11.07.2021

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Mir wurde ganz mulmig, als ich Miri am Donnerstag so hautnah erlebte. Sie sprach kaum ein Wort, sah Rami und mich überwiegend misstrauisch wirkend an. War Elli diesmal sehr zugewandt und strahlte mich mit leuchtenden Augen an, als ich sie zum Ende hin liebevoll verabschiedete. Ich verbrachte dann noch etwas Zeit mit meiner Enkelin im Zimmer und sortierte danach zwei Stunden ihren Kleiderschrank. Elli ist in den letzten 1,5 Jahren enorm gewachsen, was J. freuen wird, da sie die Kleidung "erbt". Elli war tiefenentspannt und erfüllt von einer Übernachtung in der Schule. Sie amüsierte sich über allerlei Begebenheiten an diesem Nachmittag.

Ich selber kämpfte mal wieder mit den Tränen als ich nach Hause fuhr, da mir Miri' s Zustand nicht aus dem Kopf ging. Ein Energietrink nach dem anderen gluckerte durch ihre Kehle. Mein Hinweis, das es in ihrer besonderen Situation gilt, als erstes eine Wohnung zu finden, schien bei ihr angekommen zu sein. Ihr Zeitgefühl liegt aktuell im Argen. Wieder eine Woche vorbei und nichts ist geschehen. Miri ist augenscheinlich mit der Scheidung (gedanklich) beschäftigt und hat keine Zeit um sich um die existenzellen Dinge zu kümmern. Ich kaue mal wieder alle Möglichkeiten die ich habe durch und zwinge mich zur Ruhe. Miri treibt sich in den Ruin und ich sehe dabei zu, da mir klar ist, dass sie an ihre ganz persönliche Leidensgrenze kommen muss um nachhaltig zu verstehen, dass sie ihr Medikament nehmen muss um alltägliches zu leisten. Es kommt auch keine Bitte um Hilfe. Also warte ich weiter ab und beobachte was geschieht.


Die aktuellen Vermieter haben ihren Anwalt konsultiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es ein Eigentor wäre mir ein Schreiben für das Betreuungsgericht zu verfassen. Die Logik kann ich nachvollziehen. Man kann niemanden so einfach aus der Wohnung werfen, weil er eine Erkrankung hat. Sie würden damit bestätigen, dass sie Miri in einem psychisch instabilen Situation die Kündigung akzeptieren/unterschreiben haben lassen. Sie wissen, dass ihre Kündigung des Mietvertrages auf sehr wackeligen Beinen steht, da es sie als Vermieter nichts angeht, wie lange jemand sein Licht brennen lässt, sich etwas zum Essen kocht oder nicht, wie oft der Briefkasten geleert wird und ob jemand in Arbeit ist oder zuhause den ganzen Tag herumhockt usw.. Das alles sind Dinge die sie nicht verstehen, aber keine Gründe für eine Kündigung, solange die Miete pünktlich auf dem Konto ist und keine Gefahr für das Eigentum besteht.


Fact ist aber auch, dass Miri weder die Wohnung, das Umfeld noch die Vermieter mag und da weg will.


Ich selber bin in dieser Woche fast zufrieden mit mir. Ich habe alles bis auf ein paar Kleinigkeiten gut auf die Reihe gebracht und war dabei innerlich entspannt und habe jeden Gedanken an Miri den Rest der Woche verbannt. Habe eine Konfliktsituation mit meinem Enkel J. letzten Samstag, gut und wie es scheint nachhaltig gemeistert. Er pubertiert ganz ordentlich und findet, dass er keinen "Babysitter" braucht wenn seine Eltern arbeiten. Er erklärte mir entschieden, dass er tue was er wolle, nachdem ich ihm nicht erlaubte die Meerschweinchen morgens bei 11 Grad zu baden, statt ihr Gehege ordentlich zu säubern. Es verlangte meinen entschiedenen Körpereinsatz ihm deutlich zu machen, dass ich die Altglucke und er das Küken sei. Seine Wut äußerte sich in konsequenter Verweigerung über den gesamten Vormittag. Er saß zur Strafe den ganzen Nachmittag ohne Beschäftigung in seinem Zimmer, was seine Mama Gott sei Dank ohne Mitleid durchzog. Die Folge war, das J. gestern um zehn mit seinen Aufgaben fertig war und wir einen Kurzausflug in einen Aktivity Park mit dem Fahrrad machen konnten. Jetzt findet er mich wieder super...lach. Seine kleine Schwester beobachtete das Geschehen zwischen uns gespannt und verhielt sich mustergültig.


Mein Mann übertraf sich an Fleiß im Haus und Garten. Er entlastete mich wo er nur konnte. Hätte nie gedacht, dass er so viel schafft. Diesmal kam das Verhältnis ins Ungleichgewicht. Ich fühle mich trotzdem weniger schuldig und sehe es als Ausgleich zu den Jahren davor. Grins... Muss jetzt aufpassen, dass ich nicht anfange mich darauf zu verlassen und mich darauf ausruhe.


Heute geht es auf die Geburtstagsfeier von meinem Enkel J.. Ich habe ihm ein schönes Fahrrad besorgt, für das wir alle zusammengelegt haben und freue mich über sein Gesicht, da er damit so gar nicht rechnet. *hug* Rami ist auch dabei...Freude...