Neu Richtige Ernährung bei Schizophrenie (8): Die potenziellen Vorteile von Psychobiotika bei Schizophrenie und zur Linderung der Nebenwirkungen von Antipsychotika

Hallo Lieber schizophrenie-online.org Nutzer


Um diese Seite im vollen Umfang Nutzen zu können musst du dich Registrieren, erst dann ist das erstellen und beantworten von Beiträgen möglich. Auch der Chat und der nicht öffentliche Bereich ist nur für Registrierte Benutzer verfügbar.


Als Registrierter Nutzer profitierst du außerdem davon, dass du andere Mitglieder über Privat-Nachrichten oder E-Mail (anonymisiert) kontaktieren kannst.

Die potenziellen Vorteile von Psychobiotika bei Schizophrenie und zur Linderung der Nebenwirkungen von Antipsychotika.


Es folgt ein Auszug, Zitate und Vereinfachung von medizinischen Fachbegriffen aus den Studien:

"Darmmikrobiom bei Schizophrenie und Antipsychotika-induzierten Stoffwechselveränderungen" von 2021 (Quelle)

"Das Darmmikrobiom bei Schizophrenie und die potenziellen Vorteile einer präbiotischen und probiotischen Behandlung" von 2021 (Quelle)



Die erste Studie: (2021)

"Darmmikrobiom bei Schizophrenie und Antipsychotika-induzierten Stoffwechselveränderungen"


Zitat:

"Schizophrenie (SCZ) ist eine schwere psychische Störung von der weltweit 20 Millionen Menschen betroffen sind mit hoher Krankheitshäufigkeit und lebenslangen Behinderungsraten. Patienten mit Schizophrenie haben ein höheres Risiko, eine stoffwechselbedingte Folgeerkrankung wie Fettleibigkeit und Diabetes zu entwickeln, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führt. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung haben Patienten mit SCZ eine zwei- bis dreifach höhere Sterblichkeitsrate und eine um 10–25 Jahre reduzierte Lebenserwartung, hauptsächlich aufgrund der erhöhten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.


Ebenfalls sind Reizdarmsyndrom, entzündliche Darmerkrankungen und Zöliakie weit verbreitete Folgeerkrankungen bei SCZ. Neue vorklinische und klinische Studien weisen auf eine mögliche Assoziation zwischen SCZ und dem Darmmikrobiotika hin. Es wurde vorgeschlagen, dass SCZ mit chronischer Darmentzündung, Stoffwechselstörungen und oxidativem Stress verbunden ist. Die Folge von (oxidativem) Stress: Entzündungen und ein höheres Risiko von Krankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes und Krebs. Stress soll auch das zentrale Nervensystem schaden und zu Krankheiten wie Schlaganfall, Parkinson oder Alzheimer führen.


Leider wurde festgestellt, dass Antipsychotika, die die Hauptstütze der Behandlung von SCZ-Spektrum-Erkrankungen sind, dieses Risiko weiter verschärfen. Alle Antipsychotika und insbesondere Antipsychotika der zweiten Generation verursachen schwerwiegende stoffwechselbedingte Nebenwirkungen, einschließlich Gewichtszunahme, Fettleibigkeit, Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, bei der die Zusammensetzung der Blutfette verschoben sind.


In den letzten Jahren wurde die Darmmikrobiota als „Kammer des Schreckens“ angesehen, insbesondere im Zusammenhang mit schweren psychischen Erkrankungen wie SCZ, Depressionen und bipolaren Störungen. Eine systematische Literaturrecherche ergab 46 Studien aus präklinischen und klinischen Studien, die die Einschlusskriterien erfüllten. Vorläufige Beweise aus präklinischen und klinischen Studien weisen darauf hin, dass Veränderungen der Darmmikrobiota-Zusammensetzung mit der Entstehung und Entwicklung von Schizophrenie und der durch Antipsychotika verursachten Stoffwechselstörungen zusammen hängen.


Rolle der Darmmikrobiota-Zusammensetzung bei Schizophrenie und der durch Antipsychotika verursachten Stoffwechselstörungen


Neue Erkenntnisse aus präklinischen und klinischen Studien deuten auf die mutmaßliche Rolle des Darmmikrobiom bei der SCZ-Symptomatologie und Antipsychotika verursachten Stoffwechselstörungen hin.


Chronisch mit Antipsychotika behandelte SCZ-Patienten mit Stoffwechselstörungen, einschließlich Diabetes, Gewichtszunahme und Bluthochdruck, zeigten ebenfalls eine veränderte Darmmikrobiom-Zusammensetzung.



Klinischer Beweis


In den letzten zehn Jahren wurden mehrere klinische Studien durchgeführt, um das therapeutische Potenzial von Präbiotika/Probiotika bei SCZ und Antipsychotika verursachten Stoffwechselstörungen zu untersuchen.


Probiotika sind lebende Organismen, hauptsächlich Bakterien, die bei Einnahme in angemessenen Mengen therapeutische Vorteile entfalten. Präbiotika sind das komplexe und unverdauliche Nahrungsmaterial die die Darmbakterien nähren und die gesundheitlichen Vorteile fördern. Wenn Probiotika und Präbiotika zusammen eingenommen werden, werden sie als „Synbiotika“ bezeichnet. Wenn sie bei Patienten mit psychischen Erkrankungen einen therapeutischen Nutzen bringen, werden sie als „Psychobiotika“ bezeichnet.


Die Symptome von SCZ werden als positiv (Vorhandensein von psychotischen Symptomen), negativ (z. B. Motivationsmangel, sozialer Rückzug) und kognitiv (z. B. beeinträchtigtes abstraktes Denken) kategorisiert. Die Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS) ist eine klinische Skala zur Messung der Symptomschwere von Patienten mit SCZ- und Antipsychotika Behandlungswirksamkeit.


- In Studien am Menschen wurde eine probiotische Formulierung, die den Lactobacillus rhamnosus- Stamm GG und Bifidobacterium animalis subsp. lactis Bb12 bei SCZ-Patienten in drei verschiedenen klinischen Studien angewendet. Obwohl die probiotische Behandlung die PANSS-Gesamtwerte nicht beeinflusste fand eine Studie heraus, dass sie sowohl die Schwere der positiven als auch der negativen Symptome verringerte, mit einer größeren Wirkung für erstere. Weitere Wirkungen der probiotischen Behandlung bei diesen Patienten waren weniger Schwierigkeiten beim Stuhlgang und verringerte Entzündungsfaktoren im Darm. Diese Ergebnisse unterstützen die immunmodulatorischen Wirkungen von Probiotika bei SCZ-Patienten.


- In einer anderen Studie wurde festgestellt, dass eine probiotische Formulierung, die Bifidobacterium breve A-1 enthält, die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) (Angst und Depressionsskala) und PANSS-Scores ( Positiven/Negativen/Kognitiven Symptome) bei SCZ-Patienten verbessert.


- Vor kurzem wurde gezeigt, dass eine probiotische Nahrungsergänzung (Kombination aus Bifidobacterium, Lactobacillus und Enterococcus) die durch Olanzapin induzierte Gewichtszunahme nach 4 Wochen abschwächt, obwohl dies nach 8 und 12 Wochen Behandlung nicht anhielt.


Die zweite Studie: (2021)

"Das Darmmikrobiom bei Schizophrenie und die potenziellen Vorteile einer präbiotischen und probiotischen Behandlung"


Zitat:

"Das Darmmikrobiom spielt eine entscheidende Rolle bei der wechselseitigen Kommunikation zwischen dem Verdauungstrakt und zahlreichen neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie. Außerdem ist die Modulation der Mikrobiota durch den Einsatz von Psychobiotika (Präbiotika und Probiotika mit nahrungpharmazeutischer Wirkung) mit der Verbesserung der körperlichen und psychopathologischen Gesundheit verbunden.


Negative und kognitive Symptome sind in erster Linie für die behindernden Merkmale von SCZ verantwortlich, da sie signifikant weniger auf eine Behandlung mit antipsychotischen Medikamenten ansprechen als positive Symptome.


Chronische Schizophrenie

Fünf Studien haben die Darmmikrobiota-Zusammensetzung bei chronisch mit Antipsychotika behandelten SCZ-Patienten und gesunden Kontrollpersonen untersucht, was auf beträchtliche Unterschiede zwischen den Studiendesigns und den berichteten Ergebnissen hinweist. Sie zeigten eine signifikante Abnahme der Darmmikrobiota-Alpha-Diversität bei SCZ-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen.


Insbesondere wurde berichtet, dass SCZ-Patienten niedrigere Konzentrationen der Familie der Lachnospiraceae aufweisen , von denen berichtet wurde, dass sie gesundheitsfördernd sind, wie Butyrat und andere kurzkettige Fettsäuren.


Während Konsens darüber besteht, dass SCZ-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen einen veränderte Darmmikrobiota aufweisen, ist die Evidenz bezüglich spezifischer beteiligter Taxa (Bakterienarten) widersprüchlich. Aufgrund der geringen Stichprobenumfänge in einigen Studien hätte eine bestimmte Erhöhung und/oder Verringerung der Häufigkeit möglicherweise keine statistische Signifikanz erreicht.


ijms-22-07671-g003.jpg




Beweise für eine psychobiotische Intervention bei Schizophrenie


- Probiotika haben sowohl in vorklinischen als auch in klinischen Studien gezeigt, dass sie Angst, Kognition, neurale Aktivität, Stress und Signalgebung verbessern. [ 19 , 22 , 76 , 77 , 78 , 79 ]


- Eine andere Studie beobachtete, dass Präbiotika einige metabolische Nebenwirkungen lindern können, die mit der Verwendung von Antipsychotika verbunden sind. Kaoet al. (2018)


- In einer randomisierten Kontrollstudie absolvierten 58 Patienten mit SCZ oder schizoaffektiver Störung eine 14-wöchige probiotische Behandlungsstudie neben ihrer üblichen antipsychotischen Behandlung. Die probiotische Mischung enthielt Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium animalis . Die probiotische Nahrungsergänzung führte bei SCZ-Patienten zu einer Verringerung Darmentzündung. [ 86 ]


- Patienten, die mit Probiotika behandelt wurden, entwickelten auch seltener schwere Darmbeschwerden. [ 87 ].


- In einer neueren Studie wurde SCZ-Patienten 4 Wochen lang das probiotische Bifidobacterium breve A-1 verabreicht, und es wurden Verbesserungen bei Angstzuständen, Depressionen und bei Positiven/Negativen/Kognitiven Symptome (PANSS-Scores) beobachtet. [ 89 ]


- Ghaderi et al. (2019) untersuchten die Behandlung mit probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln bei SCZ-Patienten durch die Verabreichung einer Kombination aus Vitamin D und einer probiotischen Mischung, die Bifidobacterium bifidum , Lactobacillus acidophilus , Lactobacillus fermentum und Lactobacillus reuteri für 12 Wochen enthielt.[ 90 ] Es wurde eine signifikante Abnahme der Stoffwechselanomalien festgestellt, was auf eine verringerte Entzündung hinweist, zusammen mit Verbesserungen der allgemeinen und gesamten PANSS-Werte (Positiven/Negativen/Kognitiven Symptome) und der gesamten antioxidativen Kapazität des Plasmas.


Fazit:

Insbesondere bei schweren psychischen Erkrankungen und den damit verbundenen metabolischen Begleiterkrankungen gilt das Darmmikrobiota als „Kammer des Schreckens“. Psychobiotische Zusatzstoffe könnten von großem Interesse sein, um psychiatrische Symptome zu verbessern und schwere metabolische Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Antipsychotika zu minimieren. Der Einsatz von Präbiotika und Probiotika zur Behandlung der Symptome von Schizophrenie und seiner Folgeerkrankungen ist vielversprechend, befindet sich jedoch noch in den Anfängen."