ANTIPSYCHOTIKA (8): Wie wirken Antipsychotika im Gehirn?

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Wie wirken Antipsychotika im Gehirn?

Wirkmechanismus der sogenannten Antipsychotika:


Kurzfristig können Antipsychotika, also während eines Schubs, die psychotischen Symptome, die mit einer Überaktivität der Dopaminrezeptoren einhergehen, unterdrücken. Jedoch nur 17% spüren eine leichte medizinisch nachweibare Verbesserung gegenüber einem Scheinmedikament (s. Artikel). Für ca. 8 Wochen haben also 17% etwas mehr Ruhe, aber danach überwiegen die Nachteile von Antisychotika und man fühlt sich ohne Medikamente besser. So zeigen es einige Studien und so würde ich es auch persönlich einschätzen. Ich nehme auch während eines Schubes keine Medikamente und das waren in den letzen 16 Jahren einige. Medikamente machen mich unbewusst, ich habe das Gefühl noch mehr die Kontrolle zu verlieren. Hier nun ein Bericht, was genau im Gehirn passiert.


Quelle:

Zusatzinformationen zur S3-Leitlinie Schizophrenie

https://www.depression-heute.de
Von Dr. Aderhold und Dr. Weinmann

Zitat (gekürzt und medizinische Fachbegriffe vereinfacht):



"Neuere bildgebende Verfahren lieferten Daten, die bei Menschen mit psychotischen Symptomen einer Überaktivität des Dopaminsystems entsprechen, einer Struktur unterhalb des Großhirns. Dies entspricht dem Erklärungsmodell, dass „Schizophrenie“ mit einer Hyperaktivität der Übertragung von Dopamin an Rezeptoren verbunden ist. Darüber hinaus deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass diese dopaminerge Überaktivität episodischer (verübergehender) Natur ist, also nur während einer psychotischen Episode besteht und nur einige Aspekte der Positivsymptomatik ausmacht (Guillin et al 2007).


Zugleich sind diese Veränderungen nur mit Positiv-, jedoch kaum mit Negativ- und nicht mit kognitiven Symptomen verbunden.

Und es gibt auch eine Patientengruppe mit psychotischen Symptomen, bei der diese Überaktivität gering oder gar nicht nachweisbar ist (also gar nicht existiert, aber trotzdem AP bekommen). Im Rahmen dieser Logik können sie daher auch nur gering oder sogar gar nicht auf die Antipsychotika ansprechen (Howes et al 2012).


Da solche Veränderungen an den Rezeptoren nicht nur genetisch sondern in vielfältiger Weise epigenetisch, also durch Umweltfaktoren bedingt sind, die diese genetischen Faktoren erst krankheitsrelevant werden lassen, ist mittlerweile hinlänglich belegt. (Howes & Murray 2014)


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Antipsychotika sind hingegen Substanzen, die den Dopaminrezeptor nur hinter der Synapse hemmen und damit diese Anormalität nicht gezielt rückgängig machen können, sondern nur auf die Folgen einwirken. Leider führen sie dadurch auch oft zu einer Zunahme (upregulation) dieser blockierten Dopaminrezeptoren, denn eine vermehrte Anzahl ist bei unbehandelten Patienten mit erster Episode nicht, jedoch häufig später nach Behandlungen mit Antipsychotika nachzuweisen.


Hinzu kommt eine dosisabhängige Super-Sensibilisierung der Dopamin-Rezeptoren als Anpassung an den Eingriff durch Antipsychotika. Tierexperimentell kommt es zu einer Verdreifachung ! der Dopaminrezeptoren nach Gabe von Antipsychotika. Dadurch entsteht an diesen Rezeptoren eine erhöhte Empfindlichkeit für Dopamin. Die sogenannte Reizoffenheit



Nicht sicher ist, ob diese negativen Hirnveränderungen bei jedem Behandelten und bei jeder Substanz gleich auftreten. Auch ist nicht sicher, wie lange sie nach dem Absetzen noch anhalten. Man geht aufgrund tierexperimenteller Daten von mehr als einem Jahr beim Menschen aus (Murray et al 2016), bis hin zu mehreren Jahren und potentiell auch von Irreversibilität (Chouinard et al 2008).


Damit besteht beim Absetzen von Antipsychotika eine erhöhte Rezeptorverfügbarkeit, und diese Supersensitivität kann Absetzphänomene (Absetzpsychosen) und ein erhöhtes Rückfallrisiko bedingen (Howes et al 2012). Diese Phänomene sind in der Methodik der bisherigen Medikamentenstudien nur unzureichend berücksichtigt, so dass viele Studien zur Wirksamkeit von Antipsychotika verfälscht sind.


Des Weiteren konnte durch bildgebende Verfahren darauf hindeuten, dass ein Defizit von Dopamin an der Entstehung kognitiver Symptome von Patienten mit Schizophrenie beteiligt ist (Guillin et al 2007). Da Antipsychotika jedoch nicht nur auf die subkortikale Region einwirken, also nicht selektiv sind, können sie damit auch zu einer Verschlechterung von Negativ- und kognitiven Symptomen führen (Howes et al 2012).


Und weil Antipsychotika Fremdmoleküle sind, die auch noch ganz andere Rezeptorgruppen blockieren können, kommt es zu den weiteren bekannten Nebenwirkungen."

Kommentare 3

  • Hallo Patrick

    Fand ich spannend zum Lesen.

    Wichtig als Ergänzung, dass diese Art von Person Ruhe brauchen. Wie erwähnt bin ich um die 20 und habe es jetzt erst verinnerlicht Xd. Finde cool, wie du die Blogs schreibst. Die Denkart sich simpel halten befürworte ich.

    Danke 1
    • Was ist denn Xd?


      Ich versuche die medizinische Fachtexte und Studien mit einem Haufen von Fachvokabular immer noch etwas einfacher zu schreiben, trotzdem habe ich das Gefühl es könnte noch einfacher sein. Daher Danke für Dein Feedback.

    • Lautlos Internetlachen. Ist ein Wort aus Gaming. Lieber Gruss