BEHANDLUNGSZIELE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE | 5. Die Acetylcholin-Hypothese
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Phoenix -
11. Oktober 2025 um 05:34 -
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BEHANDLUNGSZIELE BEI PSYCHOSEN UND SCHIZOPHRENIE:
5. Die Acetylcholin-Hypothese
10 mögliche Dysfunktionen und Behandlungsziele sind:
1. Dopamin
2. Serotonin
3. Glutamat
4. GABA
5. Acetycholin
6. Noradrenalin
7. Endocannabinonid
8. Oxidativer Stress
9. Entzündungen
10. Immunsystem
| Bisher wurden Psychosen mit einem Überschuss eines bestimmten Botenstoffs im Gehirn, Dopamin, in Verbindung gebracht, was jedoch nicht alle Aspekte der Erkrankung erklären kann. Alltagsrelevante Symptome von schizophren Erkrankten, wie kognitive Symptome können mit Antipsychotika nicht behandelt werden, im Gegenteil, diese verschlimmern sich.
2006 hat eine internationale Forschergruppe eine neue Theorie zur Entstehung der Schizophrenie entwickelt. Die so genannte "Acetylcholin oder muskarinerge Hypothese der Schizophrenie
Acetylcholin wird mit Schizophrenie in Verbindung gebracht, da es eine Rolle bei der Aufmerksamkeit, dem Lernen und der Reizverarbeitung spielt und Störungen im cholinergen System mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Insbesondere deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass ein Mangel an Acetylcholin zu Symptomen wie Konzentrationsmangel, Reizüberflutung und Halluzinationen beitragen kann. Die Unfähigkeit des Gehirns, irrelevante Reize auszublenden ist ein häufiges Merkmal von Schizophrenie.
Das cholinerge System ist entscheidend für die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis und die Exekutivfunktionen, die bei Menschen mit Schizophrenie häufig beeinträchtigt sind. Einige Forscher glauben, dass ein niedriger Acetylcholinspiegel auch mit visuellen und akustischen Halluzinationen (Stimmenhören) in Verbindung stehen könnte. Es gibt auch Hinweise auf ein Ungleichgewicht zwischen Dopamin und Acetylcholin, das zu Psychosen beitragen kann.
Nikotin- und Muskarin-Rezeptor
Die Wirkung von Acetylcholin wird über zwei verschiedene Rezeptorsysteme, dem muskarinerge Acetylcholin-Rezeptor und nikotinergen Acetylcholin-Rezeptor vermittelt.
1. Der Nikotin-Rezeptor ist ein Hauptschwerpunkt der Forschung, da er an der kognitiven Funktion und der Reizverarbeitung beteiligt ist. Nikotin-Rezeptoren haben ihren Namen erhalten, weil Nikotin sie aktiviert. Sie helfen dabei, Signale im Gehirn zu übertragen und die Skelettmuskulatur zu aktivieren.
2. Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Muskarin-Rezeptor. Beispielsweise ist die Aktivierung von Muskarin-Rezeptoren eine mögliche therapeutische Strategie, da sie dazu beitragen kann, eine übermäßige Dopaminaktivität zu hemmen, die mit positiven Symptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen verbunden ist. Muskarin-Rezeptoren gibt es in allen Teilen des Körpers: im Herzen, im Darm, in den Drüsen und im Gehirn. Muskarin ist ein Pilzgift, das sie überaktiviert.
Während bei der Kampf-oder-Flucht-Reaktion hauptsächlich Noradrenalin eingesetzt wird , um den Körper in einen Aktionszustand zu versetzen, ist es Acetylcholin, das diese Reaktion ausgleicht und reduziert. Bei der cholinergen Aktivität wird Acetylcholin verwendet, um den Körper auf „Ernährung und Fortpflanzung“ sowie „Ruhe und Verdauung“ vorzubereiten. Acetylcholin ist Teil des sogenannten „parasympathischen Nervensystems“ und fördert alle Aktivitäten, die im Ruhezustand stattfinden sollten. Und mit Ruhe ensteht auch ein höherer Bewusstseinszustand: selektive Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis.
Angstzuständen und Depressionen
Während Acetylcholin steigernde Wirkstoffe positive und kognitive Symptome vermindern, kann eine Niedergeschlagenheit, negative Symptome und Depression mit einer erhöhten cholinergen Empfindlichkeit verbunden sein. Ein zu hoher Anstieg von Acetylcholin sollte vermieden werden um Angstzustände und Depressionen zu vermeiden.
Rauchen und Kaffee
Rauchen kann bei Schizophrenie durch Nikotin, das Acetylcholinrezeptoren aktiviert vorübergehend stimulierende Effekte haben, was möglicherweise die Symptome lindert. Ein niedriger Acetylcholinspiegel wird mit bestimmten Schizophreniesymptomen wie Halluzinationen in Verbindung gebracht, weshalb Nikotin bei manchen Patienten eine kurzfristige Linderung erfahren kann, obwohl der genaue Zusammenhang komplex ist. ( Siehe: Nikotin, Acetylcholin und kognitive Symptome - hilft und schadet Rauchen? )
Koffein kann die Acetylcholin-Freisetzung im Gehirn ebenfalls verstärken. Dies kann die kognitive Funktion und das Gedächtnis beeinflussen. Ein Übermass an Kaffee hat jedoch negative Auswirkungen auf psychotische Symptome. (Siehe: Psychosen: Hilft und schadet Kaffee?)
Aktuelle Forschung und gezielte Behandlung
Die gezielte Behandlung cholinerger Rezeptoren, insbesondere des nikotinischen und des muskarinischen Rezeptors, ist ein vielversprechendes Gebiet für die Entwicklung neuer Behandlungen, die die kognitiven Funktionen und die positiven Symptome der Schizophrenie verbessern können.
Verschiedene Wirkstoffe wie Heilpflanzen und Aminosäuren können positive und kognitive Symptome bessern, die im Zusammenhang mit den cholinerger Rezeptoren stehen. Aber auch Yoga, Atemübungen und Meditation haben einen Einfluss auf die Erhöhung von Acetylcholin und verbessern die kognitiven Funktionen und die positiven Symptome der Schizophrenie. |
Erklärvideo - Does Acetylcholine Affect Schizophrenia ?
1. Positive und kognitive Symptome
Bei Patienten mit Schizophrenie fällt auf, dass viel weniger muskarinischen Rezeptoren als bei Gesunden vorhanden sind.
Cholinerge Dysfunktion wurde mit kognitiven Schwierigkeiten bei Schizophrenie und anderen psychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht. Es wird vermutet, dass ein zu geringer Acetylcholingehalt im Gehirn bei Menschen mit Schizophrenie zu schlechter Wahrnehmung und möglicherweise sogar zu Psychosen führt.
Niedrige Acetylcholinspiegel im Gehirn spielen bei einer Reihe von Symptomen der Schizophrenie eine Rolle, darunter eine Reizüberflutung, also ein Überfluss irrelevanter Information (sensorisches Gating-Defizit) und visuelle oder akustische Halluzinationen. Forscher bestätigten, dass eine Erhöhung des verfügbaren Acetylcholins im Gehirn zur Linderung dieser Symptome beitragen kann.
Das wird dadurch bestätigt, das anders herum Medikamente, die muskarinischen Rezeptoren blockieren wie Atropin und Scopolamin, psychotische Symptome auslösen können. Während die Gabe von Substanzen, die den Abbau von Acetylcholin verlangsamen, führen bei älteren Patienten mit Schizophrenie zu einer Besserung der kognitiven Fähigkeiten. So können Agonisten an muskarinischen Rezeptoren zur Behandlung einer Schizophrenie eingesetzt werden.
2. Negative Symptome und Depression
Während Acetylcholin steigernde Wirkstoffe positive und kognitive Symptome vermindern, kann eine Niedergeschlagenheit, negative Symptome und Depression mit einer erhöhten cholinergen Empfindlichkeit verbunden sein.
Acetylcholin erhöht normalerweise die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wodurch die fokussierte Aufmerksamkeit erhöht wird und so kognitive Symptome verbessert. Allerdings kann ein Anstieg von Acetylcholin zu Symptomen im Zusammenhang mit Angstzuständen und Depressionen führen.
Medikamente, die Acetylcholin blockieren (wie Scopolamin), haben eine antidepressive Wirkung, während Medikamente, die Acetylcholin erhöhen, Depressionen verschlimmern können.
3. Behandlung
Positive und kognitive Symptome
Acetylcholin wird in cholinergen Neuronen aus Cholin hergestellt, das bei der Verbrennung von Zucker und Fetten entsteht. Cholin kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden und muss daher über die Nahrung aufgenommen werden.
Nachdem es seine Wirkung entfaltet hat, wird Acetylcholin durch ein Enzym namens Acetylcholinesterase abgebaut. Wird viel Acetylcholin abgebaut, sinkt sein Spiegel zu stark und psychotische Symptome können im Krankheitsfall die Folge sein.
Medikamente, die dieses Enzym blockieren, fördern die Wahrnehmung und werden bei der Alzheimer-Krankheit eingesetzt (wie Galantamin, ein Wirkstoff des Schneeglöckchens, s. Artikel)
Cholinesterasehemmer (z.B. Galantamin) erhöhen die Konzentration von Acetylcholin durch Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase. Diese Hemmstoffe werden zur Verbesserung der kognitiven Funktion bei Demenz eingesetzt.
Galantamin ist nicht nur ein Cholinesterasehemmer, sondern auch ein Modulator an Nikotinrezeptoren. Dieser kombinierte Wirkmechanismus könnte bei Schizophrenie vorteilhafter sein, und erste Zusatzstudien mit Galantamin haben eine signifikante Verbesserung einiger Aspekte der kognitiven Funktion gezeigt.
Gleichzeitig wurde festgestellt, dass Anticholinergika also Muskarin-Antagonisten sowohl bei gesunden Kontrollpersonen als auch bei Patienten mit Schizophrenie kognitive Störungen verursachen und zu einer Verschlechterung der positiven Symptome führen.
Negative Symptome und Depression
Anticholinergika hingegen, die Acetylcholin senken, werden mit einer Verbesserung der negativen Symptome und Depressionen der Schizophrenie in Verbindung gebracht. Patienten mit Schizophrenie berichten von einer aktivierenden Wirkung von Anticholinergika, was gelegentlich zu einem Missbrauch dieser Medikamente führt, da sie eigentlich nur Linderung von Nebenwirkungen von Antipsychotika, wie Bewegungsstörungen eingesetzt werden sollen.
Da der Muskarinrezeptor-Antagonist Scopolamin kürzlich mit starken antidepressiven Wirkungen in Verbindung gebracht wurde, muss das Wirkungsspektrum von Anticholinergika möglicherweise neu bewertet werden.
4. Erhöhung von Acetylcholin zur Besserung positiver und kognitiver Symptome
Untersuchungen zeigen, dass folgende Ernährung oder Nahrungsergänzung entweder die Produktion von Acetylcholin im Körper steigern oder dessen Rückresorption blockieren, sodass es länger im System verbleibt:
Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte und Eier sind allesamt Cholinquellen. Wer sich pflanzlich ernährt, kann dennoch ausreichend Cholin aus Kreuzblütlern, Sojabohnen, Nüssen, Samen und Vollkornprodukten aufnehmen.
Omega 3
Omega 3 erhöht den Acetylcholinspiegel im Gehirn und im Verdauungssystem.
Koffein
Koffein kann die Acetylcholin-Freisetzung im Gehirn ebenfalls verstärken. Dies kann die kognitive Funktion und das Gedächtnis beeinflussen. Ein Übermass an Kaffee hat jedoch negative Auswirkungen auf psychotische Symptome. (Siehe: Psychosen: Hilft und schadet Kaffee?)
Mineralien
Zink
Kupfer
Aminosäuren
Glycin, D-Serin, D-Alanin, Citicolin werden erfolgreich bei kognitiven Symptomen eingesetzt.
Heilpflanzen und sekundäre Pflanzenstoffe:
Heilpflanzen die den Acetylcholinspiegel erhöhen sind Schneeglöckchen, Ginkgo, Ginseng, Brahmi, Indisches Basilikum, Safran, Tigergrass (Gotu Kola), Rosenwurz und Ashwagandha. Die Kombination von Ginkgo mit Ginseng hat in Studien zu einer verstärkten Freisetzung von Hirnbotenstoffen geführt, die für das Lern- und Erinnerungsvermögen zuständig sind. Ginsenoside, die wichtigsten bioaktiven Bestandteile der Ginseng-Wurzel, unterstützen die Kognition, indem sie auf das cholinerge System einwirken.
Kräuter und Gewürze
Rosmarin: Wissenschaftler untersuchen, ob Rosmarinextrakt ein antidepressives Potenzial hat, indem er die cholinerge Aktivität in Gehirnzellen steigert.
Oregano: Carvacrol , eine bioaktive Verbindung in wildem Oregano , blockierte den Acetylcholinabbau.
Fenchelsamen: Die Aktivität der Acetylcholinesterase wurden im vorklinischen Studien durch Fenchelsamen signifikant reduziert
Safran: Safran blockierte den Acetylcholinabbau. Crocetin, ein Carotinoid in Safran, erhöhte die Entspannung der cholinergen Blutgefäße.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Curcumin. Es wird angenommen, dass Curcuminoide starke Inhibitoren der Acetylcholinesterase sind. Curcumin steigerte die Aktivität von Acetylcholin.
Quercetin. Quercetin erhöhte Acetylcholin, um das Gedächtnis zu verbessern und Angstzustände zu reduzieren.
Traubenkernextrakt (OPC): Traubenkernextrakt, bekannt für seine antioxidativen Eigenschaften, kann die kognitiven Funktionen unterstützen, indem er die Gehirnzellen vor oxidativem Stress schützt.
5. Heilmethoden zur Erhöhung von Acetylcholin und Besserung psychotischer Symptome
Studien deuten darauf hin, dass Yoga die Aktivität des Vagusnervs, des Acetylcholins und des Parasympathikus im Allgemeinen steigert. Eine 12-wöchige Yoga-Intervention war mit einer stärkeren Verbesserung der Stimmung und Angst verbunden als eine Kontrollgruppe, die Gehübungen machte. Die Studie ergab erhöhte GABA-Spiegel im Thalamus, die mit einer verbesserten Stimmung und einer Verringerung der Angst verbunden sind.
Tiefes und langsames Atmen stimuliert den Vagusnerv und die Acetylcholinaktivität. Langsames Atmen erhöht die Empfindlichkeit der Barorezeptoren und die Vagusaktivierung, was den Blutdruck senkt, Acetylcholin steigert und Ängste durch die Stärkung des parasympathischen Systems verringert.
Verschiedene Arten der Meditation können das Ruhe- und Verdauungssystem stärken, Acetylcholin und die Wahrnehmung steigern. Meditation der liebevollen Güte erhöht den Vagustonus. Außerdem stimuliert das Om-Gesang den Vagusnerv, was den Acetylcholinspiegel steigert.




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