03.09.22

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Hallo,

am Donnerstag war ein ruhiger Tag, wo ich mich viel entspannt habe oder das zumindest versuchte. Dafür war nämlich der Freitag, also gestern, umso anstrengender:

Wir mussten gleich morgens losfahren zu einem Untersuchungstermin von H. Ich wollte nicht mit, aber der Weg dorthin dauert eine Stunde und ist ziemlich schwierig zu finden, also habe ich meinem Mann den Weg angesagt, den ich per Smartphone über Google maps angezeigt bekam. Dort angekommen mussten wir wirklich nur ganz kurz warten und er war genau zu seinem Termin dran , da es um ein bildgebendes Verfahren ging, musste ich im Warteraum warten. Doch da waren so viele Menschen, die guckten und einige tuschelten, dann wurde einer im Krankenbett vorbei geschoben - das alles war mir schon bald zu viel und er kam und kam nicht zurück. Irgendwie bin ich dann gedanklich durchgedreht und dachte er ist zur anderen Seite raus und fährt ohne mich nach Hause *Kopfschüttel* ich habe fast geheult und überlegte gerade nach draußen zu gehen, wo unser Auto steht ( oder stand?) als er wiederkam. Als ich dann auf die Uhr sah war es ziemlich genau eine halbe Stunde um - also gar nicht so lange. Anfangs hatten die ein TV im Wartezimmer an, mit einer Kochshow aber als er abgeschaltet wurde bildete ich mir ein das wäre nur wegen mir so - da begann ich psychisch abzudriften...

Als wir die Strecke wieder zurückgefahren waren mussten wir unsere Tochter von Bekanntschaft abholen, die sie zusammen mit der eigenen Tochter von der Klassenfahrt abgeholt haben. Als meine Tochter mich sah musste sie weinen, das sah ich ihr sofort an, sie verkniff es sich bis wir , ganz schnell, alleine waren und dann liefen die Tränen. Sie fand alles schlecht bei der Fahrt. Es fing damit an, dass sie nachts nicht schlafen konnte, weil ein Mädel im Zimmer so laut war, dass ständig die Lehrerin kommen und schimpfen musste. Am nächsten Tag bekam sie ihre Menstruation und - obwohl ich ihr sagte sie soll was einpacken - sie hatte keine Hygieneartikel für diesen Fall dabei. Nun musste die Lehrerin mit ihr einkaufen gehen und das Geld auslegen. War meiner Tochter natürlich sehr unangenehm, doch sie konnte ja nix anderes tun. Nun hatte sie Schmerzen und Unwohlsein, aber da sie nicht zu Hause war konnte sie sich nicht entspannen, sondern musste das Programm durchziehen. Unter anderem eine 9km Wanderung durch den Wald - wo es ja keine Toilette gab... die andere Nacht war genauso schlecht. Ihre Freundinnen waren blöd, die eine verhielt sich wohl ganz anders als sonst ( als wolle sie zu den coolen gehören), was auch die anderen Mädchen fanden, und die andere ist schon seit Schuljahresbeginn etwas verändert. Nun war es ja eine berufsorientierungsfahrt. L war im Service, was sie ok fand und bei MetallVerarbeitung, wo sie ein knobelspiel aus Metall hergestellt hat: sieht toll aus und ist wirklich knifflig. Sie findet es toll, würde aber, soweit ich verstanden habe ,nicht in einen solchen Beruf einsteigen.

Ich hatte mit meiner Tochter ein Gespräch in dem es um sie und ihre Geschwister und ihre Oma ging. Sie versteht wie ich handele und denke und findet es richtig und gut. Mich hat das Thema allerdings erneut betroffen gemacht.

Dann habe ich gestern Abend mit meinem Mann gestritten - nur 5 Minuten, dann hat er sich für sein Fehlverhalten entschuldigt und gemeint er wird das nicht mehr machen und ich habe zugegeben, dass ich vielleicht momentan etwas überreizt bin und er (vielleicht? )doch nicht so schlimm war. Wir haben uns gedrückt, ich habe noch ewig geheult und danach war es wieder gut zwischen uns. Ich habe ihm vorgeworfen, dass er seit Tagen nur noch mit mir schimpft, egal was ich tue und dass er mich total unter Druck setzt mit seinem ständigen ich solle mehr tun. Ich habe ihm gleichzeitig Verständnis dafür gezeigt, ihm gesagt er wird immer älter, kränkelnder und baut total ab - daher verstehe ich dass ich mehr tun soll und er sich Sorgen macht wie es weiter geht, aber ich habe ihm auch gesagt, dass ich mir schon Mühe gebe und es geht einfach nicht mehr. Er war sehr betroffen, meinte es wäre ihm gar nicht aufgefallen, dass er so war.

Doch er ist nicht der Einzige der sich über die Zukunft Gedanken macht: mein Sohn F ist da auch dabei, er saß so nachdenklich da und dann meinte er er hoffe sein Papa und ich würden noch leben bis er erwachsen ist. Ich sagte ihm na klar tun wir das, wir wollen ja schließlich noch unsere Enkel in den Arm nehmen. Und er so, wenn zuerst die Mama stirbt dann kommen sie nicht mehr klar und der Papa stirbt auch, weil keiner mit seinen Tabletten klarkommt und weil keiner die Finanzen Regeln kann und keiner kauft im Internet ein ... er hatte viele Argumente und als diese Liste beendet war sagt er und wenn Papa zuerst stirbt dann stirbst du auch. Ich frage ihn so wie er darauf kommt, aus Traurigkeit? Und er antwortet ganz trocken "weil du dich dann umbringst" . Ich musste erstmal durchatmen und blitzschnell überlegen wie ich das entkräften kann. Also habe ich einfach den Anfangssatz wiederholt: mach dir nicht so viele Sorgen, wir werden noch mindestens bis du erwachsen bist leben, schließlich möchten wir unsere Enkel in den arm nehmen. Er sah noch kurz nachdenklich aus und dann war das Thema beendet und er war im tagesverlauf auch wieder fröhlich wie eh und je. Traurig war ich dann aber...

Heute wird hoffentlich ein besserer Tag.


LG hejemalafa