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ANTIPSYCHOTISCHE HEILPFLANZEN |
Lässt sich mit einer Kombination aus antipsychotischen Heilpflanzen, sekundären Pflanzenstoffen und Bioenhancern die antipsychotische Wirkung weiter steigern ?
Bisher wurden ca. 50 antipsychotische Heilpflanzen vorgestellt, die bei den wichtigsten Symptomen von Psychosen und Schizophrenie zur Besserung führen. Diese Heilpflanzen können nun mit sekundären Pflanzenstoffen und Bioenhancern, entsprechend der Symptome und des Bedarfs kombiniert und in ihrer Wirkung gesteigert werden.
Folgende Faktoren haben Einfluss auf die Wirksamkeit von antipsychotischen Heilpflanzen:
- Qualität und Zubereitung
- Kombination in Formulierungen
- Ergänzung mit sekundären Pflanzenstoffen
- Ergänzung mit Bioenhancern
- Kombination aus sekundären Pflanzenstoffen, Heilpflanzen, Psychobiotika, Präbiotika und Aminosäuren
1. Qualität und Zubereitung

Unbehandelte Pflanzenbestandteile, wie Wurzeln, Blätter oder Samen enthalten die Wirkstoffe, wie ätherische Öle, in höchster Form gespeichert. Die größte Wirkung lässt sich daher am besten realisieren, wenn Heilpflanzen in Rohform eingekauft und in einer Mühle frisch zu Pulver gemahlen werden.
Heilpflanzen in Pulverform, als Tabletten gepresst oder in Kapseln haben in der Regel ihre Wirkstoffe zum Teil schon verloren.
Ein Artikel befasst sich ausführlich mit dem Einkauf, der Qualität und die Zubereitung von Heilpflanzen:
2. Heilpflanzen-Kombinationen in Formulierungen
Bei einer komplexen Erkrankung - wie bei Schizophrenie - mit funktionsgestörten biochemischen Prozessen auf der körperlichen Ebene, ergeben sich unterschiedliche Behandlungsziele, wie die verschiedenen Botenstoffe mit ihren Rezeptoren, wie das Dopamin-, Serotonin-, Glutamat-, Acetylcholin- und GABA-System usw. Eine Multi-Target-Strategie bietet die größten Erfolgschancen. Jede Heilpflanze hat eine andere Wirkungsweise und unterschiedliche Behandlungsziele, kann also verschiedene Botenstoffsysteme regulieren.
Mit einer Kombination von antipsychotischen Heilpflanzen können die Effekte verstärkt werden. In der TCM, Ayurveda und japanischen Kampo-Tradition werden feste Kombinationen von 10-30 antipsychotischen Heilpflanzen in standardisierten Proportionen verwendet. Die Inhaltsstoffe können im menschlichen Organismus unterschiedliche Ziele und Wirkmechanismen haben und daher in Kombination eine bessere Wirkung erzielen.
Die Inhaltsstoffe können auch synergistisch wirken und so neue, einzigartige Wirkungen erzielen, die mit keinem Inhaltsstoff allein erzielt werden können. Synergistisch bedeutet, dass die Kombination die Entstehung einer neuen Aktivität bewirkt, die nur der Kombination zweier oder mehr Inhaltsstoffe vorbehalten ist.
Die Wirkungssteigerung zeigt sich auch in Studien im Vergleich zu Antipsychotika. Während einzelne Heilpflanzen Antipsychotika noch um 20-30% unterlegen sind, erreichen antipsychotische Heilpflanzen-Formulierungen der Ayurvedischen Medizin und der TCM, wie Brahmi Vati, Wendan, Yokukansan oder Shi-Zhen-An-Shen, gleiche oder sogar schon eine bessere Wirksamkeit als Antipsychotika.
Siehe Artikel:
3. Ergänzung mit sekundären Pflanzenstoffen
Forschungen zeigen, dass eine Kombination von sekundären Pflanzenstoffen zur Wirkungssteigerung führt. Insbesondere die antioxidativen, entzündungshemmenden und immunverstärkenden Eigenschaften sind für Psychosen und Schizophrenie von großer Bedeutung, da oxidativer Stress, Entzündungen und abnormale Reaktionen des Immunsystems den Ausbruch und die Dauer von Psychosen beeinflussen können.
Der Antioxidantien-Blutspiegel sinkt, bevor eine Psychose einsetzt, und der Blutspiegel von oxidativem Stress steht im Zusammenhang mit der Schwere der Symptome bei Patienten. Schließlich zeigte sich, das eine Behandlung mit Antioxidantien bei Schizophreniepatienten wirksam ist. So konnte der Klinikaufenthalt um eine Woche verkürzt werden, wenn psychotische Patienten mit ausreichend Antioxidatien über frisches Obst und Gemüse oder Nahrungsergänzung versorgt wurden.
In Studien konnte gezeigt werden, das sich das entzündunglindernde Potential von sekundären Pflanzenstoffen in der Kombination gesteigert hat. So verstärkten sich Quercetin, Piperin und Curcumin. Weitere sekundäre Pflanzenstoffe die bei einer Kombination eine Wirkungssteigerung zeigten waren Resveratrol und OPC.
Sekundäre Pflanzenstoffe die eine antipsychotische Wirkung zeigten und als Ergänzung genutzt werden können, sind in diesem Artikel ausführlich beschrieben:
4. Ergänzung mit Bioenhancern
Bioenhancer sind Substanzen, die die Verfügbarkeit von Wirkstoffen an deren Zielstrukturen steigern. Durch die gezielte Gabe von natürlich vorkommenden Bioenhancern wird die Wirksamkeit von Arzneistoffen und Nutraceuticals gesteigert.
"Bioenhancer sind entscheidend für die Erhöhung der Bioverfügbarkeit vieler synthetischer Arzneimittel. Diese Eigenschaften sind nützlich, um die Dosis von Arzneimitteln zu reduzieren und die therapeutische Wirksamkeit von Arzneimitteln mit geringer Bioverfügbarkeit zu erhöhen." (3)
Folgende Mechanismen werden für die Verbesserung der Bioverfügbarkeit von Stoffen durch Bioenhancer genannt:
- Erhöhung der Resorption von Stoffen im Darm
- Hemmung des Abbaus von Stoffen im Darm und in der Leber
- Erhöhung der Durchlässigkeit
- Verbesserung der Bindungsmöglichkeiten für Wirkstoffe an den Bindungsstellen
- Verbesserung der Überwindbarkeit der Blut-Hirn-Schranke
Typische Bioenhancer in der ayurvedischen Medizin und der TCM sind Pfeffer (Piperin), Kurkuma (Curcumin), Ingwer und Süssholz (Glycyrrhizin), die zur Wirkungssteigerung eingesetzt werden und daher auch ein fester Bestandteil in vielen traditionellen Heilpflanzen-Formulierungen sind.
1. Piperin, ein Inhaltsstoff des Pfeffers, zeigte eine Wirkung als Bioenhancer für Vitamine, Aminosäuren, Mineralien sowie für pflanzliche Wirkstoffe. Piperin kann die Bioverfügbarkeit einiger Antipsychotika wie Haloperidol erhöhen. Dies könnte möglicherweise niedrigere Dosierungen dieser Medikamente ermöglichen und das Risiko von Nebenwirkungen verringern. (1) ![]() Haloperidol, ein konventionelles Antipsychotikum, wurde in einem Tiermodell für Ketamin-induzierter Psychose mit Piperin gemischt, um das Wechselwirkungspotenzial dieser Mischung zu untersuchen. Es zeigte sich eine stärkere Verringerung des Dopaminspiegels und der psychotischen Symptome in der Haloperidol-Piperin-Gruppe im Vergleich zur Haloperidol-Monotherapie, was eine verbesserte therapeutische Wirksamkeit widerspiegelt. "Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Piperin die Haloperidol-Exposition erhöhen kann, was möglicherweise eine Dosisreduktion und Minimierung dosisabhängiger Nebenwirkungen ermöglicht." (1) |
2. Curcumin, ein Wirkstoff aus Kurkuma, kann als Bioenhancer die Bioverfügbarkeit anderer Stoffe, einschließlich Medikamenten, erhöhen. Curcumin hemmt wie Piperin Enzyme, die Wirkstoffe abbauen. Eine Kombination mit Piperin (aus schwarzem Pfeffer) ist ebenfalls bekannt, um die Bioverfügbarkeit von Curcumin zu verbessern. (siehe Schaubild) |
3. Ingwer fördert aufgrund der enthaltenen Gingerole die Resorption zahlreicher Verbindungen im Darm, darunter auch Arzneistoffe. In den meisten Fällen wirkt Ingwer dabei synergistisch mit Piperin.
4. Süßholz, bzw. Glycyrrhizin ein Saponin der Süßholzpflanze, erhöht die Aktivität zahlreicher Antibiotika.
5. Quercetin, ein Flavonoid aus Früchten und Blättern verschiedener Pflanzen, wirkt ähnlich wie Curcumin und Piperin. Im Tierversuch erhöhte Quercetin die Bioverfügbarkeit.
Daher ist es empfehlenswert in jede Heilpflanzen-Mischung zusätzlich schwarzen Pfeffer, Kurkuma, Ingwer und Süßholz zu geben um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen und damit die Wirksamkeit.
5. Kombination aus sekundären Pflanzenstoffen, Heilpflanzen, Psychobiotika, Präbiotika und Aminosäuren

Auch wenn es keine Studien zur Wirkung einer Kombination bei Psychosen gibt, so kann man doch bei Depressionen und Stress sehen, das eine Kombination von sekundären Pflanzenstoffen, Heilpflanzen, Psychobiotika, Präbiotika und Aminosäuren die Wirkung weiter steigert. (4)
Eine Reihe natürlicher Nahrungsergänzung kann eine sichere und wirksame Behandlung von Depressionen, Angstzustände und Stress sein, darunter Probiotika (nützliche Bakterien), Präbiotika (fermentierbare Ballaststoffe), Phytobiotika (Pflanzennährstoffe mit darmgesundheitsfördernden Vorteilen), sekundäre Pflanzenstoffe, Heilpflanzen und Aminosäuren.
Welchen Effekt erzielt nun eine Kombination aus diesen Wirkstoffen ? Die Tabelle zeigt die Wirkung der einzelnen Bestandteile (Besserung in % gegenüber Placebo) und deren Kombination:
| Depression | Stress | |
| Ashwagandha | 30% (in 12 Wochen) | 20% (in 10 Wochen) |
| L-Theanin (Aminosäure) | 30% (in 8 Wochen) | 20% (2 h) |
| Psychobiotika | 35% (in 4 Wochen) | 15% (in 6 Wochen) |
| Kombination | 55% (+20%) (in 4 Wochen) | 45% (+25%) (in 4 Wochen) |
Studie
"Angesichts der Unzulänglichkeit bestehender Behandlungsmethoden, wie ein schlechtes Wirksamkeit-Nebenwirkungs-Verhältnis verschreibungspflichtiger Antidepressiva und der sich abzeichnenden Hinweise auf positive psychologische Vorteile von funktionellen Nahrungsmitteln, die auf das Mikrobiom und die Darm-Hirn-Achse abzielen" (4), bestand das Ziel einer Studie darin, die psychologische Stimmungslage nach einer pro-/prä-/phytobiotischen Nahrungsergänzung zu bestimmen.
32 gesunde Probanden, die „moderate“ psychische Belastungen angaben, erhielten 30 Tage lang ein Nahrungsergänzungsmittel (NEM) oder ein Placebo. Die Teilnehmer der NEM-Gruppe nahmen täglich (morgens, mit oder ohne Frühstück) eine Portion eines natürlichen, mehrbestandteiligen Nahrungsergänzungsmittels ein.
![Concept of nutraceuticals [15]. | Download Scientific Diagram](https://www.researchgate.net/publication/349553034/figure/fig1/AS:1080303514849375@1634575837610/Concept-of-nutraceuticals-15.jpg)
In Anerkennung der kürzlich nachgewiesenen Vorteile von Probiotika und Präbiotika enthielt das Nahrungsergänzungsmittel wissenschaftlich validierte Bakterienstämme, klinisch erprobte präbiotische Ballaststoffe und ausgewählte Nährstoffe mit nachgewiesenen funktionellen Vorteilen für das geistige Wohlbefinden entlang der Darm-Hirn-Achse. (4)
Es wurden folgende Inhaltsstoffe verwendet:
- Probiotika
(u.a. Lactobaciluus helveticus für Serotonin/Depression; Bifidobacterium longum für GABA/Angst; und Lactobacillus
rhamnosus für Cortisol/Stress) - Präbiotika
(Kiefernrindenpolyphenole) - Phytobiotika
(Apfelpolyphenole, Traubenkernpolyphenole) - Sekundäre Pflanzenstoffe
(Artischockenblattextrakt, Ingwerwurzelextrakt) - Antidepressive Heilpflanzen
(Ashwagandha, Magnolienrinde, Rafuma (Apocynum venetum), Kanna (Sceletium tortuosum), - Aminosäuren
(L-Theanin)
Die Parameter der psychischen Stimmung wurden mithilfe der validierten Profile of Mood States-Umfrage (POMS) beurteilt, um Werte für die globale Stimmung und sechs Unterskalen (Depression, Anspannung, Müdigkeit, Wut, Verwirrung und Vitalität) zu ermitteln.
Ergebnisse
1. Nach 30 Tagen Nahrungsergänzung kam es zu einem signifikanten Anstieg der Populationen „guter“ Bakterien in der NEM-Gruppe (+28 % Lactobacillus; +30 % Bifidobacterium) und des Gesamtscores (+17 %) im Vergleich zum Placebo.
2. Die psychologischen Indizes verbesserten sich in der NEM-Gruppe sowohl für positive Parameter wie allgemeine Stimmung (+25 %) und Vitalität (+25 %) als auch für negative Parameter wie Depression (-55 %), Anspannung (-45 %), Müdigkeit (-64 %), Verwirrung (-42 %), Wut (-54 %) im Vergleich zum Placebo signifikant.
Vergleich zu Antidepressiva
Eine Metaanalyse mit 522 Studien mit 116.477 Teilnehmern kommt zu dem Ergebnis: (1)
„Was wir herausgefunden haben ist folgendes: Die Wirkung von Antidepressiva und Placebo unterscheidet sich nur um 1,97 Punkte auf einer Skala von 52 Punkten. Dieser Unterschied ist minimal ... Es herrscht der weitverbreitete Glaube, dass Antidepressiva gegen Depressionen helfen, denn das wurde uns jahrzehntelang eingebläut.“ (1)
Das bedeutet, das die Wirkung von Antidepressiva eine Verbesserung von 12% und Placebo von 10% in 6 - 8 Wochen bewirkt. D.h. der Placeboeffekt bei Antidepressiva beträgt 85%.

"Es kann also wirklich bezweifelt werden, ob Antidepressiva überhaupt eine Wirkung haben, aber was sie bewirken, ist, dass sie Menschen jahrelang abhängig machen." ...."Früher sagten die Psychiater, dass Depression eine selbstlimitierende Krankheit ist, dass sie auch ohne Behandlung den meisten Menschen besser geht, also nur wenig Fälle chronisch werden. Heute sagen Psychiater, dass Depressionen sich verändert haben, es ist eine andere Krankheit, weil sie jetzt chronischer ist und was sie nicht wahr haben wollen ist, dass sie das mit ihren Medikamenten verursacht haben, das ist verrückt !" Prof. Götzsche
Quelle:
(1) Considering the methodological limitations in the evidence base of antidepressants for depression: a reanalysis of a network meta-analysis. Klaus Munkholm, Asger Sand Paludan-Müller, Kim Boesen, 2019
Schlussfolgerungen
Die Autoren der Studie schlussfolgern: "Die Weltgesundheitsorganisation hat psychische Probleme als Hauptursache für die globale Gesundheitsbelastung identifiziert – und betont damit die Dringlichkeit, Lebensstilinterventionen zu entwickeln, um Depressionen, Angstzustände und Stress wirksam zu behandeln. Diese Ergebnisse zeigen die enge Beziehung zwischen dem Gleichgewicht des Mikrobioms und psychologischen Parametern – und den Nutzen gezielter Nahrungsergänzungsmittel, um die Darm-Hirn-Achse positiv zu beeinflussen und so das psychische Wohlbefinden zu verbessern." (1)
Studien und Quellen
(1) Effects of piperine-haloperidol mixture on ketamine induced schizophrenia rats and metabolism-mediated inhibitory potency: in-vivo and in-vitro evaluation. B R Pradeepa, T M Vijayakumar, K Manikandan, 2024
(2) EVALUATION OF NEUROLEPTIC ACTIVITY OF PIPERINE ON PSYCHOSIS INDUCED SWISS ALBINO MICE. Vani Reddy, Lakshmi Vara. 2018
(3) A Recent Review on Bio-availability Enhancement of Poorly Water-soluble Drugs by using Bioenhancer and Nanoparticulate Drug Delivery System
Mohit Kumar 1, Devesh Kumar 1, Sumant Kumar 1, Akshay Kumar 1, Uttam Kumar Manda, 2022
(4) Effect of Coordinated Probiotic/Prebiotic/Phytobiotic Supplementation on Microbiome Balance and Psychological Mood State in Healthy Stressed Adults
S. Talbott, B. Stephens, Marc P. Oddou, 2018


