1 Steckbrief
2 Geschichte
Chlorprothixen gehört zur Gruppe der Thioxanthene und wurde in den 1950er Jahren entwickelt – kurz nach Chlorpromazin, dem ersten Antipsychotikum überhaupt. Es ist chemisch eng verwandt mit Flupentixol und Zuclopenthixol, hat aber ein deutlich anderes klinisches Profil: stärker sedierend, schwächer antipsychotisch. In Deutschland und der Schweiz wird Truxal bis heute verschrieben, vor allem bei Angst- und Schlafstörungen sowie leichteren psychotischen Zuständen.
3 Wirkweise
Chlorprothixen blockiert Dopamin-D1/D2-Rezeptoren (antipsychotischer Effekt), Histamin-H1-Rezeptoren (starke Sedierung), Alpha-1-Adrenozeptoren (Blutdruckabfall) und Muskarin-Rezeptoren (anticholinerge Effekte). Durch die ausgeprägte Histamin-Blockade wirkt es stark beruhigend und schlafanstoßend – ähnlich wie Quetiapin in niedriger Dosierung.
4 Einsatzbereiche
- Psychosen / Schizophrenie: Eher bei leichteren Verläufen oder als Begleitmedikation – für schwere Psychosen sind höher-potente AP wirksamer
- Angst- und Spannungszustände: Rasche beruhigende Wirkung, kein Abhängigkeitspotenzial (Vorteil gegenüber Benzodiazepinen)
- Schlafstörungen (off-label): Wegen der starken H1-Blockade – nicht abhängigkeitsbildend, daher Alternative zu Schlafmitteln
- Entzugsbehandlung: Unterstützend bei Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug (dämpfend, anxiolytisch)
- Ältere Patienten: Häufig eingesetzt wegen des milden Profils – aber Vorsicht wegen Blutdruckabfall und Sturzgefahr
5 Nebenwirkungen
6 Dosierung
| Indikation | Dosis | Hinweis |
|---|---|---|
| Angst / Unruhe (leicht) | 15–45 mg/Tag | Ggf. als Einmalgabe abends |
| Schlafstörungen (off-label) | 15–50 mg abends | Einmalgabe 30–60 Min. vor dem Schlafen |
| Psychosen (leicht–mittel) | 75–200 mg/Tag | Auf 2–3 Gaben verteilen |
| Schwere Psychosen | Bis 300 mg/Tag | Höher-potente AP oft wirksamer |
| Ältere Patienten | 15–50 mg/Tag | Niedriger starten, langsam steigern |
7 Laborkontrollen
| Parameter | Empfehlung |
|---|---|
| EKG (QTc-Zeit) | Vor Beginn und bei Dosiserhöhung |
| Blutdruck | Regelmässig – besonders zu Beginn und bei Älteren |
| Prolaktin | Bei Beschwerden (Zyklusstörungen, Potenzprobleme) |
| Gewicht / BMI | Regelmässig |
| Blutbild | Gelegentlich |
8 Wichtige Wechselwirkungen
| Substanz | Wechselwirkung |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkt Sedierung stark – möglichst vermeiden |
| Benzodiazepine / Schlafmittel | Additive Sedierung – Sturzgefahr, Atemdepression |
| QT-verlängernde Mittel | Herzrhythmusstörungsrisiko steigt – EKG |
| Antihypertensiva | Additiver Blutdruckabfall – besonders bei Älteren |
| Anticholinerge Mittel | Additive anticholinerge Effekte (Mundtrockenheit, Harnverhalt) |
| Levodopa (Parkinson) | Gegenseitige Wirkungsabschwächung – Kombination problematisch |
9 Truxal vs. ähnliche Substanzen
| Substanz | Sedierung | Motorische NW | Blutdruckabfall | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Chlorprothixen (Truxal) | Stark | Gering | Mittel–stark | Niedrig-potentes Thioxanthen |
| Quetiapin (Seroquel) niedrig | Stark | Sehr gering | Mittel | Sehr häufig off-label |
| Melperon (Eunerpan) | Mittel | Gering | Gering | Kein QTc-Problem |
| Pipamperon (Dipiperon) | Mittel | Sehr gering | Gering | Besonders bei Älteren |
| Promethazin (Atosil) | Sehr stark | Keine | Stark | Antihistaminikum, kein AP |
9.1 💬 Community-Erfahrungen mit Truxal
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Fragen, die die Community beschäftigen:- Wer nimmt Truxal – wofür genau (Psychose, Angst, Schlaf)?
- Wie stark war die Sedierung bei euch – war sie eher Vorteil oder Nachteil?
- Erfahrungen mit dem Blutdruckabfall – besonders beim Aufstehen?
- Hat Truxal bei euch als Schlafmittel-Ersatz für Benzodiazepine funktioniert?
- Vergleich mit anderen niedrig-potenten AP wie Melperon oder Quetiapin?