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ANTIPSYCHOTIKA |
Die Genesungsrate von Schizophrenie vor und nach Einführung von Antipsychotika
| Kurzfassung |
| Es ist ein Mythos, dass Schizophrenie zwangsläufig einen sich verschlechternden Verlauf nimmt. Eine Genesung schon nach der ersten psychotischen Episode ist sogar häufig möglich, wie weltweit Millionen Menschen gezeigt haben. Wie sich zeigt, generiert ein pharmadominiertes und profitorientiertes Gesundheitssystem in Industriestaaten eine zum Teil lebenslange Abhängigkeit von Psychopharmaka und daher eher Patienten auf Lebenszeit, als das es zur Gesundung führt.
Wer "Schizophrenie" und "Heilung" in einer Suchmaschine eingibt, kann sich selbst davon überzeugen, welche Position Pharmaunternehmen und meist auch Krankenkassen einnehmen. So ist zum Beispiel zu lesen: "Ist Schizophrenie heilbar? Nein, die Krankheit ist bisher nicht heilbar. Sie kann jedoch (mit Psychopharmaka) behandelt werden."
Es gibt jedoch berechtige Hoffnung mit Schizophrenie wieder gesund zu werden, wenn die Voraussetzungen dafür erkannt und in die persönliche Lebensführung integriert werden. Denn die Genesungsrate war vor Einführung von Psychopharmaka deutlich höher. Auch ist in Entwicklungsländern und in westlichen Ländern mit alternativen Behandlungsansätzen, wie "Offener Dialog" und "Soteria" eine bessere Genesung zu verzeichnen.
Die historische Entwicklung der Genesung
Dieser Artikel befasst sich mit der historische Entwicklung der Genesungrate in den letzten 125 Jahren. Auch wenn verschiedene Studien unterschiedliche Definitionen von "Genesung" haben und damit die konkreten Zahlen andere sind, so wird mit der Einführung von Psychopharmaka ab 1955 eine Tendenz hin zu einer stetigen Verschlechterung deutlich erkennbar. Und das, obwohl sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse und therapeutischen Bedingungen zunehmend verbessert haben.
Es wird in der Literatur unterschieden zwischen „vollständiger Genesung“ und „sozialer Genesung“. "Vollständige Genesung" gilt als Rückgang psychiatrischer Symptome auf das Funktionsniveau vor der Erkrankung. Soziale Genesung hingegen ist als funktionale und wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie Wohnortunabhängigkeit mit geringen sozialen Beeinträchtigungen definiert, wobei die Beschäftigung eine wichtige Rolle spielt. (6)
Die vollständige Genesung von schizophren erkrankten Menschen sank von 20-30% im Jahre 1955 auf 10-20%. (3) (6) Die soziale Genesung sank von 50% auf aktuell 35%. (1) (8)
Eine aktuelle Forschungsarbeit von 2023 bestätigt den Trend:
"Weltweit ist die Häufigkeit von Schizophrenie Berichten zufolge von 13,1 Millionen in den 1990er Jahren auf etwa 20,9 Millionen im Jahr 2016 gestiegen. Der Anteil der „geheilten“ Schizophreniepatienten ist in den letzten 70 Jahren gering geblieben. Die mittleren Genesungsraten sind im Laufe der Zeit von vor 1941 bis nach der Einführung atypischer Antipsychotika stabil geblieben oder sogar gesunken (!), wobei sich nur 10–20 % der Patienten vollständig erholten." (7)
In Deutschland sind die Verkaufszahlen von Antipsychotika seit 1990 explositionsartig um 200% und von Antidepressiva um 700% angestiegen. Parallel dazu sind die Invalidenrenten in Deutschland und in den USA um 400% gestiegen.
Bei einem stetig steigenden standardmäßigem Einsatz von neurotoxischen Psychopharmaka, meist eine überdosierte Mehrfachmedikation von Antipsychotika, Antidepressiva und Benzodiazepinen mit Nebenwirkungen und typischen Folgeerkrankungen ist es nicht verwunderlich, dass sich die Prognose von Schizophrenie trotz intensiver Forschung und Verbesserung der Behandlung verschlechtert hat. So ist in einer Broschüre der Deutschen Gesellschaft für sozialen Psychiatrie (DGSP) zu lesen:
"Einen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis für den Einsatz von zwei oder mehr Antipsychotika gibt es jedoch nicht. Es ist zu vermuten, dass die meisten Patienten nicht darüber aufgeklärt wurden, dass dieses Vorgehen keine wissenschaftliche Evidenz (Nachweis) besitzt ... In den meisten Fällen jedoch werden die Symptome dadurch nicht oder nicht bedeutsam vermindert.
Dieses Vorgehen verstärkt jedoch oft die Nebenwirkungen. Insbesondere ist eine frühzeitige Kombination unsinnig ... Ohne entsprechende Reduzierung der Einzelsubstanzen ergibt sich oft eine höhere Gesamtdosis. Dadurch erhöht sich das Risiko für Bewegungsstörungen, Übergewicht, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, plötzlichen Herztod, sexuelle Störungen, Abbau der grauen und weißen Substanz, insbesondere des Frontalhirns.
Außerdem kommt es häufig zu einer verstärkten (!) Psychose-Symptomatik, vor allem bei drei und mehr Antipsychotika. Hinzu kommt oft eine Verschlechterung der Hirnleistung (Kognition) und weitere schwerwiegende Störungen (malignes neuroleptisches Syndrom)."(1)
Anstieg der Invaliedenrenten aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland
Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland nach Geschlecht bis 2024
Im Zeitraum der Jahre 1997 bis 2024 haben die Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland um rund 400% zugenommen.
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Die Zunahme von Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen ist die auffälligste Entwicklung im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Neben der Zahl der AU-Fälle, d.h. die Häufigkeit, mit der psychische Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeit diagnostiziert werden, hat sich auch das Volumen des Arbeitsausfalls drastisch erhöht.
Die einzige positive Entwicklung gab es bei schizophren Erkrankten zu verzeichnen, die nur eine psychotische Episode erlebten. Nur für diese verbesserte sich die vollständige Genesungsrate von 20% (Warner, 1900-2000) auf 57% ( Huxley, 2000-2020). Das ist auch sehr verständlich, da sie mit nur einer Psychose ihre Medikation im Laufe der Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit abgesetzt haben und so ihre vollständige Genesung von Nebenwirkungen und typischen Folgeerkrankungen von Antipsychotika nicht behindert werden konnte. Andere aktuelle Meta-Analysen weisen für den Zeitraum (2000-2020) jedoch auch bei einer ersten psychotischen Episode nur Raten der vollständigen Genesung von 30% bzw. von 20% auf. (9) (10)

Langzeitstudien zeigen, dass eine frühe Dosisreduktion bzw. das Absetzens langfristig (nach 7 Jahren) mit einem besseren Ergebnis hinsichtlich weiterer Rückfälle, der Funktionsfähigkeit und allgemeinen Genesung verbunden ist. Nach sieben Jahren wies die Gruppe mit Dosisreduktion/Absetzen mit 40,4 % eine deutlich höhere Genesungsrate gegenüber 17,6 % in der Medikamentengruppe auf. (1) (Siehe: Antipsychotika nach der ersten Psychose absetzen ? Rückfall oder Genesung ? - Ergebnisse einer 7-jährigen Langzeitstudie)
Prof. Moncrieff: "Diese Studie liefert vorläufige Belege dafür, dass die langfristige Einnahme von Antipsychotika die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Genau das ist von Medikamenten zu erwarten, die Denkprozesse und Nervenaktivität hemmen. Die Studie zeigt zudem, dass es den Betroffenen langfristig besser geht, wenn man die Antipsychotika-Dosis schrittweise und begleitet reduziert. Manchen gelingt es, die Antipsychotika vollständig abzusetzen, und es geht ihnen gut. Insgesamt leiden die Betroffenen nicht unter stärkeren Symptomen oder Rückfällen, als wenn sie ihre ursprüngliche Dosis beibehalten hätten. " (3) |
125 Jahre Schizophrenie - Die Genesung vor und nach Einführung von Psychopharmaka
Chlorpromazin wurde 1954 in die Anstaltsmedizin eingeführt, und so gibt es eine langjährige Geschichte von Ergebnisstudien, die nachverfolgt werden können, um festzustellen, wie sich Psychopharmaka auf den Langzeitverlauf der Schizophrenie auswirkten.
Die Raten sind zwischen den Studien nicht immer vergleichbar, da keine genaue Definition von Remission (Genesung) etabliert ist. Die „Remission in Schizophrenia Working Group“ hat standardisierte Remissionskriterien vorgeschlagen, die „Verbesserungen der Kernzeichen und -symptome in dem Maße beinhalten, dass alle verbleibenden Symptome von so geringer Intensität sind, dass sie das Verhalten nicht mehr signifikant beeinträchtigen und unter dem Schwellenwert liegen, der typischerweise zur Rechtfertigung einer Erstdiagnose von Schizophrenie herangezogen wird“. (8)
Dr. Richard Warner war einer der Ersten, der im 20. Jahrhundert Daten aus Verlaufsstudien zur Schizophrenie systematisch zusammenfasste und analysierte. Er veröffentlichte 1985 sein bahnbrechendes Buch „Recovery from Schizophrenia: Psychiatry and Political Economy.“
Warner stellte die Hypothese auf, dass das soziale Umfeld einen tiefgreifenden Einfluss auf den Ausgang einer Psychose hat, sodass Umstände, die die soziale Wiedereingliederung fördern, zu einem positiven Kreislauf verbesserten Wohlbefindens führen. Vor diesem Hintergrund lautete seine These, dass die politische Ökonomie ein zentraler, veränderbarer Faktor für verbesserte Genesungsraten ist. In diesem Sinne ist der Beschäftigungsstatus ein wichtiger Genesungsfaktor.
Warner unterschied zwischen „vollständiger Genesung“ und „sozialer Genesung“. Erstere definierte er als Verlust psychiatrischer Symptome und Rückkehr zum Funktionsniveau vor der Erkrankung. Soziale Genesung hingegen definierte er als funktionale Unabhängigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Wohnortunabhängigkeit mit geringen sozialen Beeinträchtigungen, wobei die Beschäftigung eine wichtige Rolle spielt.
Seit Warners 1985 erschienener Ausgabe von „Recovery from Schizophrenia“ wird das Konzept der Genesung intensiv diskutiert. Insbesondere gab es Kontroversen über Definitionen von Genesung; das bevorzugte Modell der Selbstdefinition von Genesung durch den Patienten im Vergleich zum „Genesungsmodell“ in gesetzlichen Einrichtungen. Folglich ist die Literatur durch eine Vielzahl von Definitionen von „Genesung“, „vollständiger Genesung“ und „teilweiser Genesung“ geprägt, von denen nur einige von Forschergruppen akzeptiert werden.
Es werden nun die fünf wichtigsten Studien zum historischen Verlauf der Genesung von Schizophrenie in den letzten 125 Jahren vorgestellt. Der Prozentsatz der Gesundungsrate ist zum leichteren Vergleich gerundet.
Erste Studie (1900-1990)
1. Ziel einer frühen Studie von Hegarty et al. (1994) war es, die Ergebnissen bei Schizophrenie auf historische Trends im 100-Jahres-Rückblick hin zu untersuchen, die mit Änderungen in der therapeutischen Praxis verbunden sein könnten. Es war ein Test, ob eine verbesserte Behandlung mit Psychopharmaka die Ergebnisse beeinflusst haben. (1)
Dazu wurde eine Metaanalyse zum Ausgang bei Schizophrenie von 1895 bis 1992 durchgeführt mit 821 Studien; 320 davon mit 51.800 Probanden.
Ergebnisse: In den Jahren 1900–1950 lag der Anteil der Patienten deren Zustand sich verbesserte bei 35%. Nach der Mitte des Jahrhunderts (1950–1985) stieg der Anteil auf 50 %, was wahrscheinlich auf eine verbesserte Behandlung sowie ein erweitertes Konzept der Schizophrenie zurückzuführen ist.
Nach der langsamen Einführung von Psychopharmaka ab 1955 mit Chlorpromazin und stark ansteigend mit Antipsychotika der zweiten Generation in den 1980er Jahren gab es einen Rückgang der Genesungsrate.
Die Studie stellt fest: "Trotz erheblicher Verbesserungen nach der Mitte des Jahrhunderts ist seit den 1970er Jahren ein Rückgang zu verzeichnen ... Im letzten Jahrzehnt ist die durchschnittliche Rate günstiger Ergebnisse auf 35% gesunken." (1)
| Zeitraum | Soziale Genesung (Median) |
| 1900–1950 | 35 % |
| 1950–1985 | 50 % |
| 1985-1992 | 35% |
Zweite Studie (1880-2000)
In einer Übersichtsarbeit untersuchte Warner 114 Studien aus den Jahren 1880 bis 2004. Er stellte fest, dass sich die Genesungsraten seit 1900 bei Menschen mit mehrere psychotische Episoden verschlechtert hat. Eine Verbesserung der Genesungsrate gab es nur bei schizophren Erkrankten, die nur eine psychotische Episode erfahren hatten, da hier sehr wahrscheinlich die Medikation mit Antipsychotika im Laufe der Gesundung abgesetzt wurde.
| Jahrzehnte | Vollständige Genesung (mehrere psychotische Episoden) |
| 1900-1940 | 30% |
| 1941–1955 | 32% (Maximum) |
| 1956–1975 | 19% |
| 1976–1995 | 12% |
| 1996-2004 | 14% |
| ( Gesamt 1880-2004 | 20%) |
Aus den Daten ergibt sich eine durchschnittliche vollständige Genesung von 30% bis 1955 und von 20% im gesamten Zeitraum. Dennoch bleibt Warner grundsätzlich optimistisch und zeigt auf, dass es in Entwicklungsländern (ohne Psychopharmaka) bessere Genesungsraten gibt. In einer Forschungsarbeit von 2009 schreibt er:
"Aktuelle Forschungen und umfangreiche Daten aus früheren Studien legen nahe, dass Optimismus hinsichtlich des Behandlungserfolgs bei Schizophrenie gerechtfertigt ist. Ein erheblicher Anteil der Erkrankten wird vollständig genesen, und viele weitere erlangen ihre soziale Funktionsfähigkeit zurück. Die Prognose ist für Menschen in Entwicklungsländern besser. Die Sterblichkeitsrate bei Schizophrenie steigt zwar an, ist aber in Entwicklungsländern niedriger.
Arbeit scheint die Genesung von Schizophrenie zu unterstützen, und aktuelle Fortschritte in der beruflichen Rehabilitation haben sich in Ländern mit unterschiedlichen Volkswirtschaften und Arbeitsmärkten als wirksam erwiesen. Immer mehr Forschungsergebnisse stützen die Annahme, dass Empowerment ein wichtiger Bestandteil des Genesungsprozesses ist.
Die zentralen Grundsätze des Genesungsmodells:
- Optimismus hinsichtlich der Genesung von Schizophrenie
- die Bedeutung des Zugangs zu Beschäftigung und
- die Stärkung der Selbstbestimmung der Betroffenen im Genesungsprozess –
werden durch die wissenschaftliche Forschung gestützt. (9)
Dritte Studie (1900-2010)
Eine Studie von Jääskeläinen et al. (2012) mit strengeren Gesundungskriterien zeigt den historischen Vergleich von 1900-2010: (6)
| Zeitraum | Vollständige Genesung |
| Vor 1941 | 15% |
| 1941–1955 | 20% (Maximum) |
| 1956–1975 | 17% |
| 1976–1995 | 10% |
| 1996-2010 | 6% |
| (Gesamt 1900-2010 | 13,5%) |
Schlussfolgerungen der Studie:
"Diese Studie lieferte die besten verfügbaren Schätzungen zur Genesung von Schizophreniepatienten. Nach diesen Kriterien liegt der Anteil der Patienten mit Schizophrenie und verwandten Psychosen, die sich erholt haben, bei 13,5 % und scheint im Laufe der Zeit nicht zugenommen zu haben ...
Dies ist ein ernüchternder Befund – trotz erheblicher Veränderungen in der Versorgung von Menschen mit Schizophrenie (z. B. Deinstitutionalisierung, antipsychotische Medikamente, psychosoziale Interventionen und Dienste für frühe Psychosen) hat sich der Anteil derjenigen, die die Genesungskriterien erfüllten, im Lauf der Zeit nicht verbessert ... Bezüglich der geplanten Analysen stellten wir fest, dass Studien aus Ländern mit niedrigem Einkommen einen höheren Anteil an Personen aufwiesen, die die Genesungskriterien erfüllten."(6)
Vierte und fünfte Studie (2000-2020)
Zum Abschluss noch zwei aktuelle Studien, die den Zeitraum 2000-2020 untersuchten.
Warner unterschied zwischen „vollständiger Genesung“ und „sozialer Genesung“. Erstere definierte er als Verlust psychiatrischer Symptome und Rückkehr zum Funktionsniveau vor der Erkrankung. Soziale Genesung hingegen definierte er als funktionale Unabhängigkeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Wohnortunabhängigkeit mit geringen sozialen Beeinträchtigungen, wobei die Beschäftigung eine wichtige Rolle spielt. (6)
Vollständige und soziale Genesung:
| Alle Studien in der Übersicht: | Vollständige Genesung | Soziale Genesung |
| 1. Hegarty et al. (1900-1990) | - | 35% (Max. 50% von 1950–1985) |
| 2. Warner (1945–2000) | 20% (Max. 32% von 1941–1955) | 40% |
| 3. Jääskeläinen (1900-2010) | 13,5% (Max. 20% von 1941–1955) | - |
| 4. Molstrom (2000-2020) | 24% | 35% |
Die aktuelle Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Molstrom et al. aller Studien zur Schizophrenie über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren (2000-2020) kommt zu dem Ergebnis:
"Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schizophrenie eine Störung mit heterogenem Verlauf ist. Bei 24,2 % der Schizophreniepatienten kam es zu einer Genesung. Ein „guter oder besserer“ Verlauf (einschließlich Genesung) wurde bei 35,5 % der Patienten beobachtet, während ein schlechter Verlauf bei 40,3 % der Patienten auftrat. "(8)
Die Ergebnisse zum „guten oder besseren“ Ausgang (35,5 %) sind vergleichbar mit den Ergebnissen der Metaanalyse von Hegarty et al. (1900-1990) (siehe oben erste Studie) und kommen daher zu dem Ergebnis:
"Trotz erheblicher Veränderungen in der Behandlung und Betreuung von Menschen mit Schizophrenie im letzten Jahrhundert (z. B. Deinstitutionalisierung , antipsychotische Medikamente, psychosoziale Interventionen ) scheint der Anteil der Patienten mit einem günstigen Ausgang ziemlich konstant zu sein. "(8)
Eine zweite Studie von Huxley et al. von 2021 berichtet über die Behandlungsergebnisse bei Schizophrenie und greift dabei die Arbeit und die Kriterien des verstorbenen Richard Warner auf und erweitern diese. 47 Studien zwischen 2000 und 2020 erfüllten die Einschlusskriterien. (5) Die Studie berichtet über eine Steigerung der vollständigen Genesungsraten bei Menschen mit einer ersten psychotischen Episode von 21% (1945–2000) auf 57% (2000-2020). Die soziale Genesung stieg in diesen Zeiträumen von 40% auf 47%. Andere aktuelle Meta-Analysen weisen auch bei einer ersten psychotischen Episode nur Raten der vollständigen Genesung von 30% bzw. von 20% auf. (9) (10)
Bei Menschen mit nur einer psychotischen Episode ist jedenfalls stark davon auszugehen, das diese im Laufe ihrer Genesung ohne weiteren Rückfall ihre Antipsychotika absetzen, was die hohen Raten der vollständigen Genesung erklärt. Auch bestätigen Langszeitstudien die Schlussfolgerung, dass gerade ein Absetzen nach der ersten Psychose, die Genesung verbessert. (Harrow, 2007 und Wunderink, 2013)
Die Studie von Huxley et al. kommt trotz hoher Genesungsraten zu dem Ergebnis:
"Obwohl wir festgestellt haben, dass die vollständigen Genesungsraten bei Menschen mit einer ersten psychotischen Episode im 21. Jahrhundert deutlich gestiegen sind, sind nicht alle unsere Ergebnisse positiv. Sowohl Warner als auch Jääskeläinen zeigten im Laufe der Zeit sinkende jährliche Genesungsraten, und wir konnten seit Warners Untersuchung einen anhaltenden Rückgang der jährlichen Genesungsraten feststellen." Unterschiede in Methode und Kriterien sind für die unterschiedlichen Zahlen verantwortlich. "Dennoch ist der Trend in allen drei Untersuchungen derselbe." (5)
Zusammen mit den Ergebnissen von Warner, Miettunen und Jääskeläinen kommt es zu einem konsistenten Rückgang der jährlichen Genesungsraten von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.
"Die Literatur zur Forschungssynthese hat keine konsistenten Verbesserungen der Genesung festgestellt, wenn diese ausschließlich anhand von Änderungen der klinischen Symptome definiert werden." (5)
Insbesondere Menschen mit mehreren Episoden geht es viel schlechter als Menschen, die gut auf Interventionen gegen die erste psychotische Episode ansprechen. Obwohl seit langem bekannt ist, dass ein Rückfall das Risiko eines weiteren Rückfalls erhöht, scheint sich etwas geändert zu haben.
"Es ist vernünftig zu spekulieren, dass dies auf geänderte Prioritäten in der psychiatrischen Gesundheitspolitik ... zurückzuführen sein könnte."(5)
Länder mit hohem Einkommen haben enorme Anstrengungen unternommen, um die Gesundung von ersten psychotischen Episoden zu verbessern. Hierfür stehen psychotherapeutische Interventionen wie Psychoedukation, Familientherapie, motivierende Gesprächsführung oder kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen hinsichtlich Lebensstilveränderung zur Verfügung.
Bezüglich der Effekte solcher nichtpharmakologischen Interventionen, ihrer spezifischen Charakteristika und möglichen Langzeitergebnisse konnte eine aktuelle Metaanalyse einen allgemeinen Nutzen in Bezug die Schwere der psychotischen Symptome, die kognitive Leistung, körperliche Leistungsfähigkeit, das allgemeine Funktionsniveau und die Lebensqualität zeigen.
Am Vielversprechendsten ist eine möglichst frühe Intervention bei beginnender psychotischer Episode, möglicherweise eine intensivierte Therapie in den ersten ein bis zwei Jahren nach Krankheitsbeginn.
"Es wurde beträchtlich in spezialisierte Frühinterventionsdienste investiert, was in krassem Gegensatz zu Desinvestitionen, verlorenem Forschungsinteresse und, wie manche sagen würden, Vernachlässigung der Rehabilitation und anderer Dienste für Menschen mit mehreren psychotischen Episoden steht." (5)
"Es bedarf eines neuen Ansatzes, der die biologischen und psychologischen Aspekte der Psychose nicht außer Acht lässt, sondern sowohl die Ursachen als auch die Intervention in ihren sozialen Kontext stellt. Psychose ist eine Störung, deren Beginn, Verlauf und Ausgang maßgeblich von sozialen Faktoren beeinflusst werden. Genesung kann nur als soziales Phänomen sinnvoll verstanden werden." (5)
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass mehrere Studien auf eine mögliche Stabilisierung der Störung mit leichtem/mittelschwerem/schwerem Verlauf nach 5 bis 10 Jahren hingewiesen haben. Sie beschreiben es als Scherenphänomen, bei dem sich die Schizophrenie nach einer turbulenten Anfangsphase in einem entweder günstigen oder weniger günstigen Krankheitsverlauf stabilisiert.
Mehrere Studien heben jedoch hervor, dass in dieser Stabilisierungsphase noch erhebliche Schwankungen auftreten können, z. B. eine Genesung im Spätstadium, was darauf hindeutet, dass trotz jahrelanger weniger günstiger Krankheitsverläufe noch immer Grund zum Optimismus besteht. (8)
Bessere Ergebnisse in den Entwicklungsländern
Fazit: Obwohl es seit 1945 eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen gibt, die auch die Betreuungs- und Therapieleistungen bei Psychosen und Schizophrenie betrifft, gibt es seit der Einführung von Antipsychotika eine Konstanz bzw. sogar einen Rückgang der Genesungsraten.
Eine Forschungsarbeit bestätigt diesen Zusammenhang zwischen Behandlung mit Antipsychotika und einen schlechteren Verlauf der Erkrankung, sowohl in der historischen Entwicklung als auch im Vergleich von Industriestaat und Entwicklungsländern:
"In Anbetracht der systematischen Übersichtsarbeiten, die eine Verbindung zwischen einer kürzeren Dauer unbehandelter Psychosen und besseren Ergebnissen berichteten, könnte man auch vorhersagen, dass sich die Ergebnisse im Zeitverlauf hätten verbessern müssen. In den letzten Jahrzehnten hat man sich verstärkt auf die Erkennung und sofortige Behandlung früher Psychosen konzentriert, was zu besseren klinischen Ergebnissen führen könnte. Optimistische Forscher könnten daher vorhersagen, dass sich die Genesungsquoten im Laufe der Zeit verbessern sollten, da wir kontinuierlich versuchen, die Behandlungen und die Leistungserbringung zu verbessern.
Zwei frühere systematische Übersichtsarbeiten 15 , 17 fanden jedoch heraus, dass sich der Anteil guter Ergebnisse im Laufe der Zeit nicht verbessert hat – es gab sogar Hinweise darauf, dass die Schätzungen guter Ergebnisse in neueren Studien zurückgegangen sind ... Bezüglich der geplanten Analysen stellten wir fest, dass Studien aus Ländern mit niedrigem Einkommen einen höheren Anteil an Personen aufwiesen, die die Genesungskriterien erfüllten.
Dies ist ein ernüchternder Befund – trotz erheblicher Veränderungen in der Versorgung von Menschen mit Schizophrenie (z. B. Deinstitutionalisierung, antipsychotische Medikamente, psychosoziale Interventionen und Dienste für frühe Psychosen) hat sich der Anteil derjenigen, die die Genesungskriterien erfüllten, im Lauf der Zeit nicht verbessert. " (3)
Der Medizinjournalist, Robert Whitaker, kommt zu dem Schluss:
"In jedem Land, in dem der Konsum von Psychopharmaka zunimmt, steigt die Zahl der Menschen mit psychischen Behinderungen explosionsartig. In jedem Land, in dem dieses Behandlungsmodell übernommen und der Einsatz von Psychopharmaka weit verbreitet ist, kommt es zu einer Zunahme psychischer Probleme."
Wenn also Antipsychotika die Genesung auf längere Sicht verschlechtern, dann müsste es in ärmeren Ländern, die aus Kostengründen wenig oder keine Antipsychotika verwenden, bessere Chancen zur Gesundung geben?
Siehe dazu: "Die Genesung im weltweiten Vergleich" sein.
Studien und Quellen
(1) Neuroleptika reduzieren und absetzen. Eine Broschüre für Psychose-Erfahrene, Angehörige und Professionelle aller Berufsgruppen. DGSP e.V.
(2) One hundred years of schizophrenia: a meta-analysis of the outcome literature. J D Hegarty 1, R J Baldessarini, M Tohen, C Waternaux, G Oepen, 1994
(3) A systematic review and meta-analysis of recovery in schizophrenia. Erika Jääskeläinen, Pauliina Juola, Noora Hirvonen, John J McGrath, Sukanta Saha, Matti Isohanni, Juha Veijola, Jouko Miettunen, 2012
(4) New Developments in the Treatment of Schizophrenia: An Expert Roundtable. Joshua T Kantrowitz, Christoph U Correll, Rakesh Jain, Andrew J Cutler, 2023
(5) Schizophrenia outcomes in the 21st century: A systematic review. Peter Huxley, Anne Krayer, Rob Poole, Louise Prendergast, Sanjaya Aryal, Richard Warner, 2021
(6) Recovery from Schizophrenia. Psychiatry and Political Economy, Richard Warner, 2004
(7) Recovery from schizophrenia and the recovery model. Richard Warner, 2009
(8) The prognosis of schizophrenia: A systematic review and meta-analysis with meta-regression of 20-year follow-up studies. Ida-Marie Molstrom, Julie Nordgaard , Annick Urfer-Parnas , Rasmus Handest, Jonas Berge , Mads Gram Henriksen, 2022
(9) Remission and recovery from first-episode psychosis in adults: systematic review and meta-analysis of long-term outcome studies. John Lally 1, Olesya Ajnakina 2, Brendon Stubbs 2, Michael Cullinane 2, Kieran C Murphy 2, Fiona Gaughran 2, Robin M Murray, 2017
(10) Clinical Recovery Among Individuals With a First-Episode Schizophrenia an Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Helene Gjervig Hansen, Helene Speyer, Marie Starzer, Nikolai Albert , Carsten Hjorthøj, Lene Falgaard Eplov, Merete Nordentoft, 2022
(11) Recovery in Remitted First-Episode Psychosis at 7 Years of Follow-up of an Early Dose Reduction/Discontinuation or Maintenance Treatment Strategy. Long-term Follow-up of a 2-Year Randomized Clinical Trial. Lex Wunderink, MD, PhD1,2; Roeline M. Nieboer, MA1; Durk Wiersma, PhD2 et al. , 2017
(12) https://www.madinamerica.com/2013/08/long-t…ollow-up-study/