SERIE 30 (2): Pflanzliche Wirkstoffe und Heilpflanzen bei Psychosen und Schizophrenie: Nr. 2 - GINKGO

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SERIE 30 (2) : Pflanzliche Wirkstoffe und Heilpflanzen bei Psychosen und Schizophrenie:

Nr. 2 - GINKGO



1. ALLGEMEIN

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird seit mehr als 2000 Jahren zur Behandlung von psychischen Erkrankungen, einschließlich Schizophrenie, eingesetzt. In der TCM ist Ginkgo ein unentbehrliches Naturheilmittel. Es werden nicht nur Extrakte aus den Blättern, sondern auch Abkochungen aus den Samen oder Wurzeln verwendet. Extrakte aus Ginkgo biloba-Blättern (im Folgenden abgekürzt EGb) gehören weltweit zu den am häufigsten eingesetzten pflanzlichen Heilmitteln.


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Ginkgo biloba kann Patienten mit Schizophrenie in mehrfacher Hinsicht helfen. Mehrere Studien zeigen eine Verbesserung der Symptome in verschiedenen Bereichen, insbesondere bei positive Symptome (Halluzinationen, Wahn), aber auch bei negativen und allgemeinen Symptomen (Ängsten) sowie leichter kognitiver Beeinträchtigung und bei der Verringerung der Nebenwirkungen von Antipsychotika, wie Toxizität, Symptome des Nervensystems und tardiver Dyskinesie und Akathisie (Sitzunruhe).


220px-Ginkgo_biloba_007.jpg2. PFLANZE (BAUM)

Sein Name stammt aus dem Chinesischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Silberaprikose“. Der Name rührt daher, dass die essbaren Samen mit ihrer fleischigen Samenschale und ihrer silbrig-gelben Farbe ähnlich aussehen wie Aprikosen. Der Baum gilt als heilig, wird daher häufig in Tempelanlagen gepflanzt und so auch als Tempelbaum bezeichnet. Er ist ein Symbol für Hoffnung, Fruchtbarkeit und ein langes Leben – nicht zuletzt deshalb, weil er der wohl älteste Baum unserer Zeit ist. Schon vor 300 Millionen Jahren soll er die Erde begrünt haben. Er gilt daher als lebendes Fossil und Wunderbaum zugleich. Der Ginkgo ist ein sommergrüner Baum, das heißt, er wirft im Herbst seine Blätter ab. Er soll 2000 Jahre und älter werden und Wuchshöhen bis über 60 Meter und einen Brusthöhendurchmesser bis über 5 Meter erreichen. In Japan werden die geschälten Ginkgosamen beim Hochzeitsmahl als Glückssymbol verzehrt. Ein 3000 Jahre alter und 26 Meter hoher Ginkgo steht in der Provinz Shandong (China). Hier der älteste Ginko-Baum aus Japan (Foto s.u.)


3. REGION

Der Ginkgo oder Ginko (Ginkgo biloba) ist eine in der Volksrepublik China heimische, heute weltweit angepflanzte Baumart.


4. WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN

In einer Meta-Analyse wurden acht randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit 1033 Patienten aufgenommen, davon 571 Fälle in der EGb-Gruppe und 462 in der Placebo-Gruppe. Das Ergebnis zeigte, dass EGb einen signifikanten Unterschied bei der Verbesserung der Gesamt- , Positiv- und Negativsymptome der chronischen Schizophrenie meist als ergänzte Therapie zu Antipsychotika aufwies.


Das Ergebnis einer weiteren systematischen Übersichtsarbeit von Wissenschaftlern aus Boston und Groningen: In der Arbeit wurden 110 randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet, in denen die Wirksamkeit von Präparaten der Komplementärmedizin (CAM), z. B. pflanzliche Arzneimittel, Vitamin-Präparate u. a. bei Patienten mit Psychosen untersucht wurde. Dabei wurden vier Studien mit Ginkgo biloba-Extrakt gefunden. In allen vier Studien minderte die zusätzliche Gabe von Ginkgo biloba bei Schizophreniepatienten Antipsychotika-induzierte Nebenwirkungen auf Verhalten, neurologische Symptome und Spätdyskinesien. In drei der vier Ginkgo-Studien besserten sich Positivsymptome; in zwei auch die generelle Psychopathologie. Es zeigten sich keine unerwünschten Effekte durch Ginkgo biloba.


Weitere Studie wurden durchgeführt, um die Auswirkungen von EGb auf neuropsychiatrische Symptome, bei Angststörungen, bei leichter kognitiver Beeinträchtigung und tardiver Dyskinesie mit signifikanten Ergebnissen.



5. WIRKUNGSWEISE


Die klinische Wirksamkeit von Ginkgo biloba stützt sich auf drei Mechanismen im zentralen Nervensystem:

  • die Stabilisierung der mitochondrialen Energiegewinnung
  • die Unterstützung der neuronalen Zellvernetzung,
  • die Verstärkung der dopaminergen und cholinergen Neurotransmittersysteme.

Die Ginkgolide A, B und C sowie das Bilobalid wirken durchblutungsfördernd und die Sauerstoffversorgung des Gewebes steigert. Ginkgo biloba, hat antioxidative Eigenschaften , die die Gehirnzirkulation auf mikrovaskulärer Ebene und damit das Outcome bei Psychosen verbessern.


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6. ANTIPSYCHOTISCHE WIRKUNG

Mehrere Studien zeigen eine Verbesserung der Symptome in verschiedenen Bereichen, insbesondere auf eine Wirkung auf positive Symptome (Halluzinationen, Wahn), bei allgemeinen Symptomen (Ängsten) sowie leichter kognitiver Beeinträchtigung und bei der Verringerung der Nebenwirkungen von Antipsychotika, wie Toxizität, Symptome des Nervensystems und tardiver Dyskinesie und Akathisie (Sitzunruhe).


7. EFEKTSTÄRKE

Die Effektstärke von AP liegt im Durchschnitt bei ca. 10% Verbesserung der Symptome in 6 Wochen. Insgesamt nur 25% der Patienten spüren eine Wirkung von AP gegenüber Plazebo. 18% davon minimal und 9% eine gute Besserung des psychotischen Symptome bei 6 Wochen Behandlungszeit. 75% haben keine Verbesserung , aber z.T. schwere Nebenwirkung durch AP.


Bei Psychosen:

8 Studien mit ca. 1000 Testpersonen. In der EGb-Gruppe, nicht jedoch in der Placebo-Gruppe, wurde eine signifikante Verringerung (mehr als 5% im Durchschnitt) der gesamten positiv und negativen Symptome festgestellt bei 12-wöchigen Behandlung. Von denjenigen, die mit EGb plus Antipsychotika behandelt wurden, sprachen 60% auf die Gabe an, im Vergleich zu 40% mit AP und Plazebo.


Bei generalisierter Angststörung:

Das primäre Ergebnis einer Studie mit 80 Testpersonen war eine Veränderung auf der HAMA-Skala (Messung von Ängsten) um mindestens 50 %. Die Autoren berichteten von einer signifikanten Verbesserung der psychopathologischen Symptome. Die Ansprechraten betrugen 44 % in der Hochdosisgruppe, 31 % in der Niedrigdosisgruppe und 22 % unter Placebo. Außerdem betrugen die Prozentsätze der klinisch signifikanten Reaktionen 81 %, 67 % und 38 % für die Hochdosis-, die Niedrigdosis- bzw. die Placebogruppe.


Bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen:

Bei einer Studie mit 160 Patienten wurde eine Überlegenheit (mehr als 5% im Durchschnitt) von EGb gegenüber Placebo festgestellt. Ginkgo wirkt vor allem bei den kognitiv eingeschränkten Personen angstlösend.


Bei tardiven Dyskinesie:

Bei einer Studie mit 150 Patienten wurde der Schweregrad der tardiven Dyskinesie anhand der Abnormal Involuntary Movement Scale (AIMS) bewertet. Eine signifikante Verbesserung wurde in der Gb-Gruppe im AIMS-Score festgestellt. 51,3 % gegenüber 5,1 % zu Plazebo spürten eine Abnahme von mindestens 30 % im AIMS.


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8. ALLGEMEINE WIRKUNGSWEISE

  • antibakteriell
  • pilzhemmend
  • antioxidativ/zellschützend
  • durchblutungsfördernd
  • neuroprotektiv (nervenschützend)
  • antiallergisch
  • krebshemmend
  • verdauungsfördernd
  • beruhigend
  • schmerzstillend

9. NEBENWIRKUNGEN

Eine Metaanalyse von Gauthier S et al. belegt zudem die klinische Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Ginkgo biloba EGb 761 in Tagesdosen von 240mg. Es wurden keine Nebenwirkungen von Ginkgo berichtet.


10. ANWENDUNG ALLGEMEIN

Im Zentrum stehen dabei sowohl kognitive Beschwerden, wie Konzentrationsschwäche und ein nachlassendes Erinnerungsvermögen als auch Verdauungsbeschwerden sowie Erkrankungen der Atemwege wie Husten und Asthma. Gingko-Extrakt gehört zu den am besten erforschten und am häufigsten verwendeten pflanzlichen Mitteln für die Behandlung von Alzheimer. Die Einnahme von Ginkgo ist zudem eine beliebte präventive Massnahme, um dem natürlichen Alterungsprozess und damit einhergehenden Beschwerden entgegenzuwirken. Weitere Anwendungen sind

  • das metabolische Syndrom ( Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker, hohe Blutfettspiegel, Übergewicht)
  • Angstzustände
  • Depressionen
  • Migräne
  • Schwindel
  • Menstruationsbeschwerden
  • Unruhezustände

11. DOSIS UND DAUER

Die Dosis und Dauer schwankt in den Studien je nach Anwendungsgebiet:

  • Psychose als Zugabe zu AP: 360 mg/Tag mit dreimal 120 mg täglicher Dosierung verabreicht für 12 Wochen
  • Generalisierte Angststörung : 480 mg/Tag (Hochdosis ) oder 240 mg/Tag (Niedrigdosis).
  • leichter kognitiver Beeinträchtigung: 240 mg/Tag für 24 Wochen.
  • tardive Dyskinesie: 240 mg/Tag für 12 Wochen
  • Demenz: 240 mg/Tag 6 Monate

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12. PRODUKTE UND EINKAUF

Ginkgo-Extrakt gibt es in den meisten Fällen in Form von Tabletten oder Kapseln zu kaufen. Präparate findet man in der Apotheke, in Drogerien oder im Internet. In Arzneimitteln wird etwa der standardisierte Extrakt EGb 761 verwendet, der auch in den Studien zur Anwendung kam. Beim Kauf ist auf diese Qualität zu achten. Von Ratiopharm gibt es Online oft 50% Rabatt. Da kommt man auf 35€ im Monat, das sind 1€ am Tag.


13. FAZIT

Mehrere Studien zeigen eine Verbesserung der Symptome durch Ginkgo-Extrakt in verschiedenen Bereichen, insbesondere eine Wirkung auf positive Symptome (Halluzinationen, Wahn), aber auch bei negativen und bei allgemeinen Symptomen (Ängsten) sowie leichter kognitiver Beeinträchtigung und bei der Verringerung der Nebenwirkungen von Antipsychotika, wie Toxizität, Symptome des Nervensystems und tardiver Dyskinesie und Akathisie (Sitzunruhe).


Die durchschnittliche Verbesserung liegt bei über 5% bei psychotischen Symptomen bei einer Behandlungsdauer von 12 Wochen, im Vergleich zu 10% in 6 Wochen bei AP.


Hinzu kommen eine über 5% Verbesserung der kognitiven Symptome, eine über 50% ige Verbesserung von Ängsten und eine 30% ige Verbesserung von tardiver Dyskinesie.


20%, ähnlich wie bei AP, haben gegenüber Plazebo eine medizinisch nachweisbar Verbesserung bei psychotischen Symptomen, jedoch ohne die Belastung durch Nebenwirkungen. Die mögliche Kombination mit weiteren Heilpflanzen erhöht die Heilungschancen. Von 40% der chinesischen Schizophrenie-Patienten die zu AP das gesamte Potential der Traditionelle Chinesischen Medizin nutzen haben 60% verbesserte klinische Ergebnisse im Vergleich zu 30% Nicht-TCM-Anwendung in der gleichen Zeit.


14. HINWEIS ZUR ANWENDUNGSendai2.jpg

1. Pflanzliche Medikamente entfalten ihre volle Wirkung erst nach einiger Zeit. Eine erste Wirkung ist nach 2 Wochen spürbar.

2. Eine Psychose dauert ein paar Wochen max. 3 Monate. Die Anwendung von pflanzlichen Medikamenten sollte daher auf diesen Zeitraum begrenzt bleiben oder nur für Phasen geschehen, wo es die Symptome erforderlich machen. Von einer Dauereinnahme ist abzuraten.

3. Pflanzliche Medikamente wirken nur auf der körperlichen Ebene, können daher die seelischen Ursachen nicht beheben, sondern nur die Symptome lindern. Psychosen sind Ausdruck eines seelischen Ungleichgewichts und ein wichtiges Signal der Psyche, eine Lernaufgabe das selbst schädigende Verhalten, wie die Unterdrückung Emotionen zum Positiven zu verändern. Für die Gesundung von Psychosen und Schizophrenie ist es daher empfehlenswert, wenn nicht gar notwendig aktiv auf allen Ebene an den wirklichen Ursachen zu arbeiten. (s. Artikel: Die 5 Ebenen der Heilung)


Ausgewertete Studien:

1. Alternative Therapie der Psychose: Potentielle Phytochemikalien und Wirkstoffziele bei der Behandlung von Schizophrenie. 2022

2. Pflanzliche Arzneimittel zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen: 10-Jahres-Aktualisierung, 2018

3. Wirksamkeit und Sicherheit des Extrakts aus Ginkgo biloba als Zusatztherapie bei chronischer Schizophrenie: Eine systematische Überprüfung randomisierter, doppelblinder, placebokontrollierter Studien mit Metaanalyse, 2015

4. Natürliche Arzneimittel für psychotische Störungen Eine systematische Überprüfung, 2018

5. Eine epidemiologische Studie zur gleichzeitigen Anwendung von chinesischer Medizin und Antipsychotika bei schizophrenen Patienten: Implikation für Wechselwirkungen zwischen Kräutern und Arzneimitteln, 2011

6. Arzneimittel auf pflanzlicher Basis (Phytoceuticals) in the Treatment of Psychiatric Disorders: A Meta-review of Meta-analyses of Randomized Controlled Trials, 2021

7. Ginkgo biloba Spezialextrakt EGb 761 bei generalisierter Angststörung und Anpassungsstörung mit ängstlicher Stimmung: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, 2006.

8. Ginkgo biloba Spezialextrakt EGb 761 bei generalisierter Angststörung und Anpassungsstörung mit ängstlicher Stimmung: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, 2007

9. Wirksamkeit und Sicherheit von Ginkgo-Biloba-Extrakt EGb 761 bei leichter kognitiver Beeinträchtigung mit neuropsychiatrischen Symptomen: eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde, multizentrische Studie, 2014.

10. Die Wirkung der Zugabe von Ginkgo-Biloba-Extrakt zu Olanzapin auf die therapeutische Wirkung und die antioxidativen Enzymspiegel bei Patienten mit Schizophrenie.

11. Zhang XY, Zhou DF, Su JM, Zhang PY. (2001a) Die Wirkung von Ginkgo-Biloba-Extrakt zu Haloperidol auf Superoxiddismutase bei stationären Patienten mit chronischer Schizophrenie . J Clin Psychopharmacol . 21 :85–88. [ PubMed ]

12. Zhang XY, Zhou DF, Zhang PY, Wu GY, Su JM, Cao LY. (2001b) Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit einem Extrakt aus Ginkgo biloba , der zu Haloperidol bei behandlungsresistenten Patienten mit Schizophrenie hinzugefügt wurde . J Clin Psychiatrie . 62 :878–883. [ PubMed ]

13. Zhang XY, Zhou DF, Cao LY, Wu GY. (2006) Die Wirkungen von Ginkgo-Biloba -Extrakt zu Haloperidol auf periphere T-Zell-Untergruppen bei drogenfreier Schizophrenie: Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie . Psychopharmakologie (Berl) . 188 : 12–17. [ PubMed]

14. Eine placebokontrollierte Studie mit Ginkgo-Biloba-Extrakt in Kombination mit Clozapin bei Patienten mit behandlungsresistenter Schizophrenie, 2008

15. Zhang WF, Tan YL, Zhang XY, Chan RC, Wu HR, Zhou DF. (2011a) Auszug aus Ginkgo biloba treatment for tardive dyskinesia in schizophrenia: A randomized, double-blind, placebo-controled trial . J Clin Psychiatrie . 72 : 615–621. [ PubMed ]