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BEHANDLUNGSZIELE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE |
9. Entzündungen
10 mögliche Dysfunktionen und Behandlungsziele sind:
1. Dopamin
2. Serotonin
3. Glutamat
4. GABA
5. Acetycholin
6. Noradrenalin
7. Endocannabinonid
8. Oxidativer Stress
9. Entzündungen
10. Immunsystem
| Kurzfasssung |
| Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass Entzündungen des Zentralnervensystems - insbesondere während akuter psychotischer Episoden - eine Rolle bei der Entwicklung Schizophrenie spielen. Im Wesentlichen ist die Entzündung bei vielen Menschen mit Schizophrenie nicht nur ein Symptom, sondern ein zentraler Bestandteil des Krankheitsprozesses. Sie interagiert mit Genetik, Trauma, Stress und der Gehirnentwicklung und treibt so die Störung voran.
Infektionen, starker Stress, Fettleibigkeit und Autoimmunerkrankungen – Zustände, die mit Entzündungen einhergehen – stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Psychose- und Schizophrenie-Risiko. Es gibt deutliche Hinweise auf einen starken Zusammenhang bei schätzungsweise 30–50 % der Betroffenen. Die Identifizierung dieser Subgruppe ist entscheidend, da sie eher von entzündungshemmenden Behandlungen profitieren könnte.
Die Behandlung von Ursachen chronischer Entzündungen, wie etwa ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und ein Ungleichgewicht der Darmflora, kann zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten bieten.
Lebensstilfaktoren, die Entzündungen reduzieren wie , Bewegung, Ernährung, Nahrungsergänzung, Stressmanagement und ausreichend Schlaf können die Gesamtbehandlung unterstützen.
Entzündungen und schwerwiegendere Symptome
Studien, in denen Personen mit Schizophrenie anhand von Entzündungsmarkern eingeteilt wurden, ergaben, dass bei Personen mit höheren Werten schwerwiegendere Symptome auftraten. Insbesondere gibt es Hinweise auf eine schlechtere kognitive Funktionen, wie Leistung bei Sprachaufgaben sowie auf eine Zunahme von positiven, negativen, depressiven Symptome und Ängsten, die durch einen hohen Entzündungszustand gekennzeichnet sind. (1)
Wirkungsweise
Entzündungen werden zunehmend als Schlüsselfaktor bei Psychosen und Schizophrenie anerkannt, wobei Studien höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern belegen. Im Gehirn werden Immunzellen, sogenannte Mikroglia, überaktiv und setzen entzündungsfördernde Substanzen frei, die Neuronen schädigen und die Neurogenese (Neubildung von Gehirnzellen) stören. Entzündungen beeinflussen die Dopamin-, Serotonin- und Glutamatsysteme, wichtige Neurotransmitter bei Schizophrenie.
Auslöser und begünstigende Faktoren
Frühes Leben: Mütterliche Infektionen oder Stress während der Schwangerschaft können das Risiko einer Psychose bei den Nachkommen erhöhen.
Umweltfaktoren: Belastende Erlebnisse in der frühen Kindheit, wie Trauma, Stress und Infektionen können das Immunsystem „prägen“, was später im Leben zu verstärkten Entzündungsreaktionen führt, wenn ein zweiter Stressor auftritt.
Dieser Zusammenhang legt ein „Vulnerabilität-Stress-Entzündungs“-Modell nahe, bei dem frühe Immunbelastungen (wie Infektionen) oder chronischer Stress eine langfristige Immunreaktivität auslösen können, die sich auf vulnerable Personen auswirkt und möglicherweise später im Leben zu einer Psychose führt.
Lebensstilfaktoren: Faktoren wie eine ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Aktivität und Rauchen können zu einer chronischen, niedriggradigen Entzündung beitragen, die bei Menschen mit Schizophrenie sehr häufig vorkommt.
Antipsychotika
Antipsychotika, insbesondere Olanzapin und Clozapin verursachen häufig eine signifikante Gewichtszunahme, Insulinresistenz und ein metabolisches Syndrom. Übergewicht und Stoffwechselstörungen sind wiederum mit einem chronischen systemischen Entzündungszustand verbunden.
Therapie mit Ernährung und Nahrungsergänzung
Eine aktuelle Forschungsarbeit von 2025 schlussfolgert:
"Daher ist es wichtig, den Schwerpunkt auf die Bedeutung entzündungshemmender Medikamente gegen diese Symptome zu legen. Die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien zur Behandlung der Schizophrenie kann zu besseren Therapieergebnissen hinsichtlich der Schwere der Symptome und der Behandlung medikamentenresistenter Schizophrenie führen.
Die zusätzliche Gabe entzündungshemmender Medikamente könnte es Klinikern ermöglichen, die Dosis antipsychotischer Medikamente zu reduzieren und so die Häufigkeit behandlungsresistenter Schizophrenie weiter zu reduzieren." (2)
Entzündungshemmende Ernährungsweisen sowie bestimmte Nahrungsergänzung zeigen vielversprechende Ergebnisse zur Reduzierung von Entzündungen und zur potenziellen Verbesserung der Symptome bei Menschen mit Psychosen und Schizophrenie.
Dazu gehören Mediterrane Ernährung, ketogene Ernährung oder Vollwertkost-Diäten mit Schwerpunkt auf Obst, Gemüse (Beeren, Blattgemüse), Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Olivenöl und fettem Fisch. Zu vermeidende sind hochverarbeitete Lebensmittel, Fastfood, zuckerhaltige Getränke, übermäßiger Verzehr von rotem Fleisch und raffinierte Getreideprodukte (Weißbrot, weiße Nudeln und weißer Reis) die Entzündungen fördern.
Die wichtigste Nahrungsergänzung sind Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D , B-Vitaminen, N-Acetylcystein (NAC) und Probiotika.
Die besten Ernährungsweisen und stärksten natürlichen Wirkstoffe gegen Entzündungen:
| Ernährung | Fettsäuren | Vitamine | Heilpflanzen | Aminosäuren | Mineralien | Probiotika |
| Mediterrane Ernährung | Omega-3 | Vitamin D | Kurkuma | N-Acetylcystein (NAC) | Magnesium | Lactobacillus |
| Ketogene Ernährung | B-Vitamine | Ingwer | Citicolin | Zink | Bifidobacterium | |
| Brain - Diät | Ashwagandha | Sarkosin | ||||
| DASH- Diät | Ginkgo | |||||
| Brahmi |
1. Die Wechselbeziehung zwischen Entzündungen und dem Immunsystem
Die Wechselbeziehung zwischen dem Immun- und dem neuroinflammatorischen System spielt eine wichtige Rolle in der Neurobiologie der Schizophrenie. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass eine chronische Entzündung, die das Zentralnervensystem betrifft, mit Schizophrenie verbunden ist. Diese Hypothese entwickelte sich aus immunogenetischen Beweisen und der hohen Neigung schizophrener Patienten, Autoimmunerkrankungen zu entwickeln.
Mehrere Studien, darunter auch Metaanalysen, haben eine Immunschwäche bei Schizophrenie festgestellt. Es bleibt wichtig, Immunmarker zu definieren, um schizophrene Patienten zu identifizieren, die von einer entzündungshemmenden Behandlung profitieren könnten.
2. Zusammenspiel zwischen (oxidativem) Stress und Entzündungen bei Schizophrenie
Mehrere Studien haben gezeigt, dass zwischen oxidativem Stress und Neuroinflammation ein schädliches Zusammenspiel besteht.
Der bei Schizophrenie beobachtete oxidative Stress ist mit der Produktion entzündungsfördernder Zytokine verbunden, was zu einem chronischen neuroinflammatorischen Prozess und genetischen Schäden führt.
Der bei Schizophrenie beobachtete oxidative Stress interagiert mit Entzündungen, was darauf hindeutet, dass die Symptome der Schizophrenie mit spezifischen Veränderungen der dopaminergen, serotonergen, noradrenergen und glutamatergen Neurotransmission verbunden sind.
Chronische Entzündungen und umgebender oxidativen Stress, wirkt sich auf die Zellen aus und kann Immunschwäche begünstigen. Und eine Funktionsstörung des Immunsystems, das Entzündungen entgegenwirkt, kann die Neurotransmission von Dopamin und Glutamat behindern.
3. Undichter Darm und Entzündungen
Es gibt Hinweise darauf, dass Disbiose (Missverhältnis von nützlichen und schädlichen Bakterien im Darm) und ein “undichter Darm” zu einem “undichten Gehirn” führen können, was zum Teil auf die Entwicklung einer Entzündung zurückzuführen ist.
Eine Entzündung im Zusammenhang mit einem undichten Darm führt zu einer Schädigung der Blut-Hirn-Schranke, wodurch unerwünschte Moleküle Toxine, Antigene und Entzündungsmediatoren im Gehirn landen und eine Neuroinflammation (Nervenentzündung) und oxidativen Stress auslösen.
Die Störung der Blut-Hirn-Schranke wurde mit Angstzuständen, schweren Depressionen, bipolaren Störungen, Schizophrenie, Psychosen in Zusammenhang gebracht.
4. Trauma, psychischer Stress und Entzündungen
Bei Schizophrenie gibt es ein Interaktionsmodell zwischen Trauma, Verletzlichkeit, Stress und Entzündung. Stress führt auf der körperlichen molekularen Ebene zu oxidativen Stress und dieser zu Entzündungen des Zentralnervensystems. (1)
Psychischer Stress oder traumatischen Lebensereignissen vor der Geburt und während der Kindheit oder Jugend führt zu einem erhöhten Risiko für Schizophrenie. Insbesondere in kritischen Entwicklungsphasen stellen bestimmte Stressfaktoren wie körperlicher oder geistiger Missbrauch, sozioökonomische Benachteiligung, das Leben in einer städtischen Umgebung und Vernachlässigung ein größeres Risiko dar. (s. Artikel: DIE ERKRANKUNG | 1. Kindheitstrauma)
Darüber hinaus haben Menschen mit Schizophrenie veränderte Reaktionen und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Stressreizen. Daher stellt die erhöhte Belastung und Anfälligkeit gegenüber psychosozialem Stress, insbesondere in kritischen Phasen der Gehirnentwicklung, eine erhebliche Herausforderung dar. (s. Artikel: DIE ERKRANKUNG| Stress, sozialer Rückzug und Sensibilität - Verstärker von Symptomen und Auslöser für Psychosen?)
Es gibt Hinweise darauf, dass psychosoziale Stressfaktoren zur Krankheitsentwicklung beitragen, indem sie teilweise die Neuroinflammation verstärken. Kürzlich wurde eine einheitliche Übersicht veröffentlicht, die sich auf den Zusammenhang zwischen Kindheitstraumata und Psychosen konzentriert und Ergebnisse klinischer, neuropsychologischer und biologischer Studien integriert.
Personen mit Schizophrenie haben veränderte Stressreaktionen. Stress stimuliert das Nervensystem und verursacht die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin was zur Freisetzung von Stresshormonen wie Cortisol ins Blut führt. Diese Stresshormone fördern Aktivitäten, die den Stressor (Auslöser für den Stress) bekämpfen.
Obwohl Cortisol einige entzündungshemmende Wirkungen hat, ist seine Fähigkeit, Entzündungsreaktionen zu regulieren, bei Schizophrenie verändert. Bei gesunden Personen führte ein akuter Stressfaktor zu einem erhöhten Cortisolspiegel und einem Rückgang von Entzündungen. Bei Personen mit Schizophrenie wurde jedoch gezeigt, dass ein Anstieg des Cortisols mit einem Anstieg von Entzündungen einherging.
In diesem Sinne könnte die stressbedingte Freisetzung von Cortisol die Entzündungsreaktionen verstärken, anstatt entzündungshemmende Wirkungen zu haben, wie sie bei gesunden Personen beobachtet werden. Vorgeburtlicher psychischer Stress ist ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Schizophrenie verbunden.
5. Entzündungen und Depression
Schon lange ist das sogenannte "zytokininduzierte Krankheitsverhalten" bekannt, welches zum Beispiel im Rahmen eines grippalen Infektes auftritt. Dabei produzieren Immunzellen entzündungsfördernde Zytokine, die auf das Gehirn einwirken und depressionsähnliche psychische und Verhaltensänderungen hervorrufen, wie zum Beispiel gedrückte Stimmung, emotionale Labilität, Konzentrationsschwäche, Antriebs-/Motivationsverlust, sozialer Rückzug, Appetitmangel, Schlafstörungen und verminderte Körperpflege.
Wenn die Aktivierung des Immunsystems anhält, zum Beispiel bei chronischen Infektionen kann durch entzündungsfördernde Botenstoffe im Gehirn dazu veranlagter Personen eine Überdauerung des Krankheitsverhaltens entstehen, mit Symptomen einer Depression, denn diese Zytokine verringern die Verfügbarkeit von Serotonin und der Vorstufe Tryptophan im Gehirn. Solche Veränderungen könnten neben psychoreaktiven Faktoren für die erhöhte Häufigkeit von Depressionen bei den oben genannten somatischen Erkrankungen mitverantwortlich sein.
Eine Metaanalyse von 68 Studien fand zum Beispiel diskret erhöhte Spiegel der proinflammatorischen Zytokine bei akut erkrankten Patienten mit Schizophrenie, bipolarer Störung und schwerer Depression im Vergleich zu gesunden Vergleichspersonen. Nach Behandlung der akuten Erkrankung sanken die Entzündungsmarker sowohl bei Schizophrenie als auch bei schwerer Depression signifikant. Bei chronisch kranken Patienten waren die Entzündungen bei Schizophrenie und schwerer Depression im Vergleich zu Kontrollen signifikant erhöht.
Insgesamt gab es Ähnlichkeiten im Muster der Zytokinveränderungen bei Schizophrenie und schwerer Depression während der akuten und chronischen Krankheitsphasen, was die Möglichkeit gemeinsamer zugrundeliegender Pfade einer Immundysfunktion aufwirft. Zudem erhöhen Infektionen und Autoimmunerkrankungen das Risiko für die Manifestation dieser psychischen Erkrankungen.
6. Behandlung
Die Aminosäurevorstufe N-Acetylcystein (NAC) hat viele positive Eigenschaften, u.a. ist sie antioxidativ und entzündungshemmend. Eine NAC-Supplementierung verbessert die positiven und negativen Symptome und die Neurokognition bei Schizophreniepatienten mit hohem oxidativen Stress. (s. Artikel: SERIE |Wirkstoffe der orthomolekularen Medizin für negative Symptome: 1. NAC )
Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren weisen außerdem eine antioxidative Wirkung und eine entzündungshemmende Wirkung auf. (s. Artikel: DIE BEDEUTUNG VON OMEGA-3-FETTSÄUREN: Wie sie Psychosen verhindern und Symptome lindern können ? )
Dementsprechend bewirken entzündungshemmende Therapeutika die größte Symptomverbesserung bei neuropsychiatrischen Fällen, die mit starker Entzündung einhergehen. Beispielsweise wurde gezeigt, dass die Hemmung von Entzündungen die Symptome bei Menschen mit schwerer Depression verbessert, jedoch nur bei solchen mit erhöhten Immunbiomarkern.
Außerdem sind Heilpflanzen exzellente Antioxidatien, Entzündungshemmer und Immunverstärker. Phytochemikalien bieten aufgrund ihrer breiten Palette biologischer Aktivitäten, wie Immunabwehrstärkende, entzündungshemmende Wirkung und antioxidatives Potenzial, Beeinflussung der Neurotransmission potenzielle und vielfältige Alternativen zu Antipsychotika. Ein weiterer Artikel zu diesem Thema: "ENTZÜNDUNG ALS BEHANDLUNGSZIEL: Antipsychotische Heilpflanzen als Entzündungshemmer"
Heilpflanzen bei Stress und Entzündungen
sogenannte Adaptogene sind eine weitere effektive Behandlungsmöglichkeit bei Stress und Entzündungen, die daraus folgen. (Siehe Artikel: DIE GESUNDUNG | Adaptogene bei stressbedingten Psychosen und Depressionen )
Therapien bei Stress und Entzündungen
Die Reduzierung des psychosozialen Stresses und Entzündungen kann durch viele Aktivitäten erfolgen, wie:
Studien und Quellen
(1) Neuroinflammation and schizophrenia – is there a link? Cristiano Chaves, Serdar M. Dursun, Massimo Tusconi, aime E. C. Hallak, 2024
(2) Impact of neuroinflammation on brain glutamate and dopamine signalling in schizophrenia: an update. Usha Nayak, Jyothsna Manikkath, Devinder Arora, Jayesh Mudgal, 2025
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