Diazepam

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  • Diazepam

    Diazepam ist ein psychoaktiv wirksamer Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit relativ langer Halbwertszeit von 24 bis 48 Stunden. Diazepam wirkt als allosterischer Modulator des GABAA-Rezeptors und verstärkt die inhibitorische Wirkung des Neurotransmitters γ-Aminobuttersäure (GABA). Dabei bindet Diazepam als Agonist an die Benzodiazepinbindungsstelle dieses Rezeptors (ein Chlorid-Ionenkanal) und bewirkt so seine konformationelle Änderung; diese erhöht die Rezeptor-Empfindlichkeit gegenüber GABA. Eine verstärkte GABA-Aktivität resultiert in einer erhöhten Öffnungsrate am Chloridkanal und damit in einem verstärkten Einstrom von Chloridionen in die Zelle. Die Erhöhung der intrazellulären Chloridkonzentration führt durch Hyperpolarisation zu einer verminderten Erregbarkeit der Zelle.

    Geschichte:
    Diazepam wurde von Leo Sternbach entwickelt und erstmals 1963 von der Fa. F. Hoffmann-La Roche unter dem Handelsnamen Valium® auf den Markt gebracht. Nach Chlordiazepoxid (1960) war es das zweite Benzodiazepin.

    Wirkung:
    Diazepam wirkt anxiolytisch (angstlösend), antikonvulsiv (antiepileptisch), muskelrelaxierend (muskelentspannend) und sedierend (beruhigend).

    Indikation:
    Die Anwendungsgebiete (Indikationen) von Diazepam sind: Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände. zur Prämedikation (Vorbereitung auf die Anästhesie) vor diagnostischen oder chirurgischen Eingriffen. Zustände mit erhöhter Muskelspannung (z.B. Status epilepticus = anhaltender epileptischer Anfall)

    Kontraindikation:
    Der Wirkstoff Diazepam darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden:

    •Überempfindlichkeit gegen Diazepam oder
    andere Benzodiazepine
    •Abhängigkeitsanamnese (Alkohol, Arzneimittel,
    Drogen)
    •akute Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel-
    sowie Psychopharmakaintoxikation
    (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)
    •Myasthenia gravis
    •schwere Ateminsuffizienz
    •Schlafapnoe-Syndrom
    •schwere Leberinsuffizienz
    •Neugeborene und Säuglinge bis zum Alter von 6
    Monaten

    Schwangerschaft & Stillzeit
    Diazepam sollte nicht während der Stillzeit und Schwangerschaft angewendet werden, da es in die Muttermilch übertritt und vom Neugeborenen wesentlich langsamer metabolisiert wird als von Kindern oder Erwachsenen. Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.

    Diazepam und Alkohol
    Diazepam darf auf keinen Fall zusammen mit Alkohol eingenommen werden, da dieser die Wirkung des Medikaments in unvorhersehbarer Weise verändern und verstärken kann.

    Nebenwirkungen:

    •Kopfschmerzen
    •Schwindel
    •Benommenheit, vor allem am nächsten Tag
    •Müdigkeit
    •Schläfrigkeit
    •Konzentrationsstörungen
    •Delirium (Verwirrtheit)
    •Gedächtnislücken (kurzzeitig)
    •Koordinationsstörung, wie z.B.:
    •Gangunsicherheit
    •Sehstörungen, wie Doppeltsehen
    •Sprachstörungen
    •Sonderbare (paradoxe) Reaktionen, wie:
    Schlaflosigkeit
    Aggressives Verhalten
    Ruhelosigkeit, Agitation, Reizbarkeit,
    Wahnvorstellungen,
    Wutausbrüchen, Albträumen, Halluzinationen,
    Psychosen
    •Erhöhter Muskeltonus (Spannungszustand des
    Muskels)
    •Selbstmordgedanken

    Vergiftung:
    Diazepam kann in hoher Überdosierung eine Atemdepression bis hin zum Atemstillstand hervorrufen. Dabei kommt es unter anderem zum Blutdruckabfall bis hin zum Herzkreislaufstillstand. Als Antidot (Gegengift) bei Vergiftungen mit Benzodiazepinen kann der spezifische Antagonist Flumazenil verwendet werden.

    Toxikologische Daten
    249 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)
    25 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.v.)

    Sucht:
    Außerdem birgt jede Dauerbehandlung mit Benzodiazepinen (länger als sechs bis acht Wochen "am Stück"), gleich in welcher Indikation, die Gefahr, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt. Bei längeren Einnahmezeiten, selbst in therapeutischen Dosierungen, kann es beim abrupten Absetzen zu Entzugserscheinungen wie Wahrnehmungsstörungen oder psychotischen Symptomen kommen. Es können dann auch Rebound-Phänomene mit Angst, Schlaflosigkeit und Muskelzucken neben Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinstrübungen auftreten. Benzodiazepine dürfen daher nie abrupt abgesetzt, sondern müssen ausgeschlichen werden (kontinuierliche und langsame Verringerung der ursprünglich eingenommenen Dosierung). Da der Kalte Entzug bis hin zum Tod führen kann.

    Eine solche Low Dose Dependency im Rahmen einer Anwendung von therapeutischen und bestimmungsgemäßen Dosierungen wird oftmals leider noch immer übersehen oder nicht ernst genug genommen, dabei kommt diese Form der Abhängigkeit von diesen Mitteln am häufigsten vor. Eine Tendenz zur Dosissteigerung muss also nicht vorliegen.

    Eine unkontrollierte Langzeitverordnung mit steigenden Dosierungen sollte unbedingt vermieden werden. Als Reaktion auf eine solche Hochdosisanwendung kann es zu einer spürbaren und auch von Bezugspersonen erkennbaren Einschränkung von sozialen Kompetenzen und der emotionalen "Schwingungsfähigkeit" kommen, bis hin zu psychotischen Indolenzen mit unerklärlichen Erinnerungslücken und einem Nachlassen der Leistungsfähigkeit. Diese Entwicklungen sind oft auch mit Verlusten von Beziehungen und Arbeitsverhältnissen verbunden.

    Die meisten Benzodiazepine sind für eine Anwendungsdauer von acht bis vierzehn Tagen zugelassen. Eine Verordnung für Menschen mit bestehenden oder bekannten Abhängigkeitsproblemen ist kontraindiziert, diesen Personen sollten keine Benzodiazepine verordnet werden. Es besteht im Übrigen eine Kreuztoleranz mit Alkohol, sodass sich Alkoholikerinnen und Alkoholiker ganz auf Benzodiazepine umstellen können.

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