👨👩👧 Erste Hilfe bei Schizophrenie – für Angehörige
Was tun, wenn jemand dem du nahestehst eine psychotische Krise erlebt
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Bei unmittelbarer Gefahr – sofort handeln: Wenn die betroffene Person sich selbst oder andere bedroht oder verletzt, ruf sofort 112 (Notruf). Deine eigene Sicherheit hat Vorrang.
1 Krisen-Hotlines für Angehörige
🇩🇪 Deutschland
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
Auch für Angehörige · kostenlos · 24/7 · anonym
🇩🇪 Deutschland
BAPK – Beratungstelefon für Angehörige
030 2267 8282
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen · Mo–Fr
🇦🇹 Österreich
HPE Österreich – Beratungstelefon
01 544 00 19
Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter · Mo–Fr
🇨🇭 Schweiz
Dargebotene Hand
143
kostenlos · 24/7 · anonym · auch für Angehörige
2 Woran erkenne ich eine psychotische Krise?
Nicht jede psychotische Episode sieht gleich aus. Folgende Zeichen können auf eine akute Psychose hinweisen – du musst nicht alle sehen, um Hilfe zu holen:
🗣️
Die Person spricht mit Stimmen, antwortet auf Dinge, die andere nicht hören, oder ist von Gedanken überwältigt, die sich aufdrängen
👁️
Sie scheint Dinge zu sehen oder zu erleben, die andere nicht wahrnehmen
🧩
Der Gedankengang wirkt chaotisch, unverständlich oder springt von Thema zu Thema ohne erkennbaren Zusammenhang
🔒
Starker Rückzug, Verweigerung jeglichen Kontakts, Vernachlässigung von Essen, Trinken, Körperpflege
😰
Starke Angst oder das Überzeugtsein, beobachtet, verfolgt oder bedroht zu werden
⚡
Plötzlich stark veränderte Stimmung – extremer Antrieb, Euphorie oder tiefe Hoffnungslosigkeit
🌙
Kein oder kaum Schlaf über mehrere Tage
3 Was tun – Schritt für Schritt
- Ruhe bewahren. Deine Ruhe überträgt sich. Sprich langsam, ruhig und in kurzen Sätzen. Kein Streit, keine lauten Stimmen, keine schnellen Bewegungen.
- Nicht widersprechen – aber auch nicht mitspielen. Bestreite Wahnvorstellungen nicht direkt («Das stimmt nicht!») – das führt zu Eskalation. Aber bestätige sie auch nicht. Sag stattdessen: «Ich verstehe, dass du das so erlebst. Das klingt sehr belastend.»
- Psychiater, Klinikambulanz oder Krisendienst anrufen. Du musst nicht warten bis es «schlimm genug» ist. Ruf an und beschreibe die Situation – das Personal kann dir sagen, was als nächstes zu tun ist.
- Medikamente – nicht eigenmächtig ändern. Sorge dafür, dass die Person ihre Medikamente nimmt. Sprich mit dem Arzt, wenn das schwierig wird – nicht selbst Dosen anpassen.
- Reize reduzieren. Lärm, Fernsehen, viele Menschen – alles reduzieren. Ein ruhiger Raum, gedämpftes Licht, bekannte Umgebung helfen.
- Dokumentiere was du beobachtest. Notiere Symptome, Zeitpunkte, Veränderungen – das hilft dem Behandlungsteam enorm.
- Notruf 112 bei Gefahr. Wenn du dir Sorgen um die körperliche Sicherheit machst – warte nicht. Ruf 112 und sag, dass es sich um eine psychiatrische Krise handelt.
4 Was hilft – was verschlimmert
5 Was ist eine Zwangseinweisung – und wann ist sie nötig?
Eine Zwangseinweisung (in CH/AT: Fürsorgerische Unterbringung, FU; in DE: PsychKG-Unterbringung je nach Bundesland) ist nur möglich, wenn die Person sich selbst oder andere ernsthaft gefährdet und eine freiwillige Behandlung nicht möglich ist.
- Wer entscheidet: In der Regel ein Arzt (psychiatrischer Notfalldienst), in manchen Ländern auch Behörden oder Gerichte
- Was du tun kannst: Den psychiatrischen Notfalldienst oder den Hausarzt informieren – sie beurteilen, ob eine Einweisung notwendig ist
- Notruf 112: Bei unmittelbarer Gefahr – die Polizei kann einen psychiatrischen Notfalldienst hinzuziehen
- Rechtslage: Varies by country and region – see your local regulations (PsychKG in DE, UbG in AT, FKEG/ZGB in CH)
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Vergiss nicht: Du bist auch wichtig. Die Situation eines erkrankten Angehörigen zu bewältigen ist extrem belastend. Hol dir selbst Unterstützung – Angehörigengruppen, Beratungsstellen, Psychotherapie. Du kannst nur helfen, wenn du selbst nicht zusammenbrichst.
6 Langfristig: Wie kann ich unterstützen?
- Informiere dich über die Erkrankung – Unwissenheit erzeugt oft unnötige Angst und falsche Reaktionen
- Psychoedukation für Angehörige – viele Kliniken und Verbände bieten spezifische Angehörigenkurse an
- Regelmässiger Kontakt zum Behandlungsteam halten – wenn die Person einverstanden ist
- Eigenständigkeit respektieren – nicht überbehüten, nicht alles abnehmen. Krankheit ≠ Unfähigkeit
- Angehörigengruppen besuchen – der Austausch mit anderen in ähnlicher Situation hilft enorm
- Grenzen setzen – du bist kein professioneller Pflegemensch. Es ist in Ordnung, Grenzen zu haben