig schon lange vor dem Ausbruch einer akuten Psychose oder Schizophrenie vorhanden und kennzeichnen eine Verunsicherung des Erlebens, der Aufmerksamkeit und der persönlichen Perspektive. Eine Psychose kündigt sich häufig über Wochen, Monate oder sogar Jahre durch diese frühen, subtilen Anzeichen (Frühanzeichen) an. Die frühzeitige Erkennung der Selbststörungen gilt als entscheidend für eine frühzeitige Intervention bei psychotischen Störungen.
Auslöser für den Übergang zur Psychose
Hohe psychische Belastungen können den Übergang zur akuten Phase auslösen. Der Prozess ist ein multifaktorielles Geschehen, und kann durch starken Stress, Traumata oder Substanzkonsum (z. B. Cannabis) begünstigt werden, was eine Dissoziation auslösen kann, die möglicherweise als Mechanismus zur Flucht vor einer unerträglichen Realität dient, bevor man sich vollständig von ihr löst.
Scheitern der Kompensation der Ich-Störung
Die Psychose wird als ein Scheitern der Kompensation verstanden. Wenn das Selbsterleben zu brüchig wird, versucht das Gehirn, die resultierende Unsicherheit und Angst durch wahnhafte Erklärungen zu strukturieren („Sinnstiftung“ im Chaos). Wenn die Selbststörungen nicht mehr kompensiert werden können, treten Wahnvorstellungen und Halluzinationen auf, die als akute Psychose diagnostiziert werden. Wahn und Halluzinationen können im Modell der Selbststörung können also als missglückte Versuche des Gehirns interpretiert werden, auf die brüchige Realitätswahrnehmung zu reagieren.
Wahnstimmung
Bevor ein konkreter Wahn entsteht, tritt oft eine Wahnstimmung auf. Die Welt erscheint sonderbar verändert, bedeutungsvoll oder bedrohlich, ohne dass der Betroffene genau sagen kann, warum. Es kommt zur gesteigerte Ratlosigkeit, ein tiefes Gefühl der Verwirrung, der Fremdheit oder des Verlusts des gesunden Menschenverstands.
Neutrale Ereignisse (z. B. eine Ampel oder ein Lied im Radio) werden plötzlich als persönlich bedeutsam oder auf sich bezogen wahrgenommen. Die selbstverständliche Einbettung in soziale Regeln und Bedeutungen geht verloren, es kommt zu Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme mit anderen aufgrund eines fragmentierten Selbstgefühls und so zum sozialen Rückzug, der die Symptome weiter verschlechtert und das Risiko einer Psychose erhöht.
Die akute Psychose
Der Übergang von der Selbststörung zur Psychose ist ein allmählicher Übergang von subtilen, subjektiven Anomalien im Selbstbewusstsein, der grundlegenden Selbststörungen zu offenen psychotischen Symptomen, die einen Verlust des Realitätsbezugs signalisieren. Subjektive Erfahrungen werden zunehmend als „nicht die eigenen“ erlebt. Im akuten Stadium wird der subtile „Als-ob“-Charakter der Selbststörungen (z. B. „Ich fühle mich, als wäre ich ein Roboter“) durch feste, unumstößliche Überzeugungen ersetzt.
Innere Ängste oder Gedanken werden nach außen projiziert und werden so zu äußeren Bedrohungen oder Botschaften. Es treten voll ausgeprägte Symptome auf, wie das deutliche Hören von Stimmen, die von außen kommen, oder der Glaube, dass äußere Kräfte die eigenen Gedanken kontrollieren. Die Person kann nicht mehr zwischen ihren eigenen „traumähnlichen Erfindungen“ und der Realität unterscheiden. Dieses Stadium stellt einen schweren Zustand der „Desubjektivierung“ dar, in dem Handlungen und Gefühle nun als völlig als fremd und unabhängig vom Selbst betrachtet werden.
Dieser Prozess beinhaltet den Verlust der „Ich-Perspektive“, was zu Gefühlen der Unwirklichkeit, körperlicher Entfremdung und Schwierigkeiten beim Verständnis des sozialen Kontextes (sozial-räumliche Störung) führt, die sich schließlich in Form von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen manifestieren. Mit zunehmender Intensität dieser Veränderungen kommt es häufig zu einem „radikalen Rückzug“ aus der sozialen Welt und zu Schwierigkeiten in der gemeinsamen Kommunikation.
Mit fortschreitender Abnahme des Selbstbewusstseins verfestigen sich die Erfahrungen von Fremdheit oder Entfremdung zu voll ausgeprägten Symptomen wie Paranoia, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.
Der Übergang ist vollzogen, wenn die Selbststörung in Symptome eine Psychose umschlagen:
- Ich-Störungen: Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder das Gefühl, fremdgesteuert zu sein.
- Wahn: Die vagen Vorahnungen kristallisieren sich zu festen Überzeugungen (z. B. Verfolgungswahn).
- Halluzinationen: Die Instabilität der Ich-Umwelt-Grenze führt dazu, dass interne mentale Prozesse als externe Sinneswahrnehmungen (z. B. Stimmenhören) erlebt werden.
Nicht jede Selbststörung führt zu einer Psychose
Frühzeitig erkannt und behandelt, können Verschlimmerungen verhindert werden. Psychose-Erfahrene können oft durch Erfahrung und Psychoedukation früher erkennen, wann sie die Realität zu verlieren drohen. Das Erkennen von Frühwarnzeichen (wie Schlafstörungen, soziale Rückzug, verändertes Körperempfinden) ist entscheidend, um den Übergang in eine manifeste Psychose zu verzögern oder abzumildern.
6. Lösungsansätze und Gesundung
Embodiment: Mind-Body-Therapien
Die Entkörperung gilt als Ursache für die Selbststörung - die fehlende Verankerung im Körper und in einer Gemeinschaft sowie die Verbindung zur Natur. Es fehlt das innere distanzierte Bewusstsein. Mind-Body-Therapien sind ein geeignetes Werkzeug die Selbststörung zu überwinden und Prozesse der Gesundung auszulösen.
Recovery-Ansatz: Die Identität
Der Ansatz der sozialen Identität ist ein wesentlicher Bestandteil des Recovery-Konzepts in der psychiatrischen Rehabilitation. Er zielt darauf ab, die persönliche Gesundung ("personal recovery") von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen und eine positive Neudefinition des Selbstbildes zu fördern.
Der Recovery-Ansatz betrachtet Identität als einen wesentliche Voraussetzung zur Genesung, was den „Wiederaufbau oder die Neudefinition eines positiven Identitätsgefühls“ beinhaltet. Hier sind die Kernpunkte, wie die soziale Identität die Recovery unterstützt:
- Positive Selbstdefinition: Menschen streben nach einer positiven sozialen Identität. In der Recovery hilft dies Betroffenen, sich nicht mehr primär über ihre Krankheit, sondern über Mitgliedschaften in Gruppen (z.B. Selbsthilfegruppen, soziale Netzwerke) zu definieren.
- Weg vom Stigma: Die soziale Identität dient dazu, ein positives Selbstbild trotz anhaltender Symptomatik zu entwickeln, indem die Identität als Mitglied einer Gemeinschaft ("Wir-Gefühl") gestärkt wird.
- Soziales Kapital und Unterstützung: Recovery wird durch das soziale Umfeld gefördert. Zugehörigkeit zu Gruppen bietet emotionale Unterstützung, praktischen Rat und fördert das Gefühl, wertgeschätzt zu werden.
- Peer-Unterstützung: Der Einbezug von Genesenen (Peers) als Vorbilder ist ein zentrales Element, da diese Menschen durch ihre eigene Erfahrung ("Erfahrungswissen") die soziale Identität der Betroffenen positiv beeinflussen und Hoffnung vermitteln.
- Interdependentes Denken: Die Entwicklung einer sozialen Identität fördert den Übergang von abhängigen hin zu interdependenten Zuständen, in denen Betroffene bewusst Teil eines sozialen Netzwerks sind.
Erklärvideo
Studien und Quellen
(1) Understanding identity changes in psychosis: A systematic review and narrative synthesis. Maev Conneely, Philip McNamee, Veenu Gupta, John Richardson, Stefan Priebe, Janelle M Jones, and Domenico Giacco, 2021
(2) Self-disorders and psychopathology: a systematic review. Mads Gram Henriksen, Andrea Raballo, Julie Nordgaard, 2021
(3) The Self on the Spectrum: A Meta-Analysis of the Evidence Linking Basic Self Disorders and Schizophrenia. Andrea Raballo, Michele Poletti, Antonio Preti and Josef Parnas, 2021

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